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Flottenmanagement: Die Innovation Group ist in der Schadensteuerung ein großer Player am Markt, aber trotzdem vielleicht noch nicht jedem Fuhrparkleiter ein Begriff. Können Sie uns kurz näherbringen, was die Kernkompetenzen des Unternehmens sind und was die Innovation Group besonders auszeichnet?

Jörg Hänsel: Insgesamt sind wir als Innovation Group Europas größter Schadensteuerer mit über 750.000 gesteuerten Reparaturen pro Jahr. Allein im deutschen Markt sind es über 350.000 Reparaturen per annum Auftraggeber sind dabei Flottenbetreiber und Versicherungen. Dank eines flächendeckenden Netzwerks von mehr als 2.000 qualifizierten Kooperationspartnern, darunter Karosserie- & Lackbetriebe, Glaspartner sowie zahlreiche Mietwagenstationen, und unserer 24-Stunden-Hotline sind unsere Kunden schnell wieder mobil. Der Serviceumfang umfasst letztlich die ganzheitliche Schadenbetreuung, beginnend bei einer Schadenmeldung mit Schadenaufnahme über eine Reparatursteuerung bis hin zur Schadenbearbeitung und Regressierung gegenüber Versicherungen im Bereich der Flottenkunden. Dazu kommt im Hintergrund eine technische Tiefenprüfung des Reparaturweges sowie eine intensive Rechnungsprüfung. Darüber hinaus überwachen wir die Zahlungsströme während der Schadenbearbeitung. Wir sorgen dafür, dass die Regressierung zu einem entsprechend erfolgreichen Abschluss kommt. Ebenfalls übernehmen wir die Outbound-Telefonie im Auftrag unserer Kunden, insbesondere in den Fällen, in denen Dritte geschädigt werden. Wir sprechen zunächst im Namen unseres Auftraggebers eine Entschuldigung aus und bieten diesem dann im Auftrag unserer Kunden professionelle Schadenhilfe an.

Die Fuhrparkverantwortlichen werden zudem durch unsere Key-Account-Manager strategisch beraten, um auch hier das Thema Kosten und Schadenhäufigkeit mit kompetentem Ratschlag in den Griff zu bekommen.

Besonders stolz sind wir auf unsere Unabhängigkeit, ein Aspekt, mit dem wir uns von den meisten Wettbewerbern abgrenzen. Wir bearbeiten den Schaden im Grunde genommen komplett selbst, haben eigene Schadensachbearbeiter, ein eigenes Servicecenter, eine eigene IT, wir entwickeln sogar die Software selbst. Das hat etwas mit nachhaltiger Schadenbearbeitung zu tun und bedeutet jederzeitige Prozess- und Kostenkontrolle.

Zusammengefasst heißt das: Fuhrparkmanager haben durch unseren End-to-End-Prozess zufriedenere Fahrer, weniger internen Aufwand und nachweisbare Kosteneinsparungen.

Flottenmanagement: Vor allem auf der Führungsebene gab es in den letzten Monaten einige Veränderungen im Unternehmen. Wer ist neu an Bord und welche Ziele haben Sie sich gesteckt?

Markus Stumpp: Es hat sich im vergangenen Jahr generell sehr viel verändert innerhalb der Gruppe. Besonders wichtig war uns, das Thema Netzwerkbetreuung deutlich zu professionalisieren. Dafür haben wir einige Neubesetzungen vorgenommen. So konnten wir unter anderem Ulrich Bechmann gewinnen. Er zeichnet seit September 2017 für den Werkstattnetzausbau und die -qualität verantwortlich, zuvor war er in dieser Rolle bei der HUK Coburg tätig. Für den Bereich Flotte haben wir mit Samuel Schmidt im vergangenen Jahr einen langjährigen Mitarbeiter in die Rolle des Head of Account Management gebracht. Er kennt die Systemwelt in- und auswendig und berät mit seinem Team unsere Kunden strategisch. Seit Oktober bin ich als Geschäftsführer der Innovation GmbH mit an Bord und verantworte den Bereich Flotte für den deutschen Markt. Ich bringe Erfahrung aus meiner rund zehnjährigen Tätigkeit bei der FleetLogistics Group / FleetCompany GmbH mit. Und mit Jörg Hänsel, der bereits seit 2008 Geschäftsführer der Innovation GmbH ist, haben wir seit November 2017 einen neuen Vorstand in der AG. Dieser ist für die Ressorts Fleet, Services und Sonderprojekte zuständig. Alles in allem sehen wir uns damit sehr gut aufgestellt.

Flottenmanagement: Konnten in der kurzen Zeit seit Amtsantritt bereits neue Projekte auf dem deutschen Markt angestoßen beziehungsweise Vorhaben in die Tat umgesetzt werden?

Markus Stumpp: Wir haben die Betreuung unserer Fuhrparkkunden deutlich ausgeweitet und intensiviert – in Zahlen bedeutet das: Wir haben unser Accountmanagement von drei auf sieben Mitarbeiter aufgestockt. Durch unser Wachstum war dieser Schritt notwendig, auch um dem Anspruch unserer Kunden gerecht zu werden.

Ein großes Projekt, das wir im vergangenen Jahr angestoßen haben, ist unsere Schaden-App. Zum Jahresende 2017 wurde sie gelauncht, im Moment wird die App den Kunden vorgestellt und befindet sich auch bei einigen bereits in der Anwendung.

Flottenmanagement: App ist ein gutes Stichwort. Die (Flotten-)Welt wird zunehmend digitaler und vernetzter. Wie wichtig ist für Ihren Bereich eine App und wie wird sie von den Kunden bisher angenommen?

Samuel Schmidt: Digitalisierung ist für uns sehr wichtig. Beim Schadenmanagement gibt es eine Vielzahl von Prozessbeteiligten, ob das Sachverständige, Risikoträger, Makler, der Kunde selbst oder Werkstätten sind. Wir wollen alle Prozessbeteiligten miteinander verknüpfen und einen automatisierten Prozess vorantreiben – ob im Werkstattprozess oder beim Schadentracking.

Festhalten kann man, dass der Ruf nach einer App relativ laut ist, sie aber bei einem Schadenmeldeprozess eine noch eher untergeordnete Rolle spielt. Am Ende des Tages wählt der Fahrer dann doch eher eine Telefonnummer und sucht den persönlichen Kontakt. Für den späteren Prozess, wenn es beispielsweise um das Thema Dokumentenversand beziehungsweise um Bilder von Fahrzeugen geht, wird die App aber immer wichtiger.

Wir sind überzeugt davon, dass die App die Schadenbearbeitung in den nächsten Jahren ein Stück weit revolutionieren wird. Wir entwickeln Schnittstellen, um eine Verbindung an die IT-Systeme unserer Kunden zu schaffen, die Schäden automatisch einzuspielen – alles wird ein Stück weit papierloser. Und noch entscheidender: Alles wird etwas schneller. Das ist der ganz zentrale Punkt – schnell zu sein. Die Durchlaufzeiten müssen weiter eingeschmolzen und verkürzt werden – unter anderem mit der App kann und wird man das erreichen.

Flottenmanagement: Zuletzt gab es Pläne für eine Umbenennung Ihres Unternehmens. Wie konkret sind diese Pläne und was steckt dahinter?

Markus Stumpp: Die Innovation Group hat 2008 mit dem Kauf des Unternehmens Nobilas den Flotten-Schadenmanager mit in den Konzern integriert, man wurde zur Innovation Nobilas GmbH. Nobilas war als Brand im Flottenmarkt bekannt und eine Größe. Vor etwa drei Jahren entschied man sich, den Claim Nobilas zu entfernen. Seitdem ist uns immer bewusster geworden, dass wir mit unserem Firmennamen verdeutlichen müssen, wer wir sind, wofür unser Unternehmen steht und welche Aufgabenschwerpunkte wir haben. Das wollen wir im neuen Namen darstellen. Daher werden wir die Innovation GmbH in „Innovation Group Fleet & Mobility GmbH“ umbenennen.

Mit dem Titel „Fleet & Mobility“ werden unsere Schwerpunkte im Namen wiedergegeben. Mobility deshalb, weil der Bereich Ersatzmobilität durch Mietwagen und Leasing (Werkstattersatzfahrzeugleasing für unsere Kooperationspartner) den Servicegedanken im Flotten-Schadenmanagement abrunden soll.

Flottenmanagement: Der Bereich Flotte und dementsprechend auch das Schadenmanagement werden zunehmend internationaler. Wie tragen Sie dieser Entwicklung Rechnung?

Jörg Hänsel: Den Geschäftsbetrieb Österreich sind wir aktuell dabei zu intensivieren. Hier gab es bereits erste Vorstöße in den letzten Jahren, es ist ein interessanter Flottenmarkt. Die Internationalisierung schreitet generell bei uns stark voran. Wir sind in Europa heute bereits in sieben Märkten inklusive Deutschland präsent. Wir arbeiten derzeit daran, das Thema Flotte über die deutsche Landesgrenze hinauszutragen. Dabei sammeln wir heute in Belgien, den Niederlanden und in Großbritannien erste Erfahrungen mit dem Thema Flotten-Schadenmanagement. Mittelfristig wollen wir das unseren Kunden in allen Märkten zur Verfügung stellen.

Flottenmanagement: In Ihrem Firmennamen klingt es bereits mit: Welche Innovation(en) und Neuheiten darf man in nächster Zeit erwarten erwarten? Und welchen Herausforderungen müssen Sie sich stellen?

Markus Stumpp: Wie bereits angesprochen, möchten wir die Flottenbetreuung in den heute bereits vorhandenen Märkten weiter intensivieren, Kunden grenzüberschreitend betreuen. Der Trend geht bei größeren Unternehmen hin zu zentral gesteuerten, aber international eingesetzten Fuhrparks, dieser Herausforderung wollen wir uns künftig stellen.

Ein großes Projekt ist unsere IT-Plattform, die wir derzeit stark umbauen. Das heißt, wir ersetzen unsere heutigen IT-Systeme komplett durch ein neues, globales System. Es befindet sich derzeit in der Entwicklung und soll dem deutschen Markt voraussichtlich Anfang 2019 zur Verfügung stehen. Mit dieser Anwendung wird die digitale Einbindung unterschiedlicher Prozessschritte realisiert und den Kunden werden weitreichende Realtime-Reportings zur Verfügung gestellt.

Samuel Schmidt: Derzeit fahren wir zudem ein Pilotprojekt, dabei geht es um das Thema Leasingrücknahme-Check. Das Ganze ist schon entwickelt, aktuell läuft die Anwenderprüfung. Bei dem Check soll es darum gehen, Fahrzeuge kurz vor ihrem Leasingende bezüglich vorhandener Schäden zu überprüfen und entsprechend den Anforderungen der Leasinggesellschaften instand setzen zu lassen, um weitergehende Rückgabekosten zu limitieren. Während dieser Prüfung kann entschieden werden, was sich noch zu reparieren lohnt. Ziel ist es, die Kosten bei der Leasingrückgabe so niedrig wie möglich zu halten. Denn Kostenkontrolle ist ja unser Grundanspruch.