PDF DOWNLOAD

Ralph Wuttke, Chefredakteur FlottenmanagementEs wird wieder investiert in Deutschland – auch und gerade in die Fahrzeugflotte. Denn nach endlos scheinenden Nullrunden, Diskussionen über Downsizing, Downgrading und Laufzeitverlängerungen wird wieder in die Zukunft investiert. Dies bestätigt eine aktuelle Umfrage von Dataforce: Demnach plant fast die Hälfte aller Fuhrparkleiter mit Flotten ab 10 Fahrzeugen Neuanschaffungen. Meist handelt es sich zwar um den Austausch von Fahrzeugen, immerhin sieben Prozent der befragten Fuhrparkleiter (n=529) wollen ihre Flotte aber auch vergrößern. Als nachgelagerter Effekt der Krise sind in diesem Jahr Investitionen in den „grünen“ Fuhrpark jedoch eher nicht geplant. Das heißt natürlich nicht, dass der Öko-Faktor keine Rolle mehr spielt: Er soll lediglich kostenneutral zu bekommen sein. Und dafür stehen die Chancen gut.

Denn der Wettlauf der Hersteller um den niedrigsten Kraftstoffverbrauch ist noch immer in vollem Gange. Auch wenn die EUregulierten Normverbräuche in der Praxis kaum zu erreichen sind – die realen Kraftstoffverbräuche sind vor allem in den letzten Jahren parallel ebenfalls gleich literweise zurückgegangen, und ein Ende scheint noch nicht in Sicht: So sinkt beispielsweise der Normverbrauch des Mercedes E250 CDI dank Blue EFFICIENCY dieses Jahr von 6,9 (Vorgängermodell E280 CDI) auf 4,9 Liter / 100 km, und nächstes Jahr gibt es das gleich große Fahrzeug als E300 BlueTEC Hybrid gar mit einem angegebenen Durchschnittsverbrauch von 4,1 Liter. Auch bei Audi senkte sich der Duchschnittsverbrauch des flottenrelevanten Audi Avant 2.0 von 5,8 Liter (2008) über 5,4 Liter (2009) auf heute 4,9 Liter mit dem 2.0 TDIe. In der Kompaktklasse sank beim VW Golf der Verbrauch des mit dem heutigen VW Golf 1.6 TDI BlueMotion vergleichbaren 1.9 TDI Motors von 5,1 Liter (2008) über 4,5 Liter (2009) auf nunmehr bescheidene 3,8 Liter.

Da macht Investieren fast schon richtig Spass, denn die Mehrkosten des Neuwagens werden hier teilweise über den niedrigeren Kraftstoffverbrauch und den dann dank niedriger Betriebskosten höheren Restwert bei der Wiedervermarktung wieder ausgeglichen. Und eine positive Ökobilanz gibt es gratis mit dazu.
Bleibt die Frage: Wer braucht da eigentlich noch die neuen Elektro-Autos? Ganz klar – hier wird an der ferneren Zukunft gearbeitet. Ob und wie schnell sich die „Elektros“ durchsetzen werden, wird wesentlich von den Preismodellen der Anbieter abhängen. Denn derzeit ist kostenneutraler Fortschritt angesagt.

Nur die Regierung wird der Trend zur massiven Kraftstoffersparnis allen Lippenbekenntnissen zum Trotz stören, basiert doch ein guter Teil der Staatsfinanzen auf der Mineralölsteuer. Während der Staat die Steuerbefreiung der relativ wenigen Erdgasfahrzeuge bis 2018 noch gut verschmerzen kann, geht es bei Diesel und Benzin an die Substanz. Da wird eine Mineralölsteuererhöhung, in welcher Form auch immer, sicher nicht mehr lange auf sich warten lassen – und dank gesunkener Durchschnittsverbräuche dann sicher wieder mit dem lustigen Prädikat „aufkommensneutral“ bezeichnet.

Ralph Wuttke, Chefredakteur