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Flottenmanagement: Herr Wieber, Sie leiten seit April 2012 den Bereich Flottenverkauf und Remarketing der Ford-Werke GmbH. Wie hat sich dieser Bereich in den letzten zwei Jahren entwickelt? Auf welche Erfolge können Sie zurückblicken?

Stefan Wieber: Ich habe das Flottengeschäft in dem für Ford erfolgreichen Jahr 2012 übernommen. Die erste Herausforderung stellte sich dann schnell ein, als wir beschlossen, die Modelle Mondeo, Galaxy und S-MAX künftig an einem neuen Standort zu bauen. Diese in der Industrie wegweisende Entscheidung erlaubt uns künftig eine effizientere und kostengünstigere Produktion. Aufgrund der großen Bedeutung dieser Baureihen für die Flottenkunden und unsere Händler erforderte diese Entscheidung eine sehr intensive Kommunikation mit allen Parteien. Ich denke, das haben wir gut gemeistert. Erfreulich war auch der erfolgreiche Launch unserer neuen Nutzfahrzeug- Baureihen im vergangenen Jahr, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass wir das Jahr 2013 positiv abschließen konnten. Auch die Entwicklungen im bisherigen Jahresverlauf stimmen uns optimistisch, denn wir konnten in den ersten fünf Monaten unseren Marktanteil in der Flotte um 0,3 Prozentpunkte steigern und wuchsen somit noch stärker als die Flottenindustrie.

Flottenmanagement: Welchen Stellenwert hat der Standort Deutschland für Ford? Und wie spiegelt sich hierbei das Flottengeschäft wider?

Stefan Wieber: Mich freut natürlich, dass wir vor Kurzem bekannt geben konnten, dass auch die nächste Generation des Fiesta hier in Köln gefertigt wird. Das sichert die Arbeitsplätze und setzt die langjährige Tradition des Werks Köln als Fiesta-Produktionsstandort fort. Außerdem hat es auch für unsere Gewerbekunden viele Vorteile: Denn nun können wir weiterhin sehr kurze Lieferzeiten garantieren und aufgrund der hohen Flexibilität des Werks sehr gut disponieren.

Flottenmanagement: Als traditionsreicher Vollsortimenter bietet Ford in Deutschland nahezu für jeden Bereich passende Baureihen. Welche Modellreihen sind, getreu dem Markenslogan „Eine Idee weiter“, Innovationsträger? Welche Vorteile resultieren daraus für die Dienstwagenberechtigten?

Stefan Wieber: Der Markenslogan „Eine Idee weiter“ leitet sich von unserem globalen Claim „Go Further“ ab, der den Innovationscharakter der Ford-Modelle thematisiert. Daher ist „Innovation“ ein Kernelement unserer Markenidentität. Und das spiegelt sich in unseren Modellen wider, bei denen wir mit unserem Design, unseren Motoren und unseren Technologien stets eben eine Idee vor unseren Mitbewerbern sein wollen. Beispiele für unsere Technologieführerschaft sind der B-MAX, der keine B-Säule hat und dennoch eines der sichersten Fahrzeuge seiner Klasse ist, oder der Kuga mit seiner sensorgesteuerten Heckklappe. Daneben ist der 1,0-Liter-EcoBoost-Dreizylinder-Motor mit Benzindirekteinspritzung auch im gewerblichen Einsatz inzwischen oft die erste Wahl. Eine hochkarätige Fachjury hat diesen Motor gerade zum dritten Mal hintereinander zum „Engine of the Year“ gewählt.

Den Innovationsgedanken übertragen wir auch auf das Nutzfahrzeugsegment: Der Tourneo Custom und der Transit Custom können mit einem Dachträger geliefert werden, der sich bei Bedarf einfach in das Fahrzeugdach einklappen lässt. Dies ist kein Gimmick, sondern zum Beispiel für Handwerker relevant, die in eine Tiefgarage einfahren müssen.

Kurzum: Ich wollte an den Beispielen zeigen, dass unser Markenslogan „Eine Idee weiter“ nicht nur eine Worthülse cleverer Marketingstrategen ist, sondern sich in der Praxis wie ein roter Faden durch unsere Baureihen zieht.

Flottenmanagement: Bei welchen Modellen ist die Nachfrage der Großkunden am höchsten und wie spiegelt sich dies bei der Verteilung im Bereich der User Chooser beziehungsweise der Serviceflotten wider?

Peter Canisius: Die relevanten Segmente im Flottenbereich spalten sich immer stärker auf. Das liegt auch daran, dass die Nutzungskonzepte, beispielsweise für User Chooser, mittlerweile in den Fuhrparkordnungen der Unternehmen weiter gefasst werden. Unabhängig davon sind nach wie vor der Ford Focus an erster und der Mondeo an zweiter Stelle die beiden Hauptsäulen unseres Flottengeschäfts. So setzen wir hier im Jahr rund 10.000 Focus im Flottenbereich ab, wovon etwa 30 Prozent auf den User-Chooser-Bereich entfallen.

Flottenmanagement: Im September 2012 hat Ford für die kommenden fünf Jahre, also bis 2017, angekündigt, 25 neue Produkte und Technologien auf den Markt zu bringen. Welche Neuheiten stehen in diesem Jahr insbesondere bei Flottenkunden im Fokus? Wie ordnet sich die Sportwagen-Ikone Ford Mustang, die erstmals in der 50-jährigen Geschichte offiziell nach Europa kommt, in diese Strategie ein?

Stefan Wieber: Wir brachten mit dem Courier und dem großen Transit dieses Jahr zwei weitere Nutzfahrzeug-Baureihen auf den Markt und haben damit innerhalb von nur 24 Monaten unser Nutzfahrzeug- Angebot, bestehend aus den Baureihen Courier, Connect, Custom und großer Transit, komplett erneuert und in etwa auf die doppelte Anzahl an Modellen erweitert. Von der Transit- Baureihe abgesehen, gibt es für die anderen drei Baureihen jeweils eine Nutzfahrzeug-Variante, genannt Transit, und eine Pkw-Variante, genannt Tourneo.

Neben den intern als Big Bang bezeichneten Transit- und Tourneo-Einführungen der vergangenen Wochen und Monate haben wir Ende Juni auch den EcoSport auf den Markt gebracht. Dieser kompakte SUV, der unterhalb des Kuga angesiedelt ist, wird das boomende SUV-Segment für uns weiter erschließen.

Und natürlich stehen dann im Herbst die beiden für den Flottenbereich wichtigsten Markteinführungen bevor: Mit dem neuen Focus und der nächsten Generation des Mondeo starten zwei Baureihen, die für uns im Gewerbekundengeschäft höchste Priorität haben. Also insgesamt ein für uns sehr ereignisreiches Jahr 2014.

Im nächsten Jahr geht es mit voller Kraft weiter. Einer der Höhepunkte dürfte die Markteinführung des neuen Mustang sein, der erstmals in seiner dann 51-jährigen Geschichte über das offizielle Ford-Händlernetzwerk vertrieben wird. Bei der Europa-Version dieser Sportwagen-Ikone handelt es sich aber keineswegs um eine Eins-zu-Eins- Kopie des Mustang, der für den amerikanischen Markt entwickelt wurde. Wir präsentieren in Europa vielmehr einen Mustang, der insbesondere in Bezug auf das Fahrwerk und die Motorisierung an die anspruchsvolle europäische Klientel angepasst ist und unsere Marke weiter emotionalisieren wird. Der Mustang wird im Flottenbereich sicherlich nicht als Volumenmodell von sich reden machen, aber er wird ein Fahrzeug sein, das man sich unter dem Aspekt der Total Cost of Ownership auch in der Flotte leisten kann. Zudem wollen wir als Vollsortimenter vom Pkw bis zum Nutzfahrzeug alle Kundengruppen bedienen können und das heißt für uns natürlich auch, dass wir auf ein prestigeträchtiges Muscle Car wie den Mustang nicht verzichten wollen.

Genau in diesen Bereich – Emotionalität – fällt auch das Vignale-Konzept, welches wir im vergangenen Jahr auf der IAA Pkw in Frankfurt vorgestellt haben, und zwar am Beispiel des neuen Ford Mondeo. „Vignale“ steht für eine Premium- Ausstattungslinie, angesiedelt oberhalb unserer „Titanium“-Ausstattung, und kombiniert anspruchsvolles Design mit erstklassiger Material- und Verarbeitungsqualität sowie innovativen Technologie-Angeboten. Der neue Mondeo wird die erste Ford-Baureihe sein, die auch als „Vignale“ verfügbar sein wird, weitere Modelle werden noch in 2015 folgen.

Außerdem steht für 2015 unter anderem die Markteinführung des Ford Edge an, der dann unsere SUV-Palette, derzeit bestehend aus EcoSport und Kuga, nach oben abrundet.

Flottenmanagement: Ab Oktober steht die fünfte Generation des Ford Mondeo bei den Händlern. Mit welchen Highlights wartet die neueste Version des Pkw-Topmodells der Marke auf? Welche Erfolge versprechen Sie sich damit im Flottenbereich?

Peter Canisius: Bereits die ersten Reaktionen unserer Kunden zeigen, dass wir mit dem neuen Fahrzeug den Nerv treffen und regelrechte Begeisterung erzeugen. Der neue Mondeo hat nicht nur ein neues, dynamisches Design, sondern überzeugt auch durch seine Proportionen, die ihm – sowohl als Turnier wie auch als Fünftürer – einen überaus athletischen Auftritt verleihen.

Aber natürlich begeistert er auch funktional. Zwei Beispiele: Der neue Mondeo hat ein intelligentes LED-basiertes Lampenkonzept, das sich auf Fahr- wie auch Wettersituationen einstellt, damit zu jeder Zeit eine optimale Ausleuchtung garantiert ist. Außerdem ist der neue Mondeo das erste Fahrzeug seines Segments, das für die hinten Sitzenden mit neuartigen Gurt-Airbags aufwarten kann, also mit einer cleveren Kombination aus Sicherheitsgurt und Airbag. Der Gurt-Airbag funktioniert im Alltag wie ein normaler 3-Punkt- Sicherheitsgurt. Im Falle einer Kollision füllt sich das schlauchartig im Gurt integrierte Luftkissen in nur 40 Millisekunden mit einem komprimierten Gas. Die Technologie basiert nicht auf chemischen Reaktionen wie beim konventionellen Airbag. Der Gurt-Airbag verursacht daher keine Verletzungen durch Druck und Hitze, die Aufprallenergie wird fünfmal besser auf den Oberkörper verteilt, dadurch wird das Verletzungsrisiko insgesamt minimiert.

Darüber hinaus wird der neue Mondeo auch über eine Vielzahl von nützlichen Assistenz-Systemen verfügen und wird mit hochmodernen Benzinersowie Dieselmotoren bestellt werden können. So konnten wir den Verbrauch weiter optimieren. Das heißt, dass unser Diesel-Volumenmotor im Flottenbereich noch einmal 15 Gramm CO2 pro Kilometer weniger ausstoßen wird. Neu ist, dass es den Mondeo erstmals auch mit Allradantrieb sowie als Hybrid-Variante geben wird.

Flottenmanagement: Welche Rolle spielt die Nutzfahrzeugpalette bei Ford? Inwiefern übernimmt diese bei Flottenkunden eine Art Türöffnerfunktion für diejenigen Fuhrparks, in denen Sie bereits Pkw vertreiben, und umgekehrt?

Stefan Wieber: Wir können immer öfter feststellen, dass zwischen unseren beiden großen Flottensegmenten „Pkw“ und „Nutzfahrzeuge“ zunehmend eine Art gegenseitige Befruchtung stattfindet. Das liegt wohl auch daran, dass wir uns zum Vollsortimenter entwickelt haben, sprich: dass Fuhrparks, welche vornehmlich nur Nutzfahrzeuge einer Fremdmarke hatten und im Pkw- Bereich auf Ford gesetzt haben, nun bei uns aus einem breiten Sortiment an Nutzfahrzeugen und Pkw auswählen können. Im Umkehrschluss stellt diese breite Modellpalette eine Herausforderung für unseren Außendienst dar, jedoch ist dies eine Herausforderung, der wir uns gerne stellen.

Flottenmanagement: Neben den Modellen ist auch der zu erwartende Service ein wichtiges Kernkriterium für den Flottenkunden. Welche Dienstleistungen bieten Sie hier für den Fuhrparkleiter, wie sieht die flottenspezifische Aufstellung in Ihren Niederlassungen und an den Vertriebsstandorten aus? Womit kann Ford besonders punkten? Welchen Stellenwert nehmen dabei die neu eingeführte Produktmarke „Ford Lease“ , aber auch andere herstellerunabhängige Leasinggesellschaften ein?

Peter Canisius: Wie eben erwähnt, stellt uns das breite Sortiment vor eine ganz neue Herausforderung. Dieser neuen Situation möchten wir mit Schwerpunkthändler-Konzepten, den Transit- Centern und den Gewerbepartnern entgegentreten. Transit-Center werden den Schwerpunkt auf den Bereich Nutzfahrzeuge legen und hier auch die gesamte Palette bevorratet haben. Zusätzlich verfügen diese spezialisierten Nutzfahrzeug-Zentren über angepasste Öffnungszeiten, umfangreich geschultes Verkaufspersonal, spezialisierte Systeme sowie über den ausgeprägten Willen, die Mobilität ihrer Kunden sicherzustellen. Damit wollen wir auf die besonderen Bedürfnisse dieser Kunden ganz gezielt eingehen. Im Pkw-Bereich setzen wir auf circa 170 Gewerbepartner, die sich auf gewerbliche Verkäufe spezialisieren und auch verstärkt unsere Kunden im Außendienst betreuen werden. Damit stellen die Gewerbepartner wie auch die Transit-Center zwei wichtige Säulen für die optimale Betreuung und Beratung von Flottenkunden dar.

Mit der neu eingeführten Leasingmarke „Ford Lease“, welche in Kooperation mit der Ford Bank und der ALD geschaffen wurde, versprechen wir uns insbesondere im Gewerbebereich der kleinen bis mittleren Flotten viele Chancen. So können unsere Händler ihren Kunden nun vorkonfigurierte Flatrate-Full-Service-Angebote anbieten. Darüber hinaus werden wir bei mittleren Flotten mit 20 bis 49 Einheiten einen Außendienst installieren, der mit dem Kunden zusammen die für ihn passenden Leasingkonzepte erarbeiten wird.

Flottenmanagement: Umweltschutz wird in immer mehr Fuhrparks zu einem wichtigen Entscheidungskriterium. Welche Modelle und Technologien unterstützen Gewerbekunden dabei, Verbräuche und CO2-Emissionen zu reduzieren? Welche Bedeutung kommt dabei Projekten wie beispielsweise „colognE-mobil“ zu?

Stefan Wieber: An Projekten wie „colognE-mobil“ merken wir, dass das Thema Elektromobilität für viele Fuhrparkleiter noch eine riesige Herausforderung ist. Dies liegt insbesondere daran, dass die Fuhrparkverantwortlichen sich mit ganz anderen Aufgaben und Vorgaben konfrontiert sehen. Für diese Entscheider stehen vor allem Aspekte wie Kostendruck, Restwerte und Fuhrparkeffizienz im Brennpunkt. Um praxisnahes Feedback zur Nutzung der neuen ETechnologie zu erhalten, haben wir uns im Projekt „colognE-mobil“ mit acht Partnern verbündet. Diese großen Unternehmen befinden sich im engen Austausch mit unserem Forschungszentrum in Aachen und unserer Produktentwicklung, wodurch wir sehr wertvolle Informationen für die nächste Generation der Elektrofahrzeuge sammeln können.

Unabhängig davon werden wir noch in diesem Jahr in Europa den C-MAX Energi einführen, einen Plug-in-Hybriden, der in Nordamerika bereits 60.000 Mal verkauft wurde, und auch eine ansprechende Kofferraumgröße hat. Zudem wird es den neuen Mondeo, wie bereits erwähnt, direkt zum Start auch mit Hybridantrieb geben.

Darüber hinaus setzen wir natürlich auch künftig auf die weitere Optimierung der konventionellen Motorentechnologie: So haben wir mit dem bereits angesprochenen Dreizylinder-EcoBoost- Benziner mit Direkteinspritzung ein Stück weit das Flottensegment revolutioniert. Denn dieser sehr kompakte und nach dem Downsizing-Prinzip konstruierte Motor ist enorm sparsam, hat aber das Temperament und die Durchzugskraft eines wesentlich hubraumstärkeren Triebwerks. Wir freuen uns natürlich, dass dieser preisgekrönte Motor auch bei unseren Kunden sehr gut ankommt: So greift, um nur ein Beispiel zu nennen, die bundesweite Flotte von Tupperware mit mehr als 1.000 Einheiten auf den Ford Focus mit EcoBoost-Benzinmotor zurück, da er aufgrund der kurzen Zyklen effizienter als ein Dieselmotor eingesetzt werden kann.

Flottenmanagement: Welche Ziele haben Sie sich mittel- und langfristig gesetzt; was wollen Sie mit und für Ford noch erreichen?

Stefan Wieber: Zunächst möchten wir mit dem neuen Mondeo und dem stark überarbeiteten Focus natürlich neue Kunden für die Marke Ford begeistern. Mittelfristig wollen wir gemeinsam mit den Gewerbepartnern und Transit-Centern auch den kleinen und mittleren Gewerbekundenbereich ausbauen. Insgesamt befinden wir uns auf einem guten Weg, weil wir, wie ich finde, das beste Portfolio in der Industrie haben.