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Im Frühjahr tritt das neue Elektromobilitätsgesetz in Kraft, die Bundesregierung plant, dadurch endlich den Elektroautos zum Durchbruch zu verhelfen. Es wird auch Zeit: Denn 2014 wurden bundesweit weniger als 20.000 Elektroautos zugelassen, auch der Gesamtbestand ist noch sehr überschaubar (zum Vergleich: es gibt bereits rund 600.000 Fahrzeuge mit Gasantrieb sowie über 100.000 Hybride). Auf der neuen gesetzlichen Grundlage können Kommunen den Elektrofahrzeugen beispielsweise Vorteile beim Parken oder bei der Benutzung von Busspuren einräumen. In dem Wort „können“ allerdings liegt auch gleich das Problem: Jede Kommune entscheidet selbst, ob und wie sie die Elektromobilität regional fördert. Wer in „seiner“ Stadt legal die Busspur benutzen darf, bekommt dann im Nachbarort unter Umständen einen Strafzettel dafür. Das wird für Verwirrung sorgen; eine einheitliche, bundesweite Lösung müsste hier eigentlich her, wenn die Ziele „eine Million Elektrofahrzeuge“ sowie „Leitmarkt der Elektromobilität“ bis 2020 tatsächlich erreicht werden sollen.

Immerhin, es tut sich wieder einmal etwas; in letzter Zeit war es ja stiller geworden um das Thema Elektromobilität. Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt war das Thema immerhin wichtig genug, um im Rahmen unseres Specials mit einem Interview zum Thema Elektromobilität dabei zu sein (Seite 74).

In unserem über 20 Seiten großen Special „Alternative Antriebe“ ist die Elektromobilität indes nur ein Teilbereich; ein Massenmarkt sieht noch anders aus. Erdgas und Flüssiggas sind im Bereich alternative Antriebe noch die klaren Marktführer und werden bekanntlich ebenfalls steuerlich bevorzugt behandelt. Zudem experimentiert die Industrie mit verschiedenen Wegen der Kraftstofferzeugung, von Windenergienutzung zu Gas oder Wasserstoff (den Fahrbericht des ersten Brennstoffzellen-Serienfahrzeugs von Hyundai finden Sie auf Seite 90) bis hin zu Biomasse zu Kraftstoff – es bleibt auch künftig spannend.

Allerdings stellt sich nicht die Frage, ob der Elektroantrieb sich am Ende durchsetzen wird (wohl aber ob dann über Batterie oder Brennstoffzelle!), sondern wann. Es wird sicher deutlich länger dauern als 2020 – insofern raten wir zu einer aktiven Beschäftigung mit dem Thema, aber noch nicht zum Versuch der Umstellung ganzer Fuhrparks. In speziellen Bereichen ist der Einsatz alternativer Antriebe, auch von Elektroantrieben, aber bereits jetzt möglich und sinnvoll.

Ralph Wuttke
Chefredakteur