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Schon beim abendlichen Betrachten der Werbung im Fernsehen (für die Jüngeren unter Ihnen: „TVSpots auf dem Flatscreen-LCD-TV“) stelle ich mir immer wieder diese Frage. Da werden Produkte deutscher Hersteller fast durchweg mit englischen Bezeichnungen versehen. Nivea ist mit seiner Produktpalette nur eines von vielen Paradebeispielen hierfür.

Eine Fahrt durch die Stadt beschert uns Begriffe wie „The Body Shop“ (nein, nicht der Karosseriebauer ist gemeint), Esso „on the run“ (aha, Tanken nur für Leute auf der Flucht), „Kaffee- Lounge“ (toller Sprachmix), der Parfümerie Douglas, die uns mit ihrem Werbespruch um das Hereinkommen und sofortige Herausgehen bittet („come in and find out“), und schließlich vorbei am Hundesalon „Doggy-Style“ (aus Gründen des Jugendschutzes gehe ich darauf nicht näher ein). Bei uns sind Produkte nicht mehr zum Mitnehmen, sondern nunmehr alle „to go“ (wenn schon auf Englisch, dann bitte korrekt „to take away“).

Nicht anders sieht es bei der Betrachtung diverser Zeitschriften aus. Als langjähriger Leser diverser Automobilfachzeitschriften stelle ich mir immer häufiger die Frage, ob man bei der Gestaltung und dem Texten der Artikel kein Deutsch-Wörterbuch zur Hand hat. Lasse ich mir Begriffe wie „Outsourcing“ und „Management“ noch gefallen, so fällt zum Beispiel bei der letzten Ausgabe von Flottenmanagement der Hinweis auf „Special: Transporter“ ins Auge. Warum die englische Schreibweise? Weiter geht’s mit „And the winners are …?“ und natürlich diversen Hinweisen auf Features bei Bestsellern. So liest sich die „Ausstattungsliste“ des Passat wie ein englischer Artikel. Sind Trendline, Comfortline und Highline ja schon ein alter Hut, so kommt es dann bei der Auflistung der Innovationen wirklich knüppeldick: Active Info Display, Head-up- Display, App-basierte Rear Seat Media Control, Front Assist , Emergency Assist, Trailer Assist …

Manche Hersteller schießen bei der zwanghaften Suche nach englischen Begriffen für Ausstattungsmerkmale Ausstattungsmerkmale regelrecht übers Ziel hinaus. US-Amerikaner haben sich beim von Daimler angepriesenen Extra „Active Body Control“ einfach nur noch schlapp gelacht. Die etwas prüdere Fraktion stellte sich die Frage, ob hier gegen die guten Sitten verstoßen wird. Auweia.

Vorbei die Zeiten, in denen Bedienelemente im Fahrzeug noch in deutscher Sprache beschriftet wurden, oder wer erinnert sich nicht an Abkürzungen des Bordcomputers des 5er BMW vom Typ E34? Da standen noch „VERBR“, „UHR“, „GESCHW“ und „A-TEMP“ zur Auswahl per Knopfdruck parat und jeder wusste, welche Informationen mit Betätigung des Knopfes abgerufen werden konnten … ohne exzessives Studium der Bedienungsanleitung. Heute möchte man nach Begutachtung dieser die Automobilhersteller um Bereitstellung eines Englisch- Deutsch-Wörterbuches bitten. Wäre sinnvoll.

Ernsthaft: Lesen sich die Verfasser eigentlich den Schwachsinn durch, den sie zu Papier bringen? Welcher Otto Normalverbraucher ist der englischen Sprache so umfänglich mächtig, dass er die Funktionen versteht (geschweige denn, was das jeweilige „Feature“ ist)? Müssen wir unsere Sprache der Dichter und Denker derart verunstalten, nur weil wir „global player“ sein oder mega-intelligent wirken wollen? Wir verhunzen immer mehr unsere Sprache und bemerken dabei nicht, wie lächerlich wir uns bei den „native speakern“ machen.

Einem ehemaligen US-Kollegen fiel beim Weihnachtsmarktbesuch das Schild „Hits für Kids“ auf. Etwas verunsichert fragte er mich, ob wir tatsächlich unsere Kinder in aller Öffentlichkeit verprügeln dürfen. Und auch bei unserer regen Verwendung des Begriffs „Handy“ musste er schmunzeln. Oldtimer kannte er ebenso wenig wie Showmaster oder Bandleader. Und als ihm die deutsche Kollegin für seine Präsentation einen „Beamer“ zur Verfügung stellen wollte, konnte er nur mit den Schultern zucken und ihr mit „Sorry, I drive Chevrolet“ antworten (Sie ahnen es: „Bimmer“ ist dort umgangssprachlich der BMW).

Natürlich werden dort auch deutsche Begriffe verwendet: Kindergarten, Angst, Bratwurst. Allerdings haben diese Begriffe dort keine andere Bedeutung. Das sagt alles.

Denken wir mal darüber nach. Derweil gehe ich in mein nächstes Meeting zum Briefing und bin für die nächsten zwei Stunden nicht im Office. Danach gibt es noch ein Follow-up mit unserem Head of HR zum Thema Fleet-Management in der Company (genauer: Car-Policy).

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen „all the best“

Peter Insam, Purchasing Teamleiter Non Production Materials

 

Autor

Seit nunmehr 20 Jahren ist Peter Insam für den Einkauf von Betriebsmitteln und Investitionsgütern für den Medizintechnik- Hersteller Maquet GmbH in Rastatt tätig. Hierzu gehört auch der Fuhrpark mit 350 Fahrzeugen am Standort Rastatt, für den er seit 19 Jahren auch der Fuhrparkmanager ist. Zuvor sammelte er zahlreiche Erfahrungen im Rahmen von Auslandsaufenthalten in Frankreich und Australien. Weltweit verwaltet der Getinge-Konzern, zu dem auch die Maquet GmbH gehört, etwa 6.000 Fahrzeuge.