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Fahrzeuge der Oberen Mittelklasse werden fast ausschließlich gewerblich genutzt, sagt das Kraftfahrt-Bundesamt und verzeichnet für das Jahr 2015 Zulassungszahlen von rund 114.000 Stück mit über 80 Prozent gewerblicher Nutzung. Der Großteil von 108.000 Einheiten entfällt auf die Modelle Audi A6, RS6, S6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse. Davon gehören wiederum der Audi A6 auf Platz 3 und der BMW 5er auf Platz 8 zu den beliebtesten und meistverkauften Flottenfahrzeugen im Jahr 2015. Klassischerweise kommen diese Fahrzeuge in vielen Flotten, dort aber zumeist als User-Chooser-Fahrzeuge in kleineren Stückzahlen im gehobenen Management oder in der Geschäftsführungsetage vor. Sie gelten als Vorzeigefahrzeuge, nicht nur für die Hersteller.

Und sie können es in Sachen Annehmlichkeit und Fahrkomfort durchaus mit der Oberklasse aufnehmen, ohne gleich abgehoben zu wirken. Die Komfort- und Sicherheitsausstattung liegt je nach Modell schon in der Basisversion relativ hoch, die Liste der Extras allerdings ist bekanntermaßen lang und umfangreich. Preislich macht sich das Downgrading natürlich bemerkbar, aber dazu später. Dass nicht nur die bekannten und beliebten deutschen Premiummodelle in der Oberen Mittelklasse vertreten sind, sondern auch europäische Hersteller wie Jaguar, Maserati, Škoda und Volvo, asiatische Hersteller wie Hyundai und Infiniti und nicht zuletzt mit Cadillac ein uramerikanischer Fahrzeugproduzent zeigt die internationale Bedeutung dieser Klasse auch für den deutschen Markt. Innerhalb Europas hat diese Klasse aber vornehmlich in Deutschland und Schweden Bedeutung, im Rest von Europa liegt ihr Marktanteil im niedrigen einstelligen Bereich. Aber es ist auch eine Klasse, in der in Europa im Gegensatz zum asiatischen Raum nicht jeder Hersteller vertreten sein will. Seit den 1990er-Jahren hat sich das Angebotsspektrum wesentlich geändert. Vornehmlich Premium- und Luxusmarken tummeln sich heute dort, Hersteller üblicherweise funktioneller Fahrzeugmodelle kommen gar nicht oder nicht mehr vor. So verwundert es umso mehr, dass sich mit Škoda ein typischer Vertreter der günstigeren Fahrzeugbaukunst einreiht.

Definition
Das gesamte Segment der Mittelklasse hat in Deutschland einen Sonderstatus, wird es hier noch einmal unterteilt in die Untere Mittelklasse, die Mittelklasse und die Obere Mittelklasse. In der Nomenklatur der Fahrzeugsemente der Europäischen Kommission nennt sich die Obere Mittelklasse E-Segment. Der Begriff Obere Mittelklasse wurde bereits in den 1950er-Jahren geprägt, wie es bei Wikipedia zu lesen ist, um Fahrzeuge, die höherwertiger als die Fahrzeuge der Mittelklasse waren, jedoch nicht Ausstattung, Preis und Abmessungen von Oberklassefahrzeugen erreichten, einordnen zu können.

Ab der Oberen Mittelklasse gehört die Limousinenform, also das klassische Stufenheck, welches früher den Inbegriff des Autos darstellte, fest zum Erscheinungsbild. Während in den niedrigeren Klassen vor allem in Deutschland der Kombi die beliebtere und häufiger gewählte Karosserieform darstellt und auch das Kombi- Modellangebot wesentlich größer ist, schrumpft es, je höher die Klasse ist. Dennoch, selbst in der Modellauswahl für unseren Kostenvergleich bieten vier Hersteller ihre Modelle sowohl in der Limousinen- als auch in der Kombiform an. Das muss am Ursprungsland der Fahrzeuge liegen, denn es sind die deutschen Hersteller Audi, BMW, Mercedes-Benz und die Volkswagen-Konzerntochter Škoda, die die alternative Karosserieform auflegen. Aber auch der Volvo S90 wird sein Großraumpendant V90 bekommen, das ist im Mutterland Schweden einfach ein Muss. Dass es noch einmal eine Kombivariante des Jaguar XF geben wird, ist derzeit bei den Briten offiziell kein Thema. Generell füllen in diesem Bereich auch in Sachen Komfort und Platz eher die großen SUV die vermeintliche Lücke. Die Stufenheckform erfüllt vor allem Repräsentationszwecke durch ihr elegantes Erscheinungsbild. Beispielsweise hält der Fahrdienst des Deutschen Bundestags mehr als 100 Fahrzeuge der Oberen Mittelklasse bereit, darunter Audi A6 und Mercedes- Benz E-Klasse Limousinen, um die Abgeordneten zu chauffieren.

Aktualität
Messen müssen sich alle Vergleichsmodelle in Sachen Aktualität an der Mercedes-Benz EKlasse, die seit Anfang 2016 bestellbar und seit April auslieferbar ist. Neuauflagen der direkten Konkurrenten Audi A6 und 5er BMW lassen da sicherlich nicht lang auf sich warten. Die neuesten Versionen von Jaguar XF und Škoda Superb stammen aus der zweiten Jahreshälfte 2015. Seit 2014 auf dem Markt sind der Hyundai Genesis sowie der Infiniti Q70. Noch lange nicht vom alten Eisen sind der Cadillac CTS sowie der Maserati Ghibli, die mit Erscheinungsdatum 2013 als „älteste“ Versionen in der Konkurrenz antreten. In unserem letzten Vergleich in der Flottenmanagement Ausgabe 2/2014 bestand das Hauptfeld der Teilnehmer aus denselben Modellen wie im aktuellen Vergleich. Zusätzlich fanden sich der Lancia Thema, der Lexus GS sowie der Volvo S80 in der Konkurrenz. Die Produktion des Lancia Thema wurde 2014 eingestellt, der Lexus GS fällt aufgrund seines Hybridmotors aus der direkten Vergleichbarkeit mit den anderen herkömmlich angetriebenen Modellen heraus und der Volvo S80 wird in Kürze durch den S90 ersetzt (siehe Kasten).

Von den neun im Vergleich vertretenen Modellen der Oberen Mittelklasse können sieben mit einer Dieselmotorisierung aufwarten. Hyundai Genesis und Cadillac CTS stehen nur als Benziner zur Auswahl, kommen aber dennoch im Vergleich vor. Kosten- und Verbrauchsnachteile ergeben sich automatisch aus den unterschiedlichen Verbrennungsarten beziehungsweise aus dem Kraftstoff selbst. Motorleistungen zwischen 125 kW/170 PS und 232 kW/315 PS verleihen den eleganten Modellen die entsprechende Dynamik. Höchstgeschwindigkeiten zwischen 220 km/h und 250 km/h reichen aus, um auf deutschen Straßen, sofern sie frei sind, verhältnismäßig schnell voranzukommen. Die Automatik ist die vorherrschende Getriebeart, sechs bis neun Gangstufen helfen dem Fahrer, die Gangwechsel so angenehm wie möglich zu gestalten und gleichzeitig den Kraftstoffkonsum moderat zu halten. Bei vier Modellen kann der Interessent auch ein Schaltgetriebe wählen.

Verbrauch
Die verbrauchsgünstigsten Modelle geben sich mit herstellerseitig angegebenen Mengen zwischen 3,9 und 4,5 Liter Diesel zufrieden. Beim letzten Vergleich lag der Spitzenwert noch um 0,5 Liter höher. Das sind Werte, bei denen die firmeninterne Kostenstelle oder auch der Nutzer, wenn er die Kraftstoffkosten in der Rate mitträgt, sich nicht beschweren brauchen. Auch in Bezug auf den CO2-Ausstoß fallen die ersten fünf Modelle positiv auf, denn ihre Werte liegen unterhalb der magischen 120-g/km-Grenze. Das wirkt sich auf die Energieeffizienzklassen insofern aus, dass die Dieselmodelle hauptsächlich mit A und A+ bewertet werden. Und das sind alles auch Argumente pro Obere Mittelklasse, sollte eventuell ein Oberklasse-Modell infrage kommen. Je nach Tankvolumen stehen Spitzenreichweiten von über 1.700 Kilometern im Raum. Da kann man das Tanken glatt mal vergessen. Wer neben Repräsentation auch mit dem Thema „Umwelt“ nach außen glänzen möchte, kann den BMW 5er als Hybrid-Version wählen, der Audi A6 soll als e-tron zunächst für den chinesischen Markt produziert werden, die Mercedes-Benz EKlasse ist laut Medienberichten auch als Plug- In-Hybrid in Vorbereitung. Auch bei Maserati will man die Hybrid-Technologie verbauen.

In dieser Klasse scheinen Zuladung und Kofferraumvolumen sicherlich eher nebensächlich. Doch wer trotzdem Wert darauf legt, kommt in Bezug auf das Ladevolumen nicht am Škoda Superb vorbei, der mit 625 Litern den Bestwert markiert. Wir haben bei der Oberen Mittelklasse aufgrund besserer Vergleichbarkeit die maximale Beladung bei aufrechter zweiter Sitzreihe als Maßstab verwendet. Mitunter lassen sich die einzelnen Modelle noch weiter beladen. Auf den weiteren Plätzen folgen mit jeweils 540 Litern der Audi A6 sowie die Mercedes-Benz E-Klasse. Besonders schwer beladen lassen sich der Maserati Ghibli (665 Kilogramm), der Jaguar XF (655 Kilogramm) sowie die Mercedes-Benz E-Klasse (640 Kilogramm). Viel Last und Ladung fasst demnach der Mercedes.

Listenpreise
Die Preise für eine Limousine der Oberen Mittelklasse liegen zwischen rund 29.000 und 39.000 Euro netto inklusive der von uns vorgegebenen Sonderausstattungen für ein Modell mit Schaltgetriebe und zwischen 30.500 und 57.000 Euro netto für ein Modell mit Automatikgetriebe. Der Škoda Superb bildet mit einem Listenpreis von 28.815 Euro das mit Abstand günstigste vollumfänglich ausgestattete Angebot in der Konkurrenz ab. Für das nächstteurere Modell muss der Interessent sage und schreibe 10.000 Euro mehr auf den Tisch legen. Je nach Modell macht sich das in der Leasingrate bei 20.000 Kilometern Jahresfahrleistung mit einem Unterschied von mindestens 50 Euro bemerkbar. Die günstigste Leasingrate in der unteren Laufleistung gehört mit 403,70 Euro demnach zum Škoda Superb, es folgen die von Audi A6 (450,65 Euro) und BMW 520d (470,14 Euro). Bei den mittleren und hohen Laufleistungen verdrängt der Jaguar XF den BMW vom dritten Platz.

Addiert man die Kraftstoffkosten zu den Leasingraten, ergibt sich ein ähnliches Bild bei den Betriebskosten: Škoda Superb vor Audi A6 und 5er BMW bei den niedrigen und mittleren Laufleistungen Für höhere Laufleistungen von 50.000 Kilometern pro Jahr empfiehlt sich der Jaguar XF an dritter Stelle vor Škoda und Audi. Mit jedoch nur geringer Kostendifferenz von 6 bis 12 Euro bei niedriger und mittlerer Laufleistung verweisen sie die Mercedes-Benz E-Klasse auf den vierten Platz.

Sieger
In der Gesamtwertung schiebt sich der Audi A6 2.0 TDI ultra auf den vordersten Platz. Die im Vergleich günstigen Leasingraten, Kraftstoffkosten und Betriebskosten in allen drei Laufleistungen flankiert von einem guten Verbrauchs- und CO2-Wert, hervorragender Reichweite und einem sehr gut aufgestellten Servicenetz sorgen für einen deutlichen Sieg. In den entscheidenden Kategorien Leasingraten und Betriebskosten schneidet auch der Škoda Superb gewohnt gut ab, sodass ihm zusammen mit dem guten Servicenetz, dem guten Zuladungswert und den insgesamt günstigen Listen- und Sonderausstattungspreisen der zweite Platz sicher ist. An dritter Stelle überzeugt der 5er BMW durch günstige Leasingraten und Betriebskosten sowie einen im Klassenvergleich niedrigen Verbrauchswert beziehungsweise eine hohe Reichweite.

Die ersten fünf Modelle im Vergleich stellen allesamt Optionen für einen repräsentativen und im Klassenvergleich kostengünstigen Auftritt des Unternehmens dar. Wer die traditionelle Repräsentation wünscht, macht mit Audi, BMW und Mercedes-Benz nichts falsch, denn nicht nur die Optik, sondern auch die Technik der Fahrzeuge stellt eine verlässliche Größe in der Flotte dar. Aber dass auch ein Škoda im Fahrwasser der Premiummodelle mitschwimmen kann, hat nicht jeder Flottenentscheider auf dem Schirm. Für Extravaganz und den besonderen Auftritt empflehlt sich der Jaguar. Auch er spielt mit respektabler Daseinsberechtigung vorne in der Liga der Fahrzeuge der Oberen Mittelklasse mit.

 

 

Flottenmanagement-Vorgabe
Mindestausstattung

• ABS – Antiblockiersystem
• Bluetooth-Freisprecheinrichtung
• ESP – Elektronisches Stabilitätsprogramm
• Geschwindigkeitsregelanlage
• Klimaautomatik
• Navigationssystem
• Nebelscheinwerfer
• Parksensoren vorne und hinten
• Radio CD/MP3
• Rundum-Airbagschutz
• Start-/Stopp-System
• USB-Anschluss

 

 

So haben wir gewertet
Der Fokus der Bewertung liegt auf den Leasing-, Betriebs- und Treibstoffkosten. Die jeweils drei günstigsten Fahrzeuge erhalten eine grüne, die jeweils drei teuersten eine rote Markierung. Ebenfalls in die Grün-Rot-Bewertung fließen neben den Ladungsdaten wie Zuladung und dem Kofferraumvolumen der Durchschnittsverbrauch, der CO2-Ausstoß sowie die Reichweite mit ein, da auch dies wichtige Kriterien für die Nutzung in der Flotte sind. Gleiches gilt für die Dichte des Servicenetzes, denn das entscheidet, wie lange das Fahrzeug im Falle einer Panne oder des normalen Services nicht zur Verfügung steht. Signifikante Abweichungen bei der Garantiezeit oder des Inspektionsintervalls haben wir ebenso bewertet wie das Nichterfüllen der Mindestausstattung. Auch der Listenpreis ist ein Kriterium, entscheidet dieser doch über die steuerliche Belastung bei der Ein-Prozent-Regelung. Alle anderen angegebenen Werte dienen nur der Information.

 

 

Volvo S90

Der neue Volvo S90 wirft vor seinem Marktstart im Juni lange Schatten voraus. Nicht nur, dass die elegante Limousine allem Premiumanspruch der Kunden der Oberen Mittelklasse gerecht werden will, nein, auch in Sachen Technikausstattung stellt sie die Spitze der marktreifen Entwicklung bei Volvo dar, nicht zuletzt durch umfangreiche Serienausstattung. Für maximale Sicherheit sind unter anderem ein Kreuzungs-Bremsassistent an Bord, der Kollisionen beim Linksabbiegen vermeidet, sowie ein Notbremsassistent, der nicht nur andere motorisierte Verkehrsteilnehmer registriert, sondern auch Fußgänger, Fahrradfahrer und große Tiere – auch bei Nacht.

Als Einstiegsmotorisierung dient der 140 kW (190 PS) starke Diesel D4 in Verbindung mit Frontantrieb und einem kombinierten Verbrauch von 4,4 Litern auf 100 Kilometern (116 g/km CO2-Ausstoß, Energieeffizienzklasse A+), alternativ ist der D5 AWD mit PowerPulse Technik und 173 kW (235 PS) erhältlich. Komplettiert wird die Triebwerkspalette von zwei kraftvollen Benzinmotoren. Die Kraftübertragung übernimmt in allen Motorisierungen eine Geartronic-Achtgang-Automatik. Zusätzlich zu den vier Verbrennungsmotoren wird Volvo im weiteren Jahresverlauf eine Plug-in- Hybridvariante auf den Markt bringen. Der T8 Twin Engine kombiniert einen kraftvollen Benziner mit einem Elektromotor. Trotz Leistungswerten von bis zu 407 PS überzeugen die Plug-in-Modelle mit niedrigen Verbrauchswerten, wie nicht zuletzt der Volvo XC90 T8 Twin Engine beweist. Sein Durchschnittsverbrauch beträgt gerade einmal 2,1 Liter je 100 Kilometer, was CO2-Emissionen von 49 g/km entspricht.

Die Preise für den Volvo S90 D4 starten bei 35.924,37 Euro netto, für die Kombivariante werden mindestens 39.482,76 Euro netto fällig.