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„Die Autostadt ist die Plattform, mit der sich der Volkswagen-Konzern als global handelnder Mehrmarkenkonzern präsentiert. Sie ist nicht nur ein Erlebnis- und Kompetenzzentrum für Automobilität, sondern auch ein Motor für einen lebendigen Austausch zwischen Unternehmen und Gesellschaft.“

Dieser Aussage des Volkswagen AG-Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder, vor allem dem Aspekt „Austausch“ folgend traf sich der Flottenmanagment- Redaktionsbeirat nunmehr zum fünften Mal, und diesmal war die Teilnehmerzahl schlichtweg rekordverdächtig: der Termin in der Hochburg des deutschen Flottengeschäfts, der Autostadt Wolfsburg, lockte zehn Fuhrparkleiter. Auch Dr. Stefan Brungs, Geschäftsführer der mit-gastgebenden Volkswagen Group Fleet International, nutzte die Gelegenheit, im Namen seiner Mitarbeiter die Delegation zu begrüßen und für ihr Engagement zu danken. Denn die Zahlen, die sich auch in den Flotten der Teilnehmer mindestens spiegeln, sprechen für sich: Der Konzern kann sich aktuell über eine Beteiligung von 44 Prozent in den deutschen Fuhrparks freuen.

Neben aktivem Erleben der Autostadt inklusive der VW-Technik auf einer beeindruckenden Geländefahrt im Touareg stand die Fuhrpark-Praxis im Mittelpunkt des zweitägigen Events, die auch außerhalb der Tagung zu angeregten Diskussionen führte. Die neuen Mitglieder Hans-Joachim Schwandt, TUI (1.400 Fahrzeuge), Dieter Prohaska, adidas (500 Fahrzeuge), und Peter Stamm als Nachfolger des in Ruhestand getretenen Thomas Huckle von Boehringer Ingelheim (1.400 Fahrzeuge) konnten sich sofort bereichernd einfügen. Aus wichtigen Themenblöcke möchten wir auszugsweise Ergebnisse und Ansichten mitteilen.

Car Policy
Eine der wesentlichen Fuhrparkvoraussetzungen stellt die Car Policy dar, die maßgeblich die Marken und Modellverteilung innerhalb des Fuhrparks bestimmt. Wir wollten wissen, welche Faktoren Änderungen bedingen. Hans-Joachim Schwandt, TUI: „Zum einen beeinflusst der Personalvorstand die Modellvorgabe, zum anderen liegt der Status Quo in der Vergangenheit verwurzelt. Doch auch Wechsel in der Car Policy werden vornehmlich vom Vorstand auf den Weg gebracht, beispielsweise SUVs, welche mit dem Firmenimage harmonieren, nämlich Lebensfreude und Abenteuerlust symbolisieren. Wir fahren hauptsächlich deutsche Fabrikate, denn hier spielt die Verknüpfung unserer Geschäfte eine Rolle. Hinzu kommt, dass die Stellschraube Restwert bei den deutschen Modellen günstig steht.“ Jener Restwert begründet auch die Fahrzeug-Wahl bei Peter Stamm: „Der Gebrauchtwagenmarkt akzeptiert die Marken VW und Audi sehr gut.“ Doch sieht er den rationellen Einfluss des Fuhrparkmanagers als nicht unerheblich, da Fahrzeugentscheidungen überwiegend aus dem Bauch getroffen werden, den Benchmark setzen schließlich Mitarbeiter und Vorstand bzw. Geschäftsführung. „Außerdem sollte kein Schwerpunkt gesetzt sein, denn dieser bedeutet Abhängigkeit“, so Stamm.

Als Fuhrparkleiter von Bosch ist Peter Pfister durch die unternehmerische Nähe zu den Herstellern in der Situation, alle Marken im Fuhrpark zu verwalten. Auch Claus-Peter Gotta von Lafarge Roofing mit französischer Muttergesellschaft greift auf eine nicht-markenbezogene Car Policy zurück, doch „trotzdem werden wenig Importeure gewählt.“

Stephan Faut ist als Vertretung von Bernhard Frie für die Firma apetito erschienen: „Wir haben vor einem Jahr die freie Fahrzeugwahl eingeschränkt und schreiben gewisse Fahrzeugkategorien vor, hierdurch werden nun deutlich mehr VW Passat und Audi A4 bestellt. D.h. die Fahrzeugmodelle entwickeln sich zu Volumenfahrzeugen.“ Hans-Joachim Schwandt stellt fest, dass eine Budgetvorgabe (Vollkosten einbezogen) mittels eines Referenzfahrzeugs größere Motivation erzeugt, weil die Fahrer mehr Freiheit zur Gestaltung haben. „Tendenziell wird eher ein Modell niedriger gewählt, dies betrifft auch die Motorleistung.“ Solches beobachtet auch Christian Scholz bei den Fahrzeugen der Klöpferholz GmbH.

An Ausstattungsvorgaben bestehen bei Bernd Wickel, ARZ Haan, Navigationsgerät, Klimaanlage, Nebelscheinwerfer, wenn möglich in Paketen zur Restwerthebung, andere Firmen schreiben Einparkhilfen vor. Was die individuelle Ausstattung angeht, erlauben die meisten Car Policies nur das, was laut Preisliste bestellbar ist. Der Fahrer bei Klöpferholz kann bei Navigationsgeräten wählen, zwei mobile Geräte stehen neben Festeinbauten zur Disposition. „In Berlin untersagen wir Festeinbauten wegen der Diebstahlgefahr. Für die mobilen Geräte sind die Fahrer verantwortlich“, berichtet Scholz.

Kraftstoffpreise
Das rote Tuch schlechthin: „Schon im Jahr 2005 sind die Kraftstoffkosten im Unternehmen Boehringer Ingelheim um einen zweistelligen Prozentbetrag gestiegen, die Berechnungen für dieses Jahr stehen noch aus. Das Interesse an Erdgasfahrzeugen besteht auf jeden Fall, nur mit der Umsetzung hapert es (Infrastruktur der Tankstellen vor Ort), klagt Peter Stamm und will die aktuelle Kostensituation nicht mehr hinnehmen. Kritisch beäugt er auch den Trend zu immer stärkeren Motorisierungen im Herstellerangebot.

Burkhardt Langen von Computacenter ist da schon mehrere Schritte weiter (FM berichtete) und kann Herrn Schwandts Argument der schwachen Restwerte bei Erdgasfahrzeugen entkräften. Aus eigenen Bemühungen um 20 Erdgasfahrzeuge für seinen Fuhrpark weiß er, dass gerade in den letzten Wochen die Restwerte des Touran EcoFuel gestiegen sind und mittlerweile ähnliche Leasingraten möglich sind, wie für den Golf Variant beziehungsweise den Ford Focus Turnier, die beide mit Dieselantrieb im Computacenter-Fuhrpark fahren. „Meine Errechnungen ergeben Kosteneinsparungen auf Kraftstoffseite von 10 bis 15 Prozent, durch die Zuschüsse der Gasversorger wird der Touran um 50 Euro günstiger als die genannten Servicefahrzeuge.“

Auch Claus-Peter Gotta operiert seit zwei Jahren mit Erdgasmodellen: „Ich will jetzt ökologisch und ökonomisch das versuchen, was machbar ist, das sehe ich als meinen Beitrag. Mittlerweile verzeichne ich 2.000 bis 2.500 Euro Einsparungen pro Fahrzeug über die Laufzeit.“ Hans-Joachim Schwandt sieht in der Erdgas-Thematik neben Umwelt- und Ökonomieaspekten auch den Marketing-Ansatz. „Das Unternehmen TUI setzt gerne Nachhaltigkeitszeichen, so haben wir bereits Solarzellen für unseren Haupteingang installiert und könnten auch mit Erdgas-Fahrzeugen vorbildlich auftreten.“

Wege zur Kraftstoffeinsparung bieten in einigen Unternehmen die Betriebstankstellen, teils, weil Fahrzeuge eingesetzt werden, die nicht für den öffentlichen Verkehr zugelassen sind wie bei Boehringer und Bosch. Laut Sven Schulze, Dahme - Nuthe Wasser-Abwasserbetriebsgesellschaft mbH, lohnen sich bei ihm die Betriebstankstellen schon bei geringen Mengen. Die Krafststoffpreise sind börsenabhängig, deshalb muss man sie regelmässig beobachten. Peter Pfister weiß, dass der Abgabepreis je Liter an den Bosch-eigenen Tankstellen 1,9 Cent unter den Preisen der externen Markentankstellen liegt, die Tankkarten können ohne Einschränkungen eingesetzt werden. „Aber die gesetzlichen Auflagen werden immer strenger.“

Management
Der Aspekt Schadenmanagement provozierte einen angeregten Austausch, vor allem unter dem Aspekt „eine gute Unfallabwicklung erspart eine Menge Geld“. Bei Hans-Joachim Schwandt umfasst das Thema Schadenmanagement in der Ausschreibung vier Seiten, das symbolisiert den Wert, den das Fuhrparkmanagement von TUI darauf legt. „Es muss bei einem Experten liegen“, so seine Meinung. Burkhardt Langen zieht einen Versicherungsmakler hinzu, der ihm noch weitere Kosteneinsparungen aufzeigen konnte.

Zur Optimierung der Leasingrate ist Hans- Joachim Schwandt der Auffassung, dass dies nur durch eine Ausschreibung zu erreichen ist. Eine Ausschreibung nutzt er auch, um zukünftig die Lücke im Bereich Controllingkosten zu minimieren und auf vollelektronische Einspielungen von der Leasinggesellschaft zurückgreifen zu können. Auch sind Businesspakete zur Verbesserung der Rate beliebt, weil sie einen beachtlichen Preisvorteil bieten. „Wenn das Paket in der Preisliste steht, sind meist die Einzelpreise der Komponenten aufgeführt, ein wichtiger Aspekt für die Berechnung des geldwerten Vorteils“, gibt der TUI-Manager zu bedenken.

Das ewige Managementthema Reifen bekommt neue Energie durch die Novellierung der StVO – meint man. Doch die anwesenden Fuhrparkleiter lassen seit je her wechseln. Doch wie sicher können sie sein, dass die Fahrer auch wirklich wechseln? Mit fixen Terminen im Oktober und im April, an denen er sich von den Fahrern den Wechsel quittieren lässt, sichert sich Christian Scholz ab. Bernd Wickel regelt die Wechselverpflichtung im Überlassungsvertrag, bei Burkhard Langen stehen die Fahrer durch die Verkehrssicherheitsverantwortung in der Pflicht. „Die Fahrer werden per Massenmail über den saisonalbedingten Reifenwechsel informiert“, beschreibt Dieter Prohaska den halbjährlichen Reifenwechsel bei adidas. Zu den Rahmenbedingungen des Reifenmanagements gaben die Beiratsmitglieder folgende Stichworte: Hans-Joachim Schwandt sieht im Reifenportfolio keine No-Name-Räder vor, die Reifen- und Felgengrößen sind vorgeschrieben. Peter Stamm stellt fest, dass durch die stärkeren Motorisierungen die Laufleistungen auf etwa 30-33.000 km gesunken sind (vorher ca. 45.000 km). Wichtige Entscheidungsgrößen stellt für Peter Pfister an erster Stelle der Preis gefolgt von der Laufleistung dar. Unabhängige Tests in Verbraucherzeitschriften bilden allgemein die Maßstäbe.

Fazit: Dies stellt nur einen kleinen Einblick in die stundenlangen Gespräche dar, wichtig waren uns ebenfalls die Zwiegespräche abseits der Tagung. Der Fuhrparkalltag ist abwechslungsreich und in jedem Unternehmen unterschiedlich. Wir haben während der zwei Tage viele Anregungen und Input mitgenommen, die in die zukünftige Heftgestaltung einfließen und somit vielleicht die eine oder andere vorbeugende Maßnahmen gegen die Stolpersteine des Fuhrparkgeschäfts an die Hand geben.