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GT steht für Gran Turismo, das ist vielen bekannt. Aber was heißt das? Es handelt sich um große, schwere Fahrzeuge mit starker Motorisierung und sportlicher Ausrichtung. Okay, der hier behandelte Peugeot ist nicht unbedingt sportlich, sondern eher im höchsten Maße nützlich. Dennoch verpassten die Marketing-Spezialisten dem stärksten 508-Vertreter den Beinamen “GT”. Sie schienen der Meinung, dass diese Bezeichnung wohl ganz gut passt für einen solchen Express- Kombi, und da ist etwas Wahres dran. Mit 204 Pferdchen steht der attraktive 508 HDI205 gut im Futter und leistet – obwohl er zwei Zylinder weniger besitzt – so viel wie einst der verflossene 407 V6 HDI, den man allerdings kaum mit unter fünf Litern Diesel pro 100 km fahren konnte – hier funktioniert das mit einem disziplinierten Gasfuß schon. Aber der Reihe nach, denn die Nummer 508 ist nicht nur sparsamer geworden, sondern man hat an ganz wesentlichen Punkten gearbeitet, die sich in der Praxis gravierend auswirken – vor allem für nutzwertorientierte Kunden.

So kann der Neue ordentlich einpacken, denn das Kofferraumvolumen erhöhte sich um über 200 Liter auf deren 1.598. Das ist ein Machtwort – aber auch die Fahrgastzelle ist deutlich luftiger, denn die Mittelklasse legte um rund fünf Zentimeter in der Länge und sogar mehr als neun Zentimeter im Randstand zu, was eine andere Dimension für den Fond bedeutet. Wer sich selbst als groß, lang oder füllig bezeichnet – bitte unbedingt ausprobieren. Um mit den Knien an die vorderen Lehnen zu stoßen, muss man sich schon anstrengen. Ausladende Sessel mit viel Technik (beispielsweise einer Massagefunktion) sorgen für grinsende Mienen auch nach langer Fahrt. Eine ganze Armada von Tasten erhalten das Grinsen darüber hinaus – unter der Prämisse freilich, dass man Fan vollgepackter Armaturen-Landschaften ist. PSA, bekannt für eine ausgeprägte Vorliebe vieler Knöpfchen, macht es zumindest Bestandskunden leicht, da sich sämtliche Nachfolger-Fahrzeuge in puncto Bedienung meist evolutionär weiterentwickeln, so im Grunde auch hier.

Doch halt, beim Einsteigen in den 508 GT fällt prompt ein Unterschied auf: Zum Motorstart nämlich darf der Schlüssel getrost in der Hosentasche verbleiben, es wird stattdessen auf den Knopf gedrückt. Nur befindet sich dieser links vom Lenkrad – Porsche-Fahrer wissen jetzt bescheid, andere werden sich schnell daran gewöhnen. Nun gut, jetzt aber auf in den Straßenverkehr mit der ausladenden Fuhre. Der wohlbekannte Commonrail verrichtet seine Arbeit weitgehend unauffällig, wobei die kräftigste Ausbaustufe unter Last etwas kernigere Töne von sich gibt, die indes zur drahtigen Motorleistung passen. Nach einer kleinen Anfahrschwäche stürmt der Selbstzünder los und erreicht flugs die 100 km/h-Marke – das Werk spricht von 8,4 Sekunden. Ab 2.000 Touren stehen satte 450 Nm Drehmoment zur Verfügung, dennoch scheinen die standardmäßigen 18-Zöller keine Probleme damit zu haben, die Kraft auf den Asphalt zu bringen, denn Traktionsmängel sind dem Fronttriebler unter griffigen Voraussetzungen völlig fremd.

Das Felgenformat ist ein gutes Stichwort: Zwar sehen große Räder schick aus, schmälern den Fahrkomfort in der Regel jedoch drastisch. Doch die Peugeot-Techniker beherrschen diese zweiseitige Medaille offenbar; es gelang ihnen, die Dämpfung so auszurichten, dass der Kombi selbst hartnäckige Fugen geschmeidig nimmt, ohne an dynamischen Fähigkeiten einzubüßen. Demnach machen auch Ausflüge in kurvige Gefilde Spaß. Dank präziser elektrohydraulischer Servolenkung zirkelt der Mittelklässler willig durch Kehren, um durch typisches Untersteuern anzuzeigen, wann er genug hat. Die sanft eingreifende Stabilitätskontrolle tut ihr Übriges, um den Kombi im Zaum zu halten. Wer es ruhig angehen lässt, merkt plötzlich, dass er es mit einem ausgesprochen leisen Gleiter zu tun hat – jetzt kommt der GT-Begriff wieder ins Spiel. Einen feinen Tourer hat Peugeot hier auf die Räder gestellt, mit dem Reisen zum Erste-Klasse-Vergnügen avanciert. Das Topmodell wird ausschließlich mit Sechsgang- Wandlerautomatik ausgeliefert – sie verrichtet ordentliche Arbeit.

Ordentlich fällt auch die Qualitätsanmutung aus – hier ist dem Hersteller ein mächtiger Sprung nach vorn geglückt. So macht das Interieur einen außergewöhnlich soliden Eindruck; sowohl Material als auch die Art und Weise dessen Verarbeitung muss den Vergleich mit hiesigem Premium-Stoff keineswegs scheuen. Und sonst? Zahlreiche Ablagen plus Cupholder vorn und hinten gestalten den Autofahrer-Alltag mit dem Peugeot einfacher. Hinzu kommen übersichtliche Instrumente – wenn auch für heimische Nutzer ungünstig skaliert – mit großem Infofeld in der Mitte für die üblichen Daten des Bordcomputers inklusive Routenführung. Wem das zu profan ist, richte seinen Blick gen Windschutzscheibe, denn die wichtigsten Daten liefert schließlich auch das Headup-Display (Serie beim GT). Bekanntermaßen sind Importeure im Gegensatz zu deutschen Herstellern Meister der Ausstattungspakete, was beim GT zur reichhaltigen Kost führt. Sonderausstattungen sind demnach fast kein Thema.

Den Grundpreis beziffert Peugeot mit 32.857 Euro netto und führt damit eine schlagkräftig-günstige Offerte im Programm. Serienmäßig bietet der GT Antiblockiersystem, Front-, Kopf- und Seitenairbags, elektrisch verstell- wie beheizbare Außenspiegel, Bluetooth-Freisprechanlage, Bordcomputer, elektrische Fensterheber rundherum, automatisches Fernlicht, Klimaautomatik, Navigationssystem, Panorama-Glasdach, Parksensor, schlüsselloses Schließsystem, Sitzheizung, elektronische Stabilitätskontrolle, Tempomat und Bi- Xenonscheinwerfer samt Kurvenlicht-Funktion. Langstrecken-Nutzer sollten über das 1.302 Euro (netto) teure Vollleder-Paket nachdenken, welches nicht nur die Stühle mit Rindshaut versorgt, sondern gleich die ganze Mittelkonsole samt Türbelägen. Außerdem gibt es elektrisch verstellbare Sitze mit Memory dazu – viel voller geht es nun wirklich nicht. Ach ja, ein kleines optisches Merkmal – gar nicht uninteressant – gibt es ausschließlich für den GT: Zwei potent wirkende Endrohr-Blenden. So hat auch der Nachbar etwas davon.