PDF DOWNLOAD

Was muss ein SUV eigentlich können? Klar, möglichst variabel und nützlich sein, die Fahrgäste bequem auch an weite Ziele bringen und – natürlich ganz wichtig – einen bestimmten Lifestyle ausdrücken. Daraus ergibt sich auch, was es nicht können muss. Nämlich schwere Geländestrecken überwinden. Nur ganz wenige Käufer fahren mit ihrem SUV auf unwegsames Terrain – und entsprechend dieser Nachfrage haben die Spanier entschieden, für ihr Fahrzeug, das auf dem modularen Querbaukasten A0 (Kleinwagen-Klasse) basiert, keinen Vierrad-Antrieb zu entwickeln. Man muss also wissen: Der Arona tritt stets als Fronttriebler auf. Und um die Antriebe so effizient wie möglich zu machen, wird auch nicht mit Dreizylindern gegeizt. Im Gegensatz zum Ibiza, der ja auch auf dieser Plattform aufbaut, kommen beim Arona allerdings lediglich aufgeladene Motoren zum Einsatz. Unser Testwagen rollt als 115 PS starker TSI mit Sechsgang-Schaltgetriebe an.

Also, los gehts. Kurzes Antippen reicht, um den Einliter aufzuwecken (je nach Variante geht es schon serienmäßig schlüssellos). Der Kenner hört den Dreizylinder sofort heraus und schmunzelt: Eigentlich klingt er charakteristischer und damit sogar etwas schöner als ein Vierzylinder – von diesem Effekt profitiert dieses Triebwerk noch so lange, da die Autofahrer den Vierzylinder als Standard-Motor ansehen. Wie auch immer – laut ist der kleine Turbo keineswegs, man kann mit ihm wunderbar klarkommen. Und hohe Drehzahlen braucht er auch nicht dank Aufladung – schließlich steht sein Maximaldrehmoment von 200 Nm bereits ab 2.000 Touren zur Verfügung und flacht auch bis 3.500 Umdrehungen nicht ab, so dass man in diesem Bereich gut arbeiten kann. Natürlich sind 115 PS nicht die Welt, aber mit rund 1,2 Tonnen ist der Arona kein ausgeprägtes Schwergewicht. Rund zehn Sekunden nennt das Datenblatt für den Standardsprint von 0 auf 100 km/h, damit fühlt er sich alles andere als phlegmatisch an und kommt quirlig auf Trab. Dazu passt auch das leichtgängige Getriebe mit seinen kurzen Schaltwegen und präziser Führung.

Mit rund 4,14 Metern Außenlänge kommt der Arona auf ein heutzutage typisches Kleinwagenmaß – aber kann sich in puncto Platzangebot dennoch sehen lassen. Selbst im Fond, wo bei manchen Fahrzeugen dieses Segments Enge herrscht, überzeugt der Spanier durch luftiges Feeling für die Beine durchschnittlich gewachsener Europäer. Zu überzeugen vermag er ebenfalls mit seinen Stühlen, die ergonomisch geformt sind und auch nach ein paar Stunden Fahrt noch für Entspannung sorgen. Spätestens jetzt wird klar, dass man den Arona auch mal auf der Langstrecke einsetzen kann – wenngleich das in dieser Liga eher die Ausnahme sein dürfte. Etliche praktische Ablagen machen das Leben leichter, sollte man doch noch auf ferne Reisen gehen – und der Fußraum ist nachts beleuchtet. Einsteigen gelingt hier ziemlich kommod – das ist ein Vorteil des SUV, das etwas über zehn Zentimeter höher baut als sein Limousinen-Pedant. Und über fehlende Fahrdynamik wird sich niemand aufregen, da man ohnehin nicht die letzte Sekunde bei der Kurvenfahrt herausholen möchte. 

Reden wir über das Fahrwerk. Das hat es ja nicht ganz leicht, maximalen Komfort auf unebenen Fahrbahnen zu erzielen, woran die von der heutigen Mode bestimmten Radgrößen Schuld tragen. Auch unser Testwagen rollte mit schicken 17-Zöllern an, da muss man sich eben entscheiden zwischen toller Optik oder besserem Fahrkomfort – anders geht es technisch nun einmal nicht. Allerdings schlägt sich der Arona auch mit den zweifellos attraktiven Hingucker-Rädern recht gut und meistert langwellige Verwerfungen wie sie beispielsweise auf Autobahnen vorkommen recht souverän und schwingt sogar ein bisschen nach. Und Ausfahrten auf kurvige Überland- Passagen machen mit dem sirrenden Turbo sogar richtig Laune. Trotz höherer Karosserie geht es zügig durch die Kehre, eine fein rückmeldende und präzise agierende E-Servolenkung spielt dabei mit. Wer es zu doll treibt, wird freilich vom Stabilitätsprogramm ausgebremst, das mehr sanft als ruppig einbremst, wenn sich die anfänglichen Untersteuer-Tendenzen zur Rutschpartie verwandeln.

So richtig in seinem Element ist der Arona beim Thema Infotainment und gibt den Erwachsenen. Hier lohnt sich das je nach Line schon gegen 756 Euro Aufpreis (netto) lieferbare Businesspaket, das erstens ein integriertes Navigationssystem und zweitens Apple CarPlay respektive Android Auto enthält. Digitaler Radioempfang sowie ein Totwinkelassistent sind dann ebenfalls enthalten. In diesem Fall installierten die Techniker einen ziemlich großen Touchscreen im Bereich der Mittelkonsole, der analog zu anderen Konzern- Fahrzeugen ebenfalls mit der wertig wirkenden Glasscheibe glänzt. Konservativ sind die Spanier hingegen beim Kombiinstrument, das klassisch gehalten ist, aber hervorragend abgelesen werden kann. Immerhin sitzt zwischen den beiden Rundskalen ein hinreichend großer Monitor für die alltäglichen Fahrinfos. Ach ja, was die Bedienung angeht, setzt Seat auf eine Mischung: Alltägliche Dinge wie beispielsweise Klimaregelung oder Sitzheizung werden über physische Tasten gesteuert, während das Kapitel „Menüsteuerung“ groß genug ist, als dass es Stoff für die eine oder andere Trainingsstunde liefert.

Ab netto 16.151 Euro gibt es den Arona mit dem 115 PS-TSI. Und bevor wir ins Sonderausstattungskapitel einsteigen, werfen wir noch einen Blick auf die Außenhaut: Bis zu 34 verschiedene Farb-Kombinationen lassen sich realisieren – denn es gibt neben den Hauptfarben noch drei wählbare Dachfarben. Für den „FR“ hat das Werk gegen 252 Euro netto noch rot lackierte Bremssättel parat. Immer an Bord in Verbindung mit dieser Motorvariante sind autonome Notbremsung, Bluetooth-Freisprechanlage sowie Klimaanlage. Bucht man zur Basisversion (in diesem Fall „Style“) das Bildschirm-Navigationssystem hinzu, werden netto 831 Euro fällig. Der aktive Tempomat kostet hier netto 420 Euro extra. Sehr zu empfehlen sind auch LED-Scheinwerfer (504 Euro netto) und für den Dienstwagenfahrer natürlich Parksensoren für verhältnismäßig schmale 218 Euro netto. In das Aufhübschen der Außenhaut kann man zwischen 168 und 882 Euro netto stecken.