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88 Prozent der Flottenmanager geben an, dass in ihrem Fuhrpark besagte Karten genutzt werden. Als Quelle dient hierbei unsere Onlineumfrage (S. 86), die sich dieses Mal komplett um Tankkarten dreht. Auch wenn der Prozentwert nicht ganz repräsentativ ist (etwas mehr als 300 Umfrageteilnehmer), können wir ihn doch durchaus als Richtwert betrachten. Und er ist durchaus nachvollziehbar. Denn durch Tankkarten ergeben sich Kostenersparnisse, Datensicherheit und sie sind ein hervorragendes Analysetool für den Fuhrparkleiter.

In größeren Fuhrparks kommt es derweil häufig vor, dass mehr als eine Tankkarte genutzt wird. Gerade eine „Mischung“ aus Karten großer Mineralölkonzerne mit einem entsprechenden Akzeptanznetz sowie Tankkarten für freie Tankstellen scheinen hier ein vielversprechender Lösungsansatz zu sein.

Alternative Kraftstoffe
Trotz immer effizienterer und emissionsärmerer konventioneller Antriebe und Kraftstoffe werden alternative Antriebe und dementsprechend alternative Kraftstoffe zunehmend wichtiger. Doch wie sieht die Verfügbarkeit dieser an den Tankstellen aus und inwieweit kann man die Karte überhaupt für den Bezug verwenden?

Die Novofleet GmbH + Co. KG hat Anfang 2015 eine Tankkarte eigens für Elektro- und Hybridfahrzeuge auf den Markt gebracht. „Denn während die Anzahl der Elektro- und Plug-in-Fahrzeuge in Deutschland kontinuierlich wächst, sind die Lademöglichkeiten für gewerbliche Flotten derzeit noch beschränkt. Oft steht nur ein lokales Angebot zur Verfügung oder die Fahrer müssen eine Vielzahl von Karten und Codes mit sich führen. Bei uns können die Nutzer an bereits über 3.800 Ladepunkten in Deutschland die Karte am Ladepunkt entweder über den in der Karte enthaltenen RFID-Chip oder per QR-Code und Novofleet +Charge App authentifizieren“, so Geschäftsführer Ralf Turley.

Joachim Burbank, Leiter Service Center im Bereich Tankstellen der Westfalen Gruppe, sieht Autogas als erste Alternative an: „Über 100 Westfalenund Markant-Tankstellen bieten Autogas (LPG) an. Zudem sind 54 Stationen des Westfalen-Tankstellennetzes mit Stromladesäulen ausgestattet. Und unser Netz wird kontinuierlich ausgebaut.“

Andere Antriebsarten stehen ebenfalls im Fokus. Steffen Eckert, Leiter Vertrieb Tankkarten bei Total, erklärt: „Beim Thema Wasserstoff sind wir Vorreiter und seit 2002 beim Aufbau der Infrastruktur von Wasserstoff- Tankstellen in Deutschland engagiert – zu den bundesweit 19 öffentlich zugänglichen H2-Stationen zählen heute acht Total Multi-Energie-Tankstellen. Wo immer möglich, komplettierten wir unser Multi-Energie-Konzept an der Station mit Photovoltaik-Modulen unseres Total Schwesterunternehmens SunPower.“

Bei fast allen Anbietern kann der Tankkartennutzer neben den konventionellen Kraftstoffen auf zumindest die beiden Gasvarianten (Auto- und Erdgas) zurückgreifen. Ob sich die Alternative Wasserstoff nachhaltig durchsetzt, bleibt abzuwarten. In jedem Fall schreitet auch hier der Ausbau der Infrastruktur stark voran.

Mehr als Tanken
Mittlerweile sind Tankkarten vielmehr als nur reine Bezahlkarten für das Beziehen von Kraftstoffen. Unternehmen sollten sich dabei vorab genau überlegen, welche Produkte und Services sie für ihre Mitarbeiter freischalten lassen. Dazu berichtet die OMV Deutschland GmbH: „Im Retailbereich zählen die Autowäsche und der Kauf von autobezogenem Zubehör zu den meist genutzten Services. Ein weiterer Service, der von vielen Kunden genutzt wird, ist die Mautabwicklung.“ Private Zusatzeinkäufe wie Snacks oder Kaffee sind zwar ebenfalls oft möglich, bei den meisten Unternehmen allerdings nicht erlaubt.

Auch Dienste wie die Führerscheinkontrolle, die über Kooperationspartner angeboten werden, stehen bei einigen Mineralölunternehmen für die Tankkartennutzer zur Verfügung. „Und diese ist im monatlichen Paketpreis der Aral CardPlus sogar bereits inklusive“, erläutert Stefan Mahler, Vertriebsleiter Car & Van bei Aral. Darüber hinaus würden zahlreiche Kunden vom Bonusprogramm Payback profitieren. Aral übernehme bei der Sammlung von Punkten die Versteuerung des geldwerten Vorteils, sodass der Fuhrparkmanager ohne großen Aufwand ein kostenloses zusätzliches Mitarbeitermotivationsinstrument anbieten könne, so Mahler weiter.

Und es wird immer weiter am Angebot gefeilt: Rainer Klöpfer, Geschäftsführer der euroShell Deutschland GmbH & Co. KG, erklärt: „Wir werden unser Angebot an warmen und kalten, frisch zubereiteten Speisen noch erweitern und weitere Dienstleistungen wie kostenfreies WLAN und Mobile Payment anbieten.“

Zeitalter des Internets
Gerade die beiden letztgenannten Punkte werden dabei immer wichtiger. Denn wie lange wird es die Tankkarte als physische Karte überhaupt noch geben und wird sie beispielsweise nicht gänzlich durch die mobile Bezahlmöglichkeit via Smartphone ersetzt?

Ralf Turley glaubt nicht an eine sofortige Ablösung der physischen Karte, sagt aber: „Letztlich entscheidet der Kunde, welche Lösung er bevorzugt, und es ist unsere Aufgabe, dem Kunden diese Wahlmöglichkeit zu eröffnen. Deshalb wollen wir mittelfristig von Bezahlmedien unabhängig aufgestellt sein.“

Noch etwas konkreter äußert sich Josef Grünberger, Leiter Abteilung Marketing bei Avia: „Sicherlich besteht in absehbarer Zeit die technische Möglichkeit, auf physische Tankkarten zu verzichten und deren Funktion alternativ über Onlinestrukturen abzuwickeln. Dennoch werden wir physische Tankkarten sicherlich noch länger als fünf Jahre im Einsatz sehen.“

Fast alle Tankkartenanbieter stellen indes eine eigene App für die Kunden bereit. Und diese wissen das durchaus zu schätzen. „Unsere Kunden nutzen die App, um die günstigste Tankstelle in der Nähe zu finden und so Einsparpotenziale zu erzielen. Derzeit haben wir knapp 45.000 Zugriffe pro Monat“, legt Kay Otte, Marketing-Director der Union Tank Eckstein GmbH & Co. KG dar. Dabei werden die Apps von den Anbietern regelmäßig weiterentwickelt. „Wir haben die bewährten Funktionen rund um den Tankstellenfinder und die individuelle Watchlist um einen Preisalarm erweitert“, sagt Wieslaw Milkiewicz, Geschäftsführer (CTO) und Pressesprecher der Orlen Deutschland GmbH.

Besonders profitieren die Fuhrparkleiter von Online-Reportings. Mit diesem sehr beliebten Tool warten nahezu alle unsere aufgelisteten Anbieter auf. Darüber sind beispielsweise der Kraftstoffverbrauch und die Kraftstoffausgaben online einsehbar. Rainer Klöpfer von der euroShell Deutschland GmbH & Co. KG verspricht durch die Reportings ein sicheres Kostenmanagement bei reduziertem Verwaltungsaufwand. Die Fuhrparkverantwortlichen können sich dabei auch vom Großteil der Anbieter ein individuelles Reportingpaket mit den für sie relevanten Daten zusammenstellen lassen.

Die Zukunft der Tankkarten bleibt spannend, gerade durch die Veränderungen und Entwicklungen im Rahmen der Digitalisierung. Weitere Informationen zum Thema können Sie der nachfolgenden Anbieterübersicht und unserer Onlineumfrage entnehmen.