PDF DOWNLOAD

Die zwei wohl bekanntesten Plattformen sind Apple CarPlay und Android Auto (Google). Oft spricht man dabei irrtümlich auch von Betriebssystemen. Jedes Fahrzeug besitzt jedoch bereits ein eingebettetes Betriebssystem. Hier sind Black Berry mit dem QNX beziehungsweise Microsoft mit dem Windows Embedded führend. Die Autohersteller entwickeln auf Basis dieser Systeme ihre eigene Armaturenbrettsoftware.

Apple CarPlay oder Android Auto hingegen sind Plattformen, die Smartphonefunktionen (ausgewählte Apps) wie die Navigation, Telefonie oder Musikwiedergabe dann auf diese Software spiegeln. Dabei werden das Display des Navigationssystems beziehungsweise Radios und deren Bedienknöpfe und Touchscreens verwendet. Immer mehr Automobilhersteller integrieren die Plattformen in ihre Modelle, doch die Umsetzung steckt noch in den Kinderschuhen.

Apple CarPlay
CarPlay ist seit März 2014 auf dem Markt. Es funktioniert, wenig überraschend, ausschließlich mit iOS-Smartphones (ab iPhone 5 aufwärts). Verbunden wird das Smartphone mit dem Fahrzeug derzeit noch via USBLightning- Stecker, ab dem Update auf iOS 9, das bald erscheinen soll, wird es aller Voraussicht nach auch per Funk möglich sein.

Das Unternehmen aus Cupertino bezeichnet CarPlay als „eine intelligentere, sicherere Möglichkeit“, das iPhone im Auto zu nutzen. Und weiter heißt es: „So können Sie ganz leicht Wegbeschreibungen abrufen, telefonieren, Nachrichten senden und empfangen oder Musik hören – und sich trotzdem auf die Straße konzentrieren.“ Nicht zuletzt hilft die Spracherkennungssoftware Siri dabei.

Um das Wachstum von „Googles Ökosystem“ auf den Apple-Geräten zu verhindern, gibt es bei CarPlay keinen Zugriff auf Google Maps und die Google- Suche. Auch andere externe (Navigations-)Apps sind nicht nutzbar. Dies wirkt sich dann problematisch aus, wenn man keinen Internetempfang hat. Denn Apple Maps kann somit nicht mehr weiterhelfen. Und eine Offline- Navigation ist bei CarPlay beziehungsweise mit Apple Maps derzeit nicht möglich.

Android Auto
Googles Antwort ließ nach Apples Vorstoß mit CarPlay nicht lange auf sich warten. Bereits Anfang 2014 wurde die Industrieinitiative Open Automotive Alliance (OAA) vom Unternehmen aus Mountain View sowie einigen Autoherstellern und Technikunternehmen gegründet. Ziel dieser Allianz ist es, Android Auto möglichst großflächig am Automarkt zu etablieren. Mitte März dieses Jahres brachte Google die Android-Auto-App auf den Markt. Ist das Android-Smartphone per USB-Kabel mit dem Fahrzeug verbunden, wird der Smartphonebildschirm auf den des Fahrzeugs „gespiegelt“. Auf dem Smartphone wird dafür mindestens Android 5 (Lollipop) vorausgesetzt, andernfalls funktioniert das Koppeln nicht.

Für Google war bei der Entwicklung nach eigenen Angaben Sicherheit das oberste Gebot. „Dank der einfachen und intuitiven Benutzeroberfläche, der integrierten Bedienelemente am Lenkrad und einer leistungsstarken neuen Sprachbedienung minimiert Android Auto die Ablenkung beim Fahren und ermöglicht es Ihnen, sich ganz auf die Straße zu konzentrieren“, so der Weltkonzern.

Welche Autohersteller bieten es an?
Geplant ist die Einführung bei vielen Herstellern, Modelle mit CarPlay oder Android Auto gibt es bis jetzt aber noch wenige. Während Apples Produkt in Modellen von mittlerweile 34 Autobauern angeboten wird beziehungsweise werden soll, ist Konkurrent Android Auto bei 28 Herstellern (zeitnah) nutzbar. Audi, Fiat, Ford, Opel, Volkswagen und Volvo werden beide Plattformen unterstützen, bei BMW, Ferrari, Jaguar, Mercedes-Benz (die voraussichtlich dieses Jahr auch der OAA beitreten) und Porsche genießt Apple Exklusivität. Gleiches gilt bei Googles System für Bentley, Infiniti und Maserati.

Nachrüstlösungen
Um nicht nur Fahrzeuge ab Werk von der Technologie profitieren zu lassen, werden auch Nachrüstlösungen angeboten, unter anderem von Pioneer. Dabei wird ein neues, mit CarPlay und/oder Android Auto kompatibles Autoradio eingebaut. Die Kosten für derartige Geräte liegen grob zwischen 500 und 1.000 Euro, die Einbaukosten kommen noch hinzu. Die Auswahl der verwendbaren Autoradios ist derzeit noch begrenzt, soll aber bereits gegen Ende dieses Jahres größer werden.

Was gibt es noch am Markt?
Neben Google und Apple bleibt noch ein dritter Branchenriese – Microsoft. Auf dem Smartphonemarkt hinkt man mit Windows Phone gegenüber An-droid und iOS (noch) deutlich hinterher. Ob sich das „Windows for Cars“, ein Pendant zu CarPlay beziehungsweise Android Auto, daher wirklich durchsetzt, muss abgewartet werden. Die überwiegend dafür genutzte Technik wird MirrorLink sein, so Microsoft.

Hinter MirrorLink verbirgt sich ein universeller Spiegelstandard, über den sich Apps zahlreicher Smartphonehersteller einbinden lassen, darunter von Samsung, HTC, LG und Sony. Dabei stehen wie bei CarPlay und Android Auto unter anderem Apps für Internetradio, Navigation, Wetter oder zum Einparken zur Verfügung. Autohersteller (PSA Peugeot Citroën, Škoda, Volkswagen et cetera) bieten es vermehrt in ihren Modellen an.

Wie reagiert die Autoindustrie auf CarPlay und Android Auto?
Für Google und Apple sind die Plattformen vor allem eines: riesige Datensammler. Durch die Kartendienste und die dabei verwendete GPS-Software können beispielsweise Daten über Fahr- beziehungsweise Reisegewohnheiten gewonnen werden. Je mehr Daten gesammelt sind, desto effektiver werden beispielsweise die Einblendungen für Werbung.

„In der Industrie wird viel diskutiert über das Verhältnis zu Google und Apple“, verrät ein gut vernetzter Unternehmensberater, der die Autohersteller bei der Entwicklung eigener Systeme unterstützt, den Medien. „Die Autobauer haben Angst, Daten an Google und Apple zu verlieren.“ Dabei gehe es um Kontrolle: „Carplay und Android Auto sind so designt, dass das Auto zum Zubehör des Smartphones wird.“ Ein weiteres Problem: Die Autokonzerne vermissen Spielraum für Differenzierung. Denn bisher sieht die Bedienoberfläche in jedem Fahrzeug identisch aus.

Unter anderem aus diesen genannten Gründen halten einige Autobauer eigene Lösungen dagegen. Beispielsweise hat Fiat bei seinem Modell 500X Anfang des Jahres ein System entwickelt, das das Smartphone zwar zur Internetverbindung nutzt; die Bedienoberfläche haben die Italiener allerdings gemeinsam mit dem Unternehmen Harman konzipiert. Audi entwickelt derzeit selbst entsprechende Apps und mit entsprechenden Lizenzen. „Dadurch etabliert man ein Geschäftsmodell, das (nahezu) vollständig dem Autohersteller gehört“, sagt Mathias Halliger, Senior Systems Manager für vernetzte Fahrzeugtechnologien beim Ingolstädter Autobauer, gegenüber den Medien.

Zudem planen Ford und Toyota gemäß der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg, ihre Kräfte bei der Thematik Connected Cars zu bündeln. Mit „Smart Device Link“ (SDL) entsteht dabei eine Open-Source-Plattform, die Android Auto und Apple CarPlay Konkurrenz machen soll.

Trotz aller Kritik wird sich die Autoindustrie den neuen Plattformen kaum gänzlich verschließen können. Don Butler, bei Ford für verbundene Fahrzeuge und Services verantwortlich, analysiert treffend: „Wir wollen nicht, dass die Menschen ein Auto aufgrund des Mobiltelefons wählen müssen, das sie haben.“

Wie reagiert die Politik?
Der Gesetzgeber wird bei all diesen Entwicklungen für die Rahmenbedingungen sorgen müssen. In einem Gastbeitrag im Handelsblatt nennt Bundesjustizminister Heiko Maas mehrere Aspekte im Bezug auf das vernetzte Auto, die es zu berücksichtigen gilt.

So fordert er Datenvermeidung und Datensparsamkeit als leitende Grundsätze. Viele Daten würden nur zur Steuerung im laufenden Verkehr für den Moment gebraucht, dann sollten sie auch nicht unnötig gespeichert werden, so der SPD-Politiker. Darüber hinaus sollten seiner Ansicht nach Datenübermittlungen aus dem Fahrzeug eine vertragliche Vereinbarung oder eine ausdrückliche Einwilligung voraussetzen. Dazu gehöre eine umfassende und verständliche Information von Halter und Fahrer.

Des Weiteren verlangt Maas einen Aus-Knopf. „Halter und Fahrer müssen grundsätzlich das Recht und die Möglichkeit haben, die Datenübermittlung zu erkennen, zu kontrollieren und gegebenenfalls auch zu stoppen, und zwar ohne gravierende wirtschaftliche oder gesellschaftliche Nachteile“, heißt es in seinem Gastbeitrag „Am Steuer bleiben“. Auch sollten die Autofahrer frei wählen können, welche Unternehmen die Zugriffsrechte auf ihre Daten haben, so der Bundesjustizminister weiter. Dazu seien Standards für Schnittstellen, Geräte und Prozesse nötig.

Ob, wie und wann dieser Katalog umgesetzt wird, ist indes noch unklar. Allerdings ist er ein erster Schritt in die richtige Richtung und zeigt, dass die Politik die Wichtigkeit und Brisanz des Themas verstanden hat.

Fazit
Dem vernetzten Fahrzeug gehört die Zukunft. Über die Apps des Smartphones scheint schon fast alles möglich zu sein, der Schritt zum autonomen Fahren wirkt ebenfalls nicht mehr groß. Und noch steht man erst am Anfang der Entwicklung. Nur zur Einordnung: Das Beratungsunternehmen PwC erwartet, dass das Marktpotenzial für vernetzte Fahrzeuge von 31 Milliarden Euro im Jahr 2015 bis auf insgesamt 115 Milliarden Euro im Jahr 2020 steigen wird. IHS Automotive sagt für Apple CarPlay und Android Auto ein rasantes Marktwachstum voraus und spricht dabei von einem weltweiten Absatz von 31,4 Millionen beziehungsweise 36,8 Millionen Einheiten bis zum Jahr 2020.

Der Datenschutz bei den Systemen ist unklar und schwierig. Kaum jemand weiß, wer alles auf die entstehenden Daten zugreifen kann. Analysten schätzen, dass es bei deren Wert bis 2018 bereits um ein Marktvolumen von 37 Milliarden Euro gehen könnte, mehr als doppelt so viel wie derzeit. Hier ist auch der Gesetzgeber gefragt, für eine klare Linie zu sorgen. Obgleich dieser Unsicherheit wird die Autoindustrie kämpfen müssen. Denn wer will künftig noch die häufig teuren Navigationssysteme vom Autobauer? Noch sind die Systeme von Google und Apple allerdings nicht komplett ausgereift und stoßen auch nicht bei allen Kunden auf Zuspruch. Doch in Zukunft werden bei Neufahrzeugen nicht viele Wege an ihnen vorbeiführen.