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Die Europäische Union hat sich viel vorgenommen: Bis 2030 will sie die Schadstoffemissionen gegenüber 1990 um 40 Prozent senken, bis 2050 sogar um 80 bis 95 Prozent. Ein Ansatzpunkt ist der gewerbliche Verkehr. Denn der ist allein für 50 Prozent der verkehrsbedingten Umweltverschmutzung verantwortlich. Genau hier setzt ein neuer Baustein der Flottenmanagement- Software WebFleet von TomTom Telematics an: OptiDrive 360 gibt professionellen Fahrern Tipps in Echtzeit anhand von Fahrzeug- und Straßendaten, wie sie ihr Fahrzeug optimal, sicher und spritsparend durch den Verkehr bewegen und so den Verbrauch sowie Schadstoffemissionen senken – und damit auch die Kosten.

„Mit Systemen wie WebFleet erzielen Sie Einsparungen von 10 bis 20 Prozent“, rechnet Thomas Schmidt, Managing Director von TomTom Telematics vor. „Das heißt: Im Schnitt amortisiert sich so eine Investition schon nach sechs Monaten.“ Mit dem neuen Baustein OptiDrive 360 setzt TomTom Telematics noch einen drauf, weil es zwei bis drei zusätzliche Prozentpunkte an Einsparungen bringen kann. Dabei sammelt OptiDrive 360 permanent Daten und analysiert das Fahrverhalten, die sich der Fahrer, aber auch der Flottenmanager genau ansehen und daraus einen Optimierungsbedarf für seinen Fahrstil ableiten kann. OptiDrive 360 setzt dabei auf acht Indikatoren: Geschwindigkeit, Fahrmanöver, Standzeiten, Spritverbrauch, umweltfreundliche Geschwindigkeit, Ausrollen, Schaltverhalten und konstante Geschwindigkeiten. Die Daten übersetzt das Programm in Benchmarks und zeigt an, wo sich der Fahrer verbessern kann. Diese Analysen kann aber nicht nur der Fahrer abrufen, sondern auch der Flottenmanager in seinem Rechner auslesen. Durch eine gemeinsame Analyse lassen sich langfristig Verbesserungen erzielen, persönlich für den Fahrer wie für das Unternehmen durch höhere Einsparungen.

Entwickelt wurden diese Tipps im Rahmen des EU-Projekts ecoDriver, das Professor Oliver Carsten von der Universität Leeds leitet. „Die Projektteilnehmer entwickelten schnell einen Ehrgeiz, ihre Performance zu verbessern, nachdem sie ihre Analyse gesehen hatten.“ Auch der Flottenmanager profitiert von den Analysen und Reportings, da er in Kooperation mit dem Fahrer langfristig die Performance, den Verbrauch und damit Folgekosten für Wartung und Verschleiß optimieren kann. Flottenverantwortliche können das Material zudem für firmeninterne Wettbewerbe nutzen, um die Fahrer im positiven Sinne herauszufordern und Bestleistungen zu belohnen.

„Wichtig ist, dass sie dabei immer mit Lob und Vorbildfunktionen arbeiten, statt Negativleistungen zu kritisieren“, so Carsten. „Vor allem aber geht es nicht nur darum, den Verbrauch zu senken, weil irgendwann das Potenzial ausgereizt ist.“ Denn der Score nimmt beispielsweise auch hektische Fahrmanöver auf, misst Ausrollzeiten, analysiert Schaltvorgänge und prüft die optimale Geschwindigkeit. „Am Ende geht es darum, sich und dem Fahrer realistische Ziele zu setzen“, erklärt Carsten. „Und die heißen sicher und vorausschauend zu fahren.“

 

 

„Fahrer einbeziehen“

Interview mit Professor Oliver Carsten, Universität Leeds, Leiter des EU-Projekts ecoDriver

Flottenmanagement: Herr Professor Carsten, wenn das Navi den Fahrern sagt, wie sie am besten fahren sollten – fühlen die sich nicht bevormundet?

Oliver Carsten: Ich glaube nicht. Schließlich geht es um das große Ziel, etwas für die Umwelt zu tun, indem sie den Spritverbrauch und damit die Schadstoffemissionen senken. Sie wissen also vorher, was auf sie zukommt, und nehmen die Tipps eher dankbar auf, um besser zu werden.

Flottenmanagement: Gilt das auch für den Berufsfahrer eines Unternehmens, der 20 Jahre am Steuer sitzt und glaubt, alles zu können?

Oliver Carsten: Natürlich ist das immer auch eine Typsache. Gerade Profis wissen ganz genau, worauf es in ihrem Job ankommt. Aber sie wissen auch, dass lebenslanges Lernen überall gilt, auch hinter dem Steuer eines Nutzfahrzeugs. Die Technik entwickelt sich weiter, damit verändert sich automatisch, was die Autos können – und stellen heute ganz andere Anforderungen an den Fahrer als noch vor beispielsweise zehn Jahren. Da sich auch die gesellschaftlichen Anforderungen verändert haben und der Umweltschutz heute einen ganz anderen Stellenwert hat als früher, müssen auch Berufsfahrer etwas tun. Sie müssen nur die Tools bekommen, Vorgaben wie Benzineinsparungen umzusetzen – und da ist das aus dem EU-Projekt ecoDriver heraus entwickelte Opti- Drive 360 eine gute Hilfe. Fahrer entwickeln einen Ehrgeiz, besser zu werden, wenn sie schwarz auf weiß sehen, wo sie noch Potenzial haben.

Flottenmanagement: Gilt das auch für den Fahrer einer Kleinflotte?

Oliver Carsten: Ja, das gilt auch für den berühmten „white van man“. Wir leben in einer Zeit, in der es darauf ankommt, mit Ressourcen sparsam umzugehen, egal, ob Konzern oder kleiner Handwerksbetrieb. Dazu gehört auch das Spritsparen. Nur: Sie müssen von Anfang an die Fahrer in solche Projekte miteinbeziehen. Wenn Sie neue Tools nutzen wollen, dürfen Sie das nicht über den Kopf des Fahrers hinweg bestimmen, sondern müssen gerade in kleinen Flotten dem Fahrer erklären, was er davon hat. Ideen dafür gibt es reichlich – und wenn es nur die simple Methode ist, den durch ökonomischeres Fahren eingesparten Betrag zwischen Fahrer und Unternehmen aufzuteilen oder jeden Monat den besten Fahrer zu belohnen.

Flottenmanagement: Also streng nach der Devise: Sprit sparen kommt an erster Stelle?

Oliver Carsten: Entschieden nein! Denn zuerst muss immer die Sicherheit kommen. Aber wenn sie die Sicherheit konsequent an die erste Stelle setzen, erzielen sie automatisch Spritspareffekte, weil sicheres Fahren vorausschauendes Fahren bedeutet – und genau das ist ein ganz wichtiges Element zur Reduzierung des Benzinverbrauchs. Sie fahren eben nicht mit Vollgas auf eine Kurve oder eine rote Ampel zu, sondern gehen früh vorausschauend vom Gas herunter. Sie fahren sicher durch die Kurve – und haben gleichzeitig den Spritbedarf deutlich reduziert. Mit etwas Training erreichen sie schnell Einsparungen von zehn und mehr Prozent, weil sicheres Fahren auch grünes Fahren ist.