PDF DOWNLOAD

Den Begriff „Champions League“ aus der Welt des Sports wählte Moderator Gerrit Reichert, um die Zusammenkunft einiger Experten zwecks Diskussion über das Fuhrparkmanagement zu umschreiben. Der „Talk am Nockherberg“ sollte interessante Informationen und Anregungen bieten.

Zur Podiumsdiskussion in München hatten sich der Leiter Konzerneinkauf Ralph Ruckgaber (IBM, 4.000 Fahrzeuge) sowie die Fuhrparkmanager Thorsten Krumm (Polizei Hamburg, 1.300 Fahrzeuge) und Thorsten Klein (ehemals Innovex) zur Verfügung gestellt. Als Rechtsexperte war Dr. Werner Dory angereist. Weitere Teilnehmer waren Helmut Pätz (Geschäftsführer der Fa. Insight), André Olivier (Leiter Vertrieb Group Fleet International) und Gerhard Künne (Leiter Fleet Service Management VW Leasing).

Organisator der Veranstaltung war die MAHAG Automobilhandel und Service GmbH & Co. KG mit Sitz in München. Das Unternehmen, hier vertreten durch Ingo Hinrichs, erwirtschaftet zwei Drittel seines Gesamtvolumens im Großkundengeschäft und bietet neben dem Mehrmarken-Automobilhandel eine umfangreiche Dienstleistungs-Palette für das Fuhrparkmanagement. Die angereisten Zuhörer, Entscheider und Multiplikatoren, repräsentierten meist kleinere und mittelständische Fuhrparkbetreiber, oder waren in anderer Form in das Thema involviert.

Zu Beginn der engagiert geführten Diskussion wurde dargelegt, dass bei vielen Unternehmen das Fuhrparkmanagement oft ein sekundäres Thema sei. Es herrschte Einigkeit darüber, dass es einen großen Unterschied zwischen reinem Fuhrparkeinkauf und wirklichem Fuhrparkmanagement gebe. Verschiedene Talkgäste verwiesen darauf, dass die Bedeutung des Fuhrparks innerhalb der Firma auch von dessen Größe abhängig sei. 70 Prozent der Fuhrparks bestünden aus weniger als 100 Fahrzeugen. Ralph Ruckgaber hob den Unterschied zwischen Fahrzeugbeschaffung und der Steuerung der Flotte hervor: „Man muss differenzieren zwischen Fuhrparkeinkauf und Fuhrparkmanagement“. Helmut Pätz erinnerte daran, dass viele Angestellte mit ihrer Aufgabe überfordert seien und nicht abschätzen könnten wie vielschichtig ihre Tätigkeit sei: „Fuhrparkmanagement ist einfach eine komplexe und gigantische Aufgabe.“

Viele der Verantwortlichen in den Betrieben seien sich oft gar nicht der Verantwortung bewusst, die sie übernommen hätten. Deshalb sei es wichtig, entweder eine spezielle Ausbildung zu absolvieren, oder sich ständig auf diesem Feld versierter Berater zu bedienen. Thorsten Krumm wies auf die Notwendigkeit einer Zertifizierung in diesem Bereich hin, denn nur ein qualifizierter Fuhrparkmanager sei wirklich den heutigen Anforderungen gewachsen.

Darüber hinaus mahnte die Runde an, dass jeder Fuhrparkmanager sich genau überlegen müsse welche Bereiche er einem auswärtigen Dienstleister übertrage. Dabei würden oft auch Kompetenzen abgegeben, die nicht in fremde Hände gehörten. „Der Kunde wird von allem entfernt, aber er haftet“ warnte Dr. Werner Dory im Hinblick auf Full-Service Leasing.

Ein weiteres Thema der Talkrunde in der Münchener Traditionsgaststätte war die Führerscheinkontrolle. André Olivier betonte die Wichtigkeit der genauen Dokumentation dieser Kontrolle. Ein elektronisches Hilfsmittel könnten dabei RFID-Chips sein, auf denen alle relevanten Führerscheindaten gespeichert sind. Diese Chips von der Größe eines Daumennagels speichern Informationen und senden sie bei Bedarf über kurze Distanzen an ein geeignetes Kontrollgerät. Dort werden sie ausgelesen und, falls nötig, modifiziert. Dr. Werner Dory nannte genaue Zahlen: „Der Führerschein muss mindestens zweimal im Jahr überprüft werden. Und zwar das Original!“

Nachdem kurz von den Talkern erörtert wurde, was alles zum Leistungsspektrum einer Leasinggesellschaft gehört (beispielsweise Tankkarten, Schadensmanagement etc.), wurden auch Bedenken geäußert. Eine Leasinggesellschaft sei nur bedingt in der Lage, die Bedürfnisse und Anforderungen eines Unternehmens zu erkennen. „Eine Leasinggesellschaft soll den Fuhrparkmanager nicht ersetzen, sondern nur ergänzen“, relativierte Gerhard Künne die Vorbehalte.

Anschließend war das Stichwort „Großkundenleistungszentrum“ Gegenstand der Diskussion. Man war sich darüber einig, dass eine Betreuung von Anfang bis Ende mit umfangreichen Services stattfinden müsste. Nur so könne größtmögliche Transparenz und Kostenoptimierung erreicht werden. Um dies zu leisten müsse ein Großkundenleistungszentrum, so André Olivier, „alle Prozesse des Unternehmens kennen“. Es bestehe ein wesentlicher Unterschied zwischen nur ausliefernden Händlern und tatsächlich betreuenden Leistungszentren.

Über das Thema der digitalen Rechnungsstellung fand die Talkrunde zu elektronischen Managementsystemen im Fuhrpark. Thorsten Krumm forderte eine Software, die die Kosten eines Fahrzeugs in „Cent pro Kilometer“ ausrechne, um für größtmögliche Überschaubarkeit zu sorgen, und Thorsten Klein wünschte sich ergänzend auf den Kunden zugeschnittene Programme. Allerdings sei dabei auch eine gewisse Skepsis angebracht. „Viele von Leasinggesellschaften derzeit angebotene Tools sind Nebelkerzen“, warnte Helmut Pätz.