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Angelehnt an den Veranstaltungsort des neunten Treffens des Flottenmanagement-Redaktionsbeirates, der Konferenz und Messe für nachhaltiges Fuhrparkmanagement econfleet in Münster, standen auch eine Vielzahl unserer Tagungs-Themen unter dem Einfluss der Nachhaltigkeit. Es bewegt sich etwas, dennoch, ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen: Die Umsetzung einer grünen Flotte erfordert einiges an Idealismus, der in der Flottenrealität einen schweren Stand hat.

Übereinstimmung herrschte bei den sechs anwesenden Redaktionsbeiräten dahingehend, dass der Dienstwagen stets als wertvolles Mittel der Motivation von Mitarbeitern und Zugpferd für neue Fachkräfte gilt. Allerdings halten sie auch dagegen, dass die Flotte einen großen, wenn nicht sogar den größten Posten beim CO2-Ausstoß und auch eine immense Kostenstelle darstellt. Wie viel Spielraum dazwischen für Reduktion der (Kraftstoff-)Kosten und nachhaltige Aufstellung bleibt, legten die Beiräte in offenen Diskussionen dar.

Dienstwagen als heilige Kuh?
Dass der Dienstwagen als Motivationsfaktor eine Art heilige Kuh symbolisiert, scheint gerade in Zeiten von Fachkräftemangel unbestritten. „Wir alle hier könnten sofort nicht unerhebliche finanzielle Einsparungen umsetzen, wenn wir uns nicht bestimmten Zwängen unterwerfen müssten“, spricht Stephan Faut von der apetito AG für alle anwesenden Fuhrparkmanager. „Ein guter Verkäufer kann alles verkaufen, und wenn ihn ein anderes Unternehmen mit einem besseren Dienstwagen locken kann, dann geht er.“ Schließlich bringt der Außendienst bei den meisten Unternehmen „das Geld herein“, muss sich aber dem Rahmen der Car Police fügen. „Wir wollen unser Markenimage auch über die Premiumfahrzeuge nach außen transportieren. Vor allem durch die Einführung von Bonus-Malus-Systemen wollen wir die Dienstwagenauswahl in gewissem Maße steuern. Allerdings muss ich als Fuhrparkverantwortlicher auch nicht alle Zusammenhänge in der Personalpolitik verstehen, das ist dann Sache der Personalabteilung“, erklärt Dieter Prohaska, Flottenmanager bei der adidas group aus.

Welche Chancen hat die Green Car Policy?
Solche Zwänge führen automatisch dazu, dass sich eine Green Car Policy fuhrparkübergreifend nur schwer umsetzen lässt. Sven Schulze von der Dahme-Nuthe Wasser-, Abwasserbetriebsgesellschaft mbH berichtet, dass die Unternehmen in der Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung einer nachhaltigen, umweltfreundlichen Unternehmens- und Fuhrparkpolitik wesentlich aufgeschlossener gegenüberstehen. „Die Hersteller sind gefragt, geeignete Lösungen bereitzustellen. Zum Schluss entscheidet auch der Preis”, so Schulze. Auch wenn die Nachhaltigkeit nur zögerlich in den Fuhrpark-Car Policen Eingang findet, hat sie für das Firmenimage eine große Bedeutung. Ein stetes Bestreben nach Kostenoptimierung indes hilft allerdings, der Nachhaltigkeit Türen zu öffnen, geht mit niedrigerem CO2-Ausstoß ja auch ein niedrigerer Kraftstoffverbrauch einher. In Großbritannien, wo die Konzernmutter von Computacenter zuhause ist, achtet man sehr auf den CO2-Ausstoß allgemein, weil er besteuert wird. „Die Flotte ist der größte Emittent, ich weiß sehr genau, wie viel wir verbrauchen“, so Burkhardt Langen. Deshalb ist sein Interesse an der Entwicklung leistungsfähigerer Elektrofahrzeuge enorm. „Ich bin überzeugt, dass bald bessere Reichweiten durch leistungsfähigere Akkus erreicht werden, dass sich die Tankstelleninfrastruktur verbessert und auch die Energiehersteller intelligente Ladekonzepte entwickeln werden. Aber zurzeit findet der Fortschritt leider nicht in Deutschland statt.“

Kennzahlen
Für ein vernünftiges und reaktionsbereites Arbeiten nutzen die Flottenmanager Kennzahlen, die, auch wenn sie von außen nicht häufig abgefragt werden, für interne Vergleiche genutzt werden und zur Herleitung von Ergebnissen. Dieselkraftstoffkosten und -verbrauch, aber auch Schäden und Schadensverläufe erhalten Kennzahlen bei Stephan Faut, der die apetito- Flotte verwaltet. Claus-Peter Gotta braucht Vergleiche beispielsweise auch bei den Rückgabeschäden, um regelmäßig zu wissen, in welchem Bereich sich die Kosten bewegen. Burkhardt Langen kann mit Hilfe von Kennzahlen ermitteln, dass die Einparkhilfen in Summe teurer sind als die damit zu vermeidenden Parkschäden. Auch bei den Treibstoffkosten lassen sich so Erkenntnisse gewinnen und Maßnahmen einleiten, um gegenzusteuern.

Da die Fahrzeuge von Computacenter ein notwendiges Mittel zum Geldverdienen sind, müssen Modellvorgaben her, um den Spritverbrauch zu beeinflussen: „Wir setzen auf die Spritsparmodelle. Der Fahrer kann in einem firmeninternen „Bonus- System“ davon profitieren. Wenn er ein Fahrzeug wählt, das einen geringeren Spritverbrauch hat, steht ihm mehr Geld für Ausstattung im Rahmen der ihm gestatteten Rate zur Verfügung”, so Burkhardt Langen.

Schadenmanagement und Versicherung
Beim Thema Schadenmanagement und Versicherung geben die Fuhrparkmanager Auskunft darüber, wie sie damit in ihrer Flotte umgehen. Burkhardt Langen wechselt zum Beispiel nahezu jährlich die Versicherung, um die Prämien im Griff zu halten. „Wir arbeiten mit einem Makler zusammen, der sehr gute Arbeit leistet. Um die Schadensquote, die wesentlich für die Prämie ist, niedrig zu halten, haben wir das Schadenmanagement- Unternehmen autofleetcontrol ins Boot genommen, die einen sehr guten Service bieten, zum Beispiel zuvorkommende und kompetente Betreuung und kostenlose Leihwagen der kleinsten Kategorie. Insgesamt konnten wir mit ihnen bis zu 30 Prozent bei den Reparaturkosten einsparen.“ Dieter Prohaska rät dazu, die Prämie über die Höhe der Selbstbeteiligung zu regeln: „Wir zahlen Schäden bis zu einer vierstelligen Höhe selbst.“ Auch apetito ließ die Selbstbeteiligung beim Wechsel zu einem anderen Versicherer von 500 Euro auf 1.000 Euro anheben.

Leasinggesellschaften
Auf die Frage, eher markenunabhängige Leasinggesellschaften oder markengebundene zu wählen, weist die Antwort von Burkhardt Langen den Weg: „Man kommt an den herstellerabhängigen einfach nicht vorbei. Die freien eignen sich in unserer Flotte eher für Marken wie Ford, Opel, Hyundai oder Volvo. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die entsprechenden Marken- Händler oft gut auskennen und wissen, welche Leasinggesellschaft aktuell das beste Angebot für ihre Fahrzeuge hat. Oder der Händler kann eine bessere Rate gestalten, wenn er einen besseren Restwert garantieren kann, weil er weiß, dass er ein bestimmtes Fahrzeug gut wiederveräußern kann.“ Einen Pluspunkt vergibt er zudem an die Kalkulatoren der herstellerunabhängigen Leasinggeber. Eine höhere Bereitschaft zur Kulanz und zur Flexibilität stellt er hingegen bei den herstellerabhängigen Leasinggesellschaften fest. Stephan Faut sieht Vorteile in der Konzentration auf die Marken Audi und Volkswagen im apetito Fuhrpark. So kann er Fahrzeuge ohne große Probleme an andere Mitarbeiter weitergeben. Durch im Rahmenabkommen festgeschriebene Stückzahlen ist er an eine herstellerabhängige Leasinggesellschaft gebunden. Aber er weiß auch, dass der Wille des Nutzers, die Marke zu wechseln, da ist. Den Trend zu immer mehr Full-Service-Leasing können die anwesenden Fuhrparkleiter nicht unbedingt unterschreiben. Ihrer Erfahrung nach lohnt sich die Vergabe von Dienstleistungen an den Leasinggeber nur nach eingehender Prüfung der Teilraten. „Manche Leasinggesellschaften versuchen, alles in einer Rate zu verstecken”, weiß Burkhardt Langen.

Reisemanagement
Ein Bereich, dem mehr und mehr Aufmerksamkeit zukommt, ist die Verknüpfung von Fuhrpark- und Reisemanagement. Bei Computacenter laufen schon seit neun Jahren beide Bereiche unter der Regie von Burkhardt Langen. Sein oberstes Ziel ist es, bei Wahrung eines gewissen Reisestandards für Kostenoptimierung, aber auch für CO2-Ersparnis zu sorgen. „Die reinen Reisekosten lagen im Jahr 2009 bei rund neun Millionen Euro. Durch intelligente Zusammenlegung von Reisen konnten wir in 2010 rund zwei Millionen Euro einsparen.” Hierbei helfen auch Richtlinien, die vorschreiben, ab welcher Distanz welche Reisemittel, ob Privatfahrzeug, Mietwagen, Dienstwagen, Flugzeug oder Bahn, zur Wahl stehen, welche Flug- oder Bahntickets und auch welche Hotels gestattet sind. Per Mitfahrerbörse konnte beispielsweise die Zahl der Doppelfahrten vom selben Startpunkt gesenkt werden. Ein Taxiunternehmen, das Shuttlefahrten zum Flughafen übernimmt, koordiniert, wenn mehrere Personen zur ähnlichen Zeit Fahrten anfordern. Als neueste Errungenschaft erwähnt er eine moderne Technik der Videokonferenzen, die seiner Erfahrung nach schon nach kürzester Zeit das Gefühl vermittelt, alle Beteiligten säßen in einem Raum. Das macht Reisen zwar nicht überflüssig, aber vermeidbar. Bei Computacenter werden Tools zur Reisebuchung angeboten, Reisen lassen sich auch per iPhone-App organisieren. Für die Zukunft sehen die Fuhrparkleiter das Car Sharing als wichtiges Mittel der Mobilität, derzeit kommt es bei den Anwesenden aber noch nicht nennenswert zum Einsatz.

Am Ende der zwei Konferenztage stehen nicht nur wichtige Erkenntnisse zum Stand der Dinge in repräsentativen deutschen Fuhrparks. Der offene und ehrliche Austausch untereinander hat auch dem einen oder anderen Beiratsmitglied neue Möglichkeiten aufgezeigt, die in die Realität umgesetzt werden könnten. Sie werden gerne wiederkommen, nächstes Jahr dann zum zehnten Mal.