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Oft setzt sich der Erfolg einer Veranstaltung aus der Balance zwischen altbewährten und neuen Ideen zusammen. Seit dem ersten Treffen vor elf Jahren findet die Fuhrpark Lounge am gleichen Ort statt, auch der Rechtsanwalt und Moderator Joachim Otting hat der Veranstaltung in den letzten Jahren seinen eigenen Charme verliehen. Die Themen der Vortragenden blieben jedoch immer am aktuellen Zeitgeschehen orientiert. So auch in diesem Jahr. Thomas Röhrig von Carglass stellte gleich im ersten Vortrag eine dieser aktuelleren Entwicklungen heraus: Seit 2010 geht der Autoglas-Markt deutlich zurück. Ein Grund, so der Autoglas-Experte, ist das mildere Wetter der letzten Jahre. Zudem seien die Straßen in Deutschland einfach zu gut. Auch wenn hier sicher der ein oder andere Autofahrer widersprechen würde, die Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache. Eher dem Empfinden der meisten Firmenwagenfahrer entsprechen dürfte der dritte Grund für den Rückgang der Glasschäden: Staus gerade an Baustellen sorgen dafür, dass Fahrzeuge langsamer fahren und weniger Steinschläge beispielsweise durch Rollsplitt entstehen.

Eine weitere Entwicklung in der Welt der Autoglaser der letzten Jahre ist der technische Fortschritt. Die Scheiben werden immer komplexer, und das bis in die Brot-und-Butter-Flotten hinein. Eine Vielzahl von Assistenzsystemen nutzt beispielsweise eine kleine Kamera, die direkt hinter der Scheibe platziert ist. So hilfreich diese Technik beim Fahren ist, so groß ist der Aufwand, wenn die Scheibe einmal ausgetauscht und die Kamera neu kalibriert werden muss. Es entfachte sich gerade hieran eine ausgiebige Diskussion zum Thema der Assistenzsysteme im Fahrzeug. Müssen diese funktionieren, wenn sie vorhanden sind? Welche sind verpflichtend, welche nicht? Wer haftet, wenn diese nicht korrekt kalibriert sind?

Der Moderator musste für die Überleitung zum zweiten Vortrag des Tages angesichts der Diskussion um die Assistenzsysteme in modernen Fahrzeugen nicht lange überlegen. Denn Marcel Borrack von der Allianz referierte zum Thema hochautomatisiertes Fahren. Bereits der Ausstattungsgrad der aktuellen Neufahrzeuge steigt stetig. Dies wird auch langfristigen Einfluss auf das Unfallgeschehen haben. So können Notbremsassistenten oder Kollisionswarner die Schadenfälle bei Auffahrunfällen signifikant reduzieren, wie der Referent darstellte. Natürlich können diese Systeme die Schäden nicht komplett verhindern. Es gibt laut Marcel Borrack Systemgrenzen. Zudem werden, ähnlich wie bei der Frontscheibe, ein Austausch oder eine Reparatur von Systemen immer teurer. Einfache kleine Parkschäden können so sehr schnell ins Geld gehen.

Derzeit beinhalten 95 Prozent der Unfälle menschliches Fehlverhalten, 75 Prozent der Unfälle lassen sich allein auf den Menschen zurückführen, so der Unfallexperte. Dieses Verhältnis wird sich durch das teil- und vollautomatisierte Fahren verschieben. Hier stellen sich Fragen der Haftung, Gesetzesregelung und Versicherung. Die Prämiengestaltung der Versicherer wird sich in Zukunft noch verändern. Ermäßigung durch den Einbau von Assistenzsystemen und Telematikauswertungen stehen hier im Raum. Bis das vollautonome Fahren den Markt durchdrungen hat, wird jedoch noch einige Zeit vergehen, prognostizierte der Referent.

Nach den ersten beiden Vorträgen wurden Gewinner gesucht. Für drei Teilnehmer der Tagung gab es eine Fahrzeugwäsche zu gewinnen. Wer ausgelost wurde und mit dem Auto angereist war, konnte sich über eine kostenlose Autoreinigung mit der innovativen Reinigungsmethode von MyCleaner vor Ort freuen. Diese wurde bei frühlingshaftem Wetter im Innenhof des Hotels live vor allen Teilnehmern durchgeführt. Das Besondere an der Methode von MyCleaner ist, dass sie, abgesehen vom speziellen Reinigungsmittel, ohne Wasser auskommt und daher überall durchgeführt werden kann.

Nach diesem Live-Act durfte Prof. Dr. Michael Schreckenberg an die Vorträge des frühen Nachmittags auch inhaltlich anknüpfen und referierte in seiner gewohnt witzigen Art über die Mobilität der Zukunft. 1.378.000 Kilometer Stau gab es insgesamt 2016 allein in Deutschland, dazu werden die Treibstoffressourcen knapp und Passagiere kämpfen mit Engpässen bei Bahn und Flugzeug – der Stauforscher sprach viele Probleme an, die in Zukunft noch stärker unser Leben bestimmen werden. Lösungen seien unter anderem alternative Antriebe. Doch die Entwicklungen sind hier oft noch nicht alltagstauglich, so der Physik-Professor der Universität Duisburg-Essen. Als Fahrstrategien hilft der Blick in die Tierwelt. Wenn es gelingt, das Schwarmverhalten von Tieren zu kopieren, dürften zumindest Staus der Vergangenheit angehören.

Nach einem ausgiebigen Abendessen konnten die Teilnehmer in einem lockeren Get-together die Themen des Tages noch einmal vertiefen oder einfach das eigene Netzwerk erweitern.

Auch wenn es für den ein oder anderen am Abend doch noch etwas später geworden ist, brauchte Dr. Matthias Schwarz nicht lange, um die morgendliche Müdigkeit aus den Gesichtern der Teilnehmer zu zaubern. Dabei sprach er eigentlich über ein „Ärgernis“, wie er sich ausdrückte. Im ersten Teil seines Vortrags ging es um Reklamation. Wir fühlen uns oft persönlich sehr schnell angegriffen. Dabei muss es inhaltlich nicht einmal mit einem selbst zu tun haben. Bei der Reklamation geht es eigentlich um Emotionsmanagement. Reklamation ist immer auch eine Chance. Nimmt man die Reklamation ernst, fühlt sich der Kunde auch wertgeschätzt, dies schafft wiederum Vertrauen.

Nach dem kleinen Exkurs in die menschliche Psyche referierte Karsten Weichelt von RiskAdvice zum Thema Riskmanagement. Dabei geht es um die Stellschrauben im Fuhrpark, mit denen Kosten reduziert werden können. Ansatzpunkte finden sich demnach bereits im Verhalten der Mitarbeiter. Hier ließe sich eine Verbindung zu dem Vortrag von Marcel Borrack vom Vortag ziehen: Der Mensch ist oftmals Verursacher von Unfällen und nicht die Maschine.

Den Abschlussvortrag des zweiten Tages übernahm der Moderator der beiden Tage selbst. Noch so eine Tradition, die sich in den letzten Jahren bewährt hatte. Der Rechtsanwalt Joachim Otting stellte unter dem provokanten Titel „Die Melkkuh der Versicherungen“ unter anderem die These auf, dass eine korrekte Schadenregulierung, im Sinne des Gesetzgebers, in Deutschland fast schon zur Seltenheit geworden ist.

Teilnehmer und Veranstalter zeigten sich am Freitag zufrieden mit dem Verlauf der elften Ausgabe der Fuhrpark Lounge, sodass man auf die Fortsetzung im nächsten Jahr gespannt sein darf.