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Flottenmanagement: Herr Bartos, Sie sind seit 1. November Mitglied der Geschäftsleitung des Mercedes- Benz Vertriebs Deutschland, verantwortlich für den Vertrieb Mercedes-Benz Cars und in dieser Funktion auch für den Großkundenbereich zuständig. Zuvor waren Sie bereits über 20 Jahre in verschiedenden Funktionen und Regionen im Daimler Vertrieb tätig – zuletzt als Leiter der Mercedes- Benz Niederlassung Wuppertal/Solingen/ Remscheid. Welche grundlegenden Erkenntnisse haben Sie dort im „Flottengeschäft an der Front“ gewonnen, welche Schlussfolgerungen lassen Sie jetzt in Ihre Arbeit in Berlin einfließen?

Bartos: Aus meiner Zeit als Vertriebsverantwortlicher im Retail weiß ich, wie wichtig qualifizierte Flottenverkäufer als Ansprechpartner unserer Kunden sind. Die besondere Stärke unserer Organisation liegt darin, dass diese Experten vor Ort mit unserem zentralen Key Account Management, der Mercedes-Benz Bank sowie dem Daimler Fleet Management eng zusammenarbeiten.

Dieser Schulterschluss von lokalen Experten und zentraler Unterstützung gewährleistet, dass unsere Kunden stets ein maßgeschneidertes und umfassendes Angebot von uns erhalten, das optimal auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Das können spezielle Marketingprogramme für Geschäftskunden sowie – bei größeren Kunden – individuelle Lösungen durch die MBVD Zentrale sein.

Flottenmanagement: Im Jahr 2009 haben nahezu alle Hersteller im Vergleich zum Vorjahr große Verluste im Firmenkunden-Segment eingefahren. Ist Ihrer Auffassung nach jetzt zu Beginn des Jahres eine Trendwende zu erkennen? Wie sehen Sie bei Mercedes-Benz die Chancen für 2010 speziell im Flottengeschäft?

Bartos: Wir sind im Flottengeschäft sowohl bei den Zulassungen als auch beim Auftragseingang positiv in dieses Jahr gestartet. Damit sind wir im Wettbewerbsvergleich sehr gut unterwegs, da der Flottengesamtmarkt im Januar und Februar leider noch einen Rückgang aufweist. Sehr zufrieden sind wir mit der Resonanz auf unsere neue E-Klasse-Familie, die mit der Limousine, dem TModell, dem Coupé und nun auch dem Cabriolet komplett ist.

Flottenmanagement: Mercedes-Benz gehört zu den wenigen Premiummarken. Worin sehen Sie die grundsätzlichen Stärken der Marke? Wäre es infolge der CO2-Debatte denkbar, dass sich auch einmal die Bedeutungen von Premium in Nuancen wandeln könnte, und wenn ja, welche neuen Aspekte könnten in diesen Begriff mit einfließen?

Bartos: Die Marke Mercedes-Benz steht für Faszination, Perfektion und Verantwortung. Wir haben das Auto erfunden und verfügen heute über die besten Voraussetzungen, um die gesamte Bandbreite der Erwartungen an nachhaltige Mobilität von jetzt und morgen zu erfüllen. Perfektion ist eine unserer Grundtugenden, dieser Anspruch gilt besonders hinsichtlich Qualität, Sicherheit und Komfort. Faszination schaffen wir unter anderem in Bereichen wie Design, Sportlichkeit und Motorsport. Genauso wichtig ist die Dimension der Verantwortung: Im Sinn der Nachhaltigkeit bei den Produkten zum Beispiel durch unsere umweltfreundlichen BlueEFFICIENCY Modelle und alternative Antriebsentwicklungen. Mercedes-Benz setzt konsequent die Strategie um, geringeren Verbrauch und weniger Emissionen bei besseren Fahrleistungen zu bieten. Die neue Generation unserer direkteinspritzenden Benzin- und Dieselmotoren zeichnet sich durch außergewöhnliche Leistungsdichte, hohen Antriebskomfort sowie vorbildliches Verbrauchsund Emissionsverhalten aus. Mercedes-Benz Cars ist darüber hinaus schon heute nicht nur beim Thema Hybrid in Europa führend, sondern auch beim Thema Elektroantrieb, und zwar sowohl beim reinen batterieelektrischen Antrieb als auch beim elektrischen Fahren mit Brennstoffzelle. Eine smart electric drive Flotte ist im Rahmen des Projekts „e-mobility Berlin“ schon seit Dezember 2009 in Kundenhand. Die ersten Exemplare der B-Klasse F-Cell mit Brennstoffzellentechnologie werden ebenfalls in diesem Jahr an ausgewählte Kunden ausgeliefert. In diesem Sinn stellen wir gerade entscheidende Weichen für die Zukunft der Mobilität und zeigen schon heute, in welche Richtung sich auch der Premiumbegriff weiterentwickeln wird.

Flottenmanagement: Vom Smart bis hin zum Sprinter deckt die Daimler AG in der Produktpalette alle flottenrelevanten Fahrzeug-Kategorien ab. Vor allem die Mercedes C- und E-Klasse weisen traditionell sehr gute Verkaufszahlen im Flottenmarkt auf. Mit welchen ausschlaggebenden Argumenten überzeugen Sie Ihre Kunden, welche Rückmeldung bekommen Sie von Flottenbetreibern über die wesentlichen Kaufmotive?

Bartos: Wir bekommen die Rückmeldung, dass wir hinsichtlich unserer Fahrzeugprodukte gut aufgestellt sind und man uns zudem aufgrund unserer Dienstleistungs- und Serviceangebote sowie oft langjährig gewachsener Verbindungen vertraut. Unsere Fahrzeuge weisen traditionell die Eigenschaften auf, die Flottenbetreiber schätzen: hohe Sicherheit, Qualität und Wirtschaftlichkeit. Zudem bieten wir attraktive Großkundenkonditionen und Flottenausstattungspakete. Darüber hinaus helfen wir mit individuell zugeschnittenen Beschaffungs- und Fuhrparklösungen, Prozesse unserer Geschäftspartner effizient zu gestalten.

Flottenmanagement: Welche besonderen Komplett- Pakete für Flottenbetreiber, sei es in punkto Ausstattung, in punkto Service oder Finanzdienstleistungen, möchten Sie aktuell hervorheben? In welchen prozentualen Größenordnungen werden die einzelnen Pakete von Ihren Kunden angenommen?

Bartos: Unsere Flottenpakete für die A-, B-, C-, E- und auch für die R-Klasse werden gut angenommen. Die im letzten Jahr neu eingeführten Flottenpakete Plus für die C- und die E-Klasse, die unter anderem Bi-Xenon Scheinwerfer für die C-Klasse sowie COMAND APS und das Fahrassistenz- Paket für die E-Klasse umfassen, sind ebenfalls auf Anhieb auf sehr gute Resonanz gestoßen. Darüber hinaus treffen unsere Full-Service- Leasingangebote auf große Akzeptanz, weil wir mit ihnen absolut bedarfsgerechte Lösungen für unsere Kunden darstellen können. Elementarer Bestandteil sind dabei die attraktiven Komplett- Service-Pakete, die wir seit diesem Jahr auch für die GLK- und die S-Klasse anbieten.

Flottenmanagement: Im Nachgang zur Finanzkrise ist auch wiederholt thematisiert worden, dass aufgrund stetig weiter fallender Restwerte nunmehr auch das Leasingraten-Niveau entsprechend nach oben angepasst werden müsste. Können Sie feststellen, dass sich zwischenzeitlich dadurch auch noch einmal die Anteile Leasing/ Kauf im Flottengeschäft verändert haben? Welche wesentlichen Motive werden Ihnen für den Kauf eines Fuhrparks genannt?

Bartos: Wir sehen keine negativen Auswirkungen auf das Leasingratenniveau, sondern nehmen im Gegenteil eine Stabilisierung wahr. Wir arbeiten hier sowohl mit der Mercedes-Benz Bank als auch mit dem Daimler Fleet Management in enger Partnerschaft zusammen. Darüber hinaus sind auch unsere Fahrzeuge selbst aufgrund ihres Innovationswerts eine stabile Größe, um die Restwerte auch in einem wirtschaftlich schwierigen Marktumfeld zu sichern und teilweise zu steigern. Nach Berechnungen des Saarbrücker Marktforschungsinstituts Bähr & Fess Forecast im Auftrag der Fachzeitschrift „Auto Bild“, sind Mercedes-Benz Fahrzeuge insgesamt die wertbeständigsten. Vier Modelle von Mercedes-Benz haben in ihrem Segment den geringsten Wertverlust und dürfen sich deshalb als „Wertmeister 2010“ bezeichnen: die E-, C-, S- und R-Klasse. Die neue E-Klasse wird zum Beispiel nach den Restwert- Prognosen der Marktforscher als vierjähriges Auto das Fahrzeug mit dem höchsten Wiederverkaufswert aller großen Coupés sein. Der E 250 CDI wird dann noch 55,5 Prozent seines heutigen Neuwertes erzielen.

Flottenmanagement: Im Kontakt mit Fuhrparkentscheidern bekommen wir in letzter Zeit verstärkt zu hören, dass zur Senkung der TCO das Thema Downsizing beziehungsweise Downgrading immer stärker an Bedeutung gewinnt. Wie sind Ihre Erfahrungen bezüglich dieses relativ neuen Trends?

Bartos: Im User Chooser Bereich werden die Flottenentscheidungen vermehrt durch CO2-Grenzen bestimmt. Wir sehen dennoch für uns keinen Trend zu Downsizing, da sich unsere Fahrzeugflotte in jedem Segment durch signifikante Verbesserungen des Kraftstoffverbrauchs und folglich der CO2-Werte auszeichnet. Was diese Reduktionsleistung betrifft, haben wir mittlerweile den Wettbewerb überholt. Wir haben aktuell über 60 BlueEFFICIENCY Modelle im Programm. Und die Entwicklung geht weiter. Nehmen Sie die Neuheiten, die wir auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt haben. Zum Beispiel den E 250 CDI BlueEFFICIENCY, der nur 4,9 statt 5,8 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Sein CO2-Ausstoß reduziert sich damit von 154 auf 129 Gramm pro Kilometer. Maßstäbe in Sachen Effizienz wird auch der E 300 BlueTEC HYBRID setzen, der im nächsten Jahr auf den Markt kommt. Er braucht nur noch 4,1 Liter Kraftstoff pro 100 km. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 109 g/km. Damit sind wir in punkto Wirtschaftlichkeit und CO2- Ausstoß nicht nur vor allen direkten Wettbewerbern, sondern auch vor kleineren Fahrzeugen mit erheblich weniger Leistung. Wir merken deutlich, dass gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten die Leistungsfähigkeit unserer Marke einen besonderen Stellenwert bei anspruchsvollen Kunden haben. So liegt der Marktanteil der E-Klasse Limousine in Deutschland im Vergleichssegment des Gesamtmarktes bei rund 60 Prozent. Auch bei der S-Klasse sind wir Vorreiter und senken den Verbrauch kontinuierlich. Der S 400 HYBRID ist aufgrund seiner Hybrid-Technologie die sparsamste Luxuslimousine mit Ottomotor. Ab 2011 werden wir für unsere S-Klasse einen Hightech- Vierzylinder-Diesel anbieten.

Flottenmanagement: Neben Kostenoptimierung gelangt auch das Thema Umweltbewusstsein und alternative Antriebe bei vielen Firmen mittlerweile verstärkt auf die Agenda. Auch Mercedes-Benz ist hier sehr stark engagiert. In welchen Technologien sehen Sie mittel- und langfristig die besten Perspektiven, welche werden inzwischen von den Flottenbetreibern problemloser angenommen?

Bartos: Die Zukunft sehen wir in Premium-Automobilen, die Verantwortung für die Umwelt und die Faszination von Mercedes-Benz vereinen. Ich denke, unsere Produktpalette zeigt schon heute, dass niedrige Verbrauchs- und CO2-Werte auch mit großen, komfortablen und souverän motorisierten Automobilen erreichbar sind. Diesen Trend werden wir in Zukunft entschieden fortschreiben. Unser Ziel ist es, Benziner so sparsam wie Diesel und Diesel so sauber wie Benziner zu machen. Dafür stehen zum Beispiel unsere BlueEFFICIENCY Modelle. Ein weiterer Schlüssel zu mehr Effizienz und Umweltverträglichkeit liegt in der Elektrifizierung des Antriebs – und zwar nicht erst bei Elektroautos, sondern bereits bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Hybridmodule verschiedener Leistungsstufen und Batterien mit entsprechender Kapazität können mit den volumenstärksten Benzin- und Dieselmotoren von Mercedes kombiniert werden. Wir können im Prinzip alle Varianten des Hybridantriebs realisieren: vom Mildhybriden bis hin zum Vollhybriden, der auch rein elektrisch fährt. Eine weitere Option ist der Plug-in-Hybrid, bei dem die Batterie zwecks Steigerung der „elektrischen“ Reichweite zusätzlich an der Steckdose aufgeladen werden kann. Ein Beispiel dafür, wohin die Reise geht, ist der F 800 Style, den wir auf dem internationalen Automobil-Salon Genf 2010 präsentiert haben. Dieses Forschungsfahrzeug gibt einen umfassenden Ausblick auf die Zukunft des Premium-Automobils. Der F 800 ermöglicht sowohl einen Elektroantrieb mit Brennstoffzelle, der rund 600 Kilometer Reichweite bietet, als auch den Einsatz eines Plug-in-Hybriden, der bei einer Gesamtreichweite von rund 700 Kilometern bis zu 30 Kilometer weit rein elektrisch fahren kann. Damit kann der F 800 Style auch Anforderungen im Überlandverkehr abdecken und schlägt die Brücke zwischen konventionellem Antrieb und batterieelektrischen Fahrzeugen, die sich vor allem für den Einsatz im innerstädtischen Verkehr eignen. Unser Ziel ist es, für jeden Kundenbedarf das passende Fahrzeug anzubieten. Das kann für den Stadtverkehr ein smart electric drive sein, der Pionier auf diesem Gebiet ist und bereits in zweiter Generation gebaut wird. Oder die neue A-Klasse E-CELL, die ebenfalls mit einer hoch effizienten Lithium-Ionen-Batterie ausgerüstet ist. Oder die Mercedes-Benz B-Klasse F-CELL mit Brennstoffzelle und Elektroantrieb. Gerade was Fuhrparkflotten angeht, werden wir künftig noch genauer auf die speziellen Bedürfnisse der Unternehmen eingehen können, um die für sie wirtschaftlichste Lösung darzustellen. In Berlin haben wir bereits im Rahmen von „e-mobility“ erste smart fortwo electric drive Flotten an Kunden wie zum Beispiel Siemens ausgeliefert.

Flottenmanagement: Der Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland hat seinen Sitz in Berlin, befindet sich also auch in unmittelbarer Nachbarschaft zum Regierungsviertel und den angehängten Behörden und Dienststellen. Mercedes Benz Cars ist über den Bereich Sonderfahrzeuge auch auf diese Klientel besonders spezialisiert. Welche Rolle spielt dieses Segment im Mercedes-Flottengeschäft, welchen Anforderungen insgesamt müssen Sie in diesem Bereich entsprechen?

Bartos: Das Kundensegment Oberste Bundesbehörden ist für die Marke Mercedes-Benz von besonderer Bedeutung. Die Mitglieder dieser Kundengruppe stellen für unser Haus wichtige Multiplikatoren und Meinungsbildner dar. Natürlich werden von diesen Kunden auch besondere Anforderungen an unsere Fahrzeuge gestellt. Umweltfreundliche Produkte, ausgestattet mit modernster Technologie wie wir sie anbieten sind absolute Voraussetzung, da die Nutzer eine Vorbildfunktion hinsichtlich Ökologie und Ökonomie verkörpern und so in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden wollen. Somit ist auch bei den Ausschreibungen der öffentlichen Auftraggeber Kompetenz in Sachen Gesamtwirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit gefragt, wobei wir uns immer wieder mit Erfolg dem Wettbewerb mit anderen Premiumanbietern stellen. Auch wenn es besondere Schutzbedürfnisse für diese Kundengruppe zu erfüllen gilt, bieten wir mit unseren Guard-Fahrzeugen gepanzerte Sonderschutzmodelle in verschiedenen Schutzklassen bis hin zum integrierten Höchstschutz an und lassen keine Wünsche offen. Sehr beliebt sind unsere Fahrzeuge übrigens auch bei den angehängten Dienststellen, die Sie in Ihrer Fragestellung erwähnt haben. Denken Sie beispielsweise nur an die Bundespolizei, die in Deutschland nahezu flächendeckend Sondereinsatzfahrzeuge der Marke Mercedes-Benz einsetzt. Noch ein Satz zu den Diplomaten- und Botschaftsfahrzeugen hier in Berlin: Auch diese Kundengruppe hat als Meinungsbildner für unser Haus einen hohen Stellenwert. Die Marke Mercedes-Benz ist bei dieser Klientel seit Jahrzehnten begehrt und steht weltweit für höchstes Prestige. Eine Anerkennung, die uns besonders freut. Dies wird unter anderem auch daran deutlich, dass wir bei den offiziellen Nr. 1 Dienstfahrzeugen der ausländischen Botschafter in Berlin mit Abstand die Marktführerschaft inne haben. Auch hier gewinnt bei den Beschaffungen das Thema Umweltverträglichkeit zunehmend an Bedeutung. Mit unserer Produktpolitik sind wir auch hier für die Zukunft bestens gerüstet.

Flottenmanagement: Herr Bartos, Sie sind jetzt ein halbes Jahr im Amt. Welche Ziele haben Sie im Flottengeschäft für die nächsten zwei, drei Jahre vorgegeben, mit welchen Maßnahmen planen Sie die Umsetzungen, was müsste hier nach realistischer Einschätzung gelingen können?

Bartos: Das Flottengeschäft ist für uns eine stabile Säule unseres Gesamtgeschäfts im deutschen Markt. Ohne hier auf Details eingehen zu wollen, ist unser Ziel klar: Wir wollen in jedem Segment des Flottengeschäfts eine starke Marktposition innehaben.