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Spontan herumreisen mit einem Elektrofahrzeug? So ganz ohne Planung weit entfernte Städte abklappern? Strecken jenseits der 150 oder gar 200 Kilometer? Kein Problem, der Ampera machts möglich. Ganz ohne klassischen Kraftstoff freilich geht es nicht – aber der Reihe nach. Wer den Lithium-Ionen-Akku seines Ampera über Nacht geladen hat (das geht über eine ganz konventionelle Steckdose), kann morgens unbeschwert losfahren. Und zwar rein elektrisch. Er kann quasi aus dem Vollen schöpfen, die Drehmoment-Welle von 370 Nm auskosten; kräftiges Losspurten an der grünen Ampel ist kein Thema, zügig Richtgeschwindigkeit erreichen auf der kleinen Autobahn-Runde ebensowenig. Oder noch einmal gut 30 Stundenkilometer draufsatteln, bis der Hesse in die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit rennt.

Im Handumdrehen ist auch schon die Arbeitsstätte erreicht – und die Ladeanzeige für die Batterie zeigt noch immer den halben Füllstand. Nachmittags gehts wieder zurück nach Hause, danach landet der Opel an der Steckdose. So oder so ähnlich sieht das Fahrprofil der Mehrheit aus. Die Mehrheit der heute erhältlichen Elektrofahrzeuge sind genau auf diese Gewohnheiten zugeschnitten – doch Opel geht ambitionierter an das Thema heran. Immerhin soll ein Auto ja unabhängig machen, und wenn am nächsten Wochenende Schwesterchen im 300 Kilometer entfernen Dorf spontan eine Party gibt, sollen keinesfalls öffentliche Verkehrsmittel als Alternative herhalten müssen. Jetzt kommt der Range-Extender ins Spiel: Gehen die Stromreserven zur Neige, springt der 1,4-Liter-Otto automatisch in die Bresche. Während das 111 KW starke E-Aggregat stets den Löwenanteil am Antrieb innehat, wuselt der Vierzylinder fröhlich, aber gemächlich durch das Drehzahlband, um Elektrizität zu erzeugen – mal mehr, mal weniger.

Dabei strahlt der Vierventiler akustisch nur äußerst moderat in die Fahrgastzelle und verzichtet darauf, die menschliche Fracht mit etwaigen Vibrationen zu behelligen. Dieser geht es übrigens ausgesprochen gut in dem spacigen Fronttriebler, für den es derzeit noch ein Leichtes ist, die Aufmerksamkeit der Außenwelt auf sich zu lenken. Passanten bleiben kurz stehen und zollen dem aus der Reihe tanzenden Vehikel offenbar Respekt – sei es nun wegen der markanten Front, deren Design mit dem X-förmigen Layout immerhin eine neue Ära repräsentiert, oder wegen des grünen Ampera- Herzens. Den Duft einer neuen Zeitrechnung verströmt außerdem das Cockpit. Jenes nämlich lässt den Viertürer so ein bisschen außerirdisch erscheinen mit dem großen Digitacho und den folierten Tasten.

Doch der Ampera denkt gar nicht daran, seine potenziellen Käufer mit böser Andersartigkeit zu piesacken und lädt stattdessen ein zu einer spannenden Exkursion erstaunlich normaler Automobilität. Schlüssel in die Hosentasche, Startknopf drücken – nachfolgend Fahrstufe D eingelegt: Schon rollt die Fuhre mit dem Wohlfühl-Innenraum sowie den fast nobel anmutenden Einzelsitzen im Fond sanft los. Freude kommt auch und gerade dann auf, wenn man eben nicht vorhat, bald wieder auszusteigen – ein ähnliches Bild entsteht in der gemütlichen zweiten Reihe. Und sonst? Ein Kofferraumvolumen von über 300 Litern (bis 1.005 Liter bei umgeklappten Lehnen) eliminiert das Vorurteil, alternativ angetriebene Fahrzeuge böten nicht einen Funken Nutzwert. Wer dem Hersteller 40.504 Euro (netto) überweist, bekommt ein Exemplar der ePinonier-Ausgabe ausgeliefert und eine hervorragende Ausstattung dazu, die weder Komfort- noch Mangel an Sicherheitsfeatures anzeigt. Sogar Bluetooth- Freisprechanlage, Navi und Tempomat sind an Bord. In diesem Sinne: Gute Fahrt!