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Gelegentlich müssen wir auch einfach einmal etwas anfassen können, um zu erkennen, wie Zukunft Alltag werden könnte. Und so ist es den Organisatoren rund um Thomas Arabin, Geschäftsbereichsleiter Eigenveranstaltungen beim Messe- und Congress-Centrum Halle Münsterland, hoch anzurechnen, uns bereits mit der Premiere der Fachmesse econfleet auf 5.000 Quadratmeter gleich einmal in die komplette Welt der alternativen Antriebe mitgenommen zu haben. „Das Angebot in diesem Segment ist extrem unübersichtlich und vielfältig“, motiviert Arabin das Grundkonzept dieses künftig jährlich stattfindenden Events. „Die econfleet hat hier den Vorteil, dass sie auf einer Messe und Konferenz die Fahrzeuge und das Fachwissen namhafter Experten gebündelt vorstellt. Dieses Nebeneinander unterschiedlicher Antriebskonzepte für den Individualverkehr bietet Orientierung und ist deutschlandweit einmalig.“

Dabei seien vor allem die Firmenflotten in den Fokus gerückt, hier finde gegenwärtig ein spürbares Umdenken statt. „Es entscheidet nicht mehr nur die Motorisierung, sondern Umweltverträglichkeit und Sparsamkeit gewinnen an Bedeutung“, schlüsselt Arabin auf. „Umweltfaktoren sind zunehmend Imagefaktoren, und in den Unternehmen werden die Zukunftstrends gesetzt. Hier kommen neue Techniken als erstes zum Einsatz. Zudem machen momentan Firmenfahrzeuge bei den jährlichen Neuzulassungen mehr als 40 Prozent aus. Das zeigt auch, wie dynamisch dieser Markt ist.“

60 Aussteller waren beim econfleet-Debüt 2011 präsent, der Probefahrten- Bereich war mit 50 Fahrzeugen aller alternativen Antriebsarten abgedeckt. Die Fahrzeughersteller Opel mit Elektro-, Erdgas- und Diesel-Versionen sowie Peugeot mit Elektro- und Diesel-Hybr id-Versionen waren bereits werksseitig vertreten, Citroën über den großen Händler Autohaus Bleker GmbH aus Borken. Die Westfalen AG als Anbieter von Autogas, Erdgas sowie Betreiber von Tankstellen, zudem Partner der econfleet, wartete mit einer größeren Bandbreite von Autogas-Fahrzeugen verschiedener Marken auf, durch die Bank weg flottenrelevante Modelle. Die Stadtwerke Münster beispielsweise präsentierten Erdgas-Fahrzeuge.

Zu den Ausstellern gehörte aber auch das im Juni eröffnete Batterie-Forschungszentrum MEET (Münster Electrochemical Energy Technology), das sich intensiv der Erforschung eines „Super-Akku“ widmet, der leicht, leistungsstark und kostengünstig künftige Elektroautos antreiben soll. Hier werden die Batterien auch Maßnahmen zur Verzögerung der Alterungsprozesse unterzogen. Das Institut für Physikalische Chemie der Universität Münster hat als wesentliches Ziel formuliert, eine längere Lebensdauer für Batterien zu erreichen. Unterstützt wird die econfleet auch von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) des Saarlandes in Saarbrücken. Aktuell will die dortige Forschungsgruppe Automotive Powertrain das Klischee von der begrenzten Reichweite bei Autogas- Fahrzeugen widerlegen. „1.000 Kilometer ohne Nachtanken“ lautet hier die Vorgabe.

Der zur econfleet parallel verlaufende Kongress wendete sich vor allem an Großflotten-Manager, Geschäftsführer und Einkäufer. Sie konten hier unter anderem erfahren, wo Umweltpotenziale im Bereich Verkehr liegen, wie Tankstellen und Versorgungs-Konzepte in Zukunft aussehen und auf welchem Stand der Technik sich die unterschiedlichen Antriebskonzepte befinden. Über 30 Experten informierten in Fachvorträgen zu verschiedenen Aspekten des Flottenmanagements. Dass der bloße Austausch von Fahrzeugen allein aber nicht ausreichen würde, um die vorhandenen Verkehrs- und Umweltprobleme zu lösen, wurde bei der Podiumsdiskussion deutlich.

Die gesamte Verkehrsinfrastruktur in Deutschland sei auf die „Verfügbarkeit preiswerten Erdöls“ ausgerichtet, unterstrich noch einmal Dr. Martin Held, Studienleiter der Evangelischen Akademie Tutzing. Da aber die Öl-Förderung bereits ihren Höhepunkt überschritten habe und der weltweite Energiebedarf steige, werde Mobilität zwangsläufig teurer. Bereits in seiner Eröffnungsrede zur econfleet hatte Ministerialdirektor Hubert Steinkemper vom Bundesumweltministerium eine Lösung darin gesehen, effizientere Fahrzeuge einzusetzen, öffentliche Verkehrsmittel zu stärken und den Weg von fossilen zu erneuerbaren Energien zu gehen. In diesem Zusammenhang verteidigte er noch einmal die Einführung von E 10 als nachhaltiger Energiequelle, mit nachwachsenden Rohstoffen aus Europa lasse sich die Abhängigkeit von Erdöl senken.

Auch ging Steinkemper auf die Kennzeichnungsverordnung für umweltschonende Fahrzeuge ein, dieses Label erleichtere es den Autokäufern, die sparsamen Fahrzeuge innerhalb eines Segments zu identifzieren. Neben Dienstwagen sollten aber auch ICE und Leihfahrzeuge Bestandteile eines modernen Mobilitätsmanagements sein. Marc-Oliver Prinzing, Vorsitzender des Bundesverbandes Fuhrparkmanagement, bestätigte, dass sich in den Firmen der Fuhrparkverwalter stärker zu einem Mobilitätsmanager gewandelt habe und Angebote wie Carsharing und der öffentliche Personennahverkehr bereits stärker genützt würden. Schließlich verwies Wolfgang Fritsch-Albert, Vorstandsvorsitzender der Westfalen AG, darauf, dass ein alternativer Antrieb bereits den Durchbruch geschafft habe, auch dank eines dichten Tankstellennetzes: „Mit Autogas fährt man heute von Hammerfest nach Palermo.“

Es werden also schon etliche Wege in Theorie und Praxis bereitet. Bei der nächsten econfleet am 17. und 18. Oktober 2012 werden wir dann sehen, um wie viele Schritte wir vorangekommen sind.