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Leasing und Kauf gehören im Fuhrpark zu den vorherrschenden Arten, Fahrzeuge zu finanzieren. Kauf meint den Eigentumserwerb durch Zahlung einer Summe x. Leasing ist eine Form des Mietens, jedoch mit Übergang der Wartungs- und Instandhaltungspflichten sowie des Gewährleistungsanspruchs auf den Leasingnehmer. Beim Leasing entrichtet der Vertragspartner eine monatliche Summe x über eine Laufzeit y und erhält dafür ein Nutzungsrecht. Der Leasinggeber bleibt stets Eigentümer des Fahrzeugs und trägt das Restwertrisiko. Laut Wikipedia existiert übrigens eine einheitliche Begriffsdefinition weder in der Wirtschaftspraxis noch in der Literatur. Als Sonderform gilt die Finanzierung mit ihren Unterarten Schlussratenfinanzierung und 3-Wege-Finanzierung. Bei der Finanzierung erfolgt die Bereitstellung eines Fahrzeugs durch Gewährung eines Kredits mit monatlicher Abbezahlung der Summe sowie der Zinsen über einen vereinbarten Zeitraum x. Im Gegensatz zum Leasing erwirbt der Finanzierungsnehmer das Recht am Eigentum, jedoch behält der Finanzgeber bis zur Abbezahlung der Kreditsumme eine Sicherheit auf das Eigentum. Bei der 3-Wege-Finanzierung bleibt dem Finanzierungsnehmer bis zum Schluss die Wahl, das Fahrzeug mit der Schlussrate zu erwerben, eine Anschlussfinanzierung zu nutzen oder das Fahrzeug zurückzugeben. Als Instrument des Leasings funktioniert Sale-and-lease-back (SALB). Dabei erwirbt der Leasinggeber Kauffahrzeuge des Kunden und verleast sie an ihn. Es greifen wiederum die eigentums- und nutzungsrechtlichen Grundlagen des Leasings.

Fakt ist, dass der Fuhrpark den zweitgrößten Posten nach den Personalkosten innerhalb der Unternehmenskosten einnimmt. Das sind nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch die laufenden Kosten für Unterhalt und Management. Welche Form der Finanzierung also infrage kommt, hängt nicht nur von der wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens ab, sondern von vielen möglichen Aspekten wie der Zukunftsplanung sowie der Erfahrung, die der oder die Mitarbeiter im Fuhrparkmanagement haben beziehungsweise gemacht haben. Die personelle Aufstellung des Bereichs sowie die Fuhrparkgröße beziehungsweise -struktur oder auch die Tradition spielt ebenfalls eine Rolle. Dabei bedeutet „traditionell“ eher „das Unternehmen kauft“ als „das Unternehmen least“. Leasing hingegen ist ein Phänomen der neueren Zeit. Speziell das Fahrzeugleasing als Finanzierungsform für den Fuhrpark entdeckten die Unternehmen verstärkt in den 1980er-Jahren.

Kauf
Lässt es die Liquidität zu, erweist sich der Kauf als Option. Je nach Fahrzeugabnahmevolumen und Verhandlungsgeschick kann das Unternehmen von Rabatten profitieren. Im Februar 2015 hat sich das Preisnachlassniveau, das das Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen, CAR, regelmäßig ermittelt, wieder nach oben entwickelt. Der CAR-Rabatt- Index fasst die vier wesentlichen Bestimmungsgründe für die Nachlässe auf Neuwagen zusammen. Erstens die Anzahl der bundesweiten Sonderaktionen der Autobauer, zweitens die durchschnittlichen Kundenvorteile dieser Sonderaktionen, drittens die bei den großen Internetvermittlern eingeräumten Nachlässe auf die Listenpreise für individuell bestellbare Neuwagen und viertens die Eigenzulassungen der Hersteller und Händler. Auch Fahrzeuge, die einer erhöhten Abnutzung unterliegen, beispielsweise Baustellenfahrzeuge, oder Sonderfahrzeuge mit Spezialein- oder -aufbauten werden häufig noch gekauft. Beim Kauf kann das Unternehmen das Fahrzeug dem betrieblichen Anlagevermögen zuordnen und je nach Fahrzeugeinsatz für die Anschaffungskosten (Fahrzeug einschließlich Zubehör, abschreibungsfähiger Sonderausstattung, Überführungskosten, Zulassungskosten) einen Abschreibungszeitraum von sechs Jahren veranschlagen. Bei hohen Fahrleistungen von durchschnittlich deutlich mehr als 40.000 Kilometern pro Jahr darf der Abschreibungszeitraum kürzer sein. Die Entscheidung, ob die Verwaltung der Kauffahrzeuge im Unternehmen selbst bleibt oder ob sie vollständig oder in Teilen outgesourct wird, ist beeinflusst von den individuellen kurzund mittelfristigen Voraussetzungen. Fällt die Fuhrparkverwaltung in die Kernkompetenz des oder der Mitarbeiter? Wie viele Mitarbeiter braucht es für die Verwaltung der Fahrzeugzahl x? Auf welche Summe belaufen sich die direkten und die indirekten Prozesskosten? Viele Fuhrparkmanagementgesellschaften bieten die Übernahme der Verwaltung von Kauffahrzeugen mit planbaren monatlichen Kosten pro Dienstleistungsmodul an. Dennoch, das Unternehmen als Eigentümer der Firmenfahrzeuge behält stets die Hoheit über alle Prozesse und trägt das Restwertrisiko. Und bekanntermaßen sinkt ja der Restwert am Ende der Laufzeit, wenn bei Kauf ein überdurchschnittlicher Rabatt verhandelbar war. Empfehlenswert wäre das Hinzuziehen eines auf Remarketing spezialisierten Dienstleisters. Dieser kann sowohl beratend tätig werden als auch die Wiedervermarktung übernehmen und dabei zumeist optimale Wiederverkaufswerte erzielen.

Leasing
Leasing erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit als Finanzierungsform, gerade weil das Unternehmen kein Kapital zu binden braucht. Zudem trägt es kein Restwert- und Vermarktungsrisiko. Leasing wird gerne gewählt, weil ein gewisses Maß an Laufzeitverkürzung gegeben ist. Herstellersubventionen machen es ebenso attraktiv wie die Tatsache, dass das Unternehmen mit modernen Fahrzeugen einen positiven Aussenauftritt hat und auch seine Mitarbeiter motiveren kann. Full- Service-Leasingraten sorgen für Planungssicherheit bei den Kosten über die gesamte Fahrzeuglaufzeit. Sie können als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Ein reichhaltiges Full- Service-Angebot der Leasinggesellschaften lässt sich zur Optimierung des unternehmenseigenen Fuhrparkmanagements teilweise oder umfänglich nutzen. Die Spezialisierung der Leasinggesellschaften auf das Thema Fuhrpark stattet sie auch mit einer Beratungsfähigkeit aus, die sich für den Fuhrparkkunden kurz- und mittelfristig auszahlen kann. Da das geleaste Fahrzeug nicht Eigentum des Unternehmens ist, muss der Halter sich an die vertraglich vereinbarten Nutzungsbedingungen halten, die unter anderem die Wartung und Instandhaltung sowie die Rücknahme betreffen. Um keine böse Überraschung am Laufzeitende zu erleben und hohen Nachzahlungen nachkommen zu müssen, weil das Fahrzeug nicht dem vertragsgerechten Zustand entspricht, empfiehlt es sich, den Fahrzeugzustand von einem neutralen Sachverständigen begutachten zu lassen.

Die Entscheidung muss nicht nur für den Kauf oder für das Leasing gefällt werden, sondern liegt irgendwo zwischen den „Extremen“: Es gibt Kauf mit Eigenverwaltung bis hin zu Leasing mit Outsourcing aller Verwaltungsaufgaben. Natürlich finden sich auch Lösungen mit Mischfuhrparks aus Kauf- und Leasingfahrzeugen. Mittlerweile bieten die meisten Leasinggesellschaften an, Kauffahrzeuge mit zu verwalten und für sie optional auch ein umfangreiches Portfolio an Dienstleistungen bereitstellen. Entscheidungsgrundlage für die jeweilige Finanzierungsform sollten die TCO sein und sicherlich helfen Ausschreibungen, die optimale Leasinggesellschaft für den jeweiligen Zweck zu finden. Wer seine Kauffahrzeuge schnell ins Leasing überführen möchte, kann auch Sale-and-lease-back als Instrument nutzen. Ausschlaggebend dabei der Zustand sowie das Alter der Fahrzeuge, das heißt, wenn die mögliche Restlaufzeit noch leasingerlasskonform und beispielsweise die Wartungshistorie verfügbar ist.

Sale-and-lease-back
Wie, warum und wann die Leasinggesellschaften Sale-and-lease-back empfehlen beziehungsweise ihre Kunden es einsetzen, haben uns ausgewählte Unternehmen auf Anfrage mitgeteilt. Kunden der akf servicelease GmbH nutzen das Leasinginstrument vor allem im Rahmen des Outsourcings. Die Situation bei der Arval Deutschland GmbH beschreibt Sebastian Fruth, Director Commercial, so: „Etwa zehn Prozent unserer Kunden, die vom Kauf zum Leasing wechseln, nutzen gleichzeitig die Möglichkeiten und Vorteile von Sale-and-lease-back. Aufgrund des Liquiditätsvorteils gehen wir davon aus, dass der Anteil tendenziell steigen wird.

Auch bei der ALD Auto Leasing Deutschland GmbH gibt es Sale-and-lease-back im Portfolio und wird laut Aussage von Geschäftsführer Karsten Rösel sehr bedarfsgerecht von Kunden angefragt: „Meist steht eine Vereinheitlichung von Prozessen im Betrieb des Fuhrparks im Vordergrund. Dies kann dann am besten mit Full-Service-Leasing-Bausteinen abgedeckt werden.“ Athlon Car Lease bietet die Lösung SALB in allen Situationen an, vorbehaltlich einer Bonitäts- und Fahrzeugüberprüfung sowie der Prüfung aller zu übernehmenden Fahrzeuge. Christian Harbeck, Leiter Vertrieb Flotte bei der Leasinggesellschaft der Autobank GmbH, weiß, dass seine Kunden gerne SALB in Anspruch nehmen, um Bilanzen zu und bessere Ratingzahlen zu erzielen oder um weitreichende Investitionen zu tätigen. Philipp Berg, Leiter Vertrieb und Marketing Daimler Fleet Management GmbH, spricht sich für SALB aus, wenn Kunden ihre Liquidität erhöhen und zeitgleich von den grundlegenden Vorteilen des Leasings profitieren möchten. „Der Mehrwert liegt insbesondere – neben einer günstigen Leasingrate für Fahrzeuge aller Marken und Modelle – in den Vorteilen, die sich aus einer sogenannten Bilanzverkürzung ergeben. Zudem lassen sich für den Kunden signifikante Effekte durch deutlich geringere Prozesskosten und es lässt sich eine Minimierung des Betreiberrisikos erzielen.“ Harald J. Frings, Geschäftsführer der Deutschen Leasing Fleet GmbH, kommuniziert das Angebot seines Unternehmens so: „Sofern der Kunde eine Outsourcinglösung zu einem Stichtag anstrebt, bietet sich die Übernahme der bestehenden Flotte mittels Sale-and-leaseback an.

Die HHL Hamburg Leasing bietet SALB an, wenn Kunden ihren gesamten Fuhrpark zu einem Stichtag vom Kauf auf Leasing umstellen wollen. Bei der LeasePlan GmbH stellt man fest, dass der Markt für SALB relativ gesättigt ist, denn viele Unternehmen haben bereits Leasing als Finanzierungsform für sich entdeckt. „Größeren Bedarf sehen wir noch bei Vereinen und Wohlfahrtsverbänden. Da diese Institutionen nicht vorsteuerabzugsfähig sind, scheuen diese deshalb den finanziellen Mehraufwand beim Eintritt ins Leasing“, so Gunter Glück, Geschäftsleitung Vertrieb und Kundenbetreuung bei LeasePlan. Bei der Mobility Concept GmbH bietet man SALB Neukunden an, die Neufahrzeuge über Leasing bei Mobility Concept beziehen, um einen vorhandenen Kauffuhrpark in die ganzheitliche Betreuung zu überführen. Auch eher selten hört Jochen Seitz, Gesamtleiter Fuhrparkmanagement der Raiffeisen-IMPULS Fuhrparkmanagement GmbH & Co. KG, den Wunsch nach SALB: „Meist nutzt der Kunde alternativ unseren Remarketingservice, um die Altfahrzeuge über uns vermarkten zu lassen.“ Auch bei der Volkswagen Leasing GmbH gehört das SALB zu den Randerscheinungen, auch wenn es als unproblematisches Mittel gilt, Liquidität zu schaffen, wie Gerhard Künne, Sprecher der Geschäftsführung, weiß: „Die Kundennachfrage nach Sale-and-leaseback bewegt sich gleichbleibend auf einem sehr geringen Niveau.“

Fazit
Final beeinflusst immer noch die individuelle Unternehmenssituation die Wahl der Finanzierungsform. Wenn Argumente abgewogen, Statistiken und Rechenbeispiele ausgewertet, Angebote eingeholt, Gespräche mit Anbietern geführt und Erfahrungen ausgetauscht wurden, fällt die Geschäftsführung die Entscheidung. Vielleicht bleibt auch alles beim Alten – aus Tradition.

 

KAUF
Vorteile:

• regelmäßig uneingeschränktes Eigentum
• laufzeitunabhängige Nutzungsmöglichkeit
• freie Verwertbarkeit
• flexible Abschreibungsmöglichkeit nach Grad des Fahrzeugeinsatzes
• Inanspruchnahme von hohen Preisnachlässen

Nachteile:
• eingeschränkte Flexibilität bei Bedarfsund Kapazitätsschwankungen
• hoher Finanzbedarf beziehungsweise Liquiditätsbindung
• negative Auswirkung auf finanzwirtschaftliche, ratingrelevante Kennzahlen wie Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad bei hohem Fremdfinanzierungsanteil
• Vermarktungsrisiken infolge stark sinkender Marktwerte
• Gewährleistungsrisiken bei Eigenvermarktung

 

LEASING
Vorteile:

• Spielraum für andere Finanzierungen durch niedrigen Eigen- und Fremdkapitalbedarf
• verbesserte finanzwirtschaftliche, ratingrelevante Kennzahlen
• keine Restwertrisiken
• keine Vermarktungs- und Gewährleistungsrisiken
• niedrigere Leasingraten durch (verdeckte) Herstellersubventionen (Businesspakete, Restwertstützprogramme)

Nachteile:
• kein Eigentum
• laufzeitabhängige Nutzungsmöglichkeit
• erhöhter Pflege- und Instandsetzungsbedarf
• regelmäßig keine Teilhabe an stillen Reserven bei positiver Restwertentwicklung