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„Da der Bedarf an innerstädtischer Mobilität ständig steigt, sind wir der Überzeugung, dass Elektromobilität für alle Fuhrparks ein Thema ist, ohne Beschränkung auf eine spezielle Branche oder Größe“, sagt Michael Borner, Direktor leichte Nutzfahrzeuge der Renault Deutschland AG. Ein gesteigerter Bedarf an Mobilität bedeutet allerdings auch eine höhere Umweltbelastung durch den Verkehr, sofern weiterhin ein hoher Anteil auf Verbrennungsmotoren fällt. Es müssen also Lösungen her, um die Emissionsproblematik langfristig und nachhaltig in den Griff zu bekommen. Die Autohersteller sind sich daher einig, dass der Stadtverkehr der Zukunft vollkommen elektrisch sein wird. Es steht also nicht zur Debatte, dass der Diesel über kurz oder lang auch im Nutzfahrzeug-Gewerbe ausgedient haben wird. Den Anfang wird zweifelsfrei der innerstädtische Verkehr machen. Damit auch der Langstreckenverkehr rein elektrisch fahren kann, muss die Infrastruktur ausgebaut sowie die Technologie optimiert werden. Dieser Prozess wird mit Sicherheit noch einige Jahre oder gar Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Wann und wie dieser Umbruch vonstattengeht, bleibt also fraglich. Dazu Lia Perenboom, Pressesprecherin, Koordination Internationales PR-Leiter Netzwerk & Vertriebs- und Marketing-Themen, Kommunikation Volkswagen Nutzfahrzeuge (NK): „Es liegt an der Industrie, den Kommunen und an den Energieversorgern, diesen Wandel der urbanen Logistik mit den Akteuren des urbanen Wirtschaftsverkehrs, also Handwerk, KEP-Diensten und Dienstleistern zu gestalten.“

Beschleunigt werden könnte der Umstellungsprozess auf den „Null-Emissions-Verkehr“ durch die drohenden Diesel-Fahrverbote. Für Unternehmen und die Wirtschaft, die auf die Nutzfahrzeuge angewiesen sind, wäre es ein Desaster, wenn die Transporter die Innenstädte nicht mehr befahren dürften. Daher müssen bereits heute Alternativen in Betracht gezogen werden, die zur Senkung des CO2- und NOx-Ausstoßes beitragen. So bieten immer mehr Hersteller elektrisch angetriebene Nutzfahrzeuge an (siehe Übersicht). Aufgrund der (noch) mangelnden Modellvielfalt mussten wir jedoch unterschiedliche Fahrzeuggrößen berücksichtigen. Einige Modelle wie der e-Crafter von VW und der eVito von Mercedes-Benz sind sogar so neu, dass die technischen Daten in unserer Übersicht auf Studien basieren, da offiziell noch keine Fahrdaten verfügbar sind. Während die ersten e-Crafter bereits an Kunden übergeben wurden, ist der eVito laut Mercedes-Benz ab der zweiten Jahreshälfte 2018 lieferbar. In Zukunft wird auch ein weiterer Großraumtransporter auf den Markt kommen: Die Deutsche Post DHL Group will gemeinsam mit Ford die Reihe Streetscooter Work nach oben hin ausbauen. Der Streetscooter Work XL basiert auf einem Fahrgestell des Ford Transit und wird bereits in diesem Jahr gebaut. Der große Transporter kommt zunächst bei der Paketzustellung der DHL Group zum Einsatz, soll perspektivisch jedoch auch für Drittkunden verfügbar sein.

Laut Alexandre Vuillet, Leiter Business Unit Nutzfahrzeuge Peugeot Citroën Deutschland GmbH, eignen sich besonders die leichten Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb für den lokal emissionsfreien innerstädtischen Lieferverkehr. In diesem Einsatzgebiet kommen die Fahrzeuge oft nur auf relativ kurzen Strecken zum Einsatz. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, wurde beispielsweise der neue e-Crafter in der Entwicklungsphase einem Härtetest von Paketdienstleistern und Handwerksbetrieben unterzogen. Täglich wurden nach Angaben von Volkswagen zwischen 70 und 100 Kilometer mit mehreren Starts und Stopps zurückgelegt, um die Batterie- und Antriebseinheit des Transporters im Alltagseinsatz auf Herz und Nieren zu testen. Für diesen relativ kleinen Aktionsradius reicht selbst die heutige Batterietechnologie aus, um einen Arbeitstag ohne Zwischenladen zu meistern. Geladen werden die Fahrzeuge in der Regel an firmeneigenen Ladesäulen auf dem Werksgelände. Unternehmen umgehen damit zwar das infrastrukturelle Problem der Lademöglichkeiten, allerdings ergeben sich dadurch andere Herausforderungen. Wenn eine Flotte aus mehreren E-Fahrzeugen gleichzeitig geladen wird, kann das Stromnetz schnell mal überlasten und womöglich den laufenden Betrieb gefährden. Hinzu kommt, dass Firmen bei der Installation der Ladesäulen mit hohen Ausgaben konfrontiert sind.

Für Manfred Kuchlmayr, Unternehmenskommunikation bei der Iveco Magirus AG, ist der nach wie vor hohe Preis die Hauptursache, warum die Elektrotransporter im Vergleich zu den Modellen mit Verbrennungsmotor das Nachsehen haben. Zu dem relativ hohen Grundpreis der Stromer kommt hinzu, dass die Batterie nicht bei jedem Modell im Kaufpreis enthalten ist. Bei manchen Herstellern werden die Akkus nur gemietet und es fallen monatliche Zusatzkosten an. Bei Citroën können Kunden beispielsweise beide Optionen wählen. Der Kaufpreis der Batterie liegt bei 5.300 Euro netto. Bei einer Miete fallen 87,30 Euro netto pro Monat an. Die festgeschriebene Laufzeit liegt hier bei 96 Monaten mit einer Kilometergrenze von 160.000 Kilometern. Hochgerechnet auf die acht Jahre Laufzeit beläuft sich der Gesamtbetrag der Miete auf 8.380,80 Euro netto.

Der ökonomische Aspekt spricht also nicht gerade für einen Elektrotransporter. Dabei wird der Kauf von E-Fahrzeugen mit insgesamt 600 Millionen Euro staatlich subventioniert. Dennoch sind die E-Fahrzeuge bei den Autofahrern nach wie vor unbeliebt, was sich auch an der geringen Inanspruchnahme der Prämie zeigt. Laut mehrerer Pressemeldungen im Januar wurden bislang nur rund zehn Prozent des Gesamtbetrags ausgezahlt. Entsprechend gering sind die Verkaufszahlen bei den E-Transportern. „Der prozentuale Anteil der E-Transporter-Zulassungen (Kangoo Z.E./ Kangoo Maxi Z.E.) am Gesamtabsatz liegt aktuell bei 1,51 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es kaum Veränderungen“, sagt Michael Borner. Dies erklärt auch, warum es momentan noch an der Modellvielfalt mangelt. Genau darin liegt aktuell auch das Problem der Elektromobilität, denn man befindet sich in einer Art Teufelskreis. Bei geringer Nachfrage werden die Hersteller das Elektroangebot kaum weiterentwickeln und ausbauen, gleichzeitig wird ohne neue und effizientere Modelle auch das Interesse der Kunden nicht größer werden.