PDF DOWNLOAD

Die Faustregel von Oktober bis Ostern ist sicherlich eine erste einfache Orientierungshilfe für den Verbraucher, um den richtigen Umrüstzeitpunkt zu bestimmen. Aus der Sicht von Dipl.- Ing. Matthias Hartwig, Senior Manager OE Development bei Hankook, ist auch die sogenannte 7-Grad-Regel ein weiterer Anhaltspunkt für das Wechseldatum. „Sobald die Temperaturen deutlich über sieben Grad steigen und auch keine Wintereinbrüche mehr zu befürchten sind, kann der Wechsel auf Sommerreifen stattfinden und umgekehrt“, erläutert er. Damit ist natürlich der optimale Zeitpunkt regional verschieden. So trifft die Faustregel „von Oktober bis Ostern“ vor allem für Süddeutschland, Österreich und die Schweiz zu, hingegen ist der Einsatz von Winterreifen in Norddeutschland oftmals auch schon von November bis März ausreichend. Nur gerade dieses Jahr nicht, aber die derzeitigen Wetterkapriolen sollen im März laut Meteorologie ja auch nur alle 20 bis 30 Jahre auftreten.

Neben der Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für den Reifenwechsel sollte vor allem das Restprofil der alten Sommerreifen vor dem Wechsel beachtet werden. „Sollten sie drei oder weniger Millimeter Restprofil haben, empfiehlt sich die Anschaffung neuer Pneus, da die Neigung zu Aquaplaning unter dieser Grenze deutlich zunimmt und die Bremswege auf Nässe länger werden“, empfiehlt Klaus Engelhart, Pressesprecher Pkw-/ Zweiradreifen D/A/CH bei Continental.

Doch wieso ist ein Wechsel von Winter- auf Sommerreifen überhaupt nötig? Generell gilt, dass die deutlich weicheren Gummimischungen für Winterreifen umso weniger geeignet sind, optimales Fahrverhalten und Sicherheit zu garantieren, je wärmer es wird. Die Nass- und Trockenbremsleistung wird bereits im Frühjahr und Herbst deutlich schlechter, im Sommer sollten die Winterreifen auf keinen Fall zum Einsatz kommen. Zudem nehmen auch Kraftstoffverbrauch und Abnutzung mit steigenden Temperaturen zu, da die deutlich weicheren Winterreifen bei wärmeren Temperaturen mehr Reibung als notwendig erzeugen und damit auch schneller verschleißen. Umgekehrt gilt für Sommerreifen, dass hier bei Umgebungstemperaturen von deutlich unter sieben Grad Celsius ein zunehmender Performanceabfall bei den sicherheitsrelevanten Reifeneigenschaften zu beobachten ist. Insbesondere Grip sowie Nassund Trockenbremsvermögen nehmen ab, da der Reifen „steifer“ wird und sich nicht mehr optimal mit der Straße „verzahnt“.

Laut Dipl.-Ing. Matthias Hartwig ist der Unterschied zwischen Sommer- und Winterreifen heute deutlich „erfahrbarer“ als früher, da Reifenmischungen immer hoch entwickelter und immer besser auf die jeweiligen Einsatzanforderungen hin angepasst sind, um dort größtmögliche Sicherheit und Fahrleistung zu garantieren. Das Umrüsten auf einen der Jahreszeit entsprechenden Reifen ist also dringend anzuraten. In Gegenden mit eher geringer Schneeneigung und eher gemäßigtem Klima sowie im städtischen Bereich kann die Verwendung von Ganzjahresreifen eine sinnvolle Alternative sein. Ganzjahresreifen mit Schneeflockensymbol bieten beispielsweise ein Sommerprofil auf der bei zügigerer Fahrweise generell stärker belasteten äußeren Profilhälfte. Die Reifeninnenseite entspricht einem Winterprofil mit höherer Lamellenanzahl und kommt sicherem Bremsen bei herbstlichen- oder winterlichen Bedingungen zugute. Damit sind Ganzjahresreifen eine sinnvolle Alternative für alle, die den jährlichen Reifenwechsel scheuen, aber trotzdem sicher und legal unterwegs sein wollen.

Die Gründe pro Wechsel fasst Kester Grondey, Leiter externe Kommunikation bei der Pirelli Deutschland GmbH, in einigen Worten zusammen: „Winterreifen besitzen in den warmen Monaten eine geringere Haftung, die neben längeren Bremswegen auch zu einem erhöhten Aquaplaning- Risiko führt. Damit fehlt es den Reifen vor allem an der nötigen Fahrstabilität in dieser Zeit. Zudem erhöht sich gegenüber Sommerreifen auch der Verschleiß und Rollwiderstand, was wiederum zu einem erhöhten Kraftstoffverbrauch und zu einem höheren CO2-Ausstoß führt.“

Seit Anfang November müssen alle neu homologierten Fahrzeuge mit einem Reifendruckkontrollsystem ausgestattet sein. Wie sich dies auf den Reifenwechsel auswirkt, wird momentan von einigen Reifenherstellern untersucht. So kann sich der Prozess für die Umrüstung je nach Art und Hersteller verändern. „Bei manchen Reifendruckkontrollsystemen funktioniert dies über den ABS-Sensor, der eine Abweichung eines Rades zu den anderen erkennt, was auf einen Druckverlust hinweist. Hier muss nach jedem Reifenwechsel das System richtig kalibriert werden, bei der Montage selbst kommt aber keine Besonderheit zum Einsatz. Bei Systemen mit Sensor im Reifen wiederum muss dieser Sender natürlich während der Montage im Reifen angebracht werden, was zu einem Mehraufwand führt. Auch hier muss danach natürlich eine Kalibrierung vorgenommen werden“, erklärt David Plättner, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Dunlop bei der Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH.

Durch die Kalibration und den Mehraufwand bei der Reifenmontage entstehen im Vergleich zu den vergangenen Jahren auch zusätzliche Kosten. So benötigt ein Verbraucher, der von solch ausgestatteten Winterreifen auf Sommerreifen wechselt, auch vier neue Sensoren. Marc Philippzik, Leiter technischer Kundendienst bei Vredestein, weist darauf hin, dass ein Sensor zurzeit zwischen 50 und 170 Euro kostet. Dieser Betrag mal vier Sensoren wird zusätzlich zu den Kosten für neue Reifen fällig. Bei Vredestein geht man daher davon aus, dass sich viele Verbraucher aus Kostengründen für einen Satz Ganzjahresreifen entscheiden werden, wenn ab November 2014 alle neu zugelassenen Fahrzeuge gesetzlich zu Reifendruckkontrollsystemen verpflichtet werden.

Nachdem das im November 2012 eingeführte EUReifenlabel noch wenig Bedeutung für die Winterreifen besaß, kann das Label bei den neuen Sommerreifen eine erste Entscheidungshilfe bieten. Flottenmanagement stellt eine Auswahl neuer rollwiderstandsoptimierter Sommerreifen vor:

Continental EcoContact 5
Kurze Bremswege auf nasser und trockener Straße mit niedrigem Rollwiderstand zu kombinieren, galt bisher als höchst problematisch. Mit dem neuen ContiEcoContact 5 stellt Continental nun ein Produkt vor, das beides problemlos zusammenbringen soll. Dabei mussten die Reifenentwickler bei allen Bestandteilen des Pneus – Karkasse, Mischung, Reifenkontur und Profildesign – neue Wege gehen.

Dunlop Sport BluResponse
Der neue Dunlop Sport BluResponse, ein High- Performance-Sommerreifen für Mittelklassefahrzeuge, soll neben beeindruckenden Leistungswerten bei Nässe sowie beim Rollwiderstand auch keinen Kompromiss bei der Laufleistung eingehen. Bei dem seit November 2012 verpflichtenden EU-Reifenlabel erreicht der Sport BluResponse in gleich 30 Dimensionen die Bewertung „B“ beim Rollwiderstand und „A“ in der Nasshaftung.

Goodyear EfficientGrip Performance
Goodyear erneuert sein Sortiment an Pkw-Sommerreifen durch die Einführung der EfficientGrip Performance-Palette. Mit einer A-Einstufung beim Nassgrip und einem „B“ beim Rollwiderstand gehört der in 90 Größen verfügbare neue EfficientGrip Performance laut Unternehmensaussage zu den Reifen mit der besten Label-Einstufung, die im Handel erhältlich sind. Bei der Geräuschemission, dem dritten Label-Kriterium, gehören die Werte des EfficientGrip Performance zu den Niedrigsten.

Hankook Kinergy eco K425
Die spritsparende Technologie des Kinergy eco basiert auf einer Kombination neuer Materialien wie Silica-Nanopartikeln unter Verwendung einer neuen Mischtechnologie. Die Technologien sollen dabei sowohl die Kraftstoffeffizienz als auch die Bremsleistung auf nasser Fahrbahn steigern. Zusätzlich ermöglicht die Antivibrationstechnologie laut Hankook einen hohen Fahrkomfort.

Pirelli Cinturato P7
Der Cinturato P7 soll nach Unternehmensaussagen die perfekte Synergie zwischen Sicherheit, Fahrspaß und Achtung der Umwelt darstellen. Mit dem Sommerreifen möchte Pirelli besonders Verbraucher ansprechen, die einen leistungsstarken und umweltverträglichen Reifen für Mittel- bis Oberklassewagen suchen.

Vredestein Sportrac 5
In Zusammenarbeit mit dem Laufflächen-Designer Giugiaro entwickelte Vredestein einen Reifen, der neben hohem Komfort auch extrem leise sein soll. Der Sportrac 5 bietet nach Unternehmensaussagen nicht nur ein exzellentes Handling sowohl auf nasser als auch trockener Straße sondern punktet daneben auch mit geringer Geräuschemission und guter Energieeffizienz.