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Die Kompaktklasse, die nach der Europäischen Kommission als C-Segment definiert wird, stellt in Bezug auf die Zulassungszahlen und das Modellangebot das größte Segment innerhalb der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) dar. Mit 23,3 Prozent verzeichnete das Segment im vergangenen Jahr zwar einen Rückgang um 5,1 Prozentpunkte im Vergleich zu 2016, aber dies wird durch die nicht enthaltenen SUV- und Geländewagen-Modelle, die in den KBA-Statistiken jeweils ein eigenes Segment bilden, aufgefangen. Das SUVSegment wuchs seinerseits um starke 22,5 Prozent und wurde damit die zweitstärkste Fahrzeugklasse. Auch einige Fahrzeuge, die nach KBA den Geländewagen angehören, kann man gut und gerne der Kompaktklasse zuordnen: So finden sich hier beispielsweise der Jeep Renegade, der Suzuki Jimny oder der VW Tiguan. Gerade der letztgenannte Tiguan ist mit 18.802 echten gewerblichen Zulassungen im vergangenen Jahr ein Liebling der Dienstwagennutzer gewesen und erreichte immerhin Platz neun bei den Topsellern in der Flotte 2017 (Flottenmanagement 1/2018, S. 56).

Betrachtet man die Zulassungsstatistiken insbesondere im gewerblichen Bereich genauer, fällt auf, dass Modelle mit erhöhter Bodenfreiheit – ganz gleich, ob es sich hier um SUV oder Geländewagen handelt – immer mehr Zuspruch finden. Doch was bedeutet das für die bei Dienstwagennutzern beliebten Kombis? Werden die Kombi-Modelle über kurz oder lang durch SUVs ersetzt? Eine klare Antwort auf diese Fragen zu geben, ist derzeit nicht möglich. Zwar öffnen Fuhrparks ihre Dienstwagenrichtlinien auch immer mehr für SUV oder die neuen Crossover-Modelle, aber insbesondere im Vertriebs- und Servicebereich, wo es hauptsächlich auf den Nutzen der Fahrzeuge ankommt, ist der Kombi das Maß der Dinge. Die zweite Folge unseres neuen TCO-Vergleichs in Kooperation mit Schwacke betrachtet daher vor allem den User-Chooser-Bereich, in dem Dienstwagennutzer vor die Wahl gestellt werden, ob sie  lieber einen Kombi oder doch einen SUV bevorzugen.

Zunächst ein paar Sätze zur Methodik unseres Vergleichs der Total Cost of Ownership (TCO): Wie sich bereits aus den vorhergehenden Erläuterungen entnehmen lässt, ist die Wahl geeigneter Fahrzeuge innerhalb der Kompaktklasse kein leichtes Unterfangen. Eine große Zahl an Modellen tummelt sich in dieser Fahrzeugklasse und es werden jedes Jahr mehr. Gerade im vergangenen Jahr wurden die Übergänge zwischen den einzelnen Segmenten durch sogenannte Crossover- Modelle, die sowohl Elemente von Coupés als auch von SUV enthalten, weiter aufgeweicht. Das hat uns dazu bewogen, unsere Auswahl auf drei Hersteller mit jeweils einem Kombi- und einem SUV-Modell im C-Segment zu beschränken. Bei den sechs Modellen betrachten wir wiederum sowohl die Benzin- als auch die Dieselvariante.

Die Grundlage unseres Vollkostenvergleichs bilden die Daten des Schwacke-Online-Tools Fleet Cost Expert, welches Fuhrparkmanagern einerseits die Berechnung der TCO der existierenden Flotte ermöglicht, andererseits ihnen auch als Grundlage für Neuanschaffungen dient; mit Datenstand März 2018. Hierbei wurde ein Szenario mit einer Haltedauer der Fahrzeuge von 36 Monaten und einer jährlichen Laufleistung von 30.000 Kilometern gewählt. Zudem wurden bei der Kalkulation keine Hersteller- beziehungsweise Händlerrabatte berücksichtigt, da es hierfür keine verlässlichen Datenquellen gibt. Der hinterlegte Zinssatz inklusive Marge für die Leasinggesellschaft beträgt in der TCOKalkulation sieben Prozent, Opportunitätskosten wurden dabei nicht berücksichtigt. Nicht zuletzt wurde der Vollkostenvergleich nicht ausstattungsbereinigt durchgeführt, allerdings haben wir bei den Ausstattungen jeweils die höchste Ausstattungslinie gewählt und uns auch für das Automatikgetriebe entschieden, um eine bessere Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

Berücksichtigt man all diese Faktoren, ergibt sich im Vollkostenvergleich für eine dreijährige Haltedauer und eine jährliche Fahrleistung von 30.000 Kilometern das folgende Bild: Sowohl der Ford Focus Turnier als auch der VW Golf Variant zeigen gegenüber ihren SUV-Pendants Kuga beziehungsweise Tiguan deutliche Einsparpotenziale auf. Über 5.500 Euro muss der Fuhrparkleiter bei den Gesamtkosten für den Ford Kuga 1,5 l EcoBoost in der Titanium-Ausstattung gegenüber dem Ford Focus Turnier 1,5 l EcoBoost Start- Stopp in der gleichen Ausstattungslinie einplanen. Jedoch sei hier angemerkt, dass der Kuga sowohl über Allradantrieb als auch eine stärkere Motorisierung mit immerhin 182 PS verfügt. Auch bei ähnlicher Motorleistung, wie im Fall der Dieselvarianten, kann der Flottenverantwortliche mit dem Kombi noch fast 2.300 Euro einsparen. Beim VW Golf Variant und beim VW Tiguan fällt die Ersparnis bei der Wahl des Kombi-Modell noch höher aus: rund 3.800 Euro bei der Wahl der Dieselmotorisierung und satte 7.800 Euro beim Benziner. Ein anderes Bild zeigt sich bei Opel: Mit dem Grandland X 1.6 Diesel Start/Stop, dem neusten Fahrzeug im Vergleich, gegenüber dem Opel Astra Sports Tourer 1.6 Diesel kann man sogar über 800 Euro sparen. Ausschlaggebend sind hier zum einen die geringere Motorleistung des SUV und zum anderen der geringe Wertverlust bei sonst fast identischen Kosten über die Laufzeit-Laufleistungs-Kombination, einzig die Reifenkosten bilden hier einen Ausreißer.

Doch welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus ziehen? Über alle Hersteller hinweg haben SUVs deutlich höhere Restwerte – das sind beim Opel Grandland X 1.6 Diesel Start/Stop schon einmal 52,8 Prozent im Vergleich zum Opel Astra Sports Tourer 1.6 Diesel mit lediglich 35,5 Prozent. Demgegenüber stehen höhere Nettolistenpreise der SUV-Modelle, wobei der Fuhrparkleiter mindestens 2.900 Euro Mehrkosten bei unseren Vergleichskandidaten einplanen sollte. Daraus lassen sich wiederum höhere Finanzierungskosten ableiten. Doch damit ist bei den Mehrkosten nicht Schluss: Alle SUV-Modelle verbrauchen gegenüber ihren Kombi-Pendants mehr Kraftstoff, die Bandbreite reicht hier von 0,1 Liter bis zu 2 Liter pro 100 Kilometer. Dadurch liegen die Kosten für Kraftstoff während der dreijährigen Laufzeit teils über 2.000 Euro höher bei SUVModellen. Auch wenig erstaunlich ist, dass die Betriebskosten über alle Hersteller hinweg für einen Kombi deutlich geringer ausfallen. Dies macht sich neben den Kraftstoffkosten besonders bei den Reifenkosten bemerkbar, die beim Kombi teils über 40 Prozent niedriger sind.

Fazit
Der Vollkostenvergleich zeigt sehr anschaulich, wie wichtig bei der Entscheidung zwischen verschiedenen Derivaten eines Segments die Betrachtung des Themas Total Cost of Ownership ist. Hohe Restwerte bei den SUV-Modellen lassen zunächst den Eindruck erwecken, dass die Fahrzeuge mit erhöhter Bodenfreiheit auch die günstigere Wahl sind, doch bis auf eine einzige Ausnahme ist das Gegenteil der Fall. Wenn Kosten und Nutzen im Vordergrund stehen, dann ist ein Kombi weiterhin das Maß aller Dinge. Für die Mitarbeitermotivation, nicht nur im User- Chooser-Segment, ist der Trend zu SUV/ Crossover aber bedeutend. Was einem Unternehmen der Spagat Wert ist, hat der Fuhrparkverantwortliche entsprechend aufzuzeigen, zu managen und zu vermitteln. Weitere Infos über Fleet Cost Expert gibt es bei FleetCostExpert@schwacke.de.