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Obwohl der Technische Kongress viele spannende Themen bereithielt, war die Stimmung am ersten Tag der Veranstaltung angespannt und unruhig. Grund war das Urteil des obersten Verwaltungsgerichts in Leipzig um die Dieselfahrverbote in Innenstädten, welches am 27. Februar um 12 Uhr bekannt gegeben wurde. Um die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen, das gespannt auf Neuigkeiten aus ihrem Smartphone wartete, löste ein Vortragender die angespannte Situation auf und informierte das Publikum über das Ergebnis, dass sich das Gericht für die Zulassung von Fahrverboten ausgesprochen hat. Mit einem großen Raunen und vielen weiteren Diskussionen im Verlauf der Veranstaltung wurde das Urteil von den Anwesenden aus der Automobilindustrie verarbeitet und ausdiskutiert. Dabei kristallisierte sich heraus, dass die Mehrheit das Urteil missbilligte und das Ergebnis deswegen bei jedem Vortrag mindestens einmal angesprochen werden musste. Gelobt wurde hingegen der neue Koalitionsvertrag, der der Forschung der deutschen Automobilindustrie neue Fördergelder verspricht und sich für eine Technologieneutralität ausspricht. Technologieneutralität bedeutet zwar, dass weder eine bestimmte Technologie vorgeschrieben noch deren Einsatz begünstigt wird, allerdings wird dabei nicht ausgeschlossen, dass die Politik nichts unternimmt, um ein gewisses Vorgehen, wenn es gerechtfertigt ist, zu fördern.

Die großen Themen des Kongresses waren Umwelt, Globalisierung, Digitalisierung, Urbanisierung und Mobilität, welche in fast jedem Vortrag mindestens einmal genannt wurden. Für die Verbesserung der Umweltbedingungen in Deutschland beispielsweise, so die Mehrzahl der Referenten, seien besonders elektrifizierte Fahrzeuge nötig: „Das ist eine gemeinsame Aufgabe für Politik und Industrie; unsere Unternehmen leisten dafür die Grundvoraussetzung: Bis zum Jahr 2020 verdreifachen sie ihr Angebot von Elektrofahrzeugen auf über 100 Modelle. Im Jahr 2025 werden Elektroautos voraussichtlich einen Anteil von 15 bis 25 Prozent an den Pkw-Neuzulassungen haben. Heute sind rund 100.000 Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs. Tendenz deutlich steigend; der Hochlauf der Elektromobilität hat begonnen“, betonte Wissmann. Doch zum einen könnte es bis 2025 schon lange zu spät sein, um mit den ausländischen Konkurrenten mitzuhalten, und zum anderen wurde die Beschaffung und Herstellung von Brennstoffzellenfahrzeugen bei Herrn Wissmann als auch bei den Referenten oft außen vor gelassen. Bei der Elektrifizierung von Fahrzeugen sind die deutschen Autohersteller bei Weitem nicht so weit wie die ausländischen Kollegen, tadelte auch der Staatssekretär Rainer Bomba, Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, in seinem Grußwort. So sei ein großer Auftrag der Stadt Lima (Peru), bei dem es um die Beschaffung von rund 300 Elektrobussen ging, nicht an deutsche Autohersteller gegangen, weil diese noch nicht imstande sind, einen solchen Auftrag mit einer hohen Anzahl an Elektrobussen zu stemmen. Das Ergebnis war, dass der Auftrag an die Konkurrenz in den asiatischen Ländern ging. So gut der Ruf der deutschen Autoindustrie auch ist, darauf ausruhen sollte sie sich, wie sich zeigt, also nicht.

Auch vom autonomen und vernetzten Fahren sowie von neuen Mobilitätskonzepten, wie beispielsweise Carsharing, versprechen sich die Vortragenden Verbesserungen in allen Bereichen, wie den CO2-Emissionen, der Vermeidung von Unfällen und den Nachteilen der Globalisierung und Urbanisierung. Doch um das autonome und vernetzte Fahren und neue Mobilitätskonzepte zu ermöglichen, so waren sich die Referenten von ZF und der Robert Bosch GmbH einig, müsse für eine gewisse Sicherheit gesorgt werden, sowohl im Fahrzeug als auch für die, die sich außerhalb des Fahrzeugs befinden. Allerdings sei dies bisher noch für die Stufen 4 und 5 des autonomen Fahrens, also in den Phasen, in denen der Fahrer komplett das Führen des Fahrzeugs abgibt (nach SAE International), schwer umsetzbar. Denn nicht alle Situationen, so Dieter Hötzer, Vizepräsident des Bereichs Automatisiertes Fahren der Robert Bosch GmbH, seien zu simulieren. Trotzdem sei Sicherheit nicht verhandelbar. Aus diesem Grund gebe es bei der Robert Bosch GmbH Leitlinien für die Sicherheit von Fahrassistenzen. Zusätzlich sei in puncto Sicherheit auch die Datensicherheit ein relevantes Thema, worüber ausgiebig am ersten Tag des Kongresses diskutiert und referiert wurde. Denn durch den Einsatz neuer Software im Fahrzeug und die vernetzten Objekte sei die Gefahr von Datenklau und Manipulation gestiegen und die Frage nach dem Datenschutz immer lauter geworden. Die Visionen, Möglichkeiten und Ideen für die Zukunft seien da, müssen aber auch den Aspekt der Sicherheit in allen Bereichen erfüllen.

Komplett machten den Technischen Kongress rund 33 Aussteller, die am Ort des Geschehens im Maritim Hotel Berlin, Produkte und Projekte vorstellten. In den Pausen war es den Besuchern selbst überlassen, die Stände und Exponate allein zu begutachten oder mit einer Führung durch die Ausstellung geleitet zu werden.

Wer als Teilnehmer gehofft hat, auf der Veranstaltung auf große Innovationen zu treffen, kam hier nicht ganz auf seine Kosten. Es gab eher einen Austausch und ein Präsentieren der Macher der deutschen Automobilindustrie. Und ob diese wirklich aus ihren Fehlern gelernt hat, wird sich in Zukunft zeigen.