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Eines vorweg: Die Ereignisse überschlagen sich derzeit, aber selten lassen sich die Fuhrparkentscheider von Medienmeldungen zu einem spontanen Kurswechsel bewegen, schon gar nicht durch noch unausgegorene und nicht von der Regierung beschlossene Sachen wie die aktuellste zum Steuervorteil für Euro 5- und Euro 6-Normen. Deshalb werden wir so schnell auch keine Kehrtwende beobachten können und greifen auf die Umfrageergebnisse der Leasinggesellschaften zurück, die von Mitte Oktober 2008 datieren, also noch vor den jüngsten Regierungsäußerungen. Wir hatten unter anderem gefragt, welche Trends sie in den Fuhrparks beobachten in Bezug auf die Wahl von Euro 5-Fahrzeugen. Hier scheint noch kein gesteigertes Interesse nach genau diesen neuen Normen vorhanden zu sein, allerdings sind die Leasinggesellschaften der Ansicht, dass in drei bis vier Jahren, wenn die Leasingzyklen herum sind, die Euro 4-Norm schon veraltet sein kann und eine schlechtere Vermarktung droht.

Aktuell verzeichnen die Leasinggesellschaften eine verstärkte Nachfrage nach CO2-reduzierten Modellen. Dort sehen sie auch das größte Potenzial der Restwertstabilisierung. Jörg Martin Grünberg, Vorstand der Sixt Leasing AG: „Kurzfristig gesehen ist noch kein relevanter Einfluss der neuen Abgasnorm Euro 5 auf die Fahrzeugrestwerte und somit auf die Ratenstabilität festzustellen. Einen positiven Restwert-Trend erwarten wir jedoch für Fahrzeuge, die bei der Einführung der CO2-orientierten Kfz-Besteuerung bereits die Euro 5-Norm leisten können.” Susanne Grässle von Daimler Fleet Management erwartet, dass spätestens mit der Umstellung der Kfz-Steuer Autos mit Euro 4 steuerliche Nachteile bekommen werden. Somit wird der Absatz der Fahrzeuge mit dieser und niedrigeren Euro-Normen deutlich schwieriger. Eric Wirtz, Director Sales & Customer Service für Materlease Deutschland, prognostiziert: „Fahrzeuge, die die Euro 5-Norm erfüllen, zeichnen sich sicherlich durch eine höhere Ratenstabilität aus. Diese Autos haben mit der besten Schadstoffklasse höhere Restwerte, was sich auf die Kalkulation der Leasingraten auswirkt. In 2009 wird die Zahl der Firmen zunehmen, die den Faktor Abgasnorm in ihre Car Policy aufnehmen.” Bei LeasePlan berücksichtigt man die Euro 5-Norm über eine differenzierte Restwerteinstufung mittels Aufschlag und zukünftig auch über die Kfz-Steuer.

Im Moment fällt die Auswahl bei den Euro 5-fähigen Modellen sowieso noch recht mager aus. Athlon Car Lease beziffert den Anteil der im eigenen Kalkulator angelegten auf etwa 10 Prozent. Das spiegelt in etwa die am Markt erhältlichen flottenrelevanten Modelle wieder. Dies mag auch ein Grund dafür sein, dass die Leasinggesellschaften noch nicht explizit auf die neue Norm hinweisen, wohl aber auf die CO2-Emissionen. Bei diesem Kriterium bieten die Leasinggesellschaften hilfreiche Tools an. Thomas Mitsch, Geschäftsführer DirectLease.de, weist auf die Vergleichsmöglichkeit der Emissionswerte im Online-Kalkulator hin. „Somit wird der Kunde bereits bei der Kalkulation – durch die günstigere Leasingrate – bei seiner Entscheidung für ein abgasarmes Fahrzeug gelenkt.” Ryjan J.R. Rutgers, Geschäftsführer Athlon Car Lease, stellt die vielen Automatisierungsmöglichkeiten in Athlonline heraus: „Fuhrparkleiter können bei der Definition der Car Policy eine Höchstgrenze für den CO2-Ausstoß einrichten, das ist die folgerichtige Weiterführung der bereits seit mehr als vier Jahren angebotenen Funktion zur Begrenzung des Kraftstoffverbrauches.” Solche Begrenzungsmöglichkeit macht Schule bei den Leasinggebern: der neue FleetClient der VRLeasing, ab Januar 2009 in Einsatz, wird dies anbieten und mit einer Suchfunktion nach den Kriterien Abgasnorm, Schadstoffausstoß, Verbrauch aufwarten.

Auch bei Arval kann der Kunde Fahrzeuge mit zu hohen CO2-Werten von der Kalkulation ausschließen lassen. Die ALD geht sogar einen Schritt weiter: „In individuellen TCO-Analysen ermitteln wir für unsere Kunden, ab welcher Laufleistung sich welche Fahrzeuge mit umweltfreundlicher Technik lohnen. Das Online- Kundenreporting „Fleet Information Online” wird um die erforderlichen Emissionsdaten ergänzt. Unser Car Configurator, in den unsere Kunden ihre individuelle Car Policy einbringen können, wird die Möglichkeit anbieten, Emissionsgrenzen für bestimmte Fahrzeugklassen zu definieren”, beschreibt Karsten Röser die Neuerungen. Ludger Reffgen, Geschäftsführer ASL über die hauseigenen Leistungen: „Mit unserem Werkzeug i-Profile können Fuhrparkverantwortliche bereits nach CO2-Ausstoß, Aufbau, Kraftstoffart und mehr selektiert kalkulieren. Diese Fahrzeuge können dann in eine grüne Dienstwagenordnung und in unsere Konfigurationstools zur Einschränkung der wählbaren Fahrzeuge aufgenommen werden. Die Auswahl der Fahrzeuge nach Euro-Norm, Stickoxid- oder CO2-Ausstoß haben wir selbstverständlich im Blick.”

Wie vielfältig die Leasinggesellschaften ihre Ansätze gestalten, dem Fuhrparkentscheider Mittel an die Hand zu geben, um die Vollkostenrechnungen in ihrer Flotte im Rahmen zu halten und die Umwelt zu schonen, zeigt sich auch im CO2-Leasingmodell von VW Leasing. „Wir entwickeln ein mehrstufiges Modell, das dem Kunden einen Langfristnutzen aufzeigt. Abgerundet wird das Modell durch ein Spritspar-Fahrertraining für den Dienstwagennutzer”, erklärt Susanne Lange. LeasePlan hat den eco-Calculator entwickelt, der sowohl für einzelne Fahrzeuge, Fahrzeuggruppen, als auch für den gesamten Fuhrpark die CO2-Emission ausweist und den Fuhrpark in Energieklassen einstuft. Alle Daten sind über verschiedene Zeiträume miteinander vergleichbar. Auf individuelle Lösungen setzt die Deutsche Leasing: Soweit der Kunde bereits eine Car Policy hat, die diese Emissionsdaten verlangt, werden diese Daten dem Kunden individuell zusammengestellt.
Bonus-Malus-Systeme, die CO2-sparsame Fahrzeuge besser stellen und CO2-emissionsreiche Fahrzeuge höher in der Rate stufen, bieten einige Leasinggesellschaften, beispielsweise Hannover Leasing Automotive sowie die Sixt Leasing AG an.
„Da es nur noch knapp 9 Monate sind bis die Euro 5-Norm Pflicht für alle neuen Fahrzeuge wird, sind natürlich alle Hersteller schon weit in der Vorbereitung”, weiß Stefan Cohrs von Hansa Leasing. Auch das wird den Wettbewerb um die Gunst der Flottenkunden weiter voran treiben. Restwerte gelten schließlich als etablierte Größen für die Leasingraten, und auch das wird so schnell niemand umstoßen.