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Im Leasingbereich ist die Beschaffung von Fahrzeugen über die europäischen Grenzen hinaus schon längst ein aktuelles Thema. Ungeachtet aller Probleme, die beispielsweise durch unterschiedliche steuerliche Regelungen oder verschiedene Ausstattungsvarianten der Fahrzeuge bedingt sind, überwiegen hier jedoch die Vorteile. So bietet diese Art der Beschaffung Steuerbarkeit, Planungssicherheit und die Möglichkeit einer europaweit einheitlichen Umsetzung der Car Policy. Was liegt also näher, als dieses Konzept auf den Einkauf von Versicherungen zu übertragen? „Geht das?“ In allen Ländern Europas gibt es beispielsweise Pflichtversicherungen, bei denen teilweise Versicherungsbestätigungen in der Landessprache erbracht werden müssen. Auch gelten unterschiedliche Deckungsumfänge und, analog zum Fahrzeugleasing, unterschiedliche Steuerregelungen. Damit die Realisierung erfolgen kann, müssen also zunächst einige Voraussetzungen erfüllt werden. Grundvoraussetzung ist die Weisungsbefugnis des Mutterhauses an die Auslands-Niederlassung (NL). So ist vorzugeben, bei welcher Gesellschaft, mit welchem Deckungsumfang und zu welcher Prämie die Flotte zu versichern ist. Hier ist ein zentral gesteuertes Fuhrparkmanagement notwendig, zumindest sind die entsprechenden Prozesse (analog Einkauf) zu implementieren. Das heißt: Der zentrale Riskmanager muss die Risiken im Ausland kennen und über ein entsprechendes Kommunikationsnetzwerk verfügen. Durch das internationale Versicherungsprogramm (IVP) lassen sich diese unterschiedlichen Anforderungen zum Angebot aus einer Hand koordinieren. Bevor wir näher auf die Funktionsweise eines internationalen Versicherungsprogramms (IVP) für Flotten eingehen, müssen wir uns mit den sogenannten Softfacts vertraut machen, die für ein IVP genauso zu erfüllen sind wie beim grenzüberschreitenden Leasingeinkauf:

Checkliste Softfacts
Motivation?
- Planungssicherheit
- Transparenz
- Koordination
- Riskmanagement
Umsetzbarkeit
- zentraler Einkauf
- Vorgabe aus Niederlassung im Ausland möglich (zentrale Fuhrparksteuerung)?
- Ansprechpartner in Auslands-Niederlassung
verfügbar?
- Prozesse vorhanden oder einführbar
Nicht nur die Einkaufsmacht steigern

Checkliste Softfacts Motivation? - Planungssicherheit - Transparenz - Koordination - Riskmanagement Umsetzbarkeit - zentraler Einkauf - Vorgabe aus Niederlassung im AusEin weiterer wichtiger Aspekt für ein IVP ist die Motivation. Allerdings ist hier der Faktor höhere Einkaufsmacht mit der alleinigen Zielrichtung, die Preise zu drücken, nicht der richtige Weg. Dadurch würden die weiteren Chancen eines IVP, wie Planungssicherheit, Transparenz, Koordination und Riskmanagement, verschenkt. Diese erfordern auch den Willen zu einer mittelfristigen Zusammenarbeit mit dem Versicherer. Hier darf nicht die Forderung nach dem „best price“ im Vordergrund stehen, sondern nach den besten Prozessen und der Einschätzbarkeit des Vertragspartners in Bezug auf cycle Management. Nicht jede Flotte eigenet sich für den grenzüberschreitenden Einkauf von Versicherungsschutz. Im Sitzland der Muttergesellschaft sollten mindestens 100.000 Euro für die bestehende Deckung bezahlt werden und im Ausland im Schnitt mindestens 50 Fahrzeuge je Land vorhanden sein. Ansonsten lohnt sich der Aufwand im Verhältnis zum erreichten Mehrwert nicht.

Checkliste Hardfacts
- Auswahl eines Vertragspartners mit
internationalem Netzwerk (eigenes
Netzwerk ohne Kooperationspartner
- Ein Ansprechpartner für alle
beteiligten Länder/Probleme
- Lokaler Ansprechpartner im Ausland
für Auslands-Niederlassungen
- Ausreichende Flottengröße?
Homogenität?
- Internationale Reports/Statistiken
verfügbar?
- Angebot Master Cover DIC/DIL
verfügbar
- Angebot Flotten-Riskmanagement
auch im Ausland

Sind diese Voraussetzungen und die Zielsetzung geklärt, gilt es einen geeigneten Vertragspartner für ein IVP zu finden. Hierbei kommen nur international aufgestellte Versicherungsgruppen in Frage, die möglichst mit ihren eigenen Gesellschaften (nicht Kooperationspartnern) in den benötigten Ländern zur Verfügung stehen. Auch sollte es für die lokalen Ansprechpartner der Auslands- Niederlassung Kontaktpersonen geben. Wichtig ist auch ein zentraler Ansprechpartner für die Muttergesellschaft mit allen Kompetenzen zur Vertragsgestaltung wie Prämien, Bedingungen, Statistiken oder Verwaltungsablauf. Von großem Vorteil ist es auch, wenn der Vertragspartner Dienstleistungen im Riskmanagement von Flotten auf internationaler Ebene anbieten kann. Dadurch ist es möglich, Schadenfrequenzen, -quoten, Versicherungskosten und sonstige Fuhrparkkosten zu steuern und damit mittelfristig zu senken. In diesem internen Benchmarking sollte der Mehrwert der Steuerung der gesamten Flotte durch ein IVP bestehen. Doch wie funktioniert nun eigentlich ein IVP für Flotten, wie werden unterschiedliche Deckungssummen und Deckungsinhalte koordiniert?

Fuhrpark Beispiele
Musterkonzern 400 Fahrzeuge in Europa
Muttergesellschaft
in Deutschland 200 Fahrzeuge ->
RahmenV+MC+lok. Vers. für 200 Fzg.
Auslands-NL IT 100 Fahrzeuge -> lokaler Vers.Vertrag in IT
Auslands-NL GB 50 Fahrzeuge -> lokaler Vers.Vertrag in GB
Auslands-NL CZ 50 Fahrzeuge -> lokaler Vers.Vertrag in CZ

Zunächst wird mit dem Mutterhaus/Fuhrparkbetreiber der internationalen Flotte ein Rahmenvertrag vereinbart, der alle Parameter des IVP regelt: Stückpreis je Fahrzeug oder Fahrzeuggruppe, Bedingungen, Umfang der Versicherung versicherter Länder, versicherte Fahrzeuge, Zahlungs- und Verwaltungsmodalitäten. Voraussetzung ist, dass auch ein sogenannter Master Cover (MC) eingerichtet wird, der Unterschiede zu lokalem Versicherungsschutz abdeckt. Dieser wird für die Fahrzeuge der Auslands-Niederlassung benötigt. Grundsätzlich gilt: Jedes Fahrzeug wird in dem Land versichert, in dem es zugelassen ist, damit lokale Gegebenheiten (Steuer, Pflichtversicherung, Sonderabgaben) erfüllt werden.

Parameter für IVP
- Stückpreismodell
- Versicherungsumfang: KH, Kasko
- Sonderbedingungen (GAP), DIC, DIL
- Anzahl und Art der versicherten Fahrzeuge, Fhzg.-Gruppen
- Zahlungs- und Verwaltungsmodalitäten

Der Ausgleich der lokalen Unterschiede und die Angleichung des Versicherungsschutzes an deutsche Gegebenheiten (beispielsweise 100 Millionen Euro Deckungssumme) erfolgt über den deutschen Rahmenvertrag. Inhalte sind DIC (difference in conditions) und DIL (difference in limits) als der sogenannten sleep easy-Deckung. Die DIC gleicht Bedingungsunterschiede und die DIL Unterschiede in den Deckungssummen aus. Die Beitragszahlung erfolgt immer vor Ort in dem jeweiligen Land, damit diese Vorgänge schnell, kostengünstig und in der jeweiligen Landessprache erfolgen können. Dies alles wird durch den zentralen Ansprechpartner des Vertragspartners der Muttergesellschaft koordiniert, reported und verhandelt. Die Vorteile liegen auf der Hand: zentraler Ansprechpartner, lokaler Service, völlige Transparenz und Steuerbarkeit.