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Flottenmanagement: In welcher Situation befindet sich aktuell das Taxigewerbe in Deutschland?

Kristan: Das Taxigewerbe in Deutschland befindet sich in der schwierigsten Situation seit Kriegsende. Es kursiert gegenwärtig gar der Spruch, wenn die Wirtschaft hustet, hat das Taxigewerbe Lungenentzündung. Im Moment kommt vieles zusammen. Einmal hat die wachsende Mobilität in Deutschland, viele Haushalte setzen ja schon zwei Autos ein, das Fahrgastaufkommen über die letzten 35 Jahre stetig verringert. Zweitens wurde der ÖPNV durch immer stärkere Subventionen attraktiver gemacht. Hinzu kommt die Wirtschaftsflaute seit dem Mauerfall 1990, den Rest besorgte die Umstellung auf den Euro Anfang 2002. Einige Momentaufnahmen: In Leipzig sind beispielsweise doppelt so viele Taxen wie zu DDR-Zeiten unterwegs für nur noch ein Drittel des Fahrgastaufkommens, in Suttgart wird immer noch zu den Preisen von 2000 gefahren, obwohl sich die Fixkosten und varibalen Kosten seither um 20 bis 30 Prozent erhöht und die Treibstoffkosten gar verdoppelt haben. Taxifahren ist nämlich so billig wie noch nie. Nicht zuletzt muss das Taxigewerbe immer noch nach einem gesetzlichen Ordnungs-Rahmen von 1961 fahren, der heute zusätzlich unnötige Kosten produziert. Andernorts hat sich die Welt auch innerhalb der letzten 45 Jahre verändert. Der Kostendruck ist so hoch geworden, dass vielerorts, wie beispielsweise in Berlin und Hamburg, dass Durchschnittsalter der Fahrzeuge auf bis zu acht Jahre gestiegen ist.

Flottenmanagement: Welche besonderen Anliegen haben die Taxi-Unternehmer in dieser Situation an die Fahrzeughersteller, was ist Ihnen bei der Anschaffung der Fahrzeuge besonders wichtig?

Kristan: Das Preis-/Leistungsverhältnis muss mehr denn je stimmen. Für lange Zeit galten die ersten 200.000 Kilometer im Taxibereich als reine Einfahr-Phase, ausser Öl- und Bremsbelagwechsel fiel ja nichts an. 400.000 Kilometer müssen locker gefahren werden können, das ist die Mindestanforderung an das Material. Darüber hinaus fordern die Taxi-Unternehmer einen optimalen Service. Das Fahrzeug muss grundsätzlich sehr wartungsfreundlich sein, die Ersatzteil-Lieferungen dürfen nicht mehr als drei Tage in Anspruch nehmen. In der Werkstatt muss einfach gelten: Fahrzeug ohne Wartezeiten auf die Hebebühne und sofort fertig stellen!

Flottenmanagement: An beinahe jedem Taxi-Stand ist erkennbar, dass die Fahrzeug-Marken-Vielfalt im Taxigewerbe deutlich gewachsen ist. Wie setzt sich aus Sicht des Taxiverbandes aktuell der Fahrzeug-Markt zusammen, welche Hersteller sind hier besonders im Kommen, wie begründen Sie das?

Kristan: Ich denke, dass Mercedes hier in den vergangenen acht bis zehn Jahren ein wenig den Kontakt zur Basis verloren hat. Ich gewinne vielmehr den Eindruck, dass sich Mercedes in dieser Branche gegenwärtig mehr mit den Funktionären als mit den Taxi-Unternehmern befasst. Eine Weile lang hatten Mercedes-Fahrer auch häufiger mit Elektronikproblemen zu kämpfen, die sie selbst nicht beheben konnten. Auch ließen sich nicht einmal mehr ganz einfache Wartungsarbeiten selbst ausführen, es war immer ein Werkstattaufenthalt nötig. So etwas geht dem einzelnen Taxi-Unternehmer gewaltig auf die Nerven. Ein Taxi, das steht, bringt nichts ein. Plötzlich stellt er fest, dass auch andere gute Autos bauen können. In dieser Phase hat vor allem auch Volkswagen durch mehr Kundennähe gewonnen. Schließlich ist dann noch einmal aufgefallen, dass die Japaner in der Pannen- Statistik immer wieder mit vorn waren. Ich bin aber sicher, dass Mercedes, das im Taxi-Segment nach wie vor mit dem Löwenanteil vertreten ist, verlorenes Terrain zurückerobern kann, wenn es mit dem Gewerbe wirtschaftlich wieder aufwärts geht.

Flottenmanagement: Traditionell wird das Taxi-Fahrzeug überwiegend gekauft. Auf welche durchschnittlichen Laufzeiten und -leistungen kommt ein Taxi gegenwärtig, können Sie feststellen, dass Leasing als Finanzierungsform zunimmt, wenn ja, in welchen Fällen?

Kristan: Auf Grund der hohen jährlichen Laufleistungen von etwa 50.000 bis 70.000 km im städtischen, 100.000 km und mehr im ländlichen Bereich sowie in Einzelfällen bis zu 180.000 km im Flughafen-Transfer und dem damit verbundenen Restwerteverfall ist Leasing als Finanzierungsform nach wie vor uninteressant.

Flottenmanagement: Wie stellen sich die Taxi-Unternehmer zu alternativen Antrieben wie Erdgas und Hybrid?

Kristan: Wenn die Steuerermäßigung bleibt, werden Erdgasfahrzeuge weiter im Kommen bleiben. Insbesondere hat hier der Opel Zafira CNG im Taxi-Segment Marktanteile gewonnen. Hybrid-Fahrzeuge hingegen kommen nicht so gut an, weil die prognostizierten, sehr günstigen Verbrauchswerte vor allem über Land, wo es kaum zu Motorabschaltungen kommt, nicht erreicht werden.

Flottenmanagement: Wie ist es um die Ausrüstung mit Navigationsgeräten bestellt, können hier bereits Sonderkonditionen der Fahrzeughersteller genutzt werden, inwieweit kommen bereits die preisgünstigeren, mobilen Navigationsgeräte zum Zuge, was empfiehlt der Verband?

Kristan: Grundsätzlich müssen wir hier weiter von den Fahrern ein hohes Maß an Ortskenntnissen fordern. Navigationsgeräte, die schließlich auch einmal ausfallen können, können nur eine zusätzliche Hilfe sein. Letztlich wird kaum ein Fahrer jede entlegene Seitenstraße kennen. Soweit ich das beobachte, kommen preisgünstige, mobile Navis verstärkt zum Einsatz.