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Tankkarten erfüllen viele Aufgaben: Neben einer Vereinfachung für den Dienstwagenfahrer sind sie auch für das Unternehmen, das sie nutzt, von Bedeutung. Denn durch das bargeldlose Bezahlen stehen der Buchhaltung übersichtliche und regelmäßige Rechnungen zur Verfügung. Hinzu kommen eine Sicherheit in puncto Kostenkontrolle und eine hohe Wahrscheinlichkeit für Kosteneinsparungen durch günstigere Konditionen als im Falle ohne Karte.

Flottenmanagement hat sich im Folgenden mit aktuellen Trends und Tendenzen sowie dem Wandel der Zeit rund um die Tankkarte beschäftigt und lässt Branchenexperten zu Wort kommen.

Dieselkrise?
Der Dieselkraftstoff ist seit Monaten im Gespräch, man könnte von einer Krise sprechen – jetzt werden aller Voraussicht nach sogar vereinzelte Fahrverbote in Städten durchgesetzt, das Bundesverwaltungsgericht erklärte dies Ende Februar für zulässig. Was hat dies für Auswirkungen auf die Dieselnachfrage seitens der Kunden? Dr. Jörg Adolf, Chef-Volkswirt der Shell Deutschland Oil GmbH, gibt eine durchaus überraschende Antwort: „Der Dieselabsatz entwickelt sich sehr dynamisch: Im vergangenen Jahr haben wir erstmals mehr Diesel- als Ottokraftstoff verkauft. Dieser Trend setzt sich im laufenden Jahr fort. Mittelfristig erwarten wir einen stabilen Dieselabsatz.“

Heißt das also, dass die vermeintliche Dieselkrise den (gewerblichen) Verbraucher wenig interessiert? Romana Blume, Verkaufsleitung Aral Cards Deutschland Car &Van, bestätigt dies: „Derzeit können wir keine Veränderungen in der Kraftstoffnachfrage erkennen. Diesel bleibt für gewerbliche Fuhrparks weiterhin unverzichtbar. Aufgrund der guten konjunkturellen Situation ist die Dieselnachfrage nach wie vor hoch.“

Stefan Horst, Head of Marketing bei der UNION TANK Eckstein GmbH & Co. KG, hat hingegen etwas andere Entwicklungen festgestellt. Er sagt: „(...) Bei den großen Pkw-Flotten findet aktuell ein Nachdenken bei unseren Kunden statt. Aufgrund der in diesem Bereich vorherrschenden längerfristigen Leasingverträge oder anderweitiger Finanzierungsmodelle sind mögliche Auswirkungen heute noch nicht signifikant messbar.“

Hier darf man also gespannt sein, ob es in nächster Zeit doch spürbare Änderungen geben wird, und wenn ja, wie sich diese auswirken. Fakt ist: Im Relevanten Flottenmarkt wurden erstmals seit drei Monaten wieder mehr als 60 Prozent Diesel-Pkw zugelassen (Quelle: Dataforce [Marktsegmente Februar 2018]).

Alternative Antriebe?
Sollte der Diesel durch Fahrverbote und den etwaigen Entfall von steuerlichen Vergünstigungen künftig doch an Attraktivität verlieren, werden alternative Antriebsarten noch mehr in den Fokus rücken.

Jetzt überstieg der Anteil alternativer Antriebe in Flotten erstmals die Fünf-Prozent-Marke. Der Anteil von 5,4 Prozent im Februar war knapp der höchste aller Marktsegmente, was zeigt, dass sich die Fuhrparkleiter immer stärker mit Elektro-, Hybrid- und Gasantrieben beschäftigen (Quelle Dataforce).

Der Staat unterstützt hierzulande vor allem den Kauf von Elektroautos. Das ehemals von der Bundesregierung ausgegebene Ziel von einer Million EFahrzeugen bis 2020 wird zwar deutlich verfehlt (das Ziel der neuen Bundesdesregierung lautet: 500.000 E-Fahrzeuge bis 2020), der hiesige Absatz der Stromer steigt allerdings deutlich an. Und auch die Ladeinfrastruktur wird immer besser. (Lesen Sie mehr dazu im Artikel „Die Menge macht’s“ auf S. 94) euroShell bietet dem Geschäftsführer Rainer Klöpfer zufolge nun auch den Zugriff auf eines der größten Netze zum Strombezug. „Geschäftskunden erhalten unterwegs Zugriff auf viele Ladestationen inklusive umfangreicher Serviceleistungen. Zusätzlich bieten wir stationäre Lösungen für Unternehmen an, um Fahrzeuge auf dem Firmengelände oder an festen Ladepunkten versorgen zu können. Mittlerweile können Shell-Kunden auf über 50.000 öffentliche Ladesäulen in 25 Ländern zurückgreifen, von denen sich 10.000 in Deutschland befinden“, so Klöpfer. Und andere Anbieter legen hier nach: Die DKV wird ihr E-Ladenetz voraussichtlich noch erweitern. So ist ein Joint Venture mit innogy geplant, durch das zeitnah umfassende Versorgungslösungen für E-Flotten in ganz Europa mit einer transparenten Abrechnung angeboten werden sollen.

Doch nicht allein die E-Mobilität treibt die Tankkartenanbieter. Ivo Faryna, Teamleiter Fuel Sales Development, ORLEN Deutschland GmbH, erklärt, dass sich das Unternehmen beim Thema alternative Kraftstoffe breit aufstellt. „Wir sammeln Erfahrungen im Feld. An über 300 unserer star Tankstellen können unsere Kunden Autogas tanken und an über 20 Standorten verkaufen wir Erdgas. Im Bereich E-Mobility sind wir stolz darauf, in Kooperation mit dem (...) US-Elektroautohersteller Tesla Motors zwei Tesla- ‚Supercharger‘-Standorte im star Netz umgesetzt zu haben.“

Von einigen Experten wird Wasserstoff als der vielversprechendste Antrieb der Zukunft gehandelt. Ein Problem hierbei: das gering ausgebaute Tankstellennetz. Das soll sich ändern. Einige Konzerne wie die TOTAL Deutschland GmbH engagieren sich bereits seit einigen Jahren stark in diesem Bereich. So berichtet Maren Ollech, Produkt- und Marketingmanagerin im Unternehmen: „TOTAL (...) ist maßgeblicher Vorreiter beim Aufbau eines Netzes von Wasserstofftankstellen in Deutschland. Von derzeit deutschlandweit 45 Wasserstofftankstellen sind 15 bei TOTAL zu finden.“

Unsere Übersicht macht es deutlich: Die Tankkartenanbieter bauen ihr Angebot für alternative Kraftstoffe zunehmend aus. Besonders das Laden von Strom wird in den kommenden Jahren mutmaßlich an Bedeutung gewinnen. Derzeit spielen die Alternativen im Tankkartengeschäft aber noch eher eine untergeordnete Rolle.

Alles digital?
Digitalisierung ist ein geflügeltes Wort, aber kaum eine Branche spürt ihre Auswirkungen nicht. Wie lange gibt es die Tankkarte noch in physischer Form? Wird sie womöglich schon bald, beispielsweise durch eine App auf dem Mobiltelefon, ersetzt? Josef Grünberger, Leiter Marketing und Tankstellen bei der AVIA Mineralöl-GmbH, glaubt nicht daran: „Wenngleich zu erkennen ist, dass die Digitalisierung auch im Kartengeschäft voranschreitet, ist nicht zu erwarten, dass die physische Karte kurz- bis mittelfristig abgelöst wird. Aufgrund fehlender Branchenstandards kann aktuell nur von sich etablierenden Insellösungen gesprochen werden. (...)“

Ingo Meyer, Geschäftsführer der Roadrunner Service GmbH, geht davon aus, „dass sich eine Digitalisierung der Tankkarte kurzfristig sehr rasant entwickeln wird.“ Die physische Karte würde aber erst dann abgelöst, wenn sich ein einheitlicher Standard (App, Chiptechnik, Token, Bluetooth, et cetera) herauskristallisiere, der in der Breite auch durch den Konsumenten als genauso sicher wie die jetzige physische Karte angesehen werde, so Meyer weiter.

Dass die Nachfrage nach mobilen Lösungen durchaus schon groß ist, bestätigen die Zahlen der UNION TANK Eckstein GmbH & Co. KG. Stefan Horst spricht dabei von über 130.000 Downloads und monatlich circa 120.000 App-Öffnungen. Noch steht diese Entwicklung aber sicherlich erst am Anfang.

 

* Insgesamt wurden dabei 30.916 Flotten mit mindestens fünf Fahrzeugen im Bestand analysiert