PDF DOWNLOAD

Mit rund 8.900 Neuzulassungen im Februar laut KBA-Angaben zählt die Obere Mittelklasse nicht zu den volumenstärksten Segmenten auf dem deutschen Gesamtmarkt. Dies schmälert jedoch nicht die Bedeutung für das Firmenkundengeschäft. So findet der Großteil des Volumens den Weg als User-Chooser-Fahrzeug in die Flotte, sprich als Modell, welches der Dienstwagennutzer innerhalb der durch die Car Policy erlaubten Fahrzeuge selbst bestimmen kann. Seit sich immer mehr Unternehmen eine konsequente Umsetzung der CO2-Reduzierung im Fuhrpark auf die Fahnen geschrieben haben, steht die Obere Mittelklasse insbesondere auch im Vergleich zur Oberklasse verstärkt im Fokus, bietet sie doch kaum weniger Komfort, das aber bei klar niedrigeren Verbräuchen und CO2-Werten sowie deutlich günstigeren Gesamtbetriebskosten.

Offensichtlich wollen derzeit in den Unternehmen auch immer mehr Vorstände und Geschäftsführer mit gutem Beispiel vorangehen und beschränken ihre Ansprüche an ein Fahrzeug auf das, was heute die Obere Mittelklasse schon bietet. Dieselmotorisierung präferiert, zeigt sich das Feld der hier vertretenen Fahrzeughersteller überschaubar, aber keineswegs einseitig. Neben Modellen der unterschiedlichen Premiummarken finden auch Hersteller wie Škoda und zukünftig auch Hyundai mit dem Genesis den Weg in dieses Segment und bieten hier Fahrzeuge, die preislich in etwa auf dem Niveau eines Mittelklasse- Autos liegen.

Doch mag man in diesem gehobenen Segment keineswegs auf Komfort verzichten, was vielleicht auch ein Grund ist, warum in dieser Klasse das Gros nur über ein Automatikgetriebe verfügt. Aus den ehemaligen Nachteilen der automatisierten Schaltung, wie die schlechteren Fahrleistungen und höheren Verbräuche, sind längst Vorteile geworden. Viele Automatikfahrzeuge konsumieren heute weniger als ihre gleich starken Pendants mit Schaltgetriebe und spurten schneller auf Landstraßentempo. Der Grund liegt nicht zuletzt in der stetig wachsenden Anzahl an Übersetzungen: Waren bis in die Achtzigerjahre noch drei Gänge an der Tagesordnung, so sind es heute bereits neun. Neben Land Rover bietet nun auch Mercedes-Benz für das Modelljahr 2014 Fahrzeuge mit der neuen Neungang- Automatik.

Den Anfang macht dabei der Mercedes-Benz E 350 BlueTEC, der mit der innovativen Kraftübertragung zu einem der verbrauchsgünstigsten Sechszylinder-Dieselmodelle seiner Klasse werden soll. Durch den hohen Wirkungsgrad des patentierten Getriebekonzepts reduziert sich laut Unternehmensaussagen in der E-Klasse der NEFZ-Kraftstoffverbrauch auf 5,3 Liter Diesel je 100 Kilometer. Dabei sollen markentypisch der ausgezeichnete Antriebskomfort und die kaum wahrnehmbaren Schaltvorgänge überzeugen. Dass Effizienz mit Komfort bereits schon im 7-Stufen-Automatikgetriebe einhergehen, zeigen nicht zuletzt die Spritsparmodelle ultra von Audi sowie BlueTEC BlueEFFICIENCY Edition von Mercedes-Benz, die mit jeweils 4,4 Liter auf 100 Kilometer Bestwerte in diesen Modellreihen erzielen.

In unserem Kostenvergleich der Obere-Mittelklasse-Limousinen mit Automatikgetriebe stehen sich acht Kandidaten gegenüber. Dabei ist jedoch anzumerken, dass vor allem die deutschen Premiumhersteller mit mehr als einem Modell in diesem Segment vertreten sind, welche sich aber aufgrund der höheren Motorisierung sowie der Auslegung als viertüriges Coupé nicht für unseren Kostenvergleich geeignet haben. Zudem konnten der Maserati Ghibli und der Infiniti M, die ebenso Vertreter dieser Klasse sind, nicht kalkuliert werden.

Als Basismotorisierung für die Vergleichskandidaten haben wir ein 135 kW (183 PS) starkes Dieselaggregat gewählt, welches mit einer Abweichung von 15 Kilowatt nach oben beziehungsweise unten jedes Modell in der Motorenpalette zu bieten hatte. Die einzige Ausnahme bildet der Lexus GS 300h, welcher als Benzin-Hybrid mit 164 kW (223 PS) ins Rennen gestartet ist. Eine solch motorisierte Limousine eignet sich nicht nur als typisches User-Chooser-Modell, sondern wird in diesem Segment oftmals auch für die besonders verbrauchsarmen Varianten der Motorenpalette genutzt. So bieten Audi und Mercedes-Benz mit der ultra-Version beziehungsweise BlueTEC BlueEFFICIENCY Edition hier ihre effizientesten Modelle an.

Insgesamt zeigen sich bei den Leistungsdaten kleinere Unterschiede zwischen den Vergleichskandidaten: Für den Sprint von null auf hundert brauchen die Limousinen zwischen 7,9 (BMW 520d) und 10,1 (Lancia Thema) Sekunden. Bei der Höchstgeschwindigkeit muss sich der BMW 520d hingegen dem Audi A6 2.0 TDI ultra sowie dem Lancia Thema 3.0 24v CRD mit jeweils 232 Kilometer pro Stunde geschlagen geben, am unteren Ende bietet der Lexus GS 300h ein maximales Reisetempo von 190 Stundenkilometern. Jedoch werden diese beiden Werte keine Entscheidungskriterien für den Flotteneinsatz sein. Positiv zu vermerken ist die Einstufung in die Energieeffizienzklasse, denn fast alle verglichenen Fahrzeuge sind in den Klassen A+, A oder B eingestuft. Einzig das 2.768 cm³ fassende V6-Dieselaggregat des Lancia Thema erreicht mit 185 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer nur die Energieeffizienzklasse C.

Der Einstiegspreis für eine Obere-Mittelklasse-Limousine beträgt rund 27.555 Euro netto beim Škoda Superb in der Ausstattungslinie „Ambition“. Damit liegt der Tscheche fast 9.000 Euro unter dem Netto- Listenpreisdurchschnitt der Vergleichskandidaten. Das hintere Ende bildet der Lexus GS 300h in der „Executive Line“-Ausstattung und einem Listenpreis von 42.689 Euro, wobei in dieser Ausstattungsvariante bereits alle Vorgaben bis auf das Navigationssystem erfüllt sind und das Fahrzeug zudem ein verbrauchsarmer Benzin- Vollhybrid ist. Etwa 4,96 Liter auf 100 Kilometer verbraucht eine so motorisierte Obere-Mittelklasse-Limousine. Wer hingegen ohne Benzin-Vollhybrid besonders spritsparend unterwegs sein will, sollte den Volvo S80 D4 in seine Betrachtung miteinbeziehen. Dieser begnügt sich laut Herstellerangaben mit 4,3 Liter auf 100 Kilometer – eine Ersparnis von fast 14 Prozent im Vergleich zum Mittelwert der Vergleichskandidaten. Angesichts der Tatsache, dass die Kraftstoffkosten den zweitgrößten Kostenblock im Fuhrpark darstellen, ist das doch schon ein bedeutender Wert.

Aufgrund des niedrigen Verbrauchs von 4,4 Liter je 100 Kilometer und eines 73 Liter fassenden Tanks übernimmt der Audi A6 2.0 TDI ultra noch vor dem Schweden in der Sonderwertung „Reichweite“ die Führungsposition. Mit über 1.600 Kilometer Reichweite ist eine Fahrt von Hamburg nach München und wieder zurück mit nur einer Tankfüllung rechnerisch möglich. Im Durchschnitt reicht eine Tankfüllung bei den Obere-Mittelklasse-Limousinen für eine Strecke von etwa 1.400 Kilometern – was immer noch ausreichend ist für einen Abstecher von Bonn nach Rom. So viel Reichweite ist auf jeden Fall ausreichend und birgt fast die Gefahr von zu wenig Pausen.

Deutliche Unterschiede zeigen sich bei der maximalen Zuladung: Während der Škoda Superb mit satten 563 Kilogramm den Bestwert markiert, bleiben dem Fahrer des Lancia Thema lediglich 434 Kilogramm für zusätzliches Gewicht über – damit fehlt dem Italiener knapp ein Viertel der Zuladung im Vergleich zu seinem tschechischen Mitbewerber. Über das gesamte Vergleichsfeld betrachtet, bietet eine Obere-Mittelklasse-Limousine heute rund 495 Kilogramm an Zuladung. Wer hingegen Wert auf maximales Ladevolumen legt, wird sicher eher zum Kombi greifen. Dennoch soll nicht unerwähnt bleiben, dass es auch beim Kofferraumvolumen deutliche Unterschiede bei den Kandidaten gibt. Die Werte reichen hier von lediglich 462 Litern für den Lancia Thema bis zu dem rund 1,3-fachen Wert von 595 Litern beim Škoda Superb. Im Durchschnitt verfügt ein Obere-Mittelklasse-Fahrzeug über etwa 510 Liter Stauraum unter der Kofferraumklappe. In vielen Fällen lässt sich dieser jedoch durch Umklappen der Rückenlehnen im Fond um fast 200 Prozent erweitern.

Insbesondere im Dienstwagenbereich sollte jedoch der Fokus auf den zu erwartenden Kosten liegen. Hier zeigen sich bei den Vergleichskandidaten teilweise erhebliche Unterschiede. So ist der Škoda Superb 2.0 TDI Green tec in der Ausstattungslinie „Ambition“ mit Automatikgetriebe bei einer jährlichen Laufl eistung von 20.000 Kilometern und einer Laufzeit von 36 Monaten mit 474,15 Euro in der Full-Service-Leasingrate die günstigste Variante. Addiert man hierzu die monatlichen Treibstoffkosten – um die Betriebskosten zu erhalten –, ergibt sich beim Tschechen ein Wert von 573,85 Euro, welcher noch 85 Euro unter dem des hier zweitplatzierten Volvo S80 D4 in der Ausstattungslinie „Kinetic“ liegt. Über das gesamte Feld der Vergleichskandidaten hinweg kristallisiert sich der Škoda Superb als Spitzenreiter bei den Betriebskosten. Zwar müssen sich die Fahrer der tschechischen Obere-Mittelklasse- Limousine bei den Treibstoffkosten mit dem zwei thöchs - ten Wert im Vergleichsfeld begnügen, sie können aber aufgrund der niedrigen Full-Ser vice- Leasingraten diesen Makel relativ schnell ausgleichen. Um den zweiten Platz liefern sich der BMW 520d und der Volvo S80 D4 bei den Betriebskosten ein Kopf-an-Kopf-Rennen, welches gerade bei hohen Laufleistungen der Schwede für sich entscheiden kann. Am anderen Ende des Kostenvergleiches in dieser Kategorie befindet sich der Lexus GS 300h, der aufgrund der hohen Kosten bei der monatlichen Full-Service-Leasingrate rund 300 Euro – bei einer Laufleistung von 30.000 Kilometern – teurer ist als sein tschechischer Konkurrent.

In der Gesamtwertung überzeugte der Volvo S80 D4 „Kinetic“: das sparsamste Dieselaggregat im Vergleich und daraus resultierend Spitzenwerte in den Kategorien Treibstoffkosten, Reichweite und CO2-Emissionen. Die niedrige monatliche Full-Service-Leasingrate und der daraus resultierende zweite Platz bei den Betriebskosten brachten ihm trotz Abstrichen bei den Ladungsdaten sowie bei der Dichte des Servicenetzes den Sieg in der 70. Folge der großen Flottenmanagement- Vergleichsserie.

Den zweiten Platz sicherte sich der Audi A6 2.0 TDI ultra mit Business- Paket. Vor allem die Reichweite und die überdurchschnittlichen Leistungen bei allen Bewertungskriterien bescherten dem Ingolstädter noch vor seinem Münchener Konkurrenten den zweiten Platz. Das Führungstrio wird komplettiert durch den BMW 520d: Der Bayer punktet im Vergleich besonders durch günstige Full-Service- Leasingraten und Spitzenpositionen in den Kategorien „Reichweite“ sowie „Zuladung“.

 

Flottenmanagement-Vorgabe
Mindestausstattung

• Airbags rundum
• Freisprecheinrichtung
• Klimaautomatik
• Navigationssystem
• Nebelscheinwerfer
• Parksensoren vorn und hinten
• Radio mit CD

 

So haben wir gewertet

Der Fokus der Bewertung liegt auf den Leasing-, Betriebs- und Treibstoffkosten. Die jeweils drei günstigsten Fahrzeuge erhalten eine grüne, die jeweils drei teuersten eine rote Markierung. Ebenfalls in die Grün-Rot- Bewertung fließen neben den Ladungsdaten wie Zuladung und dem Kofferraumvolumen der Durchschnittsverbrauch, der CO2-Ausstoß sowie die Reichweite mit ein, da auch dies wichtige Kriterien für die Nutzung in der Flotte sind. Gleiches gilt für die Dichte des Servicenetzes, denn das entscheidet, wie lange das Fahrzeug im Falle einer Panne oder des normalen Services nicht zur Verfügung steht. Signifikante Abweichungen bei der Garantiezeit oder dem Inspektionsintervall haben wir ebenso bewertet wie das Nichterfüllen der Mindestausstattung. Auch der Listenpreis ist ein Kriterium, entscheidet dieser doch über die steuerliche Belastung bei der Ein-Prozent-Regelung. Alle anderen angegebenen Werte dienen nur der Information.