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Vor das Ende eines Leasingvertrages haben die Götter die Fahrzeug-Rückgabe gesetzt. Und erst dann zeigt sich auch auf diesem Feld, was ein vermeintlich günstiges Leasing-Angebot unter dem Strich tatsächlich noch wert ist. Denn es basierte in aller Regel wesentlich auf einem im Vorhinein kalkulierten Restwert bei Laufzeitende des Vertrages, den der zurückgebrachte Wagen – aus Sicht des Leasinggebers – dann hoffentlich noch erzielt. Ein mitentscheidendes Kriterium dabei ist aber, dass dann der Fahrzeug-Zustand des Gebrauchtwagens im Hinblick auf die Einsatzart, Alter und Laufleistung möglichst punktgenau dem entspricht, was nach allen Erfahrungen zu erwarten war – im Idealfall. Aber das Leben spielt oft anders.

„Die Zustandsbewertung kann letztlich nur das Ergebnis einer subjektiven Betrachtung sein“, weiß Diplom-Ingenieur Johannes Vossebrecher, Leiter des Bewertungs-Zentrums (BWZ) der DEKRA in Düsseldorf. „Klare Ergebnisse gibt es in der Mathematik, ein Beschädigungsgrad aber lässt sich nur bedingt standardisieren. Das Objekt der Zustandsbewertung ist dann beispielsweise ein Fahrzeug mit einer Laufleistung von 90.000 Kilometer, und es ist legitim, dass es Gebrauchsspuren aufweist. Aber was sind Gebrauchsspuren, was ist normaler Verschleiß?“ Eine subjektive Zustandsbewertung hänge beispielsweise auch von Parametern wie Wagenfarbe, Karosserieform oder der Art der Abnutzungserscheinung ab.

„Das setzt bereits bei der Interpretation einer Delle ein“, zählt Vossebrecher weitere Beispiele auf. „Ist sie zu akzeptieren oder nicht gebrauchsüblich und daher wertbeeinflussend? Eine Delle, so meinen manche Leasingfirmen, dürfe nicht größer als ein Cent sein, damit sie nicht wertbeeinflussend sei. Aber eine Delle unter der Stoßstange ist grundsätzlich weniger problematisch als an anderen Stellen der Karosse. Die Größe spielt dann eine untergeordnete Rolle. Ist ein Kratzer tatsächlich wertbeeinflussend oder noch Gebrauchsspur, die durch Polieren kaschiert werden kann? Ein Reifen-Satz dürfe nicht einseitig abgefahren sein, steht in manchen Leasingrichtlinien. Geht es hierbei um gesetzlich vorgeschriebene Profiltiefen oder um andere Verschleißbilder? Hier ist also der professionelle Bewerter gefragt!“

DEKRA-Standard: Fahrzeugbewertung im Beisein des Leasingnehmers
„Das hängt auch nicht nur vom Fahrzeug selbst ab,“ ergänzt Diplom-Ingenieur Marco Schmickler, der als Kfz-Sachverständiger Fachabteilungsleiter für Schadengutachten und Bewertungen in der DEKRA-Niederlassung Düsseldorf ist, „sondern es ist auch zu berücksichtigen, wie das Fahrzeug genutzt wurde. Eine Familie mit Kindern nutzt ein Fahrzeug wieder anders als ein Schreiner. Ein Fahrer ist vorausschauend und ‚materialschonend’, ein anderer agressiv und ‚verschleißfördernd’ gefahren.“ Wesentlich gehe es bei den Fahrzeug- Zustandsbewertungen durch die DEKRA um eine Gesamt-Beurteilung im Hinblick auf Fahrzeugalter und -laufleistung unter Berücksichtigung des jeweiligen Verwendungszweckes oder Einsatzortes. Und dabei kämen immer wieder auch klar objektiv messbare Kriterien zum Zuge. „So liegt uns zum Prüfungszeitpunkt auch die genaue Fahrzeug-Identifikation im Hinblick auf die Ausstattung bei Auslieferung vor“, verdeutlicht Marco Schmickler. „Wir weisen dann den Leasingnehmer beispielsweise darauf hin, dass ein Satz Sommerreifen mit geleast war. Fehlen die Reifen, wird das im Protokoll vermerkt. Das geht teilweise bis in das Fahrzeug-Gefüge hinein, der Wagen kommt dann nicht mit dem Navi-Gerät, sondern mit einem einfachen Radio zurück.“

„Grundsätzlich sind uns zwei Aspekte im Zusammenhang mit der Fahrzeugzustands-Bewertung besonders wichtig“, unterstreicht Johannes Vossebrecher. „Das ist einmal die zeitnahe Bewertung vor der Rückgabe. Früher wurden Fahrzeuge manchmal erst nach einer Woche in Augenschein genommen, das konnte im ungünstigen Fall auch schon einmal Spielräume für juristisches Gezänk eröffnen – wann war jetzt nun welcher Schaden wo entstanden?“ Darüber hinaus versuche die DEKRA stets zu erreichen, die Fahrzeugzustands- Bewertung im Beisein des Leasingnehmers durchzuführen. Zu diesem Zweck könnten die Rückgeber auch in einem Internet-basierenden Kalender Einzeltermine im Bewertungs-Zentrum Düsseldorf buchen. „Es gibt eigentlich nichts Besseres, als dies gemeinsam mit dem Leasingnehmer zu tun“, betont Johannes Vossebrecher, „denn er wird hierbei nicht selten mit Kosten konfrontiert, die er nicht so ohne Weiteres bereit ist, zu akzeptieren. Ist er aber selbst anwesend, bleiben die Frustrations-Quoten doch recht übersichtlich, Leasingnehmer und Autohaus sind hernach zufrieden.“

„Wir versuchen hier auch zwischen den Parteien zu moderieren“
„Ein positiver Effekt dieser Vorgehensweise besteht schon allein darin“, führt Marco Schmickler aus, „dass wir ihm beispielsweise Minderwert- Schäden gleich am Fahrzeug erläutern können. Auch können möglicherweise vorhandene kleine technische Defizite am Fahrzeug gleich mit ihm im Gespräch vor Ort geklärt werden. Im übrigen vermittelt auch unser DEKRA-Schadenkatalog im Internet ein Gefühl dafür, was beispielsweise eine Gebrauchsspur ist.“ Das führe auch immer wieder zu Aha-Erlebnissen beim Leasingnehmer, wenn etwa ein vermeintlicher 500 Euro-Kratzer bei einem Fahrzeug mit relativ hoher Laufleistung hernach nur noch mit 150 Euro zu Buche schlage. Die Fahrzeuge würden aber nicht nur im Hinblick auf die Optik, sondern auch in puncto Technik bewertet. „Dazu gehört auch die Feststellung nicht sach- und fachgerechter Instandsetzungen nach Unfallschäden“, so Marco Schmickler weiter. „Das ist sehr relevant, ob ein Fahrzeug einen Unfall hatte und fachgerecht oder nicht fachgerecht repariert wurde.“

„Wenn der Leasingnehmer also mit dem Fahrzeug nicht vertragsgemäß umgegangen ist, muss er sich Schäden anrechnen lassen“, stellt Johannes Vossebrecher klar. „Die Prämisse bei allem aber bleibt der faire Umgang miteinander, wir versuchen hier auch zwischen den Parteien zu moderieren. Auf Wunsch der Parteien hin können wir die Fahrzeugzustandsprüfung auch an einem neutralen Ort durchführen, beispielsweise im DEKRA Bewertungszentrum an der Ronsdorferstraße. So können wir feststellen, dass die früher oft geführten Grundsatzdiskussionen, was an Schäden am Fahrzeug üblich sein darf und was nicht, bei uns deutlich nachgelassen haben.“ Ein genereller Wettbewerbs-Vorteil der DEKRA bestünde in der dezentralen, flächendeckenden Aufstellung. „Und innerhalb dieser wiederum ist die besondere Stadtnähe der Niederlassung Düsseldorf sogar nahezu einzigartig“, hebt Johannes Vossebrecher hervor. Da spiele das Ballungs-Zentrum NRW mit hinein, die Anbindung an den Hafen Neuss, die Automeile Düsseldorf mit großen Autohausketten, die stark im Flottengeschäft engagiert seien.

50.000 Bewertungen pro Jahr
Vom DEKRA-Bewertungszentrum Düsseldorf werden rund 50.000 Bewertungen pro Jahr durchgeführt, dort sind gegenwärtig 30 Fahrzeug-Bewerter im Einsatz. Zu den Kunden zählten auch große bundesweit operierende Flottenbetreiber mit hunderten von Fahrzeugen, aus denen dann auch schon einmal dutzende Fahrzeuge auf einmal in Düsseldorf abgewickelt würden. „Wir stellen eine geballte, unabhängige Kompetenz zur Verfügung“, unterstreicht Johannes Vossebrecher, „und können uns hierbei auf ein eigenes Team aus Kaufleuten und Fahrzeugbewertern stützen, die jederzeit in der Lage sind, einen guten Konsens zwischen Leasinggeber und Leasingnehmer zu erreichen.“
Das BWZ Düsseldorf ist mit einer kompletten Prüfausstattung eingerichtet, dazu gehören Waschanlagen, Hebebühnen, es sind aber auch Werkstätten zur Fahrzeugaufbereitung für Smart- und Spot-Reparaturen sowie technische Reparaturen angegliedert. „Zunächst werden die Fahrzeuge grundsätzlich gereinigt, denn in aller Regel müssen wir sie so bewerten, wie sie von der Straße hereinkommen“, detailliert Marco Schmickler. „Wir sind hier aber auch in der Lage, eine tiefgreifende technische Überprüfung eines Fahrzeuges durchzuführen oder die vorschriftsmäßige Durchführung aller Inspektionen per Diagnose zu checken. Wir messen unter anderem auch die Lackschicht-Dicke, die ab Werk beispielsweise zwischen 120 und 150 μm liegt. Stellen wir fest, dass die Dicke deutlich über 250 μm liegt, könnte es sein, dass ein Karosserieteil beispielsweise instandgesetzt wurde. Leider ist auch ein fachgerecht reparierter Unfallschaden oftmals wertbeeinflussend, wenn ein Eingriff ins Fahrzeuggefüge stattgefunden hat.“ Daher ist es von größer Bedeutung, die Vita eines Fahrzeuges umfassend zu diagnostizieren, zu dokumentieren und dann angemessene Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

Auf Kundenwunsch optische und technische Aufbereitung
„Wenn der Kunde es wünscht, können entsprechende Schäden vor Ort auch mit Smart- oder Spot-Reparaturen beseitigt werden. Es ist sogar eine technische Aufbereitung im Bereich Bremsen oder Motor durch einen Kfz.-Betrieb vor Ort möglich“, fügt Johannes Vossebrecher hinzu. „Wir sind über unseren Server in alle Richtungen hin vernetzt, geben unsere Ergebnisse elektronisch an Leasingnehmer, Leasinggeber und Autohäuser sofort weiter, so dass der jeweilige Autohausbetreiber die Zustandsbewertung am gleichen Tag auf dem Tisch hat und das weitere Vorgehen mit seinem Leasingkunden sofort besprechen kann.“ Die DEKRA legt größten Wert auf die Feststellung, dass sie nur zur Beweissicherung und Dokumentation beauftragt werden wolle und nicht gleichzeitig die Fahrzeuge im Nachgang aufbereite; sie wolle sich selbst keine Reparaturaufträge erteilen. Das System, die DEKRA prüfe unabhängig, und andere reparierten und bereiteten auf, habe sich seit Jahrzehnten bewährt. „Eine fachlich fundierte und damit auch für den Laien glaubhafte Fahrzeugzustandsprüfung ist für uns und unsere Mannschaft an der DEKRA Niederlassung Düsseldorf eine Herzensangelegenheit.“