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Flottenmanagement: Herr Krüger, der TÜV Rheinland hat in den letzten 10, 15 Jahren auch ein Dienstleistungsprogramm für Flottenbetreiber sukzessive ausgebaut. Wie begründen Sie dieses stetig zunehmende Engagement, welche Kompetenz bringt der TÜV Rheinland hier ein?

Krüger: Die TÜVs in Deutschland sind alle vor über 130 Jahren entstanden und waren beispielsweise schon im Jahr 1902 maßgeblich an der Gestaltung des Führerscheinerlaubnis- Rechts und ersten Prüfungen damaliger Fahrzeuge beteiligt. Heute leben wir aber längst eine andere Kultur in unseren Dienstleistungsumfängen. Der TÜV Rheinland präsentiert weltweit über 1.000 Dienstleistungen und hält innerhalb der TÜV Rheinland Mobilität über 300 Angebote allein in Deutschland bereit. Daher tritt heute auch ein Flottenbetreiber schon mit einer hohen Erwartungshaltung an uns heran. Und diese gilt es zu befriedigen. Deshalb bieten wir ein hohes Maß an Flexibilität und ständig neue innovative Lösungen für unsere Kunden. Wir sind uns dabei sehr bewusst über unsere Kompetenz und Marktstärke, schließlich liegt unser Bekanntheitsgrad bei 100 Prozent. Ihre weitergehende Frage war, welche Lösungen wir der Zielgruppe Flottenkunden anbieten? Wir haben heute in Deutschland im Pkw-Bereich round about 45.000 Dienstwagen-Flotten mit im Durchschnitt etwa fünf Fahrzeugen. Daher möchten wir als TÜV Rheinland in unserem Markt rund um die Prüfstellen nicht nur nach den großen Flotten mit 10.000 oder 20.000 Dienstwagen schauen, sondern wollen kompetenter Dienstleister für alle Flottenbetreiber sein, auch für die mit fünf Fahrzeugen.

Flottenmanagement: Welche einzelnen Service- Bausteine des TÜV-Programms würden Sie aus welchen Gründen für besonders wichtig erachten?

Krüger: Eine elementare Frage jedes Flottenbetreibers ist: Wer verwaltet meinen Fuhrpark oder einzelne Leistungen? Die Betreiber kleinerer Fuhrparks verwalten sich überwiegend selbst, weil ihnen bislang kein Outsourcing richtig schmackhaft angeboten wurde. Deshalb wenden wir uns einerseits im regionalen Umfeld unserer Prüfstellen an die kleineren Flotten und im bundesweiten Verbund mit unserem Partner EUROMASTER vornehmlich an Flotten, deren Dienstwagen bundesweit verteilt im Markt laufen; es geht also um die 50 oder 100 Fahrzeuge, die nicht regelmäßig auf dem Hof der Firma erscheinen. Hier bietet die TÜV Card Services GmbH, ein Tochterunternehmen des TÜV Rheinland, unter der Dachmarke e-flotte® Themen zur Halterhaftung wie den elektronischen Führerschein-Check an, um die Unternehmen umfassend zu unterstützen und vor Regressen zu schützen. Beispiel: Wird die gesetzlich vorgeschriebene Führerscheinkontrolle nicht fristgerecht und ordnungsgemäß mit entsprechender Dokumentation abgewickelt, drohen dem Halter hohe Geld- oder sogar Gefängnisstrafen.
Ich möchte ebenso auf die UVV-Prüfung (BGV D29-Prüfung/Unfallverhütung) verweisen, die wir strukturiert in einem sauberen Prozess mit absoluter Datenkontrolle entsprechend den aktuellen Bundesdatenschutzgesetz-Vorgaben gewährleisten. Ein Flottenbetreiber sollte deshalb genau darauf achten, bei wem er einen solchen Service einkauft. Der TÜV gewährleistet seit über 130 Jahren Kontinuität und bietet auch heute qualitativ hochwertige Prozessicherheit und Dienstleistungen für seine Kunden an. Ergänzt werden die beiden genannten Angebote mit unserem Fahrzeugsachzustandsbericht und dem TÜV Rücknahme-Protokoll über den technischen Zustand eines Autos sowie ergänzende Services aus einer Hand, wie smart repair, die mit Investitionen von 700 bis 800 Euro statt 2.000 Euro Reparaturkosten einer Flotte eine nachvollziehbare und echte Kostenersparnis bringen!

Wir bieten aber auch so interessante Themen wie Online-Learning als theoretische Unterweisung in ökonomischer Fahrweise an, die durch intensive Schulung die Verhaltensänderung eines Fahrers positiv beeinflusst, eine ökonomische Fahrweise gewährleistet und damit Kosten reduziert. Gern auch ergänzt durch bundesweite Trainings oder in Form eines Incentive- Paketes über unser Fahrsicherheitszentrum am Nürburgring. Das heißt, wir möchten stärker als bisher kompetenter Dienstleister einer Flotte oder eines Fuhrparkbetreibers sein, da wir aus dem Technik-Umfeld kommend naturgemäß schnell eine konkrete und kompetente Problemund Dienstleistungslösung bieten können.

Flottenmanagement: Neuerdings bietet die TÜV Card Services GmbH auch eine Reifen-Versicherung an, wobei hier die Idee an sich schon aufhorchen lässt. Gibt es in Ihrem Hause Statistiken darüber, wie sich die Lebensdauer eines Reifens je nach Laufleistung entwickeln kann, oder wie begründen Sie diesen Vorstoß?

Krüger: In Deutschland gibt es derzeit jährlich ein Verkaufsvolumen von rund 40 Millionen Reifen. Viele Flottenbetreiber haben zwar Kaskoversicherungen abgeschlossen, die aber nicht das generelle Reifen-Risiko abdecken. Erst bei einer Reifen-Schädigung durch Unfall kommt es hier zu einer Erstattung. Wenn er aber aufgeschlitzt oder ein Nagel eingefahren wird, ist er nicht versichert. Bei drei Jahren Leasingdauer muss ein Fuhrparkbetreiber für einen Pkw etwa drei Reifensätze einkalkulieren, das ist eine Investition in Höhe von mindestens rund 1.500 Euro. Im mittleren Management werden schon Reifen gefahren, die 250 oder 300 Euro pro Stück kosten. Bereits ab einer Schadenquote ab 0,8 Prozent lohnt sich die Reifenversicherung immer, da diese kostengünstiger gegenüber einem selbst bezahlten Reifentausch ist.

Das Wertvollste auch im Fuhrpark ist aber sicher der Mensch. Also haben wir überlegt, wie können wir den Firmenwagenfahrer schützen, wenn er sich beispielsweise einen Nagel in den Reifen gefahren hat oder beim Überfahren einer Bordsteinkante der Reifen eine Verletzung davongetragen hat. Dann könnte der Fuhrparkleiter auf die bestehende Reifen-Versicherung verweisen und den Austausch anordnen. Wir ersetzen beschädigte Reifen nach der Rest-Profiltiefe. Je nach Abnutzung bis zu 90 Prozent und maximal 500 Euro je Reifen. Der Reifenversicherungspreis ist dabei einmalig günstig, weil wir jeden Reifen unabhängig vom Kaufpreis je nach Laufzeit bis zu 2 Jahre und mit Mobilität bereits für unter 3 Euro versichern. Das ist bei einem Reifenpreis von beispielsweise 350 Euro ein niedriges Investment in die Sicherheit einer Fahrzeugflotte.

Flottenmanagement: Ist sie in irgendeiner Form abhängig von der jährlichen Laufleistung, wenn nicht, warum spielt das in diesem Zusammenhang keine Rolle?

Krüger: Nein, es gibt Dienstwagenfahrer, die fahren nicht 60.000 Kilometer im Jahr, sondern vielleicht nur 20.000. Deshalb setzen wir einen prozentualen Wert an. Wir messen die Ausgangsprofiltiefe und den Verschleiß, so dass für alle Beteiligten keine Zeitachse, sondern ein ökonomischer Ansatz verwirklicht wird.

Flottenmanagement: 500 Firmenwagen laufen je drei Jahre mit je zwei Sätzen Sommerreifen und einem Satz Winterreifen. Damit würde die Reifen-Versicherung pro Fahrzeug etwa 30 Euro kosten oder 15.000 Euro insgesamt für den Fuhrpark. Für dieses Geld bekäme der Flottenbetreiber aber auch so 60 neue Reifen. Würden Sie 60 Reifenschäden in einem 500 Wagen- Fuhrpark in drei Jahren für möglich halten?

Krüger: Wer viel fährt, hat auf jeden Fall eher damit zu rechnen. 60 Reifenschäden bei 6.000 verbrauchten Reifen in drei Jahren in dem skizzierten Fuhrpark mit 500 Fahrzeugen entsprechen einer Schadensquote von 1 Prozent im Sinn der Aufwandsrechnung. Die tatsächliche Schadensquote ist sicherlich in Abhängigkeit zur Fahrzeugnutzung differenziert zu betrachten, dürfte aber nach Ansicht vieler Fachleute deutlich über 1 Prozent liegen. Gerade eben hat eine große Autoreparatur-Kette mit mehreren hundert Filialen gemeldet, dass an erster Stelle für einen Werkstattaufenthalt Reifenschäden stehen. Ähnliches berichtet unser Partner EUROMASTER. Wenn der Fuhrparkleiter von vornherein wüsste, dass er mit weniger Reifenschäden rechnen könnte, könnte er vielleicht ein Wagnis eingehen. Das möchte im Grunde aber niemand in Betracht ziehen. Die Fahrzeuge müssen stets sicher unterwegs sein. Natürlich kann lange Zeit nichts passieren, aber dann kommen plötzlich 10, 20 Reifenschäden auf einen Schlag.