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Flottenmanagement: Welche Rolle spielt das Flottengeschäft in Deutschland für einen Importeur wie Hyundai? Kann man das an Zahlen festmachen?

Sascha Behmer: Das Jahr 2017 war mit 108.518 Zulassungen ein Rekordjahr für Hyundai. Mit 50 Prozent Privatkundenanteil haben wir eine hohe Qualität der Zulassungen erreicht. Da wir 2018 weiter gesund und nachhaltig wachsen wollen, ist das Gewerbekundengeschäft ein sehr wichtiger Baustein für uns und wir möchten es mit attraktiven Angeboten ausbauen. Der neue i30 im Full-Service-Leasing mit attraktiven Servicebausteinen der Hyundai Leasing war im letzten Jahr bereits ein gefragtes Angebot, vor allem für den i30 Kombi, auf den zwei Drittel der i30-Flottenverkäufe entfielen.

Flottenmanagement: Seit einem Jahr sind Sie Leiter der Abteilung Gewerbekunden bei Hyundai Motor Deutschland. Was konnten Sie in dieser Zeit schon bewegen?

Sascha Behmer: Wir haben im letzten Jahr ein wichtiges Kernziel erreicht, indem wir die Effizienz unseres Gewerbekundengeschäfts deutlich erhöht haben. Dazu haben wir unsere Stärken und Schwächen analysiert und uns von nicht rentablen Geschäften getrennt. Auf dieser gesunden Basis werden wir in Zukunft qualitativ und nachhaltig wachsen – das kommt vor allem auch unseren Händlern zugute.

Flottenmanagement: Wie wirkt sich der SUVBoom auf Ihre Modellpalette in Sachen Absatzzahlen und Neuentwicklungen aus? Welche Zielgruppe spricht der neue Hyundai Kona an?

Sascha Behmer: SUV-Modelle spielen für Hyundai seit der Einführung des Santa Fe im Jahr 2001 eine wichtige Rolle. Bislang haben wir in Deutschland im SUV-Segment über 283.000 Fahrzeuge verkauft. Auch bei den Gewerbekunden sind die Hyundai-SUV gefragt. Der Tucson ist mit 29 Prozent Anteil unser stärkstes Modell im Flottenbereich und spricht vor allem User-Chooser an. Der neue Kona rundet unser SUV-Angebot nach unten hin ab und wird sich in dem stark wachsenden B-SUV-Segment durch seine dynamische Fahrleistung und sein markantes Design behaupten. Der Kona ist als einer der wenigen in diesem Segment ein echtes SUV, das optional mit Allradantrieb ausgeliefert wird, und kann darüber hinaus mit vielen Design- und Farbelementen individuell gestaltet werden. Diese Kombination aus Alltagstauglichkeit, Individualität und Dynamik geht mit dem Zeitgeist einher und spricht vor allem junge, aktive Menschen an – eine neue Zielgruppe für Hyundai. Mitte des Jahres wird es den Kona auch als reines Elektrofahrzeug geben. Die Reichweite des Kona EV wird 500 Kilometer betragen, damit unterstreichen wir als Marke weiter unsere Position als einer der Vorreiter im Bereich Elektromobilität. Der Kona wird nicht nur im Privatmarkt ein sehr wichtiges Fahrzeug, sondern auch für den gewerblichen Bereich, hier streben wir Absatzzahlen auf dem Niveau des Tucson an.

Flottenmanagement: Was zeichnet die neue Antriebsgeneration Smart Stream aus?

Sascha Behmer: Die neuesten Motorengenerationen sind für uns sehr wichtig, da wir uns damit für zukünftige Euro-Normen rüsten. Wir werden bis 2022 zehn neue Benzin- und sechs neue Dieselmotoren auf den Markt bringen. Außerdem werden sechs neue Getriebe eingeführt, unter anderem ein Achtgang-DCT-Getriebe. Die Smart-Stream-Generation startet mit dem 1.6-Benzinmotor, der nach und nach in allen Modellen verfügbar sein wird.

Flottenmanagement: Sie bieten alle alternativen Antriebe auch in Serie an. Welcher Antrieb ist derzeit am erfolgreichsten? Wie sehen Sie die Zukunftschancen der Brennstoffzelle? Was können Sie bereits zu dem neuen ix35 Fuel Cell sagen?

Sascha Behmer: Meiner Meinung nach wird sich in Zukunft nicht ein Antrieb durchsetzen. Bei Hyundai sind wir in der sehr guten Position, schon jetzt verschiedene alternative Antriebe im Angebot zu haben. Ganz klar im Fokus steht die Brennstoffzellentechnologie. Seit 1998 forscht Hyundai an dieser Technologie für den Pkw. Mit dem ix35 Fuel Cell haben wir bereits 2013 das erste serienmäßig produzierte Brennstoffzellenfahrzeug auf den Markt gebracht. Auf der CES in Las Vegas haben wir den Nachfolger dieses Pioniers präsentiert, den Hyundai Nexo. Unsere Ingenieure haben bei der Entwicklung des Nexo den Fokus auf die Steigerung der Effizienz des Brennstoffzellenantriebs gelegt. So konnte die Reichweite auf 800 Kilometer gesteigert werden, 200 Kilometer mehr als beim ix35 Fuel Cell. Die Leistung wurde um 27 PS auf 163 PS erhöht. In Sachen Alltagstauglichkeit kommt der neue Hyundai Nexo an die heutigen Verbrennerfahrzeuge heran. Zusätzlich zu dieser innovativen Technologie decken wir mit dem Ioniq Hybrid, Ioniq Plug-in-Hybrid und Ioniq Elektro alle relevanten alternativen Antriebe ab. Hyundai ist damit derzeit der einzige Hersteller weltweit, der alle wichtigen alternativen Antriebe in Serie bietet. Da in Deutschland öffentliche Institutionen, aber auch Unternehmen verstärkt auf den CO2-Ausstoß ihrer Flotten achten, gewinnt Elektromobilität auch für gewerbliche Kunden eine immer größere Bedeutung – hier sind wir mit dem Hyundai Ioniq und dem Hyundai Nexo bestens für die Zukunft aufgestellt.

Flottenmanagement: Wie wichtig ist es Ihnen, Flottenkunden auch im Nutzfahrzeugsegment mit dem H350 ein Fahrzeug anbieten zu können? Ergeben sich daraus Synergieeffekte in Bezug auf das Pkw-Angebot?

Sascha Behmer: Der H350 wird im Markt äußerst positiv angenommen. Verarbeitung und Ausstattung sind auf einem sehr hohen Niveau und sorgen dafür, dass Kunden die Marke Hyundai auch über unsere Nutzfahrzeuge positiv wahrnehmen. Daher kann man schon von deutlich messbaren Synergieeffekten sprechen. Übrigens gilt dies auch umgekehrt. Wer also mit seinem Hyundai-Pkw zufrieden ist, greift auch im Bereich der Nutzfahrzeuge auf unsere Modelle zurück. Für Kunden ist eine Marke umso interessanter, je mehr sie ihm aus einer Hand bietet. Daher ist es für uns sehr positiv, dass wir neben den Pkw-Modellen auch leichte Nutzfahrzeuge im Angebot haben. Darüber hinaus werden wir das Angebot an passgenauen Auf- und Umbauten ab Werk in diesem Jahr erweitern, wie zum Beispiel die Varianten Pritsche, Kipper und Kofferaufbau.

Flottenmanagement: Worauf baut das Hyundai-Flottengeschäft neben den Fahrzeugen an sich auf? Welche Rolle spielen Business-Center, Garantielaufzeiten und Full-Service-Pakete?

Sascha Behmer: Unser Gewerbekundengeschäft basiert auf drei Bausteinen: den Fleet Business Centern, unserer in der Branche einzigartigen Garantie und dem Full-Service-Leasing. Wir haben unsere Fleet Business Center mit individuellen Schulungsmaßnahmen in ihren Kompetenzen gestärkt und Qualität aufgebaut, vor allem mit Blick auf die professionelle Kundenansprache. Diese ist besonders wichtig, da die Marke im Kundenkontakt unmittelbar wahrgenommen wird, der Händler also das wichtigste Bindeglied zwischen Kunde und Marke ist. Für das Jahr 2018 planen wir einen Ausbau der Standorte von aktuell 56 auf dann 60 Stützpunkte. Darüber hinaus ist die Garantie ein wichtiger Baustein unseres Angebots. Wir bieten auch im gewerblichen Bereich für Pkw fünf Jahre Garantie ohne Kilometerbeschränkung auf Fahrzeuge, die bei einem autorisierten Hyundai Vertragshändler in Europa gekauft wurden, weil wir von der Qualität und Zuverlässigkeit unserer Fahrzeuge überzeugt sind. Bei den Nutzfahrzeugen kann der Kunde ohne Aufpreis ab Werk zwischen einer Dreijahresgarantie ohne Kilometerbegrenzung oder einer Fünfjahresgarantie mit einer maximalen Laufleistung von 200.000 Kilometern wählen. Den dritten Baustein, das Full-Service-Leasing, bieten wir über die Hyundai Leasing, ein Produkt unseres Partners ALD AutoLeasing D GmbH, an.

Flottenmanagement: Welche Rolle spielen Sponsoring und das Engagement von Hyundai im Motorsport für das Image der Marke? Wie wirkt sich dies auf das Flottengeschäft aus?

Sascha Behmer: Alle Aktivitäten, die bei Privatkunden gut ankommen, werden auch von unseren gewerblichen Kunden begeistert aufgenommen. In einem fußballbegeisterten Land wie Deutschland wirkt sich die Wahrnehmung als Sponsor der FIFA Weltmeisterschaften positiv auf unsere Marke aus. Um aber über die internationalen Turniere hinaus Aufmerksamkeit und Emotionen zu transportieren, sind wir im vergangenen Jahr eine umfangreiche Kooperation mit sporttotal.tv eingegangen. Das Portal streamt Amateurfußballspiele kostenfrei live im Internet. Wir unterstützen sporttotal.tv als Werbepartner mit einer Fahrzeugflotte für die Installationstrupps, die die Amateurvereine mit der notwendigen Kameratechnik ausstatten. Auch Motorsport ist ein idealer Emotionsträger. Ob im internationalen Rallyesport oder bei Langstreckenrennen wie dem 24-Stunden- Rennen auf dem Nürburgring – Motorsport ist Emotion pur und wir kommen bei den Veranstaltungen auf vielfältige Weise mit unseren Kunden in Kontakt. Neben der Wahrnehmung der Leistungsfähigkeit unserer Fahrzeuge können auch Bauteile für die Serienreife getestet werden. So haben zum Beispiel zwei seriennahe i30 N im Mai 2017 erfolgreich am 24-Stunden-Rennen am Nürburgring teilgenommen und so gewissermaßen den härtesten Qualitätstest erfolgreich absolviert, bevor wir den i30 N dann im Herbst in den Markt eingeführt haben.

Flottenmanagement: Welche Standortvorteile spüren Sie als Marke in der Rhein-Main-Region?

Sascha Behmer: Unser Unternehmen hat in der Region zahlreiche Aktivitäten für Europa gebündelt. Neben der Deutschland- und Europazentrale in Offenbach hat seit 2017 unsere eigene Bank, Hyundai Capital, ihren Sitz in Frankfurt. In Rüsselsheim ist das europäische Forschungs-, Entwicklungs- und Designzentrum ansässig, das am Nürburgring ein eigenes Testzentrum betreibt. 95 Prozent der Fahrzeuge von Hyundai, die auf den europäischen Straßen unterwegs sind, werden auch in Europa designt, entwickelt und getestet. Von Alzenau aus organisieren wir unser weltweites Engagement in der Rallye- Weltmeisterschaft. Insgesamt bieten wir über 1.200 Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz und haben damit mehr Beschäftigte in Deutschland als jede andere Importmarke.

Flottenmanagement: Welche Ziele haben Sie sich mit Hyundai für die Zukunft gesteckt?

Sascha Behmer: Wir haben unser Geschäft, wie anfangs geschildert, im letzten Jahr bereinigt, damit wir 2018 den Fokus auf profitable Gewerbekundengeschäfte legen können. Das wird auch in den nächsten Monaten wichtig sein. Unsere Stärken sehen wir vor allem bei den kleinen und mittleren Flotten. Gemeinsam mit unseren Händlern wollen wir vor allem regional, also in direkter Nähe des Händlers, das gewerbliche Geschäft ausbauen, vom kleinen Bäckereibetrieb über Sozialstationen bis hin zum mittelständischen Betrieb. Neben diesem starken Fokus auf regionale Geschäfte werden wir weiter nationale Vermieter sowie Großkunden beliefern.