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Eine der beiden großen Fusionen, die zum Jahreswechsel 2006/2007 vor allem die Veränderungen auch in der deutschen Fuhrparkmanagement- Landschaft entscheidend geprägt haben, betraf die Alphabet Fuhrparkmanagement GmbH als hundertprozentige BMW-Tochter in München und die bis dato herstellerunabhängige LHS Leasinggesellschaft Deutschland mbH mit Sitz in Stuttgart. Mit der Übernahme der LHS und DSL Fleetservices durch Alphabet ist das gemeinsame Unternehmen vom Vertragsbestand her nunmehr mit rund 130.000 Einheiten hierzulande unter die Top Drei vorgerückt, im internationalen Geschäft werden jetzt weit mehr als 200.000 Verträge verwaltet.

Zu den Hintergründen der Übernahme erklärte Karl-Heinz Kral, Head of Alphabet, vor Jahresfrist: „Die Akquisition von LHS und DSL Fleetservices unterstreicht die Bedeutung Deutschlands als Kernmarkt für Alphabet. Positiv wirkt sich der Kauf vor allem auf die Betreuung der Kunden aus. Insbesondere wird durch den Erwerb der DSL Fleetservice das Leistungsangebot im Bereich Fuhrparkmanagement weiter ausgebaut. Gemeinsam wollen wir die Beziehungen zu unseren Bestandskunden stärken und in Deutschland sowie auf internationaler Ebene neue Kunden gewinnen.“

Nun ist die wohlgemeinte Absicht sicher das eine, der Prozess des Zusammenwachsens zweier Unternehmen mit verschiedenartigem Charakter und unterschiedlichen Strukturen sowie die Umsetzung bis in die Details aber sicher ein anderes (weites) Feld. Denn im Gegensatz zur zweiten Fusion von zwei herstellerunabhängigen Gesellschaften müssen sich im Falle Alphabet, LHS und DSL Fleetservices herstellerabhängige und herstellerunabhängige Unternehmen miteinander neu ausrichten. Es sei an dieser Stelle aber auch darauf verwiesen, dass der Unternehmenszweck der Alphabet Fuhrparkmanagement GmbH schon bei ihrer Gründung 1997 erklärtermaßen die markenübergreifende Fuhrparkmanagement-Dienstleistung war.

Am Rande der IAA hatte Flottenmanagement die Gelegenheit, sich mit Spitzenvertretern der Fusionspartner über den Umsetzungs-Prozess und die Ziele des neuen Fuhrparkmanagement- Giganten zu unterhalten. Karl-Heinz Kral, Head of Alphabet, Emil-Karl Saenze, Leiter Vertrieb Deutschland bei Alphabet, und Wolfram Uhlmann, Geschäftsführer der LHS Leasing, stellten sich den Fragen.

Flottenmanagement: Wie motivieren Sie seitens der Alphabet Fuhrparkmanagement GmbH die Übernahme der zuvor herstellerunabhängigen Unternehmen LHS Leasing und DSL Fleetservices?

Kral: Der stetig wachsende Drang zu weiteren Globalisierungen fördert auf Seiten der Flottenbetreiber mittelfristig auch stetig wachsende Anforderungen nach länderübergreifenden Harmonisierungen und Effizienz-Steigerungen im Fuhrparkmanagement. Wir denken, dass auch bei diesem Thema die Zeiten nationaler Stilblüten endgültig vorbei sind. Um die künftigen Anforderungen optimal bedienen zu können, müssen sich also auch die Fuhrparkmanagement- Dienstleister entsprechend aufstellen. Das heißt in letzter Konsequenz, sie müssen ihre innere Effizienz weiter erhöhen. Dazu gehört nicht zuletzt aber auch eine gewisse Eroberungsfähigkeit gegenüber dem Wettbewerb. Wir haben festgestellt, dass sich LHS und DSL Fleetservices im gleichen Marktsegment mit ähnlichen Produkten bewegen und uns zur Integration dieser Unternehmen entschlossen, um die Stärken zu bündeln mit dem klaren Ziel, für die Kunden die erste Adresse im Fuhrparkamanagement- Markt zu werden.

Flottenmanagement: Alphabet ist hundertprozentige BMW-Tochter, die LHS ist ein anerkannt herstellerunabhängiges Unternehmen, für das die Wahrung strikter Neutralität in der Beratung des Kunden ein heeres Gebot war. Zwar ist auch bei Alphabet das markenübergreifende Fuhrparkmanagement erklärter Unternehmenszweck seit der Gründung 1997, dennoch trägt diese Fusion doch zumindest den Charakter eines auffälligen Ansatzes mit einem gewissen Aha-Effekt, scheint sie doch in der Tendenz das herstellerabhängige Lager zu stärken. Wie sehen Sie das?

Saenze: Ich denke, wir müssen hier verschiedene Aspekte sauber sortieren. Eine Herstellerzugehörigkeit bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich keine Beratungs-Neutralität darstellen ließe. Der Kunde fordert aber gerade diese Beratungs-Neutralität im Hinblick auf die Optimierung seines Fuhrparkmanagements als eine Dienstleistung, die wieder ein Produkt für sich und natürlich auch ein Alphabet-Produkt ist. Das hat zunächst einmal nichts mit BMW-Fahrzeugen zu tun. Wir sind auch nicht so blauäugig, dass wir glauben würden, ein eingefleischter Audi- oder Mercedes-Fahrer würde morgen BMW fahren. Vielmehr geht es doch darum, ob die vermeintliche Marken-Neutralität oder Herstellerunabhängigkeit letztlich auch ein wirtschaftlicher Vorteil für den Fuhrparkkunden ist.

Kral: Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Dienstleistung Fuhrparkmanagement markenübergreifend sein muss. Ohnehin orientiert sich die Zusammensetzung eines Fuhrparks zuallererst am Unternehmenszweck und lässt sich äußerst selten mit einer Marke darstellen. Andererseits sind viele Leasinggesellschaften in Autohäusern gegründet worden, eine echte Herstellerunabhängigkeit gibt es also kaum. Hinzu kommt, dass global gesehen gegenwärtig der Trend zu beobachten ist, dass sich die Banken aus diesem Geschäft zurückziehen. Das Fuhrparkmanagement-Geschäft passt auch von seinem Charakter her schon sehr gut, um nicht zu sagen, viel besser zu den Automobilherstellern. Schließlich wird der Premium-Anspruch, der mit BMW verbunden wird, auch mit Alphabet verbunden und kann vom Kunden eingefordert werden.

Flottenmanagement: Mit welchen Anforderungen tritt heute der Flottenbetreiber an seinen Dienstleister heran, welchen Herausforderungen im Fuhrparkmanagement müssen Sie sich stellen?

Uhlmann: In den Unternehmen dominiert, im besonderen auch im Hinblick auf den Fuhrpark, der Kostendruck. Gerade bei Mittelständlern, einer hochinteressanten Zielgruppe, ist vielfach weder die Präsenz, noch die Transparenz vorhanden, Fuhrparkdaten und –kosten zwecks Optimierung und Harmonisierung des Fuhrparkmanagements zielführend erfassen zu kön- Wolfram Uhlmann, Geschäftsführer der LHS: „Wenn sich der Kunde für einen Dienstleister entscheidet, möchte er in erster Linie Transparenz geboten bekommen, die er in eigener Regie nicht leisten kann“ nen. National agierende Unternehmen haben sich zwar häufig regelrechte Apparate aufgebaut, können aber die Frage, was sie erreichen wollen, mehr Informationen, mehr Entlastung, genauere Steuerung, im Grunde nicht wirklich beantworten. Wenn sich der Kunde für einen Dienstleister entscheidet, möchte er in erster Linie Transparenz geboten bekommen, die er in eigener Regie nicht leisten kann.

Saenze: Der Kunde wünscht sich Leistungen, die einen Effekt erzielen. Mit Augenmerk ist bei großen Flottenbetreibern die Neigung zu beobachten, Prozesse möglichst zu standardisieren, wo immer es geht. Bei mittleren und kleineren Fuhrparkkunden stehen maßgeschneiderte Konzepte und individuelle Betreuung stark im Vordergrund. Es stellt eine echte Herausforderung dar, standardisierte Paketlösungen in den Prozessen dann zu individualisieren.

Flottenmanagement: Welche Ziele haben Sie sich für die Ausrichtung des Gemeinschaftsunternehmens für die nächste Zukunft gesetzt?

Kral: Den Markterfordernissen folgend streben wir eine vollkommen dezentrale Ausrichtung auch in den Prozessen mit größerer Kundennähe an. Intern wollen wir als Mannschaft zu einem Team zusammenwachsen, Argumente zusammentragen und die folgerichtigen Entscheidungen treffen. Systementwicklungen werden etwas länger dauern, hier müssen wir noch den einen oder anderen Schritt tun. Das wollen wir aber nach drinnen und nach draußen mit Offenheit angehen und die Mitarbeiter und Kunden dabei mitnehmen.