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Die Zahl der Berufspendler ist in den vergangenen Jahren weiter angestiegen. Während im Jahr 2000 noch 53 Prozent der Berufstätigen zur Arbeit pendelten, waren es laut dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zuletzt sogar 60 Prozent (Stand: April 2017). Die hohe Prozentzahl an Berufspendlern hat sicherlich auch seine Ursache im knappen Wohnungsmarkt sowie in den hohen Miet- und Immobilienpreisen in Ballungsräumen. Denn wer keine (bezahlbare) Unterkunft in der Stadt findet, der zieht eben aufs Land beziehungsweise wohnt etwas weiter entfernt vom Stadtzentrum und muss entsprechend zur Arbeit pendeln. Diese Erkenntnis wird beim Blick auf eine weitere Statistik zusätzlich untermauert: Der durchschnittliche Arbeitsweg ist in den vergangenen Jahren immer länger geworden – Tendenz steigend. Während die Distanz zwischen Wohnung und Arbeitsplatz laut Statista im Jahr 2000 noch bei 14,6 Kilometern lag, mussten Pendler 2015 bereits 16,8 Kilometer zurücklegen. In weniger besiedelten Regionen wie Teilen von Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt liegt der Durchschnittswert sogar bei über 30 Kilometern. Was auf den ersten Blick vielleicht wenig dramatisch klingt, offenbart sich bei genauerem Hinsehen als große körperliche und psychische Belastung für viele Arbeitnehmer. Damit die Belastung für die Pendler durch den täglichen Weg zur Arbeit möglichst gering bleibt, sollte nach dem besten Arbeitsweg gesucht werden. Insbesondere für längere Arbeitswege bieten sich die bereits angesprochenen Mobilitäts-Apps an.

Die Ausgangslage
Grundsätzlich erfüllt auch Google Maps den Sinn und Zweck einer Mobilitäts- App. Vermutlich plant fast jeder seinen Urlaub mit dem Auto oder die Dienstreise mit diesem Tool. Seit Langem kann hier aus unterschiedlichsten Fortbewegungsmitteln die jeweils schnellste Route ausgewählt werden. Dies funktioniert sowohl verkehrsmittelübergreifend als auch für ein spezielles Verkehrsmittel wie beispielsweise das Fahrrad, Züge oder Busse sehr zuverlässig und genau. Ist die perfekte Lösung also bereits gefunden? Nicht ganz! Denn es können über Google Maps keine Tickets für Bus und Bahn gekauft werden und Carsharing und Taxilösungen werden nicht vorgeschlagen.

Für unseren Test haben wir vier Apps ausgewählt: den DB Navigator, moovel, urbi und HERE we go.

Der Vergleich
Die jeweiligen Apps wurden auf einer festgelegten Strecke zwischen den Hauptbahnhöfen Bonn und Köln getestet. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist diese Strecke sicherlich keine große Herausforderung. Starten wir also mit der App, die speziell für den Bereich ÖPNV und Fernverkehr entwickelt wurde: der DB Navigator. Die App ermöglicht den Nutzern spezielle Parameter zu definieren, wie Abfahrts- oder Ankunftszeit sowie die Beschränkungen der Art des Zuges (öffentlicher Nahverkehr oder Fernzüge). Sehr positiv ist die Live- Tracking-Funktion der App, mit der Nutzer die Fahrt des Zuges nachvollziehen können und über mögliche Verspätungen minutenaktuell informiert werden. Die App ist Stand heute jedoch nur auf den Zugverkehr beschränkt und berücksichtigt weder das ebenfalls zur Bahn gehörende Carsharing-Angebot Flinkster noch den Bikesharing-Dienst Call a Bike.

Allerdings haben auch die Konkurrenzprodukte moovel, urbi und HERE we go Schwächen, wenn es darum geht, alternative Fortbewegungsmittel zum Zug in die Routenplanung miteinzubeziehen. HERE we go ist die einzige App, die beispielsweise auch Fahrradrouten miteinbezieht. Einschränkend muss gesagt werden, dass hierbei keine Bikesharing-Stationen gezeigt werden, sondern lediglich eine Route von A nach B, welche mit dem Fahrrad zurückgelegt werden kann. Im Gegensatz zu Google Maps kann man bei HERE we go auch offline Karten nutzen. Gerade im Ausland kann dies eine wichtige Funktion sein.

Grundsätzlich möglich ist Bikesharing bei urbi. Allerdings ist die App in diesem Bereich noch ausbaubar. Denn nicht in jeder Stadt findet sich eine Station und dem Nutzer wird zunächst ein mitunter kilometerlanger Fußmarsch ans Herz gelegt, ehe man sich auf den Drahtesel schwingen könnte. Doch angesichts einer noch nicht flächendeckend ausgebauten Bikesharing-Struktur in Deutschland kann für solche Probleme nicht die App zur Verantwortung gezogen werden. Bei moovel sucht man aktuell noch vergeblich nach Angeboten für Fahrradfahrer.

Carsharing wird von urbi und von moovel mit in die Streckenplanung einbezogen. Allerdings mit Einschränkungen: So kooperiert moovel nur mit car2go und urbi ist auf wenige Anbieter in ausgewählten Städten begrenzt. Sehr gut funktionieren alle drei Apps in Sachen ÖPNV. Insbesondere moovel bietet eine sehr detaillierte Suche an. Nutzer können sich von dieser App beim Umsteigen sogar von Haltestelle zu Haltestelle navigieren lassen.

Fazit
Carsharing und Bikesharing sind noch verhältnismäßig neue Mobilitätsmöglichkeiten und vor allem im urbanen Umfeld vorzufinden. Außerdem sind manche Angebote anbietergebunden, besonders auffällig ist dies beim DB Navigator, bei dem nur Bahnprodukte angeboten werden und nicht alle Tickets der einzelnen Tarifverbunde erworben werden können. Daher kann hier von den Apps nicht immer eine nahtlose Mobilitätskette erstellt werden. Die Stärken dieser kleinen Helfer liegen vor allem im Anzeigen von ÖPNV-Verbindungen. Mit der Zunahme der Verkehrsmöglichkeiten werden solche Apps immer wichtiger. Das Unternehmen, das eine Smartphone-Lösung für eine Reiseplanung verkehrsmittel- und anbieterübergreifend realisieren kann, wird den Markt langfristig beherrschen können.