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Flottenmanagement: Herr Modelhart, Jaguar Land Rover gelang es, neue Kundengruppen für sich zu gewinnen, ohne dabei die eigene Identität aufgeben zu müssen. Welche Schwierigkeiten galt es, für den Spagat zwischen britischer Nobelmarke und steigenden Absatzzahlen zu überwinden?

Peter Modelhart: Wenn man die Absatzzahlen der deutschen Nobelmarken Mercedes-Benz, BMW und Audi sieht, haben wir noch viel Luft nach oben. Jaguar und Land Rover sind nach wie vor und werden auch in Zukunft besondere Marken in Deutschland bleiben. Wir haben die Marken enorm modernisiert, nicht nur seitens Design und Technik, sondern auch seitens des gesamten Markenauftritts. Letzter Baustein ist die neue Architektur von Jaguar Land Rover der Händlerbetriebe, die nach und nach eingeführt wird. Unsere Marken sind heute attraktiver denn je.

Flottenmanagement: Seit März 2008 gehört Jaguar Land Rover der Tata-Gruppe an. Welche Synergieeffekte ergeben sich aus der Zugehörigkeit zum Großkonzern Tata? Bestehen Zusammenhänge zwischen der Übernahme 2008 und der fast gleichzeitig stattgefundenen Neuausrichtung der Modelle sowie den damit rasant steigenden Absatzzahlen?

Peter Modelhart: Im Automobilbau gibt es keine Synergieeffekte mit Tata, denn Jaguar und Land Rover bedienen völlig andere Marktsegmente. Allerdings nutzen wir das Know-how von Tata beispielsweise im IT-Bereich, wo Tata Consultants eines der führenden Unternehmen weltweit ist. Ratan Tata hat die Marken aus Leidenschaft und aus strategischen Überlegungen heraus gekauft und investierte, selbst in der schwierigen Zeit der Finanzkrise, kurz nach der Übernahme. Mit seinem Commitment und der finanziellen Unterstützung war es erst möglich, die neuen Modelle und Technologien zu planen, die den Grundstein für den nachhaltigen Erfolg legten. Wir haben den Range Rover Evoque 2011 eingeführt und haben nach und nach die Jaguar- Modellpalette in wichtigen Segmenten erweitert und 2012 den F-TYPE gelauncht.

Flottenmanagement: Mit dem Jaguar XE wagen Sie den Schritt in das Mittelklassesegment. Mit welchen Werten, aber auch Innovationen will Jaguar in diesem hart umkämpften Segment punkten? Welche Bedeutung hat dabei die technologische Marktführerschaft für eine Premiummarke?

Thomas Schmidt: Es reicht heute nicht mehr, Fast Follower im Technologiebereich zu sein, da die Entwicklung zu rasant ist und der Kunde von einem Premiumhersteller erwartet, dass er die aktuellsten Adaptionen bietet. Während ABS beispielsweise 20 Jahre benötigt hat, um sich durchzusetzen, benötigt heute das Thema Konnektivität kaum mehr als ein Jahr. Mit dem neuen Jaguar XE bieten wir Technologien an, die in dem Segment führend sind. Als erstes Fahrzeug im C/D-Segment nutzt er eine weitgehend aus Aluminium gefertigte selbsttragende Karosserie. Die extrem robuste und zugleich leichte Struktur ist in Kombination mit den Aufhängungen – vordere Aluminium-Doppelquerlenkerachse und hintere Aluminium-Integral-Einzelradaufhängung – Garant für ein außergewöhnlich dynamisches Handling. Die hochmodernen Vierzylinder- Diesel- und Benzinmotoren der Ingenium- Baureihe decken ein breites Leistungsspektrum ab. Wir haben sie komplett neu entwickelt und werden sie in dem neuen Werk von Jaguar Land Rover in Wolverhampton fertigen. Die Basismotorisierung mit 163 PS bietet klassenbesten Kraftstoffverbrauch von nur 3,8 l/100 km und einen CO2-Wert von nur 99 g. Auch was das wichtige Thema Konnektivität betrifft, werden wir mit den neuen InControl-Applikationen führend sein.

Hinzu kommt die markante, moderne und zugleich luftwiderstandsarme (Cw-Wert von 0,26) Karosserie, die in aktueller Jaguar-Design-DNA sehr elegant ist, sowie das edle Interieur, das den Jaguar XE zum perfekten Langstreckenfahrzeug macht.

Flottenmanagement: Der Discovery Sport läutet den Beginn einer neuen Discovery-Modellgeneration ein. Worin unterscheidet sich der Kompakt- SUV von seinen Vorgängern? Wohin soll der Weg in der kommenden Discovery-Baureihe gehen?

Peter Modelhart: Der Discovery Sport führt die aktuelle Land-Rover-Designsprache in die Zukunft. Zudem ist er das wohl vielseitigste Premium- Kompakt-SUV des Marktes. Bei betont kompakten Abmessungen bringt der neue Discovery Sport eine unvergleichliche Mischung an den Start: enorme Flexibilität durch Details wie die 5+2-Sitzkonfiguration, gepaart mit bemerkenswerter Hochwertigkeit in Design und Technik. Zudem debütiert gleich eine ganze Serie interessanter Land-Rover-Innovationen. Dazu zählt neben der neu entwickelten Mehrlenker-Hinterachse ein erstmals im SUV-Segment realisierter Fußgänger-Airbag ebenso wie das neue, intuitiv bedienbare Infotainmentsystem oder die hochmoderne Karosseriestruktur aus hochfestem Stahl und leichtem Aluminium, die die Grundlage für Leistung, Sicherheit und Effizienz des Modells legt.

Generell wurde der Discovery Sport so umweltfreundlich und wirtschaftlich wie irgend möglich konzipiert. CO2-Emissionen von minimal 119 g/km waren bislang eher ein Kennzeichen deutlich kleinerer und weniger vielseitiger Fließheck-Familienautos. Der neue Discovery Sport verknüpft diese Effizienz mit einer Menge Fahrspaß und Tauglichkeit für jeden Untergrund. Die Kunden besitzen dabei die Wahl unter mehreren modernen und leistungsstarken Vierzylinder- Benzin- oder Dieselmotoren sowie zwischen Zwei- oder Vierradantrieb und einer Neunstufenautomatik oder einem Sechsgangschaltgetriebe. Mit diesen Eigenschaften ist er der erste Vertreter einer neuen Discovery-Familie.

 

 

Flottenmanagement: Jaguar Land Rover wächst auf allen Märkten. Mit welchen Ansätzen wollen Sie diese Entwicklung auch in den kommenden Jahren nachhaltig gestalten? Soll der Fokus für die Zukunft eher in der Volumenerhöhung oder auf Exklusivität liegen?

Dr. Ralf Speth: Wir planen unser weiteres Wachstum auf drei Säulen; die weitere Globalisierung unseres Geschäfts, besonders in den sogenannten BRIC-Märkten, die Verbesserung der Infrastruktur, wie zum Beispiel die Optimierung des Vertriebsnetzes und neue Modelle beziehungsweise Modellerweiterungen. Was die Entwicklung neuer Modelle betrifft, stehen alle Premiumhersteller vor denselben Herausforderungen, das heißt Emissionen, Assistenzsysteme und Konnektivität. Wir haben gerade unsere neue Motorenfabrik in Wolverhampton eröffnet, wo völlig neue Vierzylinder-Diesel- und Benzinmotoren entstehen.

Diese Motoren sind extrem modular, sodass wir auch für zukünftige Entwicklungen gerüstet sein werden. Im Bereich Konnektivität haben wir gerade ein völlig neues System eingeführt, das nicht nur unsere Innovationskraft nutzt, sondern auch die immense Schnelligkeit der IT-Branche. Mit unseren neuen InControl-Technologien kann der Kunde auf dem In-Car Screen sofort die Applikationen und Updates seines Mobilgeräts nutzen, egal ob Android oder iOS. Im Bereich der Assistenzsysteme arbeiten wir unter anderem an dem selbstlernenden Automobil. Die Idee des pilotierten Fahrens ist durchaus attraktiv, denn es geht darum, Unfälle zu vermeiden.

Bis 2020 planen wir rund 50 Produktneuerungen, um unser Wachstum fortzuführen. Damit werden wir jedoch noch lange nicht zum Volumenhersteller. Es geht uns nicht um Volumen per se, unser Ziel ist profitables und nachhaltiges Wachstum. Modelle von Jaguar Land Rover sollen immer etwas Besonderes sein und den Kunden ein besonderes Erlebnis bieten. Wenn man die Größe der Wettbewerber im Premiumsegment betrachtet, ist in unseren Augen noch Platz für die Exklusivität von Jaguar und Land Rover.