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Konkreter gefragt, könnte man darüber nachdenken, warum wir in weiten Teilen der Welt rechts fahren und die mit England (ehemals) verbundenen Staaten links? Gilt dieses in gleicher Weise für die Fußgänger (kann vor unliebsamen Zusammenstößen bewahren)? Warum sitzen wir im Auto links, rechts wäre für den Fahrer beim Aussteigen doch besser, da zum Fahrbahnrand hin? Oder warum ist das Blaulicht blau (wobei natürlich klar ist, dass das „Blaulicht“ immer blau ist, hier jedoch das Licht auf Einsatzfahrzeugen in Deutschland gemeint ist)? Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Jeder hat so seine eigenen Fragen und Probleme, jeden Tag vielleicht. Das sind bestimmt keine existentiellen Fragen, ohne deren Beantwortung man eventuell schlaflose Nächte hat. Aber irgendwie würde es einen schon interessieren. Viele Dinge sieht man erst, wenn man sie weiß. Das wusste der (Karl) Baedeker schon. Einige Streiflichter zu den obigen Fragen sollen hier behandelt werden. Aber alle Antworten können natürlich nicht gegeben werden. Also der Reihe nach und zuerst zum Verkehr selbst. Was gibt es nicht alles an Fakten und Halbwahrheiten, Skurrilitäten und Kuriositäten über die Geschichte unseres Verkehrs. Leider hat sich niemand jemals die Mühe gemacht, diese systematisch zu sammeln und aufzuarbeiten, um daraus auch mehr über das Heute zu erfahren. Ja, es gibt nicht einmal erkennbare Forschung auf diesem Gebiet. Zu den ganz großen Erfindungen der Menschheit wird jeder sofort das Rad rechnen, mit dem wir heute die individuelle Mobilität gewährleisten. Doch wird dabei meist vergessen, dass ohne die dazu gehörige Straße („via strata“ – gepflasterter Weg) das Rad gar nicht zu seiner heutigen Bedeutung hätte gelangen können. Das Problem der frühen Straßen bestand jedoch darin, dass auf ihnen alle Verkehre gleichzeitig abgewickelt wurden, ja sogar Kinder spielten. Die Oberfläche der Straßen war, hauptsächlich durch Pferdefuhrwerke, in einem bedauernswerten Zustand. Während des ersten Weltkriegs vernachlässigt, konnten die Verkehrswege mit der rasanten technischen Entwicklung des Automobils nicht mithalten, waren sie doch damals noch „auf dem Niveau der Lastkarren und napoleonischen Kriegsfahrzeuge“. Unübersichtlichkeit, Unebenheit und Staubentwicklung ließen für die in den zwanziger Jahren immer häufiger anzutreffenden Automobile nur geringe Geschwindigkeiten zu. So ist es verständlich, dass der Ruf nach hochwertigen, sogenannten Nur-Autostraßen immer lauter wurde.

Auf diesen sollten, wie der Name schon andeutet, eben keine Pferdefuhrwerke mehr verkehren dürfen. In diese Zeit fällt im Übrigen auch die Installation der ersten deutschen Ampel, die am 20.10.1924 in Berlin am Potsdamer Platz in Betrieb ging. Die Ampel hat alle Wirren überstanden und ist allen elektronischen Entwicklungen zum Trotz heute noch wie sie damals war. Die erste Autobahn in Deutschland war die A555 zwischen Köln und Bonn, 20 Kilometer nur, aber eine echte Autobahn, die am 6. August 1932 von Konrad Adenauer eröffnet wurde. Die „AVUS“ in Berlin gab es schon weit früher, aber als Autobahn im engeren Sinne ist sie nicht zu sehen. Im Übrigen sind die „Erfinder“ der Autobahn die Italiener, die mit Dr. Piero Puricelli den entscheidenden Protagonisten hatten, der schon 1924 die ersten Autobahnkilometer in Oberitalien in Betrieb nehmen konnte.

Allerdings würden diese nach unseren strengen Regeln heute allenfalls als Bundesstraße durchgehen. Die hochtrabenden Pläne von über 22.000 Kilometern Autobahn in Deutschland sind im Laufe der Zeit deutlich zurückgefahren worden. Zur Zeit sind zwar über 12.000 Kilometer realisiert, aber ein deutlicher Zuwachs ist nicht mehr zu erwarten, zumal der demographische Wandel ja eher ein Schrumpfen der Gesamtbevölkerung in Deutschland erwarten lässt. Und auch die Benzinpreisentwicklung führt zu „vorsichtigerem“ Umgang mit gefahrenen Kilometern. Lediglich im Güterverkehr werden ständig Zuwächse gemeldet und für die Zukunft auch erwartet. In welchem Umfang, wird sich dann zeigen. Interessanter dagegen ist, was sich auf den Fahrbahnen abspielt (und abgespielt hat). Das betrifft den Verkehrsteilnehmer wesentlich unmittelbarer.

So die bereits erwähnte Frage nach rechts oder links. Um ganz ehrlich zu sein: eine letztendlich schlüssige Antwort darauf gibt es (leider) nicht, nur Ansatzpunkte für eine Diskussion. In einer großen deutschen Wochenzeitung wurde einmal die Frage, warum wir rechts fahren, mit dem Hinweis darauf beantwortet, wir seien ein Binnenwasserland. Ist doch klar, oder? Sicherlich würden Ritter mit dem Schild in der linken und dem Schwert in der rechten Hand es vorziehen, rechts an Entgegenkommenden,