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Flottenmanagement: Herr von Meyer, seit nunmehr drei Jahren verantworten Sie den Bereich Vertrieb an Großkunden, Autovermieter und Sonderkunden in Deutschland. Mit welchen Plänen und Vorstellungen sind Sie an diese Position herangetreten, welche Vorhaben und Projekte haben Sie seitdem umsetzen können?

Christoph von Meyer: Bereits in meiner vorhergehenden Funktion als Verkaufsleiter in der Niederlassung München hatte ich Kontakt mit dem Großkundengeschäft. Insofern war dieses Geschäftsfeld mir bereits bekannt. Ich konnte relativ schnell erkennen, welche Themen wir künftig stärken müssen. Dabei ging es in einem ersten Ansatz um die Struktur unseres Großkundenvertriebs: Das Key-Account-Management, das wir bereits 2005 vom sogenannten Gebietsleiteransatz aus umgestellt haben, haben wir weiter ausgebaut. So verteilt sich das Großkundengeschäft inzwischen auf 15 Key-Account-Manager, die den Rahmen für die Arbeit vor Ort in den derzeit 98 Großkundenstützpunkten in Deutschland schaffen und eine individuelle Betreuung gewährleisten.

Ein zweiter Punkt war die stetige Weiterentwicklung und Qualifizierung unserer Großkundenbetreuer in der Handelsorganisation. Unser Anspruch ist es, nah am Kunden zu sein, und gerade diese Zielgruppe legt großen Wert auf eine persönliche Betreuung. Dies bringt mich auch direkt zum dritten Punkt: der ganzheitlichen Betreuung der Großkunden. Wir legen Wert darauf, den Kontakt zum Dienstwagennutzer auch nach der Fahrzeugauslieferung weiter zu pflegen. So bringen wir etwa dreimal im Jahr unser BMW Business Class Magazin heraus, in dem wir nicht nur unsere neuen Produkte und Technologien, sondern auch BMW-fremde Themen beleuchten sowie nützliche Reisetipps geben. Zudem nutzen wir auch andere Direktmarketingkanäle wie den Newsletter. Flottenmanagement: Bereits seit 1969 wirbt BMW mit dem Slogan „Freude am Fahren“. Welche Bedeutung hat dieser Leitspruch heute für die Marke und wie spiegelt sich dieser in den Modellen wider? Christoph von Meyer: In den drei Worten „Freude am Fahren“ steckt viel mehr als nur die BMWMarkengene – Design, Technologie, Fahrdynamik und Erlebnis. Dieser prägnante Leitspruch ist seit 1969 zu einem Sinnbild der Marke BMW geworden und auf der ganzen Welt unverkennbar mit ihr verbunden. Daher sind wir uns in jedem Entwicklungsprozess und in jedem Produkt bewusst, dass diese dem Leitgedanken „Freude am Fahren“ gerecht werden müssen.

Flottenmanagement: Analog zu den Gesamtabsatzzahlen in Deutschland nimmt die 3er-Modellreihe auch im Flottengeschäft die Führungsposition ein. Mit welchen Werten, aber auch Innovationen kann Ihr Mittelklassemodell in diesem hart umkämpften Segment punkten?

Christoph von Meyer: Unverkennbar spiegelt sich im BMW 3er natürlich auch die „Freude am Fahren“ wider. Beim Fahrwerk absolvieren wir die Extrameile, sodass der BMW 3er in der Fahrdynamik einem Fahrzeug aus dem Motorsportbereich gleicht. Daneben vermitteln die Hochleistungsbremsen dem Dienstwagennutzer das nötige Sicherheitsgefühl, was gerade für Vielfahrer unabdingbar ist. Nicht zuletzt spielt auch BMW ConnectedDrive mit dem eCall eine entscheidende Rolle in puncto Sicherheit: All das sind Punkte, mit denen wir uns von den vielen anderen guten Anbietern absetzen. Und die Loyalität, insbesondere unserer Kunden des BMW 3er Touring, beweist, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Flottenmanagement: Das Produktportfolio von BMW ist heute so breit gefächert wie noch nie und bietet neben Pkw- sowie SUV-Modellen seit Neuestem auch einen Van. Welches sind Ihre Topseller und wie hat sich der Markt in den letzten Jahren aus Ihrer Sicht verändert, gibt es Trends, die der Fuhrparkleiter beachten sollte?

Christoph von Meyer: Die BMW 3er-Reihe und die BMW 5er-Reihe sind seit Jahren unsere Topseller. Mit Blick auf die Motorisierung nehmen der 318d, gefolgt vom 320d – jeweils in der Touringvariante – und dem 520d Touring die Spitzenpositionen ein. Hier zeigt sich auch, dass wir heute deutlich weniger Sechszylindermotoren verkaufen, wie es vielleicht noch vor sieben oder acht Jahren der Fall war. Dennoch würde ich nicht unbedingt von Downsizing sprechen, da wir heute mit dem neuen 520d Touring mit 190 PS über einem 530d Touring von vor acht Jahren liegen, was die Leistungswerte angeht. Der einzige Punkt, den der Dienstwagennutzer vielleicht vermissen könnte, ist das klangvolle Sechszylinderrauschen. Ansonsten sind diese Motoren wesentlich effizienter bei gleichen oder besseren Fahrleistungen.

Die Emissionswerte sind als Beschaffungskriterium dennoch in den vergangenen Jahren deutlich in den Vordergrund gerückt. Fuhrparkbeschaffer beziehen neben den Kriterien Funktionalität und Wirtschaftlichkeit heute auch immer stärker Faktoren wie Nachhaltigkeit und Energieeffizienz in ihre Entscheidung ein. Fahrzeuge mit einer attraktiven CO2-Bilanz werden immer gefragter. Mit dem BMW i3 bieten wir hier eine sehr attraktive neue Möglichkeit im Fuhrpark.

Flottenmanagement: Mit dem 2er Active Tourer begibt sich BMW gleich in zweierlei Hinsicht auf neues Terrain, so bieten Sie erstmals einen Van an und dies sogleich mit Frontantrieb. Welche Intention stand bei der Entwicklung eines kompakten Premium-Vans im Vordergrund? Wird sich BMW künftig auch stärker auf das Van-Segment fokussieren? Wie sehen Sie die Chancen des 2er Active Tourer im Flottengeschäft?

Christoph von Meyer: Der BMW 2er Active Tourer war einer der spannendsten Modellanläufe in diesem Jahr. Bei den heute am Markt befindlichen Vans steht in erster Linie die Raumfunktionalität im Vordergrund. Wir wollten diese Raumfunktionalität mit dem Gefühl von „Freude am Fahren“ zu verbinden. Der BMW 2er Active Tourer ist komfortabel und erfüllt gleichzeitig die BMW-typischen Werte wie Fahrfreude, Effizienz und Design. Diese Kombination gibt es so noch nicht auf dem Markt. Auch seitens der Händler stößt der BMW 2er Active Tourer auf durchweg positives Feedback, da hierdurch eine völlig neue Kundenklientel angesprochen werden kann: aktive Menschen, die viel unternehmen und eben auch einen höheren Platzbedarf haben. Die ersten Zahlen zeigen, dass unser Mut belohnt wird.

Flottenmanagement: Mit dem individuellen Charakter der Marke MINI sprechen Sie ganz bewusst die Zielgruppe der User Chooser an. Welchen Anteil nimmt die britische Kultmarke am Flottengeschäft der BMW Group ein? Wie wichtig ist es dabei, erstmals auch einen MINI 5-Türer anzubieten?

Christoph von Meyer: Dreitürige Varianten, wie wir sie für den MINI und auch den BMW 1er anbieten, sind noch immer in vielen Fuhrparks ein Hinderungsgrund für die Beschaffung. Daher freuen wir uns ganz besonders, dass wir die neueste MINI-Generation nun auch als 5-Türer anbieten können. Der Anteil von MINI an unseren Flottenzulassungen liegt bei knapp sieben Prozent. Wir sind zuversichtlich, dass wir diesen mit dem neuen Modell noch steigern werden.

Klassischerweise dient der MINI zur Motivation der Mitarbeiter. Er wird eher lokal eingesetzt und Jahreslaufleistungen von 30.000 oder 40.000 Kilometer sind eher die Ausnahme. Daneben nutzen ihn Großkunden auch gezielt für Marketingzwecke, denn kaum ein Fahrzeug versprüht so ein positives Image wie der MINI. Um dies auch in Zukunft sicherzustellen, haben wir uns bei der neuen MINI-Generation nicht nur seitens der Motoren, sondern auch der Verarbeitungsqualität und der Wertigkeit im Innenraum nochmals verbessert.

Flottenmanagement: Die Ansprüche von Flottenkunden differenzieren sich oftmals schon bei der Ausstattung von denen der Privatkunden. Mit welchen Ausstattungsvarianten kommen Sie diesen Ansprüchen entgegen? Bieten Sie Businesspakete an und was beinhalten diese Angebote?

Christoph von Meyer: Spezielle Businesspakete sind heute unabdingbar im Großkundengeschäft und gehören mittlerweile zur Erwartungshaltung dieser Zielgruppe. Über fast alle Modellreihen hinweg bieten auch wir spezielle Pakete für Großkunden an, die sich an den jeweiligen Ansprüchen orientieren. So haben wir beispielsweise im BMW 3er Komforttelefonie, Park Distance Control, Geschwindigkeitsregler sowie ein Navigationssystem. Auch für den neuen BMW 2er Active Tourer ist ein solches Paket bereits verfügbar.

Flottenmanagement: Von einem Premiumhersteller erwarten die Kunden auch Premiumservice. Welche Dienstleistungen bieten Sie hier für den Fuhrparkleiter und insbesondere auch für den Fahrer? Womit kann BMW hier besonders punkten? Welche Neuerungen sind demnächst zu erwarten?

Christoph von Meyer: Heute können Großkunden unsere Serviceleistungen nicht nur an den bereits erwähnten Großkundenstützpunkten, sondern auch in den 570 Outlets wahrnehmen. Zusätzlich haben wir in den Ballungsräumen spezielle Servicezentren aufgebaut, die sich der Flottenbetreuung nochmals intensiv widmen. Diese Nähe zum Kunden und dessen Belange ist eine ganz wesentliche Dienstleistung, die wir heute anbieten können.

Daneben hat der Nutzer eines BMW-Dienstwagens auch die Möglichkeit, eine BMW Business Card abzuschließen, wodurch wir einen persönlichen Kontakt herstellen. Zugleich kann die Karte auch dazu genutzt werden, um in jedem BMW-Betrieb in Deutschland den Service durchführen zu lassen und für diese Zeit kostenlos einen Werkstattersatzwagen in Anspruch zu nehmen. Erwähnen möchte ich auch die völlig beleglose Abrechnung im Rahmen unseres „BMW Service Inklusive“-Angebots. Ausgerüstet mit dieser Sonderausstattung weiß jeder BMW-Servicebetrieb anhand des Schlüssels, um welches Fahrzeug es sich handelt und welcher Service gemacht werden muss. Die Abrechnung erfolgt direkt mit BMW. Dadurch kann sich der Fuhrparkmanager auf sein Tagesgeschäft konzentrieren, da er mit der Abrechnung nichts mehr zu tun hat.

Flottenmanagement: ConnectedDrive ist das Zauberwort, unter dem BMW nicht nur Onlineservices, sondern auch modernste Fahrerassistenzsysteme zusammenfasst. Welche Bedeutung haben modernste Vernetzungstechnologien für eine Premiummarke? Ist ein Wandel vom Fahrer zum Fahrgast im eigenen Auto für die Zukunft zu erwarten?

Christoph von Meyer: Mit BMW Assist waren wir damals die Ersten, die moderne Fahrerassistenzsysteme in Fahrzeuge verbaut haben. Mit BMW ConnectedDrive können wir von diesem Engagement profitieren und sind heute führend in dem Bereich. Ein ganz entscheidender Bestandteil dieses Systems ist der eCall, der beim Auslösen der Airbags oder beim Druck auf die Taste im Dachhimmel ein von BMW beauftragtes Unternehmen alarmiert, das sich mit dem Fahrer in Verbindung setzt. Gleichzeitig werden geostationäre Daten, die Anzahl der Fahrzeuginsassen und Informationen zur Schwere des Unfalls an diese Zentrale über eine fest eingebaute SIMKarte übermittelt. Die datenschutzrechtlichen Bestimmungen werden natürlich eingehalten.

Neben dem großen Thema Sicherheit spielt auch der Komfort eine immer wichtigere Rolle. Gerade Nutzer, die täglich mehrere Stunden mit dem Dienstwagen unterwegs sind, profitieren von modernen Fahrerassistenzsystemen, wie etwa Stauassistenten. In diesem Bereich sehe ich auch zukünftig Potenzial, um den Arbeitsalltag hinter dem Lenkrad so angenehm wie möglich zu gestalten.

Mit dem hochautomatisierten Fahren wird das Autofahren in der Zukunft noch sicherer, komfortabler und effizienter. Die BMW Group forscht seit mehreren Jahren intensiv in diesem Bereich mit dem Ziel, eine möglichst seriennahe Technologie zu entwickeln. Wir können bereits gute Erfolge verzeichnen: Aktuell ist hochautomatisiertes Fahren auf der Autobahn bis zu einer Geschwindigkeit von 130 Kilometer pro Stunde möglich und vor Kurzem ist es uns gelungen, dass das Fahrzeug ohne Eingreifen des Fahrers die Autobahn an einem Autobahnkreuz wechselt. Um das Projekt voranzutreiben, werden wir weitere Forschungsfahrzeuge auf die Straße bringen.

Flottenmanagement: Die Themen Umwelt, Verbrauch und Emissionen erlangen nicht nur bei den Fuhrparks, sondern auch bei den Herstellern – nicht zuletzt durch CO2-Grenzwerte der EU für 2020 – immer mehr an Relevanz. Was ist aus Ihrer Sicht die Technologie der Zukunft und warum? Welchen Stellenwert nimmt dabei das Mobilitätskonzept BMW i ein?

Christoph von Meyer: Ich gehe davon aus, dass wir einen Antriebsmix auf den Straßen finden werden. Neben konventionellen Antrieben werden Plug-in-Hybride, wie etwa der BMW i8, oder vollelektrische Fahrzeuge wie der BMW i3 das Straßenbild bereichern. Am Ende entscheidet der Kunde, welche Antriebstechnologie für ihn infrage kommt. Daher müssen wir uns, wie jeder andere Hersteller auch, möglichst breit aufstellen, um den Kundenwünschen gerecht zu werden.

So investieren wir nicht nur bei den konventionellen Antrieben, in dem wir die BMW-EfficientDynamics- Technologie weiter voran bringen, sondern verfolgen mit dem BMW i3 einen völlig revolutionären Ansatz, der bereits mit einem komplett neuen Produktentstehungsprozess beginnt. Hier steht Nachhaltigkeit bis ins kleinste Detail im Vordergrund: Die Kohlefaserproduktion findet ausschließlich mithilfe von Energie aus Wasserkraft statt und auch der Strom für die Produktion in Leipzig wird über die vier größten Windräder Europas erzeugt. Abgerundet wird das Angebot durch einen optionalen Vertrag mit der Naturstrom AG, bei dem 100 Prozent regenerative Energie genutzt werden kann. Der BMW i3 ist daher mehr als ein Fahrzeug, das ausschließlich auf Leichtbau setzt. Nachhaltigkeit auf der ganzen Linie und die intelligente Vernetzung des Fahrzeugs mit der Umwelt sind Kernelemente dieses Konzepts.

Flottenmanagement: Wenn Sie einmal einen Ausblick in die Zukunft geben, welche Pläne und Ziele haben Sie hier, wohin möchten Sie die Marken BMW und MINI noch bringen, welche Projekte sollen hierbei helfen?

Christoph von Meyer: Der Flottenmarkt in Deutschland hat in den letzten Jahren an Attraktivität enorm zugenommen und an Stabilität gewonnen. Großes Augenmerk werden wir auch künftig auf die Betreuungsstruktur, den Kundenkontakt und die Kundenzufriedenheit legen und mit einem Wort Premiumservice bieten, um die Kundenloyalität zu stärken. Was die nahe Zukunft betrifft, können sich unsere Kunden 2015 auf attraktive neue Modelle und Modellpflegemaßnahmen freuen.