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Das Segment der Diesel-Transporter gehört zu den vielfältigsten im Flottenmarkt, nicht nur weil es die Kleinst- bis Großraumtransporter einschließt, sondern diese zusätzlich auch in verschiedenen Ausführungen zu haben sind. Bereits bei den Kleintransportern kann der Fuhrparkleiter je nach seinen Bedürfnissen aus unterschiedlichen Längen und Höhen auswählen, hinzu kommen in dieser Größe unterschiedliche Konzepte für die Beladung, wie beispielsweise Doppelflügeltüren, eine Heckklappe oder seitliche Schiebetüren. Ab den mittelgroßen Transportern kann der Flottenverantwortliche zusätzlich über den Aufbau entscheiden, da bereits ab diesem Segment die ersten Fahrgestelle verfügbar sind. Aber dies ist noch nicht alles: Spätestens ab den mittelgroßen Transportern ist das zulässige Gesamtgewicht eine wichtige Kenngröße, denn hier entscheidet sich, wie viel Kilogramm Zuladung mit dem Fahrzeug transportiert werden können.

Die größten Innovationstreiber im Bereich der Nutzfahrzeuge in diesen Tagen sind die Großraumtransporter. Pünktlich zur IAA Nutzfahrzeuge in Hannover vom 25. September bis 2. Oktober präsentiert eine Vielzahl von Herstellern die Weiterentwicklung ihrer Laderaumwunder. So steht bereits ein neuer Citroën Jumper in den Startlöchern, der auch weiterhin in Kooperation mit Fiat und Peugeot gebaut wird. Daneben wurde Anfang des Jahres der neue Ford Transit in Barcelona der Öffentlichkeit vorgestellt, Flottenmanagement berichtete exklusiv von diesem Großkundenevent (Ausgabe 2 und 3/2014). Den Abschluss der bisherigen Neuvorstellungen bildete die dritte Generation des Iveco Daily, die wir ab Seite 82 im Detail analysieren.

Mit 11.364 Neuzulassungen auf dem Gesamtmarkt im Juni zählte das Segment der leichten Nutzfahrzeuge laut Kraftfahrt-Bundesamt zu den absatzschwächsten. Dennoch ist deren Bedeutung insbesondere im Gewerbekundenbereich enorm, denn vom Zubringerfahrzeug bis hin zum Angebot für Versandunternehmen und Handwerksbetriebe lässt sich durch sie das gesamte Spektrum abbilden. Aufgrund der zahlreichen Neuvorstellungen im Bereich der Großraumtransporter und der damit verbundenen fehlenden Kalkulationsgrundlage widmen wir die 72. Folge unseres großen Kostenvergleiches den kleinen und mittelgroßen Diesel-Transportern. Insgesamt haben wir elf Kleintransporter und neun mittelgroße Transporter in unserem Kostenvergleich gegenübergestellt.

Kleintransporter
Das Segment der Diesel-Kleintransporter zeigt sich bereits bei den Ladedaten sehr flexibel: So verfügen die Vergleichskandidaten hier über ein maximales Ladevolumen von 1,9 bis 4,2 Kubikmeter sowie eine Zuladung von 530 bis 750 Kilogramm in den Basis-Versionen. Die für den Vergleich ausgewählte Basis-Motorisierung von 66 kW (90 PS) war für alle Modelle außer dem neuen Ford Transit Connect und dem Volkswagen Caddy kalkulierbar, die jedoch mit 70 kW beziehungsweise 75 kW (102 PS) beim Caddy noch immer vergleichbar motorisiert sind. Mit diesen Motorisierungen läuft ein Kleintransporter in der Spitze zwischen 156 und 183 Stundenkilometer bei Durchschnittsverbräuchen zwischen 4,2 und 5,1 Liter auf 100 Kilometer (Werksangaben).

Der Einstieg bei den Kleintransportern beginnt beim Dacia Dokker Express dCi 90 eco2 und einem Netto-Listenpreis von 11.090 Euro. In der Regel sollte der Fuhrparkverantwortliche jedoch Nettopreise zwischen 13.040 und 17.520 Euro für seine Kalkulation in Betracht ziehen. Bei der Ausstattung setzen wir neben sicherheitsrelevanten Einbauten wie Airbags für Fahrer und Beifahrer, ABS, ESP, den Verzurrösen zur Ladungssicherung sowie Nebelscheinwerfern auch Elemente, die den Alltag des Fahrers erleichtern sollen, wie die Einparkhilfe, eine Freisprecheinrichtung, 180 Grad öffnende Hecktüren, eine Klimaanlage, ein Radio mit CD und einen Tempomaten, voraus.

Überdurchschnittlich viel Laderaum, also über 3,25 Kubikmeter, bieten in unserem Vergleich sieben der elf Konkurrenten. Dieses Bild bestätigt sich auch bei der „maximalen Zuladung“, hier bieten ebenso sieben Modelle einen Wert von mehr als 648 Kilogramm. In beiden Kriterien überdurchschnittlich liegen der Dacia Dokker Express, der Fiat Doblò Cargo, der Nissan NV200, der Opel Combo und der Peugeot Partner. Wer also häufiger dachhoch und dann noch relativ schwer beladen muss, wird wohl diese fünf Konkurrenten in seine engere Auswahl einbeziehen.

Über alle Vergleichskriterien betrachtet, setzt sich am Ende der Opel Combo 1.3 CDTI ecoFLEX 2.2 t L1H1 Kastenwagen durch, der sich in keiner der betrachteten Kategorien die Blöße geben muss und sich zudem bei den Ladungsdaten fast immer einen Podiumsplatz sichern kann. Dem Combo hauchdünn auf den Fersen folgt der Renault Kangoo Rapid ENERGY dCi 90 Start & Stop, der sich lediglich aufgrund einer schlechteren Indexbewertung, resultierend aus den Platzierungen in allen Kategorien, mit dem zweiten Platz begnügen muss. Mit Topplatzierungen bei den Verbrauchswerten, dem Ladevolumen und der Servicedichte sichert sich der neue Ford Transit Connect 1,6 l TDCi L1 Kastenwagen die Bronzemedaille.

Wer besonders kraftstoffsparend unterwegs sein will, kommt am Renault Kangoo Rapid mit seinem ENERGY dCi-Motor nicht vorbei. Lediglich 4,2 Liter auf 100 Kilometer benötigt der Franzose, womit sich eine Reichweite von über 1.400 Kilometern realisieren lässt. Aufgrund eines 60 Liter fassenden Tanks sowie des zweiten Platzes beim Kraftstoffverbrauch erringt der Mercedes-Benz Citan 109 CDI BlueEFFICIENCY Kastenwagen mit einer Reichweite von 1.395 Kilometern in der Sonderwertung „Reichweite“ die Silbermedaille. Allgemein sollten Reichweiten von 1.000 Kilometern mit einer Tankfüllung, die alle Konkurrenten ihren Fahrern bei entsprechender Fahrweise bieten, für die alltäglichen Aufgaben genügen.

Angesichts steigender Kraftstoffkosten sollten Fuhrparkverantwortliche auch einen Blick auf die alternativen Antriebskonzepte werfen. So bietet beispielsweise Volkswagen Nutzfahrzeuge mit dem Caddy neben den herkömmlichen Benzin- und Dieselaggregaten auch die Möglichkeit, auf Autogas (BiFuel) oder Erdgas (EcoFuel) zurückzugreifen. Damit lassen sich die CO2-Emissionen ohne große Umstellung bei der Betankung effektiv senken.

Mittelgroße
Transporter Im Nutzfahrzeug-Segment bieten die mittelgroßen Transporter eine gelungene Mischung aus riesigem Laderaum und einer vertretbaren Größe für den innerstädtischen Bereich. Flottenentscheidern steht daneben eine Vielzahl von Auswahlmöglichkeiten bei der Länge, der Dachhöhe oder der Motorisierung zur Verfügung. Doch dies ist nicht alles, so bieten nahezu alle Fahrzeugeinrichter, wie beispielsweise Aluca, bott oder Sortimo, ab dieser Fahrzeuggröße ihr komplettes Sortiment an. Diese Variabilität, gepaart mit der Alltagstauglichkeit, positioniert die mittelgroßen Transporter noch vor den Großraumtransportern, wenn es um die Begehrlichkeit bei den Fuhrparkleitern geht.

In unserem Flottenmanagement-Vergleich beschäftigen wir uns mit den mittelgroßen Transportern mit einer Länge von etwa 5,2 Metern und einem normal hohen Dach. Bei der Dieselmotorisierung haben wir uns an einem Wert von 90 kW (122 PS) orientiert, die bei jedem der neun Hersteller mit einer Abweichung von plus oder minus zehn Kilowatt zur Wahl steht. Trotz unserer Einschränkungen offenbaren sich teils erhebliche Unterschiede in Bezug auf die Ladedaten. So schwanken beispielsweise die maximalen Ladevolumina zwischen 5,2 und 6,7 Kubikmetern, die Nutzlasten variieren zwischen 950 Kilogramm und fast 1,3 Tonnen. Hingegen liegen die Kontrahenten beim Durchschnittsverbrauch auf einem ähnlichen Level, zwischen 6,4 und 7,6 Liter auf 100 Kilometer sollte der Fuhrparkleiter hier einkalkulieren.

Der Einstieg bei den mittelgroßen Transportern in unserem Vergleich beginnt mit dem Hyundai H-1 Cargo 2.5 CRDi sowie dem Fiat Scudo 2.0 16V 130 Multijet DPF L2H1 Kastenwagen, die jeweils zu einem Netto-Listenpreis von 23.800 Euro zu haben sind. Durchschnittlich sollte man aber mit einem Einstiegspreis von etwas mehr als 25.500 Euro netto rechnen, wobei Ford Transit Custom, Mercedes-Benz Vito und Volkswagen Transporter deutlich nach oben abweichen. Bei der Ausstattung haben wir einen besonderen Wert auf Fahrer- und Beifahrerairbag, ABS, ESP, Einparkhilfe hinten, Freisprecheinrichtung, Ladungssicherung per Verzurrösen, Klimaanlage, Nebelscheinwerfer, Radio mit CD sowie einen Tempomaten gelegt. Diese gehören teils zur Serienausstattung oder können optional ab Werk bestellt werden.

Neben den Kosten könnte auch eine möglichst hohe Reichweite ein Auswahlkriterium für den Flottenmanager sein, da im Transportgeschäft unter anderem der Zeitdruck regiert und daher auch Tankpausen auf ein Minimum zu reduzieren wären. In unserem Vergleich bewegt sich die Reichweite zwischen 987, beim Hyundai H-1 Cargo, und 1.250 Kilometer für das Dreigespann aus Citroën Jumpy, Peugeot Expert und Toyota Proace. Durch die Kombination eines Kraftstoffverbrauches von lediglich 6,4 Litern Diesel auf 100 Kilometer und eines 80 Liter fassenden Tanks nimmt dieses Dreigespann nicht nur bei der Sonderwertung „Reichweite“, sondern auch bei der Wertung für das kraftstoffsparendste Dieselaggregat die Spitzenposition ein.

Zunächst einmal eingegrenzt auf die sechs wesentlichen Ladedaten – Laderaumlänge, Laderaumbreite, Breite zwischen den Rädern, Laderaumhöhe, Höhe der Ladekante sowie das maximale Ladevolumen –, überzeugt im Hinblick auf einen bestmöglichen Kompromiss der Ford Transit Custom 2,2 l TDCi Start-Stopp-System 310 L2H1, der sich bei diesen Wertungspunkten, mit Ausnahme der Laderaumhöhe, einen Podiumsplatz sichern konnte. Wer hingegen besonders umfangreiche Güterlieferungen durchführen muss, sollte einen Blick auf den Transporter 2.0 TDI BlueMotion Technology aus dem Hause Volkswagen Nutzfahrzeuge werfen. Mit einem maximalen Ladevolumen von 6,7 Kubikmetern bietet der Hannoveraner gut einen halben Kubikmeter mehr Stauraum als seine Konkurrenten. Daneben lassen sich in ihm auch besonders sperrige Güter unterbringen: Knapp drei Meter in der Länge, fast 1,70 Meter in der Breite und über 1,40 Meter in der Höhe misst der Laderaum des VW Transporter.

Nicht für jeden Fuhrparkverantwortlichen ist das verfügbare Ladevolumen der entscheidende Punkt bei der Auswahl des passenden Transporters, in vielen Fällen ist vor allem die Nutzlast von Bedeutung: Zusätzliche 180 Kilogramm zur durchschnittlichen Zuladung von 1,1 Tonnen und damit über ein Viertel mehr Nutzlast – im Vergleich zum Mercedes-Benz Vito – bietet der Nissan Primastar. Mit einer Zuladung von 1,282 Tonnen ist der Japaner besonders für den Transport von schweren Gü tern, wie beispielsweise Druck-Erzeugnisse auf Europaletten, geeignet. Ebenfalls über 1,1 Tonnen Nutzlast bieten die baugleichen Fiat Scudo und Toyota Proace (jeweils 1.137 Kilogramm), der Ford Transit Custom (1.125 Kilogramm) sowie der Hyundai H-1 Cargo mit 1.111 Kilogramm.

Unzählige Anforderungsprofi le spielen bei der Wahl des geeigneten Transporters eine Rolle. Jedoch könnte für viele Fuhrparkmanager die Anforderung auch lauten, den bestmöglichen Kompromiss aus allem zu fi nden, was auf Anhieb messbar ist. Dieses Szenarios nimmt sich unser Kostenvergleich an und kristallisiert sich der Ford Transit Custom als bestmöglicher Kompromiss heraus. Neben seinem kraftstoffsparenden Dieselmotor brilliert der Transit Custom auch mit seinen Ladungsdaten. Einzig beim Netto-Listenpreis muss sich der Kölner mit einem Platz im letzten Drittel begnügen.

Auf den Podiumsplätzen folgen die baugleichen Peugeot Expert und Citroën Jumpy, die sich technisch nur durch Feinheiten bei den Ladungsdaten voneinander unterscheiden. Beim Expert mussten wir jedoch Abstriche bei der Ausstattung machen, so waren zu der Grundausstattung des Löwen keine Nebelscheinwerfer kalkulierbar. Der Viertplatzierte Toyota Proace baut ebenfalls auf der gleichen Plattform wie die beiden Franzosen auf, jedoch fehlen ihm einige Komponenten der von uns vorgegebenen Mindestausstattung, deshalb bleibt ihm nur Platz vier.

Einigen aufmerksamen Lesern wird vielleicht das Fehlen des Opel Vivaro und des Renault Trafi c in unserem Kostenvergleich der mittelgroßen Transporter aufgefallen sein. Beide Modelle gehen pünktlich zur IAA Nutzfahrzeuge mit einem komplett neuen Design, neuen Motoren und zahlreichen Technikfeatures aus dem Pkw- Segment an den Start. Wie schon bei den Vorgängermodellen handelt es sich bei den Neuaufl agen um ein Kooperationsprojekt zwischen Opel und Renault. Man darf also gespannt sein, wie sich das Umfeld der mittelgroßen Transporter durch die Weiterentwicklung dieser beiden Modelle beim nächsten Kostenvergleich darstellt.

 

Flottenmanagement-Vorgabe zur Mindestausstattung
• Airbags für Fahrer und Beifahrer
• ABS
• ESP
• Freisprechanlage
• Gepäcksicherung über Verzurrösen
• Hecktüren 180 Grad öffnend
• Klimaanlage
• Nebelscheinwerfer
• Parksensoren hinten
• Radio mit CD
• Tempomat

 

Unsere auswahlkriterien

Die Flexibilität bei der Karosseriegröße ist eines der Alleinstellungsmerkmale der Transporter. In keinem anderen Segment ist es möglich, sein Fahrzeug so individuell hinsichtlich der eigenen Ansprüche zu konfi gurieren: Die Auswahl von normaler Länge bis zur Überlänge ist nur ein Beispiel für die Möglichkeiten bei der Fahrzeuglänge. Hinzu kommen beispielsweise ein längerer Radstand, ein Überhang oder ein Hochdach.

Für unseren Kostenvergleich der Transporter haben wir uns daher bei den Kleintransportern an einer Länge von etwa 4,3 Metern und einem 70 kW-starken Dieselmotor orientiert. Hingegen setzten wir bei den mittelgroßen Transportern eine Fahrzeuglänge von circa 5,2 Metern und ein 90 kW-starkes Dieselaggregat voraus. Bei beiden Transportersegmenten haben wir zugunsten der Vergleichbarkeit nur Abweichungen von maximal 15 Zentimetern bei der Länge toleriert.

 

So haben wir gewertet

Der Fokus der Bewertung liegt auf den Leasing-, Betriebs- und Treibstoffkosten. Die jeweils drei gü nstigsten Fahrzeuge erhalten eine grü ne, die jeweils drei teuersten eine rote Markierung. Ebenfalls in die Grü n-Rot-Bewertung fl ießen neben den Ladungsdaten wie Zuladung und Kofferraumvolumen der Durchschnittsverbrauch, der CO2-Ausstoß sowie die Reichweite mit ein, da auch dies wichtige Kriterien fü r die Nutzung in der Flotte sind. Gleiches gilt fü r die Dichte des Servicenetzes, denn das entscheidet, wie lange das Fahrzeug im Falle einer Panne oder des normalen Services nicht zur Verfü gung steht. Signifi kante Abweichungen bei der Garantiezeit oder des Inspektionsintervalls haben wir ebenso bewertet wie das Nichterfü llen der Mindestausstattung. Auch der Listenpreis ist ein Kriterium, entscheidet dieser doch ü ber die steuerliche Belastung bei der Ein- Prozent- Regelung. Alle anderen angegebenen Werte dienen nur der Information.