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Am 30. August 2010 lud der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. zum BME-Thementag „Nachhaltiges Fuhrparkmanagement“ nach Sulzbach im Taunus ein. Dabei ging es nicht nur um Informationen zu dieser Thematik an sich, auch die Diskussion unter den teilnehmenden Fachkollegen stand im Vordergrund. Nach der jüngsten Wirtschafts- und Finanzkrise steuert das Fuhrparkgeschäft tendenziell in die Richtung Ökologie und Ökonomie. Die Umstellung auf eine umweltfreundliche, sparsame und dennoch effiziente Flotte ist eine wichtige Herausforderung für die Fuhrparkverantwortlichen, denn nachhaltiges Denken beschränkt sich nicht nur auf umweltfreundliche Automobile. In gleicher Bedeutsamkeit stehen die geeigneten Rahmenbedingungen für den kostenoptimierten Fuhrpark, gut aufgestellte Partnerschaften mit den Leasingunternehmen, ein optimierter interner Prozess sowie eine anschließende Optimierung des Controllings zur Vermeidung von Kosten, die nicht von vornherein in die Planung involviert sind. Peter Stamm (Leiter Flottenmanagement und Personentransfer bei Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Mitglied des BME-Expertenkreises Fuhrparkmanagement und Redaktionsbeirat Flottenmanagement) moderierte die Veranstaltung. Als chemisch-pharmazeutisches Unternehmen beschäftigt man sich bei Boehringer Ingelheim prinzipiell mit Umwelt-Themen und setzt selbst neue ökologische Trends beziehungsweise umwelteffiziente Innovationen im eigenen Fuhrpark um.

Pasquale Forte, Produktmanagement des ADAC Technikzentrums Landsberg, erläuterte zu Beginn den ADAC Eco-Test als neutrales Bewertungsverfahren und Siegel. Im Kriterienkatalog für einen ökologischen Fuhrpark vereint der ADAC Eco-Test gutes Abschneiden der Fahrzeuge in Bezug auf CO2- und Schadstoffemissionen, die Prüfung der Effizienz von Klimaanlagen sowie die Sauberkeit eines Fahrzeugs außerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Fahrzyklen. Der ADAC bietet in diesem Zusammenhang eine professionelle Beratung für Flottenbetreiber an und betont dabei, dass eine erfolgreiche Reduktion des Kraftstoffverbrauchs eine nicht unbeachtliche Kostensenkung mit sich führt, was ohnehin Grundaspekt einer Green Car Policy sein sollte. Der ADAC Eco-Test darf dabei als Beschaffungsinstrument für den umweltfreundlichen Dienstwagen betrachtet werden, denn er eignet sich für jede Form der Antriebstechnik und zielt auf Fahrzeugklassen aller Art ab. Folglich unterstrich Gerhard Blumberger, Leiter Fuhrpark der RWE Service GmbH in Essen, neben der Reduzierung von Schadstoffen und CO2-Emissionen die Bedeutung der Integration von alternativen Kraftstoffen und die Wahl bedarfsgerechter Fuhrparkfahrzeuge. Mittels Eco-Test des ADAC erfuhr der nachhaltige Umweltgedanke innerhalb des RWE-Konzerns breite Akzeptanz. Die Partnerschaft beim Management des RWE-Fuhrparks – der übrigens eine Größe von rund 10.000 Fahrzeugen mit einer breiten Palette von Kleinwagen bis zur Limousine verzeichnet - mit dem ADAC zeigt, dass die Umstellung auf Vier-Sterne-Fahrzeuge (fünf Sterne sind das Maximum beim ADAC Eco-Test) als wichtiger Beitrag zum Umweltschutz seitens großer Konzerne möglich ist. Die Kooperation beider unterstreicht letztendlich auch eine Signalwirkung nach außen. Dabei wies Herr Forte darauf hin, dass fünf bis zehn Prozent der Fahrzeuge mit einer beliebigen Eco-Bezeichnung, wie sie die Fahrzeughersteller verwenden, oftmals keine umweltfreundlichen Fahrzeuge sind und deshalb beim ADAC Eco-Test den Status eines 4-Sterne-PKWs nicht erreichen können.

Ralf Holtkamp, Geschäftsführer der Firma Carano GmbH in Berlin, referierte zum Thema „Prozesseffizienz bei der Fuhrparkbeschaffung durch IT-Lösungen“ sowie eine „CO2-effiziente Steuerung der Flotte mit Hilfe entsprechend definierter Car Policies“. Durch ein effizientes IT-System könne eine flexible Car Policy mit einer Green Fleet-Strategie entwickelt werden. EASY+, als Beispiel in der Präsentation, ermögliche eine individuelle Fahrzeugkonfiguration und biete Service im Hinblick auf ein optimiertes Einkaufsbudget durch Cherry Picking. Damit seien individuell angepasste Car Policies mit CO2-Steuerung umsetzbar.

Ins Gespräch rückte auch der Flottenmanager als Zentralfigur, denn er steuert Einkauf, Management-Anbindungen, das Controlling selbst und muss mit einer betriebswirtschaftlichen Qualifizierung den Verwaltungsaufwand in seinem Fuhrpark service-orientiert, mit technischem Verständnis und Motivation leiten. Wilfried Hauffen, Manager Purchasing and Supplier Management Germany and EMEA Real Estate Management bei Baxter Deutschland GmbH in Unterschleißheim, sprach dabei die Bedeutung des organisierten Fuhrparkmanagers und die Rolle des Fleet-Service-Providers als strategischer, externer Einkäufer an. Gutes Fuhrparkmanagement zeichne sich demnach durch pro-aktive Steuerung, Eigen-Marketing und die Einbindung aller sinnvollen Ressourcen aus. Die Aufgaben eines externen Fuhrpark- Dienstleisters oder Service-Providers sollten klar definiert sein. Der Fuhrparkverantwortliche sollte in allererster Instanz die wesentliche Kontrollfunktion beibehalten, denn wenn beispielsweise wichtige Daten nicht bei ihm im Backup platziert seien und möglicherweise Differenzen zwischen ihm und dem Service-Provider entstünden, könne dies zum Kontrollverlust und damit zu verheerenden Folgen führen. Erfahrungsgemäß sollte der Fuhrparkmanager stets Herr der eigenen Lage bleiben, um nie den Überblick im eigenen Fuhrpark zu verlieren.

Der BME-Thementag endete mit dem Vortrag zur kostenoptimierten Organisation bei der Rückgabe von Leasingfahrzeugen von Axel Birken, Leiter Flottenmanagement, Eismann Tiefkühl- Heimservice GmbH in Mettmann. Um einen guten Restwert der Fahrzeuge zu erzielen, stünde die Fahrzeugrückgabe unter drei Aspekten: a). die kostenoptimierte Fahrzeugrückgabe an sich, b). eine Kostenbeteiligung der verantwortlichen Fahrzeugführer und c). Smart Repair als qualifizierte, hochwertige Reparatur bei entsprechendem Fahrzeugzustand. Kostenträger sei prinzipiell immer der Leasingnehmer. Da Schäden am Leasingfahrzeug in der Regel durch ein Gutachten taxiert werden, sollte ein Fuhrparkbetreiber mögliche Einsparpotentiale vorzeitig erkennen und umsetzen. Herr Birken kommunizierte insbesondere die Vorzüge des Smart Repairs mit dem Hinweis auf bedachte Auswahl eines fachmännischen Betriebes. Smart Repair könne damit als kostengünstiges Handwerk zur dauerhaften Instandsetzung betrachtet werden. Entscheidend seien dabei die Reparaturqualität sowie die Relationen von Fahrzeugalter und Laufleistungen. Schäden, die über das Ausbeulen ohne Lackierung, kleinere Steinschlagreparaturen bei Frontscheiben sowie minimale Lackschäden und Kratzer hinausgingen, seien allerdings nicht mit Smart Repair zu beseitigen. Der Fuhrparkmanager müsse selbst abwägen, wie groß die Mängel eines zwei bis vier Jahre alten Leasingfahrzeugs seien. Er sollte in der Lage sein, zwischen Kostensenker und Kostentreiber bei der Aufbereitung der abzugebenden Fahrzeuge zu entscheiden.

Es wurde eine Vielfalt an Informationen und Erfahrungen ausgetauscht, und die Diskussionen in den Pausen zeigten, dass nachhaltiges, umweltfreundliches und ökologie-effizientes Denken im Flottengeschäft mittlerweile unerlässlich sind. Durch einen ökonomischen Betrieb sowie eine ökonomische Fahrweise kann der Kraftstoffverbrauch zusätzlich gesenkt werden. Denn: ein sinkender Kraftstoffverbrauch bedeutet auch die Senkung von Kraftstoff- und Betriebskosten, wodurch auch der Verschleiß der Fahrzeuge positiv beeinflusst wird. Im Fazit verdeutlichte der BME-Thementag die Bedeutung folgender Punkte, die letztendlich zum Vorteil der Unternehmen zu forcieren sind: konkret geltende Umweltschutzmaßnahmen im Fuhrpark sowie frühzeitiges und strategisches Denken / Handeln seitens der Fuhrparkverantwortlichen als kostensenkende Mittel.