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Der eigene Besitz eines Fahrzeugs ist vor allem jungen Menschen immer weniger wichtig. Viele würden lieber Robotaxis fahren, als ein eigenes Auto zu besitzen: Unter Stadtbewohnern in den USA sind es bereits 40 Prozent, unter jungen Chinesen 26 Prozent. Auch der Anteil der Menschen, die Carsharing, Ridesharing oder Taxis nutzen, steigt: In Deutschland hat er sich in nur einem Jahr verdoppelt. Dies sind einige der Ergebnisse, die die Automobilexperten von Roland Berger für den neuen „Automotive Disruption Radar“ ermittelt haben.

„Die Idee vom fahrerlosen Mobilitätsdienst entwickelt sich gerade von einem technologischen Traum zur konkreten Anwendung“, sagt Wolfgang Bernhart, Partner von Roland Berger. „Schaut man sich verschiedene Indikatoren an, die wir regelmäßig erheben, wird klar, dass sich der Mobilitätsmarkt rasch ändert“, so der Experte.

Und weiter: „Faktoren wie die drohenden Fahrverbote in Innenstädten könnten die Entwicklung zusätzlich antreiben“, erklärt Bernhart. „Und auch auf dem Land sind neue Formen der Mobilität gefragt – unter anderem bedingt durch die älter werdende Bevölkerung. Robocabs könnten hier in den kommenden Jahren stark zum Einsatz kommen.“

Analysten von TrendForce, einem großen Marktforschungsunternehmen, gehen davon aus, dass zwischen 2018 und 2023 die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate für Services rund um die selbstfahrenden Taxis auf 81 Prozent anwächst. Eine beachtliche Zahl.

Viel Testbetrieb
Autonome Taxis scheinen die Branche zu bewegen – im wahrsten Sinne des Wortes. So gab Uber bereits vor zwei Jahren die Zusammenarbeit mit Daimler, Ford und Volvo bekannt. Allein bei Volvo bestellte das Fahrdienstunternehmen 24.000 Fahrzeuge vor, die autonom fahren können. Volvo-Chef Håkan Samuelsson sagte dazu: „Wir wollen weltweit der Lieferant erster Wahl für Fahrdienstunternehmen sein, die autonom fahrende Autos anbieten.“ Daimler arbeitet zudem mit dem Zulieferer Bosch an selbstfahrenden Taxis und möchte diese schon in den kommenden Monaten auf die Straße bringen.

Auch Uber-Konkurrent Lyft hat mit General Motors und Google-Tochter Waymo potente Partner an seiner Seite. Für 2021 ist der Einstieg in den Markt für Robotertaxis geplant, auf der CES Anfang des Jahres demonstrierte das Unternehmen schon einmal seine selbstfahrenden Taxis.

Der asiatische Markt hat das Potenzial von selbstfahrenden Taxis ebenfalls längst erkannt. GrabTaxi, einer der größten Anbieter von Mitfahrservices in Südostasien, kooperiert mit dem Start-up NuTonomy, das sich auf die Entwicklung von autonom fahrenden Autos spezialisiert hat. Derzeit können einige ausgewählte Anwohner in Singapur per Smartphone-App innerhalb des Stadtteils One-North einen umgerüsteten, selbstfahrenden Mitsubishi i-MiEV zu sich vor die Haustür bestellen. Vorerst sind die Taxis auf einem sechs Kilometer langen Straßennetz in dem Stadtteil unterwegs. Pang Kin Keong, Staatssekretär in Singapurs Transportministerium, hofft darauf, auch die Branchenprimusse auf den Inselstaat zu locken. Dafür verspricht er geringe bürokratische Hindernisse. „Wir stellen finanzielle Ressourcen bereit und sind in der Lage, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, damit die Tests mit minimalem Aufwand schnell auf die Straße kommen“, so der Politiker.

Studie: bessere Luft und geringere Kosten
Wissenschaftler des Lawrence Berkeley National Laboratory (Berkeley Lab) und der Universität von Kalifornien in Berkeley (UC Berkeley) untersuchten in einer aktuellen Studie die Umwelt- und Kostenbilanz von selbstfahrenden Taxis. Dafür hatten die Wissenschaftler Daten der Robotaxis mit mehr als zehn Millionen Taxifahrten in New York verglichen.

Die Ergebnisse sind bemerkenswert positiv. Die sogenannten Shared Autonomous Electric Vehicles (SAEVs) seien deutlich günstiger als herkömmliche Taxis – in etwa um den Faktor zehn –, sie benötigten weniger Energie und hätten eine bessere Umweltbilanz, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift Environmental Science & Technology.

Chefforscher Jeffery Greenblatt erklärt, warum die Kosten für SAEVs geringer als für einen vergleichbaren Verbrenner ausfallen: „Die Elektroautohersteller konzentrieren sich auf den Pkw-Markt und versuchen, die Reichweite so groß wie möglich zu machen.“ Der Standard liege derzeit bei rund 320 Kilometern, die Anforderung an ein SAEV sei aber deutlich geringer. „Wir haben am Tag viele Gelegenheiten gefunden, bei denen ein Teil der Taxis zum Laden pausieren kann, und wenn es auch nur für ein paar Minuten ist.“ Der Akku könne kleiner ausfallen, was die Kosten senke, sagt Greenblatt.

Um die Pausen dann auch zum Laden nutzen zu können, muss eine gut ausgebaute Infrastruktur bereitstehen. „In Manhattan gibt es derzeit etwa 500 öffentlich zugängliche Ladestationen, inklusive der Tesla-Ladestationen“, so Projektleiter Gordon Bauer. „Wir haben festgestellt, dass wir diese Kapazität mindestens verdreifachen müssen.“

Anhand von zahlreichen Simulationen berechneten die Forscher, dass bei einer Reichweite der Fahrzeuge von etwa 80 bis 150 Kilometern die Kosten am geringsten seien. Auch für die Ladeinfrastruktur ermittelten sie den Optimalfall. Der liege bei 66 Ladestationen mit einer Leistung von 11 Kilowatt oder 44 Ladestationen mit einer Leistung von 22 Kilowatt auf jeweils etwa 2,5 Quadratkilometern.

Was würden selbstfahrende Taxis für den Markt bedeuten?
„Autonom fahrende Taxen –sogenannte Robocabs – werden voraussichtlich bis 2030 in den deutschen Markt drängen. Entsprechend werden viele Menschen diese Dienste auch in Anspruch nehmen, denn ihr Preis pro Personenkilometer liegt etwa 60 Prozent unter dem Preis herkömmlicher Taxen“, so das Marktforschungsunternehmen Roland Berger gegenüber „Focus Online“.

Die Folge: Der öffentliche Personennahverkehr würde Kunden verlieren und müsste entsprechend seine Preise erhöhen, um die fehlenden Einnahmen auszugleichen.

Wie kann das vermieden werden? Hier hat das Beratungsunternehmen Lösungsansätze: Durch die Vernetzung aller Systeme und ein aktives Verkehrsflussmanagement soll für flüssigen Verkehr gesorgt werden. Für autonome Taxis gelte eine City-Maut, die den ÖPNV wieder konkurrenzfähig macht, der wiederum dynamische Preise erhalten soll. Beispielsweise könnten in den sogenannten Rushhours dann die Preise für Bus und Bahn in Echtzeit sinken. Damit soll ein Anreiz geschaffen werden, anstelle von Robotaxis öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Flugtaxis
Noch etwas länger dauert es wohl, bis sogenannte Flugtaxis zum Einsatz kommen. Mittlerweile haben diverse Unternehmen ihren Hut bei der Entwicklung neuartiger autonomer Kleinflugzeuge in den Ring geworfen. So testet beispielsweise die Volocopter GmbH aus Baden- Württemberg mit ihrem zweisitzigen Volocopter 2X bereits unter anderem in Dubai. Derzeit beträgt die Reichweite des Modells noch etwas unter 50 Kilometer. Auf der CES 2018 zeigte sich Intel-CEO Brian Krzanich von dem Modell (die Rotoren stammt von Intel) überzeugt: „Das war fantastisch. Das war der beste Flug, den ich je hatte. Eines Tages wird jeder mit so einem fliegen.“

Noch wird es bis zu diesem Tag X aber wohl etwas dauern. Vorausgesetzt, dass es in einigen Jahren massentaugliche flugfähige Lufttaxis geben sollte (eine entsprechende Vernetzung aller Fluggeräte ebenfalls vorausgesetzt), muss dafür auch noch eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden. Dies dürfte den Prozess noch einmal erheblich in die Länge ziehen.