PDF DOWNLOAD

Flottenmanagement: Immer mehr Dienstwagenberechtigte fahren SUV, laut Dataforce überschreiten die SUV in deutschen Fuhrparks schon bald die 10%-Marke, aktuell liegen wir bereits bei 7,5 Prozent (siehe Grafik 1). Hat das auch etwas mit den Restwerten zu tun?

Verrelli: Ganz klar ja. Auf Grund der Tatsache, dass die SUV in der Tat eine sehr gute Restwertprognose haben, sind vor allem kompakte SUV einfach günstiger in der Leasingrate. Wenn ich einen Q7 mit der A6- oder A8-Limousine vergleiche, schneidet der Q7 in der Restwertprognose einfach besser ab, allerdings nur mit der Dieselmotorisierung. In Deutschland liegt der Diesel- Anteil bei den großen SUV aus gutem Grund bei über 90 Prozent.

Es gibt allerdings auch viele Car-Policies, die SUV von vornherein ausschließen, da die Gesamtkosten – die TCO – bei SUV doch oft deutlich höher ausfallen, als bei klassischen Kombis oder Limousinen – aber eben nicht immer (siehe Grafik 2).

Flottenmanagement: Wenn Sie die Restwerte von SUV mit denen der klassischen Diesel-Kombis vergleichen – wer ist da nach drei Jahren der Gewinner?

Verrelli: Wenn wir nur die reinen Restwerte vergleichen, dann gewinnen die Audi Q7, BMW X3, Opel Antara, Volvo XC 70 oder XC 90 und auch der VW Touareg klar gegen die vergleichbaren Diesel-Kombis. Allerdings liegen umgekehrt die Restwerte beispielsweise eines Mazda Tribute oder Toyota RAV 4 teilweise deutlich unter denen der vergleichbaren „herkömmlichen“ PKW (siehe Grafik 2). Das Feld zeigt sich also sehr uneinheitlich.

Flottenmanagement: Der Passat Diesel Variant war 2006/2007 das meistverkaufte Flottenfahrzeug überhaupt, und hat dafür ja auch unsere Flottina gewonnen. Wie schneidet der Passat gegen die SUV im Restwertvergleich ab?

Hölzel: Da der Passat im Produktlebenszyklus schon etwas weiter hinten ist, ist er natürlich nicht mehr so stark wie vergleichbare SUV Modelle, wie beispielsweise der X3, der zusätzlich noch eine Ausnahmestellung inne hat. Beim Passat liegt dies aber eher am Produktlebenszyklus – wenn der neue Passat erscheint, wird das sicher wieder anders aussehen.

Verrelli: Allerdings muss man auch kein großer Prophet sein, um vorherzusagen, dass der neue Tiguan sicher auch einen exzellenten Restwert haben wird, der wahrscheinlich auch über dem des Passats liegen wird.

Flottenmanagement: Welche Trends sehen Sie bei der Restwertentwicklung im Bereich SUV der verschiedenen Größenklassen? Was ist an neuen Fahrzeugen zu erwarten, wie wird sich das auf die Restwerte auswirken? Der Trend geht ja laut Dataforce hin zu kompakten SUV (siehe Grafik 3)

Verrelli: Aktuell sehen wir wider Erwarten keine negativen Entwicklungen bei den SUV. Damit meine ich: Keine negativen Entwicklungen, die über den normalen Produktlebenszyklus hinaus gehen. Das nun jeder die Welt retten – Stichwort CO2 – und keiner mehr SUV fahren will, sehen wir nicht. Es erscheinen nun in den nächsten Monaten eine Reihe neuer SUV im kompakten Bereich, die bei den TCO auch deutlich besser als ihre großen Brüder dastehen werden.

Das könnte dazu führen, dass sich die Nachfrage zu den kompakten SUV verschieben und sich das Restwertniveau bei den großen SUV etwas normalisieren wird. Allerdings wird die Nachfrage im Neuwagenbereich auch eher zu den kompakten SUV tendieren, so dass das Angebot im Gebrauchtwagensektor der großen SUV parallel dazu auch abnehmen wird.

Die kompakten SUV werden sicher auch einen Teil der klassischen Diesel-Kombis ablösen, da sie auch unter dem Gesichtspunkt der TCO günstiger oder nur unwesentlich teurer sind. Ein Audi Q7 ist bereits heute in den Gesamtkosten inklusive Kraftstoff in drei Jahren rund 10.000 Euro günstiger als ein A8 mit gleichem Motor!

Flottenmanagement: Ist der Gebrauchtwagenmarkt noch viele Jahre aufnahmefähig, oder sehen Sie schon die Gefahr, dass die Restwerte bei SUV kippen, wenn immer mehr dreijährige Gebrauchte aus Leasingrückläufern auf den Markt drängen?

Verrelli: Nein, das sehen wir eher nicht. Aber durch die CO2-Besteuerung, je nachdem wie diese sich entwickelt, und durch steigende Benzinpreise könnten sich die Restwerte vor allem bei den großen SUV normalisieren. Selbst der Vorgänger des aktuellen X5 erzielt derzeit ja noch Restwerte jenseits von gut und böse, und gebrauchte X5 stehen selten mehr als 2 Wochen beim Händler. Wir reden hier eher von einem Normalisieren der Restwerte als von einem Absinken.

Flottenmanagement: Wie kann der Fuhrparkleiter durch Ausstattungsvorgaben den Restwert der SUV erhöhen? Was sollte hinein, was darf nicht, welche Farben laufen gut, welche Ausstattungen?

Verrelli: Es sollte auf jeden Fall ein Diesel sein. Benziner, wie beispielsweise der Porsche, sind schwer zu verkaufen. Hybrid-Versionen stehen restwerttechnisch sehr gut da, obwohl diese Fahrzeuge im Langstrecken-Einsatz natürlich keinerlei Vorteile bringen. Hybridfahrzeuge haben derzeit eben einen Image-Vorteil.

Bei den Farben würde ich dunkle Metallic-Farben nehmen, Hände weg von Silber! Weiß ist sicher auch eher ein Modetrend, von dem sich schwer sagen lässt, wie Fahrzeuge in dieser Farbe langfristig verkaufbar sind. Bei großen SUV muss Leder, Automatik und Xenon hinein, sowie jedwede verfügbare Einparkhilfe, ob Pieper oder Kamera. Bei den kleineren Kompakten sollte man auf eine Klimaautomatik achten, und auch die kleinen SUV verkaufen sich mit Lederausstattung leichter.

Flottenmanagement: Bei den TCO liegen die SUV doch meist noch ein gutes Stück über den Mittelklasse- Diesel-Kombis, trotz deutlich höherer prozentualer Restwerte. Erwarten Sie, dass sich die Schere hier künftig weiter schließen wird? Wird in den TCO ein 3er BMW gleichauf liegen mit einem X3, ein Audi A4 mit einem Q5, ein VW Passat mit einem Tiguan?

Verrelli: Es wird immer ein bisschen teurer sein, ein SUV zu fahren – schließlich verbraucht auch ein kompaktes SUV mehr Kraftstoff als ein Mittelklasse-Diesel-Kombi und fügt auf Grund des Gewichts im Falle eines Unfalles auch anderen Verkehrsteilnehmer mehr Schaden zu – ein Grund für höhere Versicherungsprämien.

Vieles hängt natürlich von der künftigen Gesetzgebung ab. Wenn die CO2-Besteuerung kommt, oder künftig Gewicht oder Verkehrsfläche steuerlich mit berücksichtigt wird, könnten zukünftig die Restwerte leiden, was zu höheren TCO führt. In Deutschland ist aber eine moderate Besteuerung zu erwarten, da wir ja eine starke Autolobby haben, die uns vor dem Schlimmsten schützt. Nicht zuletzt hängt ja auch jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland von der Automobilindustrie ab. Man darf auch nicht übersehen, wie sauber Autos, gerade die deutschen Autos, schon geworden sind, wenn man die vergleichbare Entwicklung der anderen Industriezweige anschaut. Daher werden vernünftige Politiker sicher auch vernünftige Entscheidungen hinsichtlich des Automobils treffen.

Flottenmanagement: Die durchschnittlichen Kraftstoffverbräuche von SUV liegen deutlich über denen der vergleichbaren Diesel-Kombis. Wird sich das, bei erwartungsgemäß steigenden Kraftstoffkosten, negativ auf die Restwerte der SUV auswirken? Wie sehen Sie die SUV in der damit zusammenhängenden CO2-Diskussion? Wie sehen Sie die Zukunft von Hybrid-SUV – auch im Hinblick auf die Restwerte und TCO?

Verrelli: Momentan sehen wir keinerlei negativen Tendenzen bei Diesel-SUV. Die Kraftstoffkosten werden sicher weiter ansteigen, aber irgendwo wird es eine Grenze geben, wo die erdölproduzierenden Länder einen Einbruch der Verkaufszahlen erwarten müssen.

Hölzel: Nicht absehbar ist auch, inwieweit der Staat mit zusätzlicher Besteuerung weiter eingreifen wird.

Verrelli: Den Zusammenhang große SUV und CO2-Diskussion sehen wir schon, das kann zu Image-Problemen der Fullsize-SUV führen. Das ist sicher ein Grund, warum sich das Interesse in Richtung Kompakt-SUV verschieben wird, nicht zuletzt, weil es jetzt auch zunehmend ein Angebot der Premiumhersteller gibt.

Wir erwarten allerdings auch, dass sich die CO2- Diskussion in den nächsten zwei Jahren versachlichen wird, so dass da die Emotion etwas herausgenommen wird. In SUV ist ein Hybrid- Antrieb sicher gut aufgehoben, da verrückter weise die SUV meist im Stadtverkehr eingesetzt werden – und genau hier entfaltet der Hybridantrieb seine größten Vorteile. Im Langstreckenbereich sehen wir ganz klar weiterhin den Diesel als den wirtschaftlichsten Motor.