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Als wir den Audi A8 auf unserem Hof in Empfang nehmen und einen ersten Blick beim Rundgang um das Fahrzeug riskieren, beschleicht uns für einen kurzen Moment das Gefühl, als könnte das Fahrzeug von seinen Ausmaßen noch als A6 durchgehen. Dabei wurde die Ingolstädter Oberklasse-Limousine beim Generationswechsel sogar noch deutlich gestreckt und gehört mit jetzt 5,14 Meter zu den längsten in der Klasse. Die Audi-Designer scheinen dem Motto „Weniger ist mehr“ gefolgt zu sein und könnten vielleicht mit dieser geschickten Unterstatement-Philosophie genau den momentanen Zeitgeist treffen.

Zeitlose Schönheit
Der Wagen wirkt schon aufregend. Vor allem die Frontpartie bietet ansprechende Elemente, wie beispielsweise der neue opulente Singleframe- Kühlgrill, der auch die zukünftigen Audi-Modelle zieren wird oder die neuen auffälligen Voll-LED-Scheinwerfer, die ihn auf Anhieb von jedem anderen Modell unterscheiden. Ab den vorderen Kotflügeln überwiegt dann wieder eher ein konservativer Anspruch im Design. Klare und reduzierte Linien ziehen sich über die Seite zum Heck. Auf flach nach vorne laufende Sicken, die der Karosserie mehr Aggressivität verleihen würden, ist verzichtet worden. Stattdessen wurde besonderer Wert auf Eleganz und einen kompakten Auftritt gelegt, um so ein möglichst zeitloses Äußeres zu schaffen.

Das Platz- und Komfortangebot im Innenraum bis hin zu den sehr bequemen Massage-fähigen Sportsitzen (circa 3.450 Euro netto) setzt Maßstäbe. Die präzise Verarbeitung der Materialien und die Liebe zum Detail, eine wohlgeübte Tugend im Hause Audi, findet hier ihren Höhepunkt. Das klassisch schnörkellose Innenraum- Design wird gekonnt mit modernster Elektronik verknüpft. Das MMI (Multi Media Interface) genannte Bediensystem wurde in vielen Bereichen weiterentwickelt und verfeinert, wobei ein Touchpad, wie vom Laptop bekannt, das neue Highlight darstellt. Mit dem Finger lassen sich hier Buchstaben (auch ausländische) zeichnen, wie den Namen eines Fahrziels, und schon erscheint das Gesuchte in Sekundenschnelle auf dem Bildschirm.

Die verbaute Hightech an Bord ist aber nicht alleine darauf beschränkt: Neuestes Sicherheits- Feature im A8 ist der Nachtsicht-Assistent, der per Wärmebildkamera Menschen selbstständig erkennt und markiert. Taucht eine Person bei Nacht außerhalb der Sichtweite auf, zeigt der Bildschirm (in der Instrumententafel) einen roten Balken an, und es ertönt ein Warnsignal. Zudem bietet Audi bereits bekannte Assistenzsysteme nun auch in der Oberklasse an, wie eine Spurwechsel-Überwachung (toter Winkel), eine Verkehrsschild-Erkennung und einen Tempomat, der automatisch den vorgeschriebenen Abstand zum Vordermann einhält. Trotz all dieser Technik wirkt das Cockpit jedoch äußerst übersichtlich und aufgeräumt.

Ort der Ruhe
In Fahrt gekommen, präsentiert sich die fast zwei Tonnen schwere Limousine als erstaunlich handlich, insbesondere aufgrund der Aluminium- Bauweise. Je nach Belieben und Bedarf des Fahrers stehen im Menü neben der „standard“- Einstellung auch die Fahrprogramme „comfort“ und „dynamic“ zur Verfügung. Entscheidet sich der Fahrer für den dynamischen Modus, reagieren Lenkung und Gaspedal-Einstellung sofort um eine Spur sportlicher. Auch die neue, sehr sanft schaltende Achtgang-Automatik bietet dann eine betont sportliche Charakteristik. Bei Wahl des Komfort-Modus fällt vor allem die Abstimmung von Federung und Dämpfung noch sanfter aus. Normale Bodenwellen und Schlaglöcher werden zwar dank Luftfederung auch in der Standardeinstellung komplett absorbiert, bei „comfort“ schlagen aber selbst tiefere Straßenunebenheiten kaum bis zu den Insassen durch. Eine besondere Eigenschaft des Luftfedersystems ist die Niveauregulierung. Damit kann ein Anheben des Fahrzeuges beispielsweise den Ein- und Ausstieg erleichtern oder zusätzliche Bodenfreiheit gewähren. Zu den elementar wichtigen Kriterien in dieser Klasse gehören auch die Innenraumgeräusche. Der neue A8 ist dabei so gut gedämmt, dass selbst bei höherer Geschwindigkeit nahezu absolute Ruhe im Innenraum herrscht.

Zum Marktstart präsentieren die Ingolstädter einen 4,2 Liter-V8-Benziner mit nunmehr 273 kW (372 PS, Herstellerangabe 9,5 Liter auf 100 Kilometer), die Preise beginnen hier bei 75.042 Euro netto. Den von uns getesteten 4,2 Liter- V8-TDI gibt es ab 76.303 Euro netto mit 258 kW (350 PS, 800 Nm). Laut Herstellerangabe soll er 7,6 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbrauchen. Sehr realistisch, denn auf unserer Testfahrt kamen wir auf einen sehr guten Durchschnittsverbrauch (für die Klasse) von 8,7 Liter. Im Sommer folgt ein Sechszylinder-Diesel mit 184 kW (250 PS, Herstellerangabe 6,6 Liter). Hier soll der Einstiegspreis dann 60.672 Euro netto betragen.

Fazit: Der neue Audi A8 macht etwas her. Die Motoren sind äußerst kräftig, gleichzeitig aber auch für ihre Leistungsklasse relativ sparsam. Der Fahrkomfort ist kaum zu überbieten und die neue Multimediatechnik begeistert. Der Preis für das Gebotene ist mehr als wettbewerbsfähig – der neue A8 ist insgesamt eine sehr gelungene Oberklasse-Limousine.