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Flottenmanagement: Herr Rost, der Fuhrparkmanager hat heute ein diffiziles Leben, Fuhrparkmanagement ist ein halbe Wissenschaft geworden. Längere, kürzere Leasinglaufzeiten, mehr Outsourcing oder mehr Eigenregie mit Unterstützung spezialisierter Dienstleister, Downgrading oder Mitarbeiter-Motivation, grüne Car Policy, Experimente mit Elektroantrieben, Haftungsfragen, Risk-Management – wie soll er da im Hinblick auf Optimierungen die Prioritäten setzen, wie würden Sie ihn beim Sortieren an die Hand nehmen, welche Zielrichtungen würden Sie aktuell nach vorn stellen?

Rost: Es ist aus meiner Sicht – wie Ihre Fragestellung schon zeigt – enorm viel Bewegung in diesen Markt gekommen, schon allein auch dadurch, dass jetzt die Hersteller und Hersteller- Leasinggesellschaften viele Dinge in ihr Service- Portfolio übernehmen, die bisher eine klassische Domäne der herstellerunabhängigen Leasinggesellschaften waren. Ich möchte hier als Beispiel nur die Module ‘Wartung und Reparatur’, ‘Reifenersatz’ oder ‘Versicherungen’ nennen. Hinzu kommt ein immer stärker werdender Marktauftritt der Fleetmanagement-Gesellschaften, die keine eigenen Service-Leistungen erbringen, sondern für den Kunden die einzelnen am Markt erhältlichen Komponenten kostengünstig zu einem Paket zusammenstellen. Damit sind aber die etablierten Full Service-Leasinggesellschaften in eine Wettbewerbssituation geraten, die sie vor zwei, drei Jahren in dieser Form noch gar nicht kannten. Das erleben wir derzeit interessanterweise nur in Deutschland, wo die Hersteller mit ihren Captives traditionell eine starke Stellung einnehmen, in anderen europäischen Ländern ist das längst nicht so ein Thema. Nach einer letzten Studie des VMF-Verbandes stehen aber dennoch bei größeren Fuhrparks mit mehreren Fabrikaten die herstellerunabhängigen Leasinggesellschaften weiter höher im Kurs. Bei den kleineren Fuhrparks dominieren aber heute schon die herstellereigenen Gesellschaften durch die Vielzahl ihrer Fabrikatshändler, die hier viel näher am Kunden sind.

Außerdem lastet ein enormer Kostendruck auf den Fuhrparkmanagern, die weitere Kosteneinsparungen in ihren Fuhrparks vornehmen müssen – ohne, dass darunter Ziele wie Mitarbeitermotivation, Umweltverträglichkeit oder die Qualität der Dienstleistung leiden dürfen. Diese aktuellen Entwicklungen in ihrer Gesamtheit beeinflussen den Fuhrparkmarkt und einzelne Leasinggeschäfte derart stark, dass eine Vorhersage, wohin die Reise letztlich geht, zur Zeit nicht einfach ist. Ich denke, dass momentan das das Hauptproblem der Fuhrparkmanager ist, in welche Richtung sie sich orientieren sollen.

Flottenmanagement: Welche Chancen sehen Sie auf Dauer für die herstellerunabhängigen Leasinggesellschaften?

Rost: Ich denke, dass die Zeiten für herstellerunabhängige Anbieter schon härter werden. Sie müssen sich über höhere Beratungsqualität, einen besseren Service und noch mehr Kundennähe differenzieren. Das kann ich mir aber nicht mehr vorstellen im Segment der Kleinflotten mit 10, 15 oder 20 Fahrzeugen, da hier – wie schon gesagt – verstärkt der Fabrikatshändler vor Ort mit den zum Teil stark subventionierten Angeboten seiner Herstellergesellschaft zum Zuge kommt. Ich stelle inzwischen auch eine Transparenz in diesem Markt fest, die es früher einfach nicht gab. Die ganzen Kalkulations-, Angebotsund Bestellvorgänge sind vielfach automatisiert worden, die Fahrzeuge werden inzwischen auf Online-Plattformen ausgeschrieben, hernach geht es nahezu nur noch um die Konditionen. Es findet schon der Kampf um das einzelne Fahrzeug statt. Auch zeigen sich die Fuhrparkmanager heute viel aufgeklärter, sie nehmen nicht mehr alles einfach klaglos hin. Ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass sich bei großen Unternehmen – in Teilbereichen – wieder ein Trend zu inhouse-Lösungen entwickelt, den ich so nicht erwartet hätte. Vielleicht spielt hier der Kostendruck eine Rolle, der die Denkweise fördert, in Eigenregie könne noch kostengünstiger gefahren werden.

Flottenmanagement: Die fleet innovation GmbH hat mit fleet iD auch bereits ein bedeutenderes Dienstleistungs-Modul, in diesem Fall zur Führerscheinkontrolle, erfolgreich gestartet. Warum haben Sie sich zunächst mit diesem in der Tat neuralgischen Schwachpunkt in der Fuhrpark- Wirklichkeit auseinandergesetzt, wie motivieren Sie die Entstehungsgeschichte?

Rost: Noch in meiner Zeit als Geschäftsführer der Athlon Car Lease kam 2006 das Thema Führerscheinkontrolle langsam im Markt auf. Ich habe mir schon seinerzeit Gedanken darüber gemacht, warum die Prüfung eines Stück Papiers beziehungsweise einer Plastik-Karte ein so komplexer Vorgang über eine neu entwickelte und relativ teure Technik sein musste. Ich bin ein Mensch, der immer versucht, einfache Lösungen zu entwickeln. So betrachtet, war die Führerscheinprüfung in ihren Anfängen geradezu ein Luxus-Artikel. Meine Überlegung war, wie kann sie mit einer simplen, bereits auf dem Markt vorhandenen Technik durchgeführt werden. Ein Besuch beim PS-Team, wo Kfz-Kennzeichen und Briefe mittels Barcodes erfasst werden, förderte die Initialzündung. Die halbe Welt wird heute an den Kassen über Scanner erfasst, also warum nicht auch die Führerscheinkontrolle?

Ich fand in meinem Gesellschafterkollegen, Dr. Martin Nowack, einen kongenialen, technisch sehr versierten Partner, und überlegte, wie wir das umsetzen können. Schließlich entwickelte die Bertelsmann-Tochter topac GmbH für uns nicht kopierfähige Hologramm-Barcodes in einer für Führerscheine praktikablen Größe. Über das Bundesverkehrsministerum holte ich dann eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ein. Auf der Suche nach einem geeigneten Partner für die Abwicklung der Führerscheinkontrolle stießen wir auf große Aufgeschlossenheit seitens der Aral AG. Sie passte ihre Systeme insoweit an, dass der Barcode an jeder Aral-Tankstelle eingelesen werden kann, die Daten in den Zentral-Server bei Aral und von dort auf unser System überspielt werden können. Wir übermitteln sie dann direkt dem jeweiligen Fuhrparkbetreiber zur Feststellung, wer seinen Führerschein hat auslesen lassen. Der Prozess ist kurz und so einfach gestaltet, dass er jederzeit preisgünstig bleibt, ohne dass der Sicherheitsaspekt darunter leidet.

Flottenmanagement: Abgesehen einmal von der Erreichbarkeit der Dienstwagennutzer für den Fuhrparkmanager in einem bundesweit operierenden Fuhrpark – warum ist nach Ihren Erfahrungen die Führerscheinkontrolle so ein großes Thema geworden, woran hängt es denn noch in Einzelfällen, wie einfach wird für den Fuhrparkmanager die Abwicklung über fleet iD?

Rost: Ich denke, hier spielt mit hinein, dass in diesem Land einfach alles gesetzlich geregelt sein muss – ob es nun Sinn macht oder nicht. Das Thema Halterhaftung hat dadurch einfach, mit den verbundenen Konsequenzen – auch unabhängig von der Führerscheinkontrolle -, mehr und mehr an Gewicht gewonnen. Unser Markteintritt hat natürlich auch noch zu einer deutlichen Aktualisierung des Themas beigetragen. Parallel dazu hat Aral eine große Werbekampagne gestartet. Aral stellt unser System seinen Kunden im Rahmen der Aral CardPlus kostenfrei zur Verfügung.

Flottenmanagement: Wie haben Sie in dieses System eingebaut, dass nachher tatsächlich jeder im Fuhrpark den Führerschein vorgelegt hat, welche Signale bekommt der Fuhrparkmanager?

Rost: Jeder Mitarbeiter des jeweiligen Unternehmens ist im System, beispielsweise mit einer Personal- oder Leasingvertrags-Nummer, hinterlegt. Wir benötigen – außer seiner e-Mail Anschrift – keine persönlichen Daten des Firmenwagen- Fahrers. Der Fuhrparkleiter wiederum kann festlegen, in welchem Rhytmus geprüft wird, das findet in der Regel zweimal im Jahr statt, geht aber auch in wesentlich kürzeren Intervallen. Eine erfolgreiche Prüfung ist im System hinterlegt. Vom Tag der angesetzten Führerscheinprüfung an, der dem Fahrer per E-Mail oder SMS mitgeteilt wird, laufen die Fristen zu den nächsten Terminen, die das Unternehmen oder der Fuhrparkleiter festgelegt haben. Lässt der Fahrer den Prüfungstermin ungenutzt verstreichen, erhält er eine Erinnerung. Fruchtet diese auch nichts, erhalten der Vorgesetzte oder der Fuhrparkleiter ein entsprechende Information, um dann selbst einzuschreiten. Das sind quasi die Eskalationsstufen, die verhindern, dass der eine oder andere Firmenwagenfahrer ungeprüft bleibt. Dieses Dienstleistungsmodul kann jedes Unternehmen in Deutschland von uns erhalten. Eine Aral-Tankkarte ist dazu nicht notwendig. Zwar sind unsere wesentlichen Vertriebspartner die Leasing- oder Fuhrparkmanagement-Gesellschaften, es wird auch zunehmend von den Verwendern der Aral CardPlus genutzt, aber hauptsächlich kommen die Fuhrparkbetreiber selbst direkt auf uns zu, denn die Halterhaftung betrifft sie ja in erster Linie. Die Unternehmen warten größtenteils gar nicht darauf, dass sie beispielsweise eine Leasinggesellschaft anspricht.