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Das Berufsbild des Chauffeurs hat sich über die Jahrhunderte gewandelt. Anfänglich vom Mechaniker (wortwörtlich: Heizer) hin zum Statussymbol für die oberen Zehntausend soll der Chauffeur nun für jedermann bezahlbar gemacht werden. Das zumindest versprechen mittlerweile viele Anbieter mit ihren Leistungen. Immer mehr renommierte Mietwagenfirmen wie Europcar, Hertz (über Partner Blacklane) oder Sixt (über Tochtergesellschaft myDriver) bieten inzwischen Chauffeurdienste an. „Wir beschäftigen selbst keine Chauffeure, wir vermitteln sie nur“, sagt Frank Steuer, einer der Gründer des Blacklane-Chauffeurdienstes. „Und wir nutzen dazu ihre Leerzeiten“, so Steuer weiter. Konkurrent myDriver setzt hingegen auf eigene Fahrzeuge und eigene Fahrer. Und hat damit durchaus Erfolg. Nach eigenen Angaben wurde der Dienst im vergangenen Jahr bundesweit rund 300.000 Mal gebucht, Tendenz steigend.

Oftmals liegen die Preise (Festpreise) bei den Fahrten tatsächlich nur etwas über den Taxipreisen in den jeweiligen Städten. Zwei beispielhaft ausgewählte Strecken belegen das: Vom Kempinski Hotel Bristol in Berlin bis zum Flughafen Tegel sind es laut Taxirechner circa 21,50 Euro für die knapp zehn Kilometer lange Strecke. Mit dem Chauffeurservice von myDriver, bei dem man zwischen vier Fahrzeugklassen (siehe Bild rechts) wählen kann, liegt das günstigste Angebot bei 30,70 Euro.

Noch deutlicher wird das Ganze bei einer längeren Strecke: Für die rund 35 Kilometer vom Flughafen München zum InterCityHotel in der Nähe des Hauptbahnhofs fallen rund 70 Euro Taxigebühren an. Die Einstiegsvariante Economy Class von myDriver liegt mit 69,34 Euro hier gar gleichauf, die höchste Stufe „First Class Service“ kostet 100,08 Euro.

Apps
Ähnlich wie Blacklane setzt die Daimler-Tochter mytaxi auf keinen eigenen Fuhrpark, sondern vermittelt über seine mytaxi-App Kunden an Taxifahrer beziehungsweise umgekehrt. Für diesen Service müssen die Taxifahrer rund sieben Prozent ihres Umsatzes bei jeder vermittelten Fahrt an mytaxi abtreten. Zum Vergleich: Rund fünf Prozent sind es bei Fahrten für die Taxizentralen.

Im letzten Jahr machte mytaxi mit großen Rabattaktionen auf sich aufmerksam. Dabei war es den Kunden möglich, durch eine Gutschrift bis zur Hälfte der regulären Taxigebühren einzusparen. Der Taxifahrer wurde dabei nicht benachteiligt, da die Daimler-Tochter den restlichen Betrag aus eigenen Mitteln zahlte. Mittlerweile ist die Aktion allerdings deutschlandweit gerichtlich untersagt, das deutsche Taxigewerbe hatte dagegen geklagt. „Die Höhe des gesetzlich festgelegten Preises für Taxifahrten darf weder nach oben noch nach unten unterschritten werden“, begründete das Landgericht Frankfurt sein Urteil (Az: 3-06 O 72/15) Anfang 2016. Noch ist das Urteil allerdings nicht rechtskräftig. mytaxi ist nach wie vor davon überzeugt, dass die Rabattaktionen legal waren: „Die Übernahme eines Teils des Taxifahrpreises durch mytaxi entspricht der weit verbreiteten und rechtlich nicht zu beanstandenden Praxis der Aushändigung von Taxigutscheinen“, so ein Sprecher des Unternehmens. Hier scheint also das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Dass mytaxi durchaus als Konkurrent von herkömmlichen Taxizentralen wahrgenommen wird, zeigt ein Zusammenschluss von Taxi Berlin und der französischen G7, die ihre Taxi-Apps Taxi.eu und eCab zu einer Plattform mit fast 100.000 Fahrzeugen vereinigten. Somit soll eine entsprechend größere Zielgruppe erreicht werden. Das mytaxi-Netz ist inzwischen auf circa 45.000 Wagen angewachsen.

Der Fahrvermittler Uber baut derweil ein vergleichbares Modell wie mytaxi auf. Nachdem mehrere Dienste des weltweit wertvollsten Start-ups (geschätzter Wert rund 60 Milliarden Dollar), wie UberPop (Privatleute bieten Fahrten an) und UberBlack (Limousinenservice mit selbstständigen Fahrern), in Deutschland verboten wurden, bieten nun in Berlin rund 1.000 Taxifahrer ihre Fahrten über die Uber-App an. „Wir vermitteln ihnen Geschäft, und sie verstehen dadurch besser, was Uber dem Markt bringt, nämlich eine effiziente technologische Plattform, die Menschen leicht und schnell zu verschiedenen Mobilitätslösungen bringt“, erklärte Uber-Deutschlandchef Christian Freese unlängst in einem Interview mit der INTERNET WORLD Business. Wie mytaxi verlangt Uber hier eine Vermittlungsprovision von sieben Prozent.

Weitere Ansätze
Doch Uber will mehr. Das US-amerikanische Unternehmen plant für Deutschland zwei weitere Modelle – UberX und UberPool. Während Ersteres auf einer Zusammenarbeit mit professionellen Mietwagenunternehmen und Fahrern mit Personenbeförderungsschein basiert und derzeit in München umgesetzt wird, sieht das 2009 gegründete Unternehmen in UberPool die Zukunft. Dabei sollen jeweils mehrere Fahrgäste, die ähnliche Strecken fahren, in ein Auto gebucht werden. In Europa gibt es dieses Angebot beispielsweise schon in London und Paris.

Ein ähnliches Modell verfolgt CleverShuttle. Das Start-up hat im April dieses Jahres in Leipzig und München einen eigenen kleinen Mobilitätsdienst ins Leben gerufen. Dabei kombiniert die Clever-Shuttle-App verschiedene Fahrtenwünsche, sodass sich mehrere Nutzer ein Auto samt Fahrer teilen können. Der Clou: Die Fahrzeuge (in München zunächst sechs Audi A3 e-tron) gehören Clever-Shuttle, zehn Fahrer sind fest eingestellt. „Wir bieten echtes Carsharing an“, sagt Geschäftsführer und Firmengründer Bruno Ginnuth. Mit dem Plug-in-Hybridantrieb will Clever-Shuttle umweltbewussten Kunden zudem „ein weiteres Kaufargument bieten“. Gemäß Ginnuth liege der Preis in etwa 40 Prozent unter dem Münchner Taxitarif. Bisher sind die Fahrzeuge aber nur in den Abendstunden verfügbar, da die Nachfrage für einen 24/7-Service noch nicht ausreiche, so Ginnuth.

Fazit
Mit dem Chauffeur-Angebot von mydriver, Blacklane et cetera ist eine Alternative zum herkömmlichen Taxi entstanden. Im Idealfall kostet sie kaum Aufpreis und bietet, je nach gewählter Fahrzeugklasse, ein besonderes Flair. Die bisherigen Nutzer der Chauffeurdienste berichten teilweise sehr positiv, demgegenüber stehen aber auch einige kritischere Aussagen. Hier lassen letztlich nur eigene Erfahrungen eine Meinungsbildung zu. Gegen die Fahrdienste spricht der Faktor Flexibilität, denn eine Buchung muss rechtzeitig (zumeist mindestens ein bis zwei Stunden vor der Fahrt) getätigt werden, außerdem sind die Dienste noch nicht in jeder Stadt verfügbar. Bei spontanem Bedarf oder wenn es schnell gehen muss, ist eine der bundesweit über 50.000 Taxen die wohl bessere Wahl. Die genannten Apps sind eine Ergänzung zu den Taxizentralen. Vorteilhaft sind hierbei die von Kunden hinterlegten Fahrerbewertungen und die schnelle Verfügbarkeit. Ohne Rabattaktionen gibt es preislich für den Kunden allerdings keinen Unterschied. Die Zukunft wird wohl dem „Sharing“ gehören, wie es Uber plant und CleverShuttle bereits in kleinem Umfang durchführt. Nicht ganz grundlos hat sich daher bereits die Deutsche Bahn mit Anteilen am deutschen Start-up eingedeckt.