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Flottenmanagement: Bis 2012 war Euromobil eine Autovermietung des Händlerverbandes von VW und Audi. Welche Intention stand hinter der Übernahme durch die Volkswagen Leasing GmbH?

Dr. Frank Woesthoff: Die Euromobil Autovermietung ist 1992 gegründet worden. Man erkannte schon damals, dass es sehr effektiv ist, die VWKonzernkunden mit einem eigenen Produkt mobil zu halten, wenn das eigentliche Fahrzeug gerade in Reparatur ist. Das wichtige Feld der Werkstattersatzwagen wollte man nicht anderen Marken überlassen. Bis 2012 war dieses Modell mit fast 22.000 Fahrzeugen bis an seine Grenzen gewachsen. Was jetzt fehlte, war ein händlerübergreifendes System für die Buchung und Vermietung von Euromobilfahrzeugen. Von Händlerseite aus gab es schon länger den Wunsch, gemeinsam mit einem starken Partner übergreifende Strukturen aufzubauen. Diese Verbindung schaffen wir derzeit, um unseren Kunden eine Strukturdeckung bundesweit und besonders auch an den Knotenpunkten wie Flughäfen und Bahnhöfen anbieten zu können.

Demgegenüber steht in der langfristigen Planung von Volkswagen Financial Services das Ziel, eine nahtlose Mobilität insbesondere den gewerblichen Kunden zur Verfügung stellen zu können.

Jetzt haben wir das Know-how aus beiden Welten zusammengebracht: Euromobil bietet weiterhin die Autovermietung im Autohaus, doch sind jetzt das Angebot der Langzeitmiete und die Expertise von Volkswagen Leasing hinzugekommen, sodass wir unser Angebot deutlich ausbauen können. Mit einem weiteren Franchisemodell, dem Profi-Partnerkonzept, wollen wir leistungsfähige Standorte des Handels zu Autovermietern mit vollem Angebotsspektrum bis hin zur Einwegmiete entwickeln. Hierzu unterstützen wir unsere Profi- Partner durch Marketing und Consulting, durch Lehrgänge für die Mitarbeiter und natürlich auch bei der Fahrzeugbeschaffung. Zudem unterhalten wir jetzt neben den Franchiseunternehmen in Autohäusern auch eigene Vermietstationen an bisherigen „weißen Flecken“ auf unserer Landkarte.

Flottenmanagement: Welche Ziele haben Sie sich bei diesem Netzausbau seit 2013 gesetzt? Inwieweit möchten Sie sich von den „klassischen“ Autovermietern abheben?

Dr. Frank Woesthoff: Mit 2.400 Standorten in den Autohäusern sowie einer Fahrzeugflotte von insgesamt 28.000 Fahrzeugen ist Euromobil schon jetzt sehr gut aufgestellt. Mittlerweile betreiben wir rund 50 eigene Stationen in Großstadt- Autohäusern und an den Flughäfen Hannover und Braunschweig. Wir werden in Zukunft alles anbieten, was die großen Autovermietungen in Deutschland auch leisten. Dennoch gibt es mehrere Alleinstellungsmerkmale unseres Vermietkonzepts. Zunächst ist da die Flächendeckung. Unsere Euromobilstationen sind bundesweit nur wenige Kilometer voneinander entfernt, das heißt, der Kunde muss nicht noch eine Anreise zur Vermietstation planen. Ein Vorteil, der gerade in ländlichen Regionen wichtig ist. Auf dem Land ist es somit möglich, den Individualverkehr sehr viel umweltfreundlicher und flexibler zu gestalten.

Außerdem sind wir eine markenbezogene Autovermietung, bei uns stehen die Fahrzeuge des Volkswagenkonzerns im Mittelpunkt. Das heißt, der Kunde muss bei uns nicht aus einer markenanonymen Fahrzeugklasse ein Fahrzeug wählen mit der Unwägbarkeit, welches Fabrikat er tatsächlich bekommt, sondern er bekommt wirklich das Modell, das er bestellt. Gerade in der Autovermietung ist es elementar, den Kunden mit einem Ersatz- oder Mietwagen nicht zu enttäuschen. Dies ist zunächst wichtig, um eine Kundenbindung aufzubauen und das Markenimage zu pflegen. Denn ein Auto zu mieten, ist immer auch eine ausführliche Testfahrt mit einem Fahrzeug, das man vielleicht immer schon mal fahren wollte. Hier ist es in Zukunft auch denkbar, verstärkt Erdgas-, Elektro- oder Hybridfahrzeuge im Mietwagenbereich einzusetzen. Für Flottenkunden ist es dann besonders einfach, etwas Neues auszuprobieren und beispielsweise alternative Antriebe und technische Innovationen unserer Konzernmarken zu testen.

Flottenmanagement: Euromobil ist ein Tochterunternehmen der Volkswagen Leasing GmbH. Welche Vorteile erwachsen aus dieser Verbindung für den Flottenkunden? Wie wichtig ist beispielsweise ein umfassendes Schadenmanagement im Bereich der Fahrzeugvermietung?

Dr. Frank Woesthoff: Letztlich profitiert unser Vermietkonzept von der umfangreichen Expertise und der überragenden Marktstärke der Volkswagen Leasing. Die Tochtergesellschaft der Volkswagen Financial Services hat mit einem Vertragsbestand von über einer Million Verträgen eine sehr gute Bindung zu aktuellen Trends im Leasingfuhrpark. Aufgrund dieser Nähe zum Flottenkunden wissen wir, wie wichtig es diesen ist, alles aus einer Hand zu bekommen. Hier kann ein Kundenberater auf alle Bedürfnisse vom Ersatzwagen bis hin zur Langzeitmiete in allen Pkwund Nutzfahrzeugsegmenten eingehen. Wie bei der Leasingrückgabe ist auch bei der Autovermietung die Rückgabe eine Stunde der Wahrheit. Daher ist dieses Thema ein entscheidender Baustein in unseren Planungen. Wir arbeiten zurzeit daran, die Abläufe möglichst synchron und einheitlich darzustellen. Das Ziel sind transparente und effiziente Prozesse. Vorstellbar sind auch vollständig automatisierte Rückgabeprozesse durch entsprechende technische Mittel.

Darüber hinaus profitiert der Gewerbekunde auch im Bereich Schadenund Unfallmanagement von der Verbindung Euromobil und Volkswagen Leasing. Denn das Notfall- und Schadenmanagement der Volkswagen Leasing GmbH begleitet den Flottenverantwortlichen und den Fahrer aktiv rund um die Uhr beim gesamten Prozess im Schadenfall. Das beginnt bei der Standortbestimmung und endet mit der Schadenabwicklung mit dem zuständigen Versicherer.

Des Weiteren spielt auch die Vernetzung von Warenmobilität und nicht nur von Mitarbeitermobilität eine zunehmend wichtige Rolle. Zusammen mit den Konzernmarken des Nutzfahrzeugbereichs wollen wir den wachsenden Logistikmarkt künftig intensiver bespielen.

Flottenmanagement: Mit welchen Ideen und Projekten möchten Sie in Zukunft weiter durchstarten? Welche Rolle spielt das Flottengeschäft dabei? Wird es das Euromobilmietangebot auch verstärkt im Ausland geben?

Dr. Frank Woesthoff: Wichtig ist uns, die Leistungsfähigkeit der Vermietstationen und die Kundennähe über Produkte sowie Reservierungsund Abrechnungssysteme stetig zu verbessern. Hier möchten wir in den nächsten Monaten zum Benchmark aufschließen und nach Möglichkeit noch darüber hinausgehen.

Weiterhin werden wir die Flottenprodukte vom klassischen Werkstattersatzrahmenvertrag bis hin zum Rahmenvertrag für Kurz- und Langzeitmiete ausbauen, um unseren Kunden ein vollständiges und flexibles Mobilitäts- und Dienstleistungsportfolio anbieten zu können. Zudem wollen wir natürlich auch weiter wachsen und bis 2020 zehn Prozent des allgemeinen Vermietmarktes bedienen. Dieses Ziel ist durchaus realistisch, da die nötige Infrastruktur ja bereits vorhanden ist. Bei entsprechender Performance im Heimatmarkt wird sich eine internationale Vernetzung, die ja im Vermietgeschäft naheliegt, von selbst ergeben.

Allerdings wird der Fokus zunächst auf Deutschland gelegt, weil dort durch die hohen Anteile am gewerblichen Mobilitätsgeschäft die größten Marktchancen liegen.