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Reduzierung des Rollwiderstandes bei Erhaltung sämtlicher sicherheitsrelevanter Eigenschaften nimmt auch in der Entwicklung grüner Reifen einen hohen Stellenwert ein. Der Fokus darf daher nicht ausschließlich auf der Kraftstoffeinsparung liegen. Aus Sicht des Reifenherstellers Hankook hat die Fahrsicherheit bei jeder Entwicklung oberste Priorität: „Transporter- wie auch Leicht-Lkw-Reifen müssen besonders robust sein, da sie im Einsatz oft höchsten Belastungen ausgesetzt werden. Am Ende leidet insbesondere der Rollwiderstand unter den zusätzlichen Verstärkungen wie beispielsweise in den Seitenwänden (Reinforcements)“, erklärt Stefan Fischer, Leiter des Hankook Tire Europe Technical Center in Hannover.

Dennoch arbeiten die Entwickler auch hier an technischen Innovationen, die sicherheitsrelevante Eigenschaften bei Transporter-Reifen stärken und gleichzeitig den Rollwiderstand optimieren sollen. So vereint laut Hersteller beispielsweise der neue Hankook Vantra LT mittels einer neuentwickelten Reifenkontur samt neuartigem Seitenwand-Protektor und einer nässeoptimierten Laufflächenmischung rollwiderstandsoptimierte Technologien mit Sicherheitsaspekten. Darüber hinaus soll er je nach Einsatzbereich über eine um rund zehn Prozent erhöhte Laufleistung verfügen.

Auch Continental beschäftigt sich mit diesem Thema im sogenannten C-Reifensegment. Neben der generellen Rollwiderstandsoptimierung über alle Modelle hinweg möchte man besonders mit dem speziell entwickelten VancoEco entscheidend dazu beitragen, weniger CO2-Ausstoß sowie Kraftstoffverbrauch zu verursachen. Denn nicht nur die Reifen, sondern das gesamte Fahrzeug bietet bisher ungenutzte Kraftstoffeinsparpotenziale, was nicht zuletzt die auf der diesjährigen IAA Nutzfahrzeuge vorgestellten Entwicklungen der Fahrzeugindustrie gezeigt haben.

„Gerade im Verteiler- oder Fernverkehr besitzen Transporterreifen mit niedrigem Rollwiderstand ein hohes Kostensenkungspotenzial. Hier kann der VancoEco mit einem um rund 30 Prozent geminderte Rollwiderstand einen sinnvollen Beitrag leisten“, erläutert Axel Metge, Leiter der Transporter- und Vanreifenentwicklung von Continental.

Jedoch ist die richtige Reifenwahl von der Nutzungsart abhängig: „Beispielsweise spielen Reifeneigenschaften wie Traktion oder Verletzungsresistenz eine wichtige Rolle im Baustellenalltag“, ergänzt Axel Metge. Diese Aussage zeigt, dass neben einer Senkung des Rollwiderstandes viele weitere Kriterien in der Auswahl des richtigen Transporterreifens zu berücksichtigen sind.

Nicht nur der Rollwiderstand ist für Pirelli besonders wichtig: „Die Senkung des Rollwiderstandes darf bei jeder Entwicklungsstufe nicht zu Lasten der anderen Reifeneigenschaften gehen. Durch innovative Reifentechnologien können wir sicherstellen, dass sich alle sicherheitsrelevanten Kriterien weiterhin auf einem guten Niveau befinden und dennoch Kraftstoffersparnisse erzielt werden“, so Fabrizio Sanvito, Pirelli Standard and Van Platform Manager.

Mit dem Chrono 2 bietet Pirelli einen Reifen an, der die Entwicklungsziele umzusetzen versucht. Im Vergleich zum Vorgängermodell wurden dabei die Labelwerte „Rollwiderstand“ auf „C“ sowie „Nassbremsverhalten“ auf „B“ verbessert, was grünen Werten entspricht. Pirelli betont, dass bei der Entwicklung von Transporterreifen das Hauptaugenmerk vorrangig auf den sicherheitsrelevanten Eigenschaften und der Laufleistung liegt.

Auch die Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH verfolgt diesen Grundsatz: „Die sicherheitsrelevanten Eigenschaften eines Reifens dürfen auch bei der derzeitigen Fokussierung auf die Kraftstoffeffizienz auf keinen Fall zur Nebensache werden. Die Optimierung des Rollwiderstandes ist heutzutage ein unerlässliches Entwicklungskriterium bei nahezu jedem Reifen, auch wenn sich dies nicht immer direkt im Produktnamen oder in der Produktbeschreibung widerspiegelt. Allerdings spielen für uns auch andere Kriterien wie beispielsweise die Laufleistung eine wichtige Rolle, um Fuhrparkverantwortlichen einen guten und vor allem effizienten sowie sparsamen Reifen anbieten zu können“, erläutert Michael Fett, Produktmanager Dunlop bei der Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH.

Bemerkbar macht sich ein guter Rollwiderstand grundsätzlich bei hohen Laufleistungen. Dennoch differiert das zu erzielende Sparpotenzial durch unterschiedliche Faktoren. Beispielsweise erhöht sich bei konstant hoher Geschwindigkeit die Ersparnis. Ständiger Stop-and-Go-Verkehr in Städten hingegen wirkt sich negativ aus. Damit erscheint eine reine Fokussierung auf den Rollwiderstand nicht sinnvoll.

Dies beweist auch der Econodrive von Dunlop, der neben der Rollwiderstandsoptimierung über eine stabile Seitenwand zum Schutz vor Schäden und eine erhöhte Laufleistung verfügen soll. Zusätzlich steht er laut Unternehmensaussagen anderen Transporterreifen in Bezug auf die sicherheitsrelevanten Kriterien wie Nass- und Trockenbremsen, Aquaplaning oder Handling in nichts nach.

Fazit: Die Nachfrage nach Reifen mit hoher Laufleistung, niedrigem Rollwiderstand und sicheren Fahreigenschaften wird weiter zunehmen. Mit der Einführung des EU-Reifenlabels steht dem Fuhrparkentscheider ein Mittel zur Verfügung, sicherheitsrelevante und umweltschonende Kriterien über Marken hinweg miteinander zu vergleichen. Dabei sollte er jedoch die Entscheidung für einen bestimmten Reifen nicht allein aufgrund der Labelwerte treffen, sondern vielmehr im Hinblick auf den Einsatzzweck.

Insbesondere die Stabilität der Transporterund auch Leicht-Lkw-Reifen sollte bei jedem Reifenkauf in die Betrachtung miteinbezogen werden. So ist gerade der Alltag dieser Reifen von Überlastungen wie beispielsweise durch zu hohe Geschwindigkeiten, der Überladung des Fahrzeugs oder Beschädigungen durch den ruppigen Umgang mit dem Arbeitsgerät gekennzeichnet. Die Auswirkungen dieser Behandlung sind vergleichbar mit den Folgen unzureichenden Luftdrucks und können den Reifen irreparabel schädigen.