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Das Thema mit der Gleichheit wird bei den Mazda 6-Dieselmodellen wirklich beherzigt – sämtliche Ausführungen schöpfen ihre Kraft nämlich aus einheitlichen 2,2 Litern Hubraum. Über Parameter wie Ladedruck und Verdichtung steuern die Ingenieure den Output. So reicht die Bandbreite von 129 bis 180 Pferdchen, alles Werte, die den Nachbarn vor wenigen Jahren noch neidisch gemacht hätten. Beim nutzwertorientierten Allrounder kommt es dagegen nicht auf maximale Power an, also dient die 129 PS-Variante in diesem Fall als Gegenstand der Abhandlung. Damit ist der Vierzylinder für heutige Verhältnisse eher gering belastet, was Reminiszenzen an die ursoliden Kammerdiesel anklingen lässt – an eine Zeit demnach, da Turbos noch Prestige-Gefühle auslösten. Die Frage, ob man mit dem Mazda 6-Basis-Selbstzünder klarkommen kann, lässt sich ausschließlich in der Praxis beantworten. Also rein in das Multifunktionsvehikel und Motor starten.

Da ertönen dezente Diesel-Laute, klarer Fall. Nach Erwärmung des Öls allerdings bestimmt hauptsächlich leichtes Schnarren die Maschinen- Akustik. Kultiviert und laufruhig präsentiert sich das Aggregat übrigens ebenso, das man keineswegs hoch drehen muss, um Vortrieb herzustellen. Schon ab 1.500 Umdrehungen beginnt spürbares Drehmoment zu wüten, wenngleich das 340 Nm-Plateau erst ab 1.800 Touren aufgebaut ist und jenseits der 2.600 Rotationen wieder abflacht. Damit ist abgesteckt, wann am besten zu schalten ist. Sechs Übersetzungen stehen obligatorischerweise bereit; und die Box lässt sich durchaus leichtgängig bedienen – dass sportliche Gangart in diesem Umfeld jedoch als unpassend empfunden werden könnte, wird freilich offenbar. Exakt gewählte Anschlussübersetzungen lassen auf eine saubere Abstimmung schließen, die den Einstiegsdiesel in seiner Dynamik unterstützt. Tatsächlich lässt er sich flott bewegen.

Allein Serpentinen-Auffahrten zeigen, dass man nicht in der stärksten Version sitzt. Sonst gibt sich der 95 KW-Brocken antrittsstark wie souverän. Für die vom Werk angegebenen 193 km/h ist natürlich ein etwas längerer Anlauf nötig, dafür zeigt der Tacho dann aber auch 210 Sachen. Und sparsam ist dieser Sechser obendrein: Lediglich 5,9 Liter konsumierte er auf der speziellen Flottenmanagement-Verbrauchsrunde – immerhin ist die Rede von einem satten 1,5-Tonnen-Kombi. Ach ja, dieser darf als Benchmark für Ladevolumen durchgehen: Denn mit einem maximalen Schluckvermögen von 1.751 Litern übertrifft er sogar den Ford Mondeo (allerdings nur um ein paar Literchen), mit dem er sich die Plattform teilt. In puncto Praktikabilität ist er also bestens aufgestellt, zumal die Rückbank beim Umlegen auch ohne weitere Handgriffe eine ebene Fläche bereitstellt. Und wie fühlt sich die menschliche Fracht aufgehoben?

Straffe Stühle bekämpfen schonmal potenzielle Müdigkeit; aber damit allein ist es sicher nicht getan, also bewiesen die Entwickler, dass eine gewisse Drahtigkeit kein Hindernis für kommode Anflüge sein müssen. Lange Strecken sind kein Thema für den Mittelklässler. Außerdem bietet der angenehme Reisebegleiter viel Platz in allen Dimensionen, so können selbst großgewachsene Hinterbänkler gut mal ein paar hundert Kilometer mit bestens gelaunten Mienen im Auto verbringen, ohne dabei heucheln zu müssen. Dabei schauen sie auf einen typischen Mazda-Innenraum, in dem niemals Tasten- Mangel aufkommt. Diesmal aber strukturiert und nicht verstreut, wie man es von japanischen Fahrzeugen eigentlich erwartet hätte. Dafür kann die Betriebsanleitung getrost im Handschuhfach verweilen, schließlich lassen sich alle Funktionen intuitiv erfassen. Für die Klimatisierung gibt es drei große Drehregler – übersehen oder fehlbedienen keine Chance.

Nur das Multifunktionslenkrad beherbergt zur Freude mancher Technikverliebten viele Schalter auf engem Raum – dennoch lassen die sich ohne Probleme beherrschen. Klassische Rundinstrumente besorgen den Tribut an die Übersichtlichkeit, und es gibt auch eine Anzeige für die Wassertemperatur, deren Weglassen bei manchen Herstellern ja schwer in Mode gekommen ist. Unmodisch ist der Kombi aber mitnichten, baggert er vorn mit schneidig gezeichneten Klarglasscheinwerfern und markant ausgeprägten Kotflügeln. Die Sicke in der Flanke lässt den Japaner konturiert-muskulös auftreten, während das Heck eher unauffällig bleibt – ausgefallener Rückleuchtengrafik zum Trotz. Als ausgefallen darf man auch die Aufpreispolitik bezeichnen; so lässt sich beispielsweise ein Navigationssystem nur in Verbindung mit der teuren „Sports-Line” ordern, die wiederum ausschließlich in Kombination mit starken Motoren erhältlich ist.

Dafür bietet die 21.756 Euro netto teure Basis- Version („Prime-Line”) den feinen Luxus, keine Sonderausstattungen ordern zu können – von der 437 Euro kostenden Metalliclackierung mal abgesehen. Schließlich sollen viele Wahlmöglichkeiten ja unglücklich machen. Und mit Klimaanlage, Radio, der vollen Sicherheitsausrüstung inklusive ABS, sechs Airbags und elektronischem Stabilitätsprogramm sowie Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung befindet sich alles an Bord, was das Leben im Mazda angenehmer macht. Nur ein Automatikgetriebe vermisst man – wer den Selbstzünder wählt, muss die Gänge selbst wechseln. Viele Assistenzsysteme machen dieses Defizit wieder wett, vor allem überzeugt die unauffällige, aber trotzdem effektive Arbeitsweise des RVMSystems, das im Falle herannahender Fahrzeuge vor dem Spurwechsel zur Vorsicht mahnt und den toten Winkel so entschärft. Eine kleine, gelbe Kontroll-Leuchte schafft es, den Fahrer zu warnen und nicht zu erschrecken.