PDF DOWNLOAD

Für die Einführung des neuen Kraftstoffes E10 mag es viele Gründe geben. Die Reduzierung der Abhängigkeit von den stets krisengebeutelten Ölförderländern vielleicht, oder die Schaffung von lokalen Arbeitsplätzen in der Biosprit-Industrie. Vielleicht soll auch einfach nur die Importquote gesenkt werden. Aber eines kann es sicher nicht gewesen sein: Ökologische Gründe. Denn die Einführung von einem höheren „Bio“-Anteil im Sprit führt, glaubt man der Studie von neun großen Umweltverbänden, eher zu mehr Schadstoffausstoß – weltweit. Denn für die ganze Biomasse braucht es erst einmal landwirtschaftliche Nutzfläche, und zwar sehr viel davon. Diese muss dann intensiv bewirtschaftet werden, mit Pestiziden und schwerem Gerät und allem was dazu gehört. Da bleibt nicht mehr viel „Bio“ im Bio-Sprit E10, im Gegenteil: Aus ökologischer Sicht hat E10 eher Nachteile.

Für die Fuhrparkleiter wird die Unsicherheit, ob ihre Fahrzeuge E10 vertragen, eher weniger eine Rolle spielen: Überwiegend wird ohnehin mit Diesel gefahren, und die Benziner sind meist nur wenige Jahre alt, die vertragen E10. Bleibt aber die ethischmoralische Komponente: Der weltweite Run auf „Bio“-Sprit lässt nicht nur Regenwälder brennen, er verteuert auch die Grundnahrungsmittel. Weltweit. Zum Ärger der Verbraucher in Europa, aber mit verheerenden Konsequenzen für die Bevölkerung in ärmeren Ländern.

Aber Etikettenschwindel sind wir Autofahrer ja gewohnt, ich erinnere an dieser Stelle gern noch einmal an die Umweltplakette, die eigentlich nur ein bürokratisches Monster geschaffen hat und für die Umwelt selbst nichts bewirkt. Wie auch – der Feinstaub in der Luft besteht nun einmal nur zu einem kleinen Prozentsatz aus dem, was ein Auto aus dem Auspuff bläst und weigert sich obendrein beständig, nicht durch das ganze Land zu fliegen. Regionale Umweltzonen bringen also per se herzlich wenig.

Nun müssen wir aufpassen, dass wir mit dem Elektroauto nicht der nächsten Täuschung aufsitzen: Denn jedes Elektroauto kann nur so sauber fahren wie der Strom ist, der dafür erzeugt wurde. Strom aus Kohle macht hierbei überhaupt keinen Sinn, und über die Zukunft der zwar sauberen aber mit erheblichen Sicherheits- und Endlagerproblemen behafteten Atomkraftwerke wird ja aus traurigem Anlass gerade wieder neu diskutiert. Bleibt Strom aus Sonne, Wind und Wasser – das macht sicher Sinn, wird aber nicht so schnell gehen, dass hieraus die gewünschte eine Million Elektroautos bis 2020 betankt werden kann. Denn hier verhält es sich wie beim E10: Es macht keinen Sinn, rechnerisch die Elektroautos „sauber“ zu betanken, dafür aber die Industrie und Privathaushalte verstärkt mit Kohle-Strom zu beliefern. Das wäre dann der nächste Etikettenschwindel. Anders schaut es schon aus, wenn die Unternehmen selbst, lokal vor Ort, beispielsweise mit Solarpanels, ihren eigenen sauberen Strom für die eigenen Elektrofahrzeuge erzeugen – dann wird es rund.

Ralph Wuttke
Chefredakteur