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Flottenmanagement: Herr Hoffmann, seit nunmehr vier Jahren leiten Sie das Großkundengeschäft bei Seat. Welche Entwicklungen hat die Marke seitdem vollzogen?

Marcus Hoffmann: Vor vier Jahren haben Sie mich gefragt, wo denn die Marke Seat hin möchte. Die Antwort damals war, dass wir uns auf dem Gesamtmarkt dauerhaft bei über zwei Prozent Marktanteil etablieren wollen. 2014 haben wir mit 3,1 Prozent abgeschlossen und der Marktanteil von zwei Prozent, den wir uns im Gesamtmarkt vorgenommen hatten, ist heute unser Marktanteil im relevanten Flottenmarkt. Um konkret auf Ihre Frage zu antworten: Die Marke Seat ist in den letzten vier Jahren um 58 Prozent gewachsen, wobei der gewerbliche Bereich mit einem Wachstum von 66 Prozent hierzu überproportional beigetragen hat. Und das ist natürlich eine Entwicklung, die Spaß macht – und anspornt.

Flottenmanagement: Die Kombination aus sportlich emotionalem Design und deutscher Ingenieurskunst ist ein Sinnbild für die Marke Seat. Wie spiegelt sich diese Einstellung in Ihren Modellen wider?

Marcus Hoffmann: Ein sehr gutes und auch flottenrelevantes Beispiel für diese Kombination ist die Leon-Baureihe: Das Design des Leon – und das gilt für alle drei Karosserieformen – ist dynamisch und dabei sehr präzise. Das spiegelt unsere emotionale Komponente wider. Die ganze Leon-Baureihe basiert auf dem modularen Querbaukasten des Volkswagen Konzerns, einem Sinnbild für deutsche Ingenieurskunst. Hinzu kommen die wettbewerbsüberlegenen Technologien aus dem Konzernportfolio. Doch was viel besser ist als reden: Fahren Sie einfach mal einen Seat Leon, dann wissen Sie, was wir damit meinen. Doch dies sind nicht die einzigen Werte, die unsere Marke transportiert: Zuverlässigkeit, Effizienz und Zugänglichkeit sind Eigenschaften, die jeder Seat in sich trägt, und gerade diese sind es, die im Flottenbereich entscheidend sind.

Flottenmanagement: Neben dem Toledo erscheint auch der überarbeitete Alhambra im Sommer. Welche Zielgruppen möchten Sie mit den beiden Modellen ansprechen? Welche Neuerungen machen die beiden Fahrzeuge vielleicht gerade für den Flottenkunden interessant?

Marcus Hoffmann: Der Toledo spielt insbesondere in Mexiko und Spanien eine Rolle, für den deutschen Flottenmarkt liegt der Fokus vor allem auf dem Alhambra. Ende 2014 repräsentiert allein der Zuwachs des Alhambra 50 Prozent des Segmentzuwachses im relevanten Flottenmarkt, das knüpft nahtlos an seine Erfolgsgeschichte seit der Einführung an. Aus meiner Sicht liegt das in erster Linie daran, dass wir mit diesem Fahrzeug zwei unterschiedliche Käufergruppen ansprechen. Das sind zum einen die Kunden, die die Größe für Transportaufgaben schätzen, dabei aber nicht auf das Pkw-Fahrgefühl verzichten wollen. Für diese Kunden bieten wir spezielle Businesspakete auf Basis des „Reference“-Ausstattungsniveaus, die alle Basisbedürfnisse befriedigen, aber die vorhin erwähnte Zugänglichkeit, in diesem Fall Bezahlbarkeit, nicht aus dem Auge verlieren. Zum anderen sprechen wir mit dem Alhambra die große Kundengruppe der User Chooser an, die das Fahrzeug neben der Fahrt zur Arbeit in erster Linie privat nutzen. Für diese Kunden zählen Komfort, Technologie und es werden stärkere Motoren nachgefragt. Hierfür haben wir auf Basis des „Style“-Niveaus attraktive Businesspakete mit einem Preisvorteil von bis zu 2.415 Euro geschnürt. Und der Wagen ist mit bis zu 200 PS mit DSG souverän motorisiert, ohne dabei die Effizienz aus dem Auge zu verlieren. Daher sehen viele Kunden den Alhambra aufgrund seiner hohen Sitzposition, der umfangreichen Ausstattung und mit seinen bis zu sieben Sitzen als echte Alternative zu einem großen SUV.

Flottenmanagement: Der Seat Leon hat sich, insbesondere was die gewerblichen Zulassungen angeht, als wahrer Verkaufsschlager etabliert. Welche Bedeutung kommt den einzelnen Modellvarianten im Flottenbereich zu? Wie gliedern sich die neuen Kombivarianten Leon ST, ST Cupra und X-Perience in die Seat-Flottenstrategie ein?

Marcus Hoffmann: Das vorhin angesprochene Wachstum auf zwei Prozent Marktanteil im relevanten Flottenbereich resultiert nicht allein aus dem Erfolg des Leon. Vielmehr haben sich fast alle Seat-Modelle sehr positiv entwickelt, ansonsten wäre diese Entwicklung auch nicht möglich gewesen. Mii und Alhambra sind um 17 Prozent gewachsen, der Ibiza Schrägheck sogar um 35 Prozent.

Doch zurück zu Ihrer Frage und dem Seat Leon: Der Leon Fünftürer ist bereits im ersten Jahr nach Einführung auf Rang sechs im relevanten Flottenmarkt in seinem Segment gelandet. Damit sind wir nicht nur erster Importeur in einem premiumdominierten Segment, sondern lassen auch etablierte deutsche Hersteller hinter uns. Mit dem Leon ST haben wir unser erstes Fahrzeug in einem der flottenrelevanten Segmente eingeführt. Das Fahrzeug spricht eine breite Masse an Kunden mit seinem dynamischen Design, aber auch dem Platzangebot an. Der beste Beweis: Der Leon ST liegt Ende 2014 nach dem ersten vollen Jahr seit Einführung bereits ebenso auf Platz sechs im Segment und fast auf Augenhöhe mit dem fünftplatzierten Fahrzeug.

In Summe eröffnen uns die drei Kombivarianten Leon ST, ST Cupra und X-Perience völlig neue Käuferschichten und sind damit ein elementarer Baustein unserer Flottenstrategie der nächsten Jahre. Und gerade hier bringt das Thema Differenzierung einen echten Mehrwert, denn das Segment der Kompaktklasse Kombis ist riesig und verteilt sich relativ stark – angefangen bei Fahrzeugen mit kleinen Motoren und Basisausstattung bis hin zu wirklichen Sportkombis. Daher bin ich froh, dass wir nun mit dem Leon ST Cupra mit bis zu 280 PS ein Modell haben, das insbesondere User Chooser wie auch Inhaber kleinerer Unternehmen anspricht, die auf der einen Seite sportlich und sehr dynamisch unterwegs sein möchten, aber auf der anderen Seite nicht auf das Platzangebot eines Kombis verzichten wollen.

Mit dem Leon X-Perience erreichen wir einerseits zum Beispiel Energie- oder Telekommunikationsunternehmen, die gerade bei den abseits der Straße gelegenen Einsatzorten von der erhöhten Bodenfreiheit und dem permanenten Allradantrieb profitieren, aber eben auch User Chooser, die mit dem Fahrzeug ihrem individuelleren Lebensstil Ausdruck verleihen möchten.

Flottenmanagement: Welche nützlichen Ausstattungspakete bietet Seat für die Flotte – gibt es spezielle Businesspakete? Welche weiteren Extras gibt es jetzt oder zukünftig von Seat für den Fuhrpark?

Marcus Hoffmann: Die Businesspakete für den Alhambra habe ich bereits erwähnt. Wir bieten diese Pakete aber auch für alle anderen flottenrelevanten Produktbaureihen an, angefangen beim Ibiza ST über den Leon Fünftürer und Leon ST bis hin zu neuen Modellen wie dem Leon X-Perience. Die Pakete folgen bei allen Modellen der gleichen Logik: Es gibt eine Variante, die sich an der Basis orientiert und diese über flottenrelevante Produktfeatures anreichert, wie beispielsweise durch Trennnetz, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, also essenzielle Bestandteile für eine gewerbliche Nutzung. Die andere Variante zielt eher Richtung User Chooser und greift Themen wie Individualisierung sowie Konnektivität besonders auf. Eines gilt für beide Paketvarianten: Wir haben immer einen relevanten Preisvorteil integriert.

Flottenmanagement: Inwiefern profitiert Seat als Importmarke davon, Teil des Volkswagen Konzerns zu sein? Welche Vorteile kommen der Marke hierdurch zugute, inwiefern kann sie sich so von anderen Importmarken abheben? Welche Bedeutung hat die Konzernzugehörigkeit für das Seat-Flottengeschäft?

Marcus Hoffmann: Der Volkswagen Konzern ist sehr gut aufgestellt und absolut präsent im deutschen Flottenmarkt. Die Konzern-Rahmenverträge integrieren uns als Marke und ermöglichen uns somit natürlich Zutritt zu vielen Flotten. Unser aktuelles, sehr flottenrelevantes, aber ebenfalls differenziertes Produktportfolio findet immer mehr Zuspruch innerhalb der Zielgruppen und ermöglicht uns so, Zusatzvolumen zu generieren. Aber auch bei Themen wie Dienstleistungen der Volkswagen Financial Services, bei Entwicklung und Technologien, die für den kompletten Konzern entwickelt werden, profitieren wir von der Konzernzugehörigkeit und können uns so von anderen Importmarken teilweise stark differenzieren. Als weiteren Punkt möchte ich hier die enge Zusammenarbeit mit der Konzernabteilung Volkswagen Group Fleet International erwähnen. Diese koordiniert das nationale und internationale Flottengeschäft markenübergreifend. Dadurch wird uns ein Zugang zu Kunden eröffnet, die wir wahrscheinlich sonst nur sehr schwer erreichen könnten.

Flottenmanagement: Welche Dienstleistungen bieten Sie Ihren Flottenkunden, womit gehen Sie auf die unterschiedlichen Bedürfnisse, die innerhalb dieser Zielgruppe bestehen, ein? Mit welchen Services stellen Sie die Betreuung über die Laufzeit, die Abwicklung anfallender Reparaturen/ Inspektionen oder auch die Finanzierungsmöglichkeiten der Fahrzeuge sicher?

Marcus Hoffmann: Je nach Art der Fahrzeugbeschaffung und der Flottengröße bieten wir in Kooperation mit der Seat Bank, eine Tochter der Volkswagen Financial Services, zielgruppenspezifische Finanz- und Servicedienstleistungen an. Beispielhaft möchte ich das attraktive „Business Leasing Plus“-Programm für Flottenkunden oder die Businessfinanzierung für kleinere Flottenkunden anführen. Zudem bieten wir spezielle Wartungs- und Verschleißpakete an, die noch einmal Preisvorteile von bis zu 50 Prozent in sich tragen. Hinzu kommen zum Beispiel Reifenservice, Tankkartenmodule oder GEZ-Service.

Sehr relevant sind aus meiner Sicht aber auch die Dienstleistungen über die Laufzeit, hier gilt es, mit gutem Service zu punkten. Aus diesem Grund haben wir sehr früh die Entscheidung getroffen, eine Spezialisierung im Händlernetz voranzutreiben. So sind aktuell 60 unserer Händlerbetriebe sogenannte Großkunden Kompetenz Zentren, die 80 Prozent unseres Flottenabsatzes repräsentieren. Was den Service angeht, ist es aber sehr wichtig, dass sich der Flottenkunde bei jedem Händler gut aufgehoben fühlt und den spezifischen gewerblichen Bedürfnissen Rechnung getragen wird. Aus diesem Grund haben wir zum Beispiel Themen aus dem gewerblichen Bereich in alle Produktschulungen eingebaut. Diese Strategie werden wir auch in Zukunft weiter vorantreiben.

Flottenmanagement: Durchschnittlich 95 Gramm CO2 je Kilometer lautet die Zielsetzung der EU für 2020. Welche Strategie verfolgt Seat, um dieses Ziel zu erreichen? Mit welchen Modellen und Technologien kann Seat Gewerbekunden schon jetzt dabei unterstützen, Verbräuche und CO2-Emissionen zu reduzieren?

Marcus Hoffmann: Schon bevor die Fahrzeuge auf der Straße sind, beginnen wir damit, den CO2-Ausstoß zu reduzieren: So befindet sich in Martorell, wo der relevante Teil der Seat-Modellpalette hergestellt wird, die mit 276.000 Quadratmetern größte Fotovoltaikanlage der Automobilbranche. Die etwa 40 Fußballfelder große Anlage produziert dabei bis zu 20 Prozent der Energie, die für die Produktion der Fahrzeuge nötig ist.

Unseren Kunden bieten wir mit unserer breiten Palette an Ecomotive-Modellen, so heißt die jeweils effizienteste Variante der Baureihe, eine Möglichkeit, die Emissionen auf ein Minimum zu senken. Erreicht wird das unter anderem durch Start-/Stopp-Automatik, eine spezielle Aerodynamik, rollwiderstandsoptimierte Reifen sowie eine spezielle Motorsteuerung. Es ist uns aber in diesem Zusammenhang besonders wichtig, dass unsere Kunden dabei auf nichts verzichten müssen. So können die Ecomotive-Modelle auch mit Businesspaketen ausgestattet werden. Und das ist aus meiner Sicht auch essenziell, denn gerade gewerbliche Kunden sind mit ihren Fahrzeugen viel unterwegs und da ist der CO2-Ausstoß das eine, aber es muss auf der anderen Seite auch Spaß machen, ein effizientes Fahrzeug zu fahren.

Flottenmanagement: Der geringe Rohölpreis Anfang des Jahres bremste das stetige Wachstum auf dem Gebiet der alternativen Antriebstechnologien. Welche Auswirkungen hatte diese Entwicklung auf den Absatz Ihrer Ecofuel-Modelle? Welche Vorteile birgt der Erdgasantrieb insbesondere auf lange Sicht für den Flottenkunden?

Marcus Hoffmann: Bisher konnten wir weder bei unseren Ecomotive- noch den Ecofuel-Modellen, die wir für den Mii, den Leon Fünftürer sowie den Leon ST anbieten, spürbare Effekte verzeichnen. Ganz im Gegenteil, der Anteil der verbrauchsarmen Varianten steigt sogar. Dennoch glaube ich, so ehrlich sollte man an dieser Stelle sein, dass vielen Kunden die Vorteile vor allem der Erdgasfahrzeuge noch nicht ausreichend aufgezeigt wurden. Daher sehe ich uns als Hersteller gemeinsam mit unseren Handelspartnern in der Pflicht, hier weitere Aufklärungsarbeit zu leisten. Das ist auch ein Grund, weshalb wir das Thema Erdgas und die Vorteile durch die Nutzung dieser Technologie in alle unsere Kundenveranstaltungen wie auch Trainings, die wir unseren Händlern und Verkäufern im gewerblichen Bereich anbieten, mit einfließen lassen.

Viele Kunden glauben, man muss zu viele Kompromisse eingehen, wenn man ein Erdgasfahrzeug fährt, aber dies ist produktseitig heute nicht mehr der Fall. Durch den Einsatz der turboaufgeladenen CNG-Motoren ist in Sachen Fahrdynamik kein Unterschied zu einem herkömmlichen Verbrennungsmotor mehr auszumachen. Auch hinsichtlich der Praktikabilität wird der Kunde beispielsweise beim Leon ST in der Erdgasvariante keinen Unterschied bemerken. Die wirklich großen Unterschiede ergeben sich an der Zapfsäule, wo der Kunde auch bei niedrigen Rohölpreisen immer noch sparen kann und seine CO2-Bilanz deutlich verbessern kann. Jedoch ist eine genaue Analyse im Vorfeld wichtig, denn Erdgas ist nicht für jeden Kunden geeignet, da auch eine gewisse Infrastruktur vorhanden sein muss.

Flottenmanagement: Welche Ziele haben Sie sich mittel- und langfristig gesetzt, was wollen Sie mit und für Seat noch erreichen?

Marcus Hoffmann: Es wird Sie überraschen – wir wollen weiter wachsen. Als wir uns vor zwei Jahren das letzte Mal gesehen haben, habe ich den gleichen Satz verwendet, und das mit dem Wachstum hat funktioniert. Daher sage ich es wieder. Und glaube auch daran, denn die richtigen Weichen sind aus meiner Sicht gestellt – bei uns als Marke und im Händlernetz.