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Definitionsfrage
„Es gibt nicht die eine Stellenbeschreibung“, erklärt Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Fuhrparkmanagement e.V. (BVF) und Geschäftsführer der Carmacon GmbH. Jedes Unternehmen müsse seine Bedürfnisse individuell definieren, so Prinzing weiter. In der Branche hört man des Öfteren Aussagen wie: „Ich bin da irgendwann einfach hineingewachsen und war plötzlich Fuhrparkmanager.“ Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass jeder Flottenmanager ein unterschiedlich großes und weitreichendes Aufgabenspektrum zu bewältigen hat. Ein klassischer Ausbildungsberuf ist der Flottenmanager also nicht. Dennoch werden oftmals hohe Erwartungen an einen Flottenmanager gestellt: So müssen Themen wie Kostenminimierung, Riskmanagement, CO2-Einsparung oder E-Mobility nicht selten in eigener Verantwortung analysiert und bewertet werden. Dazu kommt noch, dass der Fuhrpark von Unternehmen in vielen Fällen mit zu den größten Kostenpunkten gehört und damit eine große finanzielle Verantwortung einhergeht.

Das Rüstzeug für diesen Job muss sich der Flottenmanager über die Jahre meistens selbst erarbeiten. Neben dem „learning by doing“-Prinzip gibt es dazu Ausbildungs- oder Fortbildungsseminare, Fachmagazine, Internetforen und Fuhrparkevents, die einen grundsätzlichen Überblick über die einzelnen Themen verschaffen. Dabei ist es von dem Unternehmen des einzelnen Flottenmanagers abhängig, was bei der Wahl des passenden Fortbildungsweges wichtig ist. Hier muss eine genaue Definition der Aufgaben vorliegen: Soll der Fuhrpark lediglich verwaltet werden oder soll ein Manager für mehr Kosteneffizienz sorgen? Welche Strukturen sind bereits vorhanden? Was wurde outgesourct? Je nach Anforderungsprofil definiert sich daraus das Berufsbild des Fuhrparkmanagers, -verwalters, -leiters oder -verantwortlichen. Dabei kann die Arbeitsplatz- und Aufgabenbeschreibung für die Flottenbranche des BVF helfen. Diese Definition bietet einen bundesweiten Standard bei der Stellenbeschreibung des Flottenmanagers.

Zertifizierte Ausbildung
Mittlerweile wurde der Missstand im Berufsfeld des Flottenmanagers von vielen Seiten erkannt und verschiedene zertifizierte Fuhrparkmanager- Ausbildungsseminare gestartet. Beispielsweise bietet die Dekra in Zusammenarbeit mit dem BVF eine Seminarreihe an, in der die Teilnehmer strategische und operative Fragestellungen ebenso wie rechtliche, finanzielle und betriebswirtschaftliche Grundlagen der Flottenverwaltung behandeln können. Über diese klassischen Themenfelder hinaus beschäftigt die Fuhrparkwelt immer auch neue Themenbereiche wie Travelmanagement oder alternative Antriebe. Daher werden auch diese Aspekte in einzelnen Seminaren der Ausbildung behandelt. Es ist dabei möglich, je nach Kenntnisstand, flexibel einzelne Module zu absolvieren und so sein Wissen zu ergänzen und auszubauen.

Jede Ausbildung endet in der Regel mit einer Prüfung, das ist auch bei zertifizierten Flottenmanagern nicht anders. Hierzu erläutert Axel Schäfer, Geschäftsführer des Fuhrparkverbandes: „Um volle Transparenz herzustellen, haben die Dekra Akademie und die rund 20 Fuhrparkpraktiker unseres Arbeitskreises Qualifizierung eine umfassende Prüfungsordnung erarbeitet, die für Personalentscheider genauso einseh- und nachprüfbar ist wie für Teilnehmer.“ Die Ausbildung und die einheitliche Prüfungsordnung sollen Standards liefern, sodass Personalchefs das Anforderungsprofil mit den Inhalten der Ausbildung abgleichen können.

Doch auch andere Veranstalter wie die e-flotte, die fleet academy oder der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) haben erfolgreiche Seminarkonzepte in diesem Zusammenhang im Angebot.

In Schulungen und Trainingsprogrammen vermittelt die fleet academy Fuhrparkwissen für kleine und große Flotten. Dabei arbeitet Geschäftsführer Andreas Nickel eng mit dem TÜV Rheinland und der Industrie- und Handelskammer (IHK) zusammen. So bietet die fleet academy auch speziell für Handwerksbetriebe Workshops in Sachen Flottenmanagement an.

Ebenfalls mit dem TÜV Rheinland bietet beispielsweise die e-flotte eine Ausbildungsreihe zum zertifizierten Flottenmanager an. Hierbei gliedert sich die Weiterbildung zum Fuhrparkmanager in zwei Schritte: Zunächst gibt es eine Ausbildung zum Fuhrparkbeauftragten, bei der das Basiswissen zur Fuhrparkverwaltung und zum Thema Kfz-Versicherung und Schadenhandling vermittelt wird. Darauf aufbauend kann dann eine zertifizierte Ausbildung zum Fuhrparkmanager absolviert werden. Hier stehen unter anderem vertiefende Seminare zu den Bereichen Recht, Beschaffung, Finanzierung und Riskmanagement im Fokus.

Welcher Weg letztlich eingeschlagen wird, sollten Fuhrparkmanager und Fuhrparkunternehmen gemeinsam entscheiden. Beide Seiten können von diesen Fortbildungen profitieren: Der Flottenmanager ist besser geschult und ist sich auch über die rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen seines Handelns besser bewusst. Der Arbeitgeber hat einen Fuhrparkverantwortlichen, der Experte auf seinem Gebiet ist und eventuelle Einsparmöglichkeiten aufdecken kann.