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Vor zehn oder zwölf Jahren hätte Flottenmanagement einen Kleinwagen womöglich gar keinem ausführlichen Test unterzogen. Nicht dass dieses Segment im Firmenbereich keine Relevanz gehabt hätte – aber vor einem universellen Einsatz inklusive Langstrecke hätten insbesondere User Chooser wohl Abstand genommen und sich eher in der größeren Kompaktklasse umgesehen. Aber heute? Der neue Polo hat sich gar nicht so sehr im Erscheinungsbild geändert – ganz behutsam sind die Gestalter vorgegangen und haben den Wolfsburger in Nuancen angefasst ganz nach dem Motto: Perfektes kann man nicht mehr verbessern. Stimmt nicht ganz, der Blick auf die Zahlen zeigt, was man besser machen konnte und auch gemacht hat. So wuchs die Außenlänge um rund acht Zentimeter auf nunmehr 4,06 Meter, um den gleichen Wert nahm übrigens auch der Radstand zu – also kommt das Längenwachstum vorwiegend den Passagieren zugute. In Zukunft können sich also auch Mitfahrer in der zweiten Reihe über viel Raum freuen.

Doch es ist nicht nur das bloße Raumangebot. Der neue Volkswagen Polo sieht einfach erwachsen aus, das merkt man schon Sekundenbruchteile nach dem Einstieg. So entspricht die hochklassige Verarbeitungsqualität absolut dem Konzernstandard. Sämtliche Materialien fühlen sich auch beim zweitkleinsten Volkswagen-Modell wertig und solide an. Die Architektur gibt sich sachlich und verbindlich – eine klare Formensprache lässt keinen Platz für Designschnörkel, und entsprechend einfach fällt es auch, mit dem Bedienkonzept des Polo klarzukommen. Die sechste Generation verfügt auf Wunsch freilich auch über den großen Touchscreen mit der edel aussehenden Glasscheibe – das außerhalb des Anzeigebereichs in ein tiefes Schwarz getauchte Glas deckt darüber hinaus Teile der Anzeigetafel sowie des Armaturenbretts ab. Das Kombiinstrument kann als Option komplett aus Anzeigefläche bestehen, aber unser Testwagen verfügt über zwei klassische Rundskalen für Tacho und Drehzahlmesser. Hier muss das Punktmatrix-Display in der Instrumentenmitte als umfangreiche Informationsquelle herhalten, was allerdings recht gut gelingt. Doch kommen wir auf das – auch im Zeitalter von Bits und Bytes – immer noch Wichtigste am Auto zu sprechen: den Motor. Denn ohne fährt auch das mit höchster Rechenleistung ausgestattete Vehikel nicht. Flottenmanagement hat sich für den Dieselmotor entschieden, wenngleich im Kleinwagen-Segment inzwischen häufig zum Ottotriebwerk gegriffen wird. Doch da der Polo auch für weite Reisen problemlos einsetzbar ist, lohnt es sich, einen Blick auf den Diesel zu werfen. Die Variationsbreite im Selbstzünder-Bereich ist inzwischen enger geworden – beim Hubraum ist man zwingend auf 1,6 Liter abonniert. Flottenmanagement wählt die schwächere 80 PS-Ausbaustufe, um einmal zu testen, ob man damit im Alltag klarkommt – vor allem auf der Autobahn. Ein Blick in das Datenblatt zeigt, dass der kleine Vierzylinder auch schon durchaus bullige 230 Nm Drehmoment ab 1.400 Touren auf die Kurbelwelle stemmt – eine gute Voraussetzung, behände voran zu kommen. Die Maschine wird werkseitig mit einem Fünfgang-Getriebe gepaart, das sich leichtgängig schalten lässt.

Nach einer klitzekleinen Anfahrschwäche setzt sich der 1,3-Tonner also in Bewegung, beschleunigt nicht rasant, aber doch nachdrücklich. Mehr Leistung braucht man keineswegs – auch nicht auf zähen Autobahnsteigungen. Denn sogar jenseits der 2.400 Umdrehungen (hier flacht die Drehmomentkurve wieder ab) rotiert der Vierzylinder zunächst noch beflissen, um dann anzuzeigen, dass es sich nicht um einen Hochdrehzahl-Motor handelt. Nichtsdestotrotz: Wird ein Überholvorgang nötig – ruhig mal beherzt zurückschalten und dem kleinen Kraftwerk die Sporen geben, dann lässt sich das rollende Hindernis auch druckvoll passieren. In den meisten Fällen kann der nicht mehr ganz so kleine Wolfsburger indes recht entspannt bewegt werden mit niedriger Tourenzahl und genügend Punch im Hintergrund selbst dann, wenn der große Gang eingelegt ist. Fünf Übersetzungsstufen reichen übrigens, um leise über die Bahn zu fließen – bei 120 km/h verweilt der Drehzahlmesser immerhin noch knapp unter der 2.000er-Marke.

Das Thema Komfort spielt beim Polo eine große Rolle – hier geht es nicht nur um leise Fahrgeräusche aufgrund niedriger Motordrehzahlen. Wie sitzt man im Auto, wie stark dringen Bodenwellen in den Fahrgastraum – alles Dinge, über die sich die Entwickler Gedanken gemacht zu haben scheinen. Denn der Kunde bekommt mit dem Basis-Volkswagen einen durch und durch bequemen fahrbaren Untersatz, der auch auf welliger Fahrbahn nicht so schnell unterdämpft wirkt inklusive ergonomisch geformter Sitze. Andererseits erfüllt er dennoch hohe fahrdynamische Ansprüche, macht selbst mit dem schwer auf der Vorderachse wiegenden Diesel in Kurven Spaß, folgt den Richtungsbefehlen der präzisen Servolenkung gehorsam. Das größte Innovationsfeld sind aber nicht Antrieb oder Fahrwerk – das sind auch in diesem Segment Assistenz und Digitalisierung. Nicht genug damit, dass es beim Polo ein autonomes Bremssystem, einen Querverkehrwarner oder einen aktiven Tempomat gibt – natürlich sind auch Online-Funktionalitäten zu haben, um das Navigationssystem beispielsweise leichter füttern zu können.

Um die Preisfrage kommen wir freilich auch beim Polo nicht umhin – ab netto 13.886 Euro gibt es den kleinsten Diesel, selbstredend mit moderner SCR-Technologie, um einen hohen Abgasreinigungsstandard zu gewährleisten. Der in der Trendline-Ausstattung anrollende Kleinwagen verfügt serienmäßig über Features wie City-Notbremsfunktion, Fußgänger-Erkennung sowie Start-Stopp-System. Gegen 1.827 Euro Aufpreis gibt es die Comfortline-Variante mit Klimaanlage und Radio. Wer netto 987 Euro zusätzlich investiert, bekommt Einparkautomatik, Rückfahrkamera plus Tempomat mit automatischer Distanzregelung. Für LED-Scheinwerfer berechnet Volkswagen 827 Euro netto, und das umfangreiche Navigationssystem gibt es bereits gegen moderate 474 Euro netto. Wer sich gegen einen integralen Lotsen entscheidet, bekommt gegen netto 189 Euro die Möglichkeit, die Betriebssysteme Android oder Apple iOS auf dem Fahrzeugmonitor zu spiegeln. Musikliebhaber dürfen auf ein leistungsfähigeres Soundsystem setzen, sofern sie dem Händler zusätzliche 420 Euro netto überweisen.